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Jutta Kaltenegger: Lebensqualität in stationären Pflegeeinrichtungen fördern

Cover Jutta Kaltenegger: Lebensqualität in stationären Pflegeeinrichtungen fördern. Konzepte und Methoden für die Praxis. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2016. 180 Seiten. ISBN 978-3-17-021430-9. 24,00 EUR, CH: 36,50 sFr.
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Thema

Beim besprochenen Buch handelt es sich um ein Handbuch für mehr Autonomie und Selbständigkeit von Bewohnern in Pflegeeinrichtungen, welches Theorie und Praxis verbindet.

Die Bestrebungen in den stationären Pflegeinrichtungen, den Bewohnern größtmögliche Autonomie unter Berücksichtigung finanzieller oder institutioneller Grenzen zu ermöglichen, gleichen einem Spagat, der die Leitungs- und Pflegekräfte oftmals überfordert. Aus diesem Anlass entstand das vorliegende Buch und dient als Hilfe zur Bewältigung dieser Aufgaben.

Autorin

Die Autorin ist Diplom-Pflegewirtin und arbeitet mittlerweile als Beraterin von Pflegeeinrichtungen nach ihrer langjährigen Tätigkeit in der stationären Altenpflege.

Das Buch entstand aus der Diplomarbeit, welche sie mit ihrer Kommilitonin Gitta Grupp verfasst hat.

Aufbau und Inhalte

Aufgeteilt ist das Buch in sechs große Kapitel – natürlich aufgeteilt in einzelne Unterkapitel – die aufeinander aufbauen. Es folgt ein Stichwortverzeichnis und ein kleiner Anhang.

1. Einleitung. In diesem Anfangskapitel werden die Rahmenbedingungen der Pflege dargestellt und kritisch beleuchtet. Deutlich wird dabei, dass die momentane Vergütungsstruktur die Entwicklung der funktionalen Pflege zu einer kompetenten und professionellen personenbezogenen Pflege behindert. Das Beispiel aus der Autoindustrie im Fazit des Kapitels zeigt die schlechten Rahmenbedingungen anschaulich auf.

2. Der Begriff Lebensqualität. Das kurze zweite Kapitel gibt einen kleinen Überblick über die historische Entstehung des Begriffes der Lebensqualität und kann eben in dieser Kürze auch nur Schlaglichter auf die Entwicklung werfen.

3. Das Glück und seine Teile – Woraus besteht Lebensqualität? In diesem Kapitel geht es nun an die Forschungstheorie: es werden verschiedene Herangehensweisen an den Begriff und die Definition von Lebensqualität vorgestellt, die die unterschiedlichen Strömungen beleuchten. Je nach Herkunft und Ansatz orientiert sich der Begriff entweder an objektiven Lebensbedingungen oder an die Sicht der betroffenen Personen. Da laut Aussage der Autorin im Gesundheitswesen beide Herangehensweisen bedeutsam sind, werden in diesem Kapitel auch integrative Ansätze aus der Gerontologie (z.B. Kompetenzmodelle) zur Ergänzung beschrieben.

4. Lebensqualität und Demenz. Da in den stationären Pflegeeinrichtungen die Anzahl der dementen Bewohner stetig zunimmt, widmet sich dieses Kapitel explizit dem Zusammenspiel von Lebensqualität und Demenz. Besonders interessant und sicher auch hilfreich ist an dieser Stelle auch die Darstellung des Heidelberger Instruments zur Erfassung der Lebensqualität demenzkranker Menschen H.I.L.D.E. Die aus diesem Projekt entstandenen Fragebögen können gut in den Einrichtungen genutzt werden. Hier kommt nun auch schon der Praxisansatz zur Geltung.

5. Lebensqualität in stationären Einrichtungen. Das gesamte Buch ist, wie oben erwähnt, aus einer Diplomarbeit entstanden, die in diesem Kapitel zur Geltung kommt. Zunächst werden die sechs Dimensionen der Lebensqualität (Wohnen, Gesundheit und Selbständigkeit, Autonomie, Kontrolle, Aktivität, Soziale Einbindung) vorgestellt und erläutert. Sie bilden die wissenschaftliche Basis für die Interviews mit den Bewohnern, um die subjektive Wahrnehmung mit objektiver Erkenntnis zu stützen. In der abschließenden Beurteilung wird deutlich, dass Lebensqualität und subjektives Wohlbefinden sehr komplex sind und die objektiven Bedingungen einen großen Einfluss darauf haben. Hier allerdings tun sich Grenzen auf.

6. Die Lebensqualität verbessern. Zu guter Letzt folgt ein Kapitel, in dem es um die Umsetzung in die Praxis geht. Hier werden den Leitungskräften und den Praktikern Instrumente an die Hand gegeben, die zur Ermittlung und Förderung der Lebensqualität dienen. Sehr praktisch sind dabei auch die Leitfragen, die zu bestimmten Themengebieten (z.B. Kontrolle, soziale Einbindung, Aktivität) zusammengefasst sind und einen guten Überblick über die Richtung geben, die eingeschlagen werden kann.

Der später folgende Anhang zeigt Beispiele des Strukturerhebungsbogens L.I.S.A.

Diskussion

Die Intention der Autorin, die Lebensqualität in der Altenpflege zu erhöhen, ist im vorliegenden Buch deutlich zu erkennen. Wissenschaftlich fundiert und sprachlich gut aufgearbeitet bietet es Hilfestellungen für die Praxis an. Auch die Theoretiker in der Altenpflege kommen nicht zu kurz.

Besonders gut gefallen mir auch der kritische Ansatz der Autorin und die realistische Betrachtungsweise der aktuellen Situation in der stationären Altenpflege, die leider häufig den guten Ansätzen zur Förderung der Lebensqualität im Wege steht. Trotz alledem ist die Betrachtungsweise der Autorin positiv und nimmt die Leser genau so mit auf die Reise.

Fazit

Das vorliegende Buch zeichnet sich durch zwei wesentliche Aspekte aus: zum einen bietet es einen umfassenden Überblick über die theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Lebensqualität und beleuchtet diesen sowohl entwicklungsgeschichtlich als auch aus Forschungssicht, zum anderen enthält es einen großen Praxisteil, der die Umsetzung leichter ermöglichen kann.

Eine gute Kombination aus Theorie und Praxis zu einem Thema, welches oft genug vernachlässigt wird, aber definitiv wichtig ist: die Lebensqualität.


Rezensentin
Claudia Schwill
QualitätsBeratungSchwill
Homepage www.qb-s.de
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Zitiervorschlag
Claudia Schwill. Rezension vom 06.06.2016 zu: Jutta Kaltenegger: Lebensqualität in stationären Pflegeeinrichtungen fördern. Konzepte und Methoden für die Praxis. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2016. ISBN 978-3-17-021430-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20338.php, Datum des Zugriffs 21.11.2019.


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