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Markus Lüngen, Guido Büscher: Gesundheitsökonomie

Cover Markus Lüngen, Guido Büscher: Gesundheitsökonomie. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2015. 179 Seiten. ISBN 978-3-17-023357-7. 35,00 EUR.
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Thema

Das Gesundheitswesen hat einerseits eine hohe Bedeutung für Bürger und Patienten, andererseits ist es ein zunehmend bedeutsamer Wirtschaftsfaktor. Dabei führen häufige Reformen und vielfältige Berichterstattung dazu, dass überall und ständig diskutiert wird, in Politik, an Hochschulen oder im privaten Bereich. Es gibt immer mehr Studiengänge, die sich mit dem Gesundheitswesen, Gesundheitspolitik oder der Gesundheitsökonomie befassen. Das besprochen Werk ist eines der neueren Lehrbücher und möchte die Mechanismen des Gesundheitssystems transparent machen und ein Handwerkszeug für das Verständnis des Funktionierens der Gesundheitsversorgung sein.

Autoren

Prof. Dr. M. Lüngen lehrt das Fachgebiet Volkswirtschaftslehre, insbesondere Gesundheitsökonomie, an der Hochschule Osnabrück

Dipl.-Statistiker Guido Büscher war von 2006 bis 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie der Universität zu Köln. Seit 2013 ist er Referent bei einem Verband der Gesetzlichen Krankenkasse in Berlin

Entstehungshintergrund

Das Buch ist in der Reihe Health Care und Krankenhaus-Management, herausgegeben von Clarissa Kurscheid, Julia Oswald und Winfried Zapp, als Teil 1 im Modul Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik (Kohlhammer Verlag) erschienen.

Ziele und Zielgruppe

Zielgruppe des Buches sind nach eigenen Angaben Studierende in allen Studiengängen der Gesundheitswissenschaften, Gesundheitsökonomie und allen Studiengängen, die auf Gesundheitsökonomie aufbauen oder deren Inhalte nutzen. Das Buch ist geschrieben auf dem Niveau von Bachelorstudenten, ist jedoch in den Verweisen und wissenschaftlichen Ausblicken auch geeignet, die Grundlage für Masterstudiengänge zu legen.

Aufbau und Inhalt

In Kapitel 1 geht es um die Finanzierung der Krankenversicherungsleistungen. Die ersten beiden Teilkapitel widmen sich dabei den Grundlagen der gesetzlichen Krankenversicherung mit den Themen Versichertenkreis, Versichertenpflichtgrenze, beitragsfreie Mitversicherung, gesetzlicher Rahmen der Beitragserhebung sowie den Krankenkassen, Gesundheitsfonds sowie dem Risikostrukturausgleich und den Grundlagen der privaten Krankenversicherung (Prinzipien und Mengengerüste in der PKV). Teil 3 wiederum erläutert die Leistungen außerhalb der Krankenversicherung, so z.B. die Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) oder andere Serviceleistungen eines Gesundheitsmarktes. Im vierten Teil werden Kopfpauschalen, Bürgerversicherung und die Grundsicherung ausführlich diskutiert.

Kapitel 2 beschäftigt sich mit der Steuerung von Gesundheitssystemen. Teil 1 sind die Grundlagen dazu, so die Steuerung über Märkte, Staatliche Steuerung, den wichtigen Bereich der Selbstverwaltung als Sonderweg in de Deutschland sowie den Determinanten der Ausgabenentwicklung. Bei der Ausgabensteuerung für ambulante Leistungen werden die Vergütung ambulanter Leistungen, Privatliquidation sowie die Steuerung der flächendeckenden Versorgung dargestellt. Der dritte Teil dieses Kapitels beinhaltet die Ausgabensteuerung für stationäre Leistungen. (Investitionsfinanzierung, Fallpauschalen (DRG)), ambulante Leistungen im Krankenhaus sowie die Krankenhausplanung als Steuerung der flächendeckenden Versorgung. Abschließend zu diesem Kapitel werden neue Formen der Steuerung diskutiert: Managed Care, Disease Management-Programme und Hausarztzentrierte Versorgung.

In Kapitel 3 werden Methoden der Gesundheitsökonomie (Kosten-Effektivitäts-Analysen) dargestellt. Schwerpunktmäßig werden Perspektiven der Evaluation, Kosten, Nutzen, Diskontierung von Kosten und Nutzen abgehandelt. Des weiteren verschiedene Studienformen (Nicht-vergleichende Studien, vergleichende Studien), z,B. Kostenminimierungsanalysen, Kosten-Nutzwert-Analyse, Kosten-Nutzen-Analyse besprochen.

Teil 3 beinhaltet Modellierung mit Entscheidungsbäumen und Markov-Modellen. Schließlich werden unter dem Begriff ‚Unsicherheit‘ im letzten Teilkapitel die Deterministische Sensitivitätsanalyse, die probabilistische Sensitivitätsanalyse sowie Kosten-Effektivitäts-Akzeptanzkurven erörtert.

Diskussion

Lüngen/Büscher stellen mit diesem Lehrbuch ein hervorragendes Werk zur Verfügung. Das Buch ist absolut zielgruppenorientiert geschrieben und eine sehr gute Grundlage für die Lehre an Hochschulen oder auch an anderen Bildungseinrichtungen. Schon allein die ersten zwei Kapitel stellen komprimiert und verständlich diverse grundlegenden Themen dar. Der ganze Bereich der Finanzierung wird ebenso dargestellt wie die Steuerung von Gesundheitssystemen.

An geeigneten Stellen werden Hintergrundinformationen zu den unterschiedlichsten Themen zur Verfügung gestellt, zu fast allen Themen gibt es praxisorientierte Beispiele und (grau schattiert) Hinweiskästen zu besonderen Themen (Parität, Selbstverwaltung, PKV und Risikostrukturausgleich).

Auch die vielen Exkurse (z.B. Vertretung ärztlicher Interessen, Streikrecht für Vertragsärzte, Beihilfe, Kodierung, Kalkulation der Entgelthöhe uv. m.) dienen dem Verständnis des Systems und den grundlegenden Mechanismen. Die meisten der Kapitel enden mit einer ‚Diskussion‘, bei der verschiedene Sachverhalte gegenübergestellt werden und eine hilfreiche Unterstützung zur Entscheidungsfindung sind. Dabei bleibt es dem Leser überlassen, sich eine eigene Meinung zu bilden, Pro und Contra-Argumente werden aufgelistet, übersichtlich und häufig auch in Spiegelstrichen. Grafiken und Tabellen ergänzen an notwendigen Stellen, sind übersichtlich und verständlich.

Gleichzeitig lässt das Lehrbuch auch an geeigneten Stellen eine zwingend notwendige Positionierung nicht vermissen; so z.B. zum Vergleich der Effizienz von PKV und GKV mit den unterschiedlichen Risiken oder der Kritik an dem parallelen Bestehen von PKV und GKV mit der Präferierung eines Solidarsystems. Damit hebt es sich auch deutlich ab von vielen ökonomischen Theorien und Sichtweisen von Ökonomen, die ein mehr marktorientiertes System befürworten.

Fazit

Das Buch erfüllt in jeglicher Hinsicht die notwendigen Ansprüche eines Lehrbuches. Es stellt eine hervorragende Einführung in die Gesundheitsökonomie für Bachelorstudiengänge dar und geht in vielen Bereichen sogar darüber hinaus. Es umfasst die zentralen Themen, die für das angesprochene Klientel von Bedeutung ist. Es verzichtet dabei auf viele Formalitäten, zeilenweise Ableitung oder komplizierten grafische Herleitungen, die manch anderen gesundheitsökonomischen Büchern anheim ist. Gleichfalls lässt es dabei kein wichtiges Thema aus.

Die Lektüre sorgt dafür, dass man grundlegende Kenntnisse der ökonomischen Zusammenhänge im Gesundheitswesen erhält. Als Lehrbuch perfekt geeignet, zielgruppengerecht, für Studierenden und Lehrende gleichermaßen ein hervorragendes Werkzeug: Fazit: sehr empfehlenswert.


Rezensent
Diplomökonom Univ. Uwe Huchler
Analyse und Beratung in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft, Lehrbeauftragter für Volkswirtschaftslehre, Informations- und Wissensmanagement, Informationstechnologie im Gesundheitswesen sowie Sozialinformatik an verschiedenen Hochschulen in Süddeutschland, seit 15 Jahren im Rahmen der Selbstverwaltung in der GKV aktiv (Hamburg Münchener Krankenkasse, DAK Gesundheit), Chefredakteur von www.social-software.de und www.Werkstaetten-im-Netz.de .
Homepage www.uwehuchler.de
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Zitiervorschlag
Uwe Huchler. Rezension vom 12.04.2016 zu: Markus Lüngen, Guido Büscher: Gesundheitsökonomie. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2015. ISBN 978-3-17-023357-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20315.php, Datum des Zugriffs 23.09.2017.


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