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Bea Engelmann: Therapie-Tools Positive Psychologie

Cover Bea Engelmann: Therapie-Tools Positive Psychologie. Achtsamkeit, Glück und Mut. Mit E-Book inside. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. 282 Seiten. ISBN 978-3-621-28321-2. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 51,90 sFr.
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Thema

In diesem Band der Therapie-Tools-Reihe des Beltz-Verlages stellt Autorin Bea Engelmann zahlreiche Übungen zur Positiven Psychologie vor. Orientiert an den Stichworten Achtsamkeit, Glück und Mut werden 200 Übungen präsentiert. Handlungsleitend ist dabei für die Autorin, dass: „die Positive Psychologie uns darin unterstützen kann, zunächst gezielt Positives in unser eigenes Leben zu bringen, was sich dann positiv auf unsere Beziehungen und unsere Rolle in der Gemeinschaft auswirken wird.“ (17)

Autorin

Die Autorin ist Betriebswirtin und Diplom-Psychologin, Fachautorin und Coach bzw. Trainerin mit den Schwerpunkten Führung, Kommunikation, Persönlichkeitsentwicklung, Resilienz, Glück, und Wertschätzung.

Aufbau und Inhalt

Engelmann unternimmt zunächst einen kurzen inhaltlichen Einstieg in die Positive Psychologie und führt dann in die Triade Achtsamkeit, Glück und Mut ein, denen sich auch die drei großen inhaltlichen Kapitel widmen.

In ihrer Einführung bezieht sich Engelmann vor allem auf den Begründer der Positiven Psychologie Martin Seligman und weist auf den durch ihn eingeleitete Paradigmenwechsel hin: von einer Psychologie, die sich fast ausschließlich auf die Entstehung und Behandlung psychischer Störungen konzentrierte, hin zu einer Psychologie, deren Fokus sich darauf richtet, das Positive und Gute im Leben der Menschen zu mehren (17). Sie beschreibt – bezugnehmend auf Aristoteles - das gute Leben als Ziel des Lebens selbst. Dabei sind drei Aspekte handlungsleitend:

  • das Gute – und damit die positiven Gefühle – im Leben des Menschen zu vermehren,
  • die menschlichen Stärken und Ressourcen nutzbar zu machen und
  • somit?bessere Lebensbedingungen zu schaffen.

Vor diesem Hintergrund gilt es drei Bereiche in den Blick zu nehmen, nämlich das Denken, Fühlen und Handeln, die gemeinsam die Grundlage bilden, um Aufwärtsspiralen in Gang setzen zu können. Ziel des Ganzen ist, Menschen dabei zu unterstützen: „zunächst gezielt Positives in unser eigenes Leben zu bringen, was sich dann positiv auf unsere Beziehungen und unsere Rolle in der Gemeinschaft auswirken wird.“ (19)

Die im Buch vorgestellten Übungen lassen sich drei Feldern zuordnen, den bereits genannten Aspekten: Achtsamkeit, Glück und Mut.

Nach Engelmanns Auffassung ist als konstitutiv für Achtsamkeit zu verstehen: „innere und äußere Vorgänge mit entspannter Aufmerksamkeit zu betrachten und ihnen vollkommen wertfrei gegenüberzustehen. Dazu gehört auch, alle Vorgänge, Handlungen wie Gedanken, zu akzeptieren als das, was sie sind. Wer seine Aufmerksamkeit bewusst auf das lenkt, was im Hier und Jetzt ist, und lernt, das zu akzeptieren, dem wird es leichtfallen, mit seinem Leben zurechtzukommen, so wie es eben ist.“ (11). Engelmann orientiert sich in ihren Ausführungen an der Definition von Michael Huppertz: „Achtsamkeit als »eine bewusste, nicht-bewertende Haltung zum gegenwärtigen Geschehen“ (15). Ziel der intensiven Beschäftigung mit der wäre dabei: „dass wir uns unseres Körpers, unserer Gedanken, unserer Gefühle, unseres Handelns und unserer Beziehungen zu anderen Menschen sowie der Dinge um uns herum bewusst werden und diese mit all unseren Sinnen erfassen.“ (16). Dazu werden im dritten Kapitel der Tool-Sammlung 40 Arbeitsblätter zur Verfügung gestellt.

Ein weiterer Fokus richtet sich mit 83 Arbeitsblättern auf das Glück, das im Buch nicht näher definiert wird, sondern lediglich durch eine fernöstliche Weisheit illustriert. Engelmann selbst versteht Glück als „eine besondere Form von Selbst-Bewusstsein. Wenn wir uns selbst mitsamt unseren Gedanken, Wünschen, Träumen, Sehnsüchten, Hoffnungen und Zielen kennen und uns bewusst sind, wer wir wirklich sind, dann ist das eine solide Basis für nachhaltiges Glücksempfinden.“ (77)? In Anlehung an Lyubomirsky wird betont: „Je glücklicher wir uns fühlen, desto besser ist unser Selbstwertgefühl, desto glücklicher empfinden wir unsere Beziehungen, desto mehr engagieren wir uns im Beruf und desto mehr sind wir mit uns selbst zufrieden. Darüber hinaus hat Glücklichsein eine positive Wirkung auf unser Immunsystem und unsere Gesundheit – sowohl körperlich als auch seelisch. Zudem strahlen glückliche Menschen Glück aus und ernten auf diese Weise auch mehr Zuneigung, Liebe und Lebensfreude.“ ( 78)

Dritter Bereich des Dreiklangs ist der Mut, der nach Engelmanns Auffassung deshalb ein wichtiger Aspekt der Positiven Psychologie ist: „weil er durch eine Erweiterung der persönlichen Möglichkeiten und Sichtweisen durchaus zu einem optimistischeren Blick auf sich selbst und damit auch im Umgang mit sich selbst führen kann.“ (12). Engelmann hat dazu ein Sieben-Stufen-Modell entwickelt (181).

Zum Thema Mut werden im fünften Kapitel 77 insgesamt Arbeitsblätter zur Verfügung gestellt.

Die drei Kapitel enthalten jeweils wiederkehrende Elemente:

Gedankenblumen, die Klient*innen dazu einladen sollen, darüber nachzudenken, was er/sie unter bestimmten Begriffen versteht, um so eigene Denkmuster zu erkennen bzw. reflektieren: „ Sie dienen der konkreten Auseinandersetzung mit den Gedanken und Assoziationen, die wir in Verbindung mit bestimmten Begriffen haben.“ (13).

Ein Blick hinter die eigenen Kulissen soll im Anschluß an diese Selbstreflexion „eine weitergehende Beschäftigung damit ermöglichen und dient neben einer Differenzierung auch der tiefergehenden Selbstreflexion.“ (13).

Impulse, die der/die Klient*in ergänzen soll, und dem dazugehörigen dreimaligen Nachfragen wird er/sie dazu „inspiriert, positive Gedanken weiterzudenken und somit positive gedankliche Aufwärtsspiralen in Gang zu setzen.“ (13).

Sechs unterschiedliche Icons, sollen den Therapeut*innen und Berater*innen die Arbeit mit dem Buch erleichtern:

  • Ein Stift-Icon fordert dazu auf, Antworten und Überlegungen auf einem Arbeitsblatt zu notieren.
  • Der Icon Erhobener Zeigefinger: Hier werden Handlungsanweisungen für Therapeut*innen oder Klient*innen formuliert.
  • Kopf-Icon: Hier werden Anregungen zum Weiterdenken oder für einen Perspektivwechsel gegeben. Solche Textpassagen enthalten ggf. Varianten oder Fortführungen der jeweiligen Übung oder weisen auf Hintergrundinformationen hin.
  • Der Ohr-Icon kennzeichnet Übungen, die der/die Therapeut*innen den Klient*innen vorliest, der/die mit geschlossenen Augen zuhört.
  • Der Glühbirnen-Icon steht für besondere Tipps, den der/die Klient*in in Ergänzung an das zuvor bearbeitete Arbeitsblatt erhält.
  • Geschenk-Icon: Mit diesem Icon wird der/die Klient*in „explizit dazu aufgefordert, sich selbst Wertschätzung für seine Selbstreflexion zu schenken.“ (14)

Die Übungen sind einzelnen ein- oder mehrseitigen Arbeitsblättern zugeordnet. Meistens sind diese als Checklisten, als Trifft-Zu-oder-Trifft-Nicht-Zu-Formulare oder als Ergänzungstextblätter gestaltet. Es gibt aber auch Wahrnehmungsübungen, z. B. AB 14: „Das Schmecken trainieren und genießen“, ebenso wie auch Visualisierungsübungen AB 184 „Die Sache mit der Ritterburg“ oder AB 185 „Ein bisschen wie Pippi Langstrumpf sein …“. Andere Arbeitsblätter bieten weiterführende Informationen zu spezifischen thematischen Aspekten an, etwa zu den Basisemotionen (AB 44) oder stellen Fantasiereisen zur Verfügung.

Diskussion und Fazit

Im Klappentext wird als Anspruch in Bezug auf die Sammlung der Übungen formuliert: „Übungen mit denen Psychotherapeuten, Berater und Coachs ihre Klienten und auch sich selbst dabei unterstützen können, aus dem Schatten ihrer Probleme zu treten und die Sonnenseiten des Lebens wahrzunehmen. So wird auf verschiedene Art und Weise deutlich, dass man Glück durchaus lernen kann, sich besser fühlt, wenn man achtsam handelt, und davon profitiert, sich selbst hin und wieder vor eine Mutprobe zu stellen.“

Engelmanns Buch ist in diesem Sinne als Praxishandbuch, als „Werkzeugkasten“ konzipiert. Diesen Anspruch erfüllt es, insbesondere insofern als das fast vollständig auf die Beschreibung und Diskussion theoretischer bzw. wissenschaftlicher Kontexte verzichtet wird. Insofern ist es möglicherweise gut für Therapeut*innen oder Berater*innen geeignet, die entweder bereits über entsprechendes Hintergrundwissen verfügen oder daran weniger interessiert sind. Etwas fraglich erscheint allerdings, ob nicht gerade erfahrene Therapeut*innen oder Berater*innen viele der im Buch vorgestellten Übungen bereits kennen. Insofern ist das Buch vielleicht letztlich sogar für Endverbraucher*innen noch besser geeignet. Gerade die große Anzahl an Fragebögen, Checklisten, Multiple-Choice-Formulare, die „Gedankenblumen“ scheinen gut für die selbstgesteuerte Selbstreflexion vorstellbar.


Rezensentin
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 30.03.2016 zu: Bea Engelmann: Therapie-Tools Positive Psychologie. Achtsamkeit, Glück und Mut. Mit E-Book inside. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. ISBN 978-3-621-28321-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20328.php, Datum des Zugriffs 11.12.2019.


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