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Hartmut Rosa: Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung

Cover Hartmut Rosa: Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung. Suhrkamp Verlag (Berlin) 2016. 500 Seiten. ISBN 978-3-518-58626-6. D: 32,95 EUR, A: 33,90 EUR, CH: 44,90 sFr.
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Thema

„Resonanz“ – vielleicht hat Hartmut Rosa sein eigener Nachname zum Titel und Thema inspiriert: Sind doch der erste und dritte Buchstabe identisch und der vierte Buchstabe in „Resonanz“ wandert bei „Rosa“ an die zweite Stelle. Bleibt die geringfügige Differenz zwischen „a“ und „e“, die, da es sich um die beiden ersten Vokale des Alphabets handelt, eher gering ist. Dieses Bonmot führt sanft zum Thema: Resonanz meint eine Art tiefer Verbundenheit, ein wechselseitiges Sicheinschwingen von Entitäten, die man prima facie als getrennt und unverbunden auffasst.

Der Untertitel des Buchses lautet: „Eine Soziologie der Weltbeziehung“. Seit Beginn der Neuzeit trennt ein Hiatus Mensch und Welt. Descartes als Vater der neuzeitlichen Philosophie setzt die Welt totaliter außer Kraft, um sie dann auf eine – für uns heute – eher abwegige Weise wieder in Kraft zu setzen. Gott könne uns – so Descartes – nicht betrügen und deshalb kann unsere naive Weltintention auch nicht falsch sein. Auch weitere neuzeitliche Philosophen arbeiten an diesem Problem. Leibniz geht von der prästabilierten Harmonie aus, die besagt, dass ich als Monade die Welt bereits in mir habe, ohne je empirisch eine Beziehung zur Außenwelt gehabt zu haben. Auch Kant, Fichte, Schelling und Hegel sind gebannt von diesem Problem, dass zwischen Mensch und Welt ein tiefer Riss klafft. Nur mittels gipfelstürmerischer Spekulation gelingt es die Kluft zu überwinden, die bekanntlich im Idealismus zur vollkommenen Subjektivierung alles Äußeren führte.

Als Soziologe grenzt Rosa sich von der Philosophie ab und greift das Thema der Entfremdung in Erscheinungsformen des konkreten menschlichen Lebens auf. Dabei geht es ihm zentral auch um die gesellschaftlichen Bedingungsfaktoren, die die Entfremdung hervorbringen. Letztere wäre dann nicht wie in vielen philosophischen Systemen eine zur conditio humana gehörige essentielle Bestimmung menschlichen Seins, sondern eine historisch entstandene und damit auch überwindbare Deformation menschlicher Existenz.

Gerade in der Kritischen Theorie sieht Rosa den Ansatzpunkt die letztendliche historische Gestalt unseres Menschseins im Lichte einer bewährten Theorie zu reflektieren. Dabei bleibt es allerdings nicht bei einer bloß begrifflichen Reflexion. Rosa möchte die Interdependenzen, die unsere Weltbeziehungen hervorbringen und stabilisieren, auch empirisch erfassen.

Autor

Harmut Rosa ist Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie Direktor des Max-Weber-Kollegs in Erfurt. In seinem bisherigen Werk hat er sich vorrangig mit den Themen „Entfremdung“ und „Beschleunigung“ befasst.

Entstehungshintergrund

Die bisher Rosas Denken dominierenden Themen sind problemorientiert. „Beschleunigung“ und „Entfremdung“ sind Begriffe, die in sehr allgemeiner Weise zahlreiche Phänomene der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten zweihundert Jahre erklären können. Auch zahlreiche Gesellschaftstheorien lassen sich in Bezug auf den Begriff „Beschleunigung“ rekonstruieren.

Auf der Rückseite des Covers von Rosas neuem Buch findet sich der programmatische Satz: „Resonanz bleibt das Versprechen der Moderne, Entfremdung aber ist ihre Realität.“ Damit ist die Lösungsperspektive unserer gesellschaftlichen Grundproblematik angedeutet: Resonanz als Heilung einer ursprünglich immer schon Heilung intendierenden Neuzeit und Moderne. Der Analyse des bisherigen Misslingens folgt nun der Heilungsvorschlag. Hierzu muss Rosa nicht beim Nullpunkt beginnen. Gerade viele Philosophen des 20 Jh. (z.B. Heidegger) haben schon den Boden bereitet und den Hiatus der Trennung von Mensch und Welt – zumindest ideell – durchstoßen. Nun gilt es diese Intentionen gegenwartsbezogen auszubuchstabieren und unser „In-der-Welt-Sein“ im vielfältigen Raum aktueller Erfahrungen zu analysieren und positiv weiterzuentwickeln.

Aufbau

Das Buch beginnt mit einer Einleitung. Hieran schließen sich vier Teile an. Am Ende erfolgt eine Verteidigung der Resonanztheorie, die Rosa anstelle eines Schlusswortes setzt.

Die vier Teile befassen sich mit

  1. Grundelementen menschlicher Weltbeziehung,
  2. Resonanzsphären und Resonanzachsen,
  3. der Moderne als Zeit des Weltverstummens und
  4. einer kritischen Theorie der Weltbeziehung.

Die einzelnen Teile sind jeweils in mehrere Oberkapitel sowie diese wiederum in Unterkapitel gegliedert.

Der Gliederung liegt implizit folgende Logik zugrunde:

  • Rosa beginnt in starker Orientierung an philosophische und psychologische Theorien die Grundlagen der Weltbeziehung phänomenal zu entfalten (1).
  • Anschließend arbeitet er die Achsen der Weltbeziehung heraus, wobei er zwischen horizontalen, diagonalen und vertikalen Achsen unterscheidet (2).
  • Hierauf folgt eine Analyse der Moderne als Zeitalter des Verstummens der Welt (3).
  • Das letzte Kapitel ist den Bedingungen der Krise gewidmet (4).

Inhalt

Das Buch ist insgesamt zu umfangreich und zu komplex (765 Seiten ohne Literaturangaben) und die Gliederung zu filigran, um alle Verzweigungen im Einzelnen zu benennen. Von daher sollen in Rückgriff auf den eben dargelegten Aufbau einzelne Punkte herausgegriffen werden, um den Inhalt anschaulich werden zu lassen.

Im Teil 1, den Grundelementen der Weltbeziehung, beginnt Rosa mit einem Unterkapitel über das „In-die-Welt-Gestelltsein“. Der Mensch ist kein cartesisches cogito, sondern weltbezogen. Welt ist in ihm gegenwärtig und er greift in die Welt hinein. Der Dualismus von Subjekt und Objekt ist grundfalsch (proton pseudos). Er isoliert den Menschen, koppelt ihn von der Welt ab und lässt ihn emotional verkümmern. Es folgen Unterkapitel über Atmen, Essen und Trinken, Stimme, Blick und Antlitz, Gehen, Stehen und Schlafen sowie Lachen, Weinen und Liebe. Diese Unterkapitel zeigen phänomenologisch auf, was „In-die-Welt-Gestelltsein“ konkret bedeutet. Das Atmen verbindet uns zutiefst mit der Welt. Das Andere, das Außen, dringt in uns ein, wird unser Eigenes und verlässt uns wieder. Auch beim Essen und Trinken verhält es sich ähnlich. Das Lachen sieht Rosa als reflektorischen Kommentar zu unserem „In-Resonanz-Sein“. Hier widerspricht er Helmuth Plessner, der das Lachen im Kontext der exzentrischen Positionalität als Kommentar zu sinnwidrigen Situationen ansah. Damit verortet Rosa das Lachen sozusagen auf einer eher bedürfnisbezogenen Ebene, während Plessner das Lachen im Kontext von Sinnwidrigkeit und exzentrischer Positionalität als genuin humane Fähigkeit begreift.

Im ersten Teil werden insbesondere auch die zentralen Analysekategorien Resonanz und Entfremdung entwickelt. Beide stehen in einem konträren Verhältnis und ermöglichen normative Bewertungen in Bezug auf faktische Mensch-Welt-Verhältnisse.

Der Teil 2 präsentiert drei verschieden Resonanzachsen. Dabei kann man zwischen einer personenbezogenen (im weitesten Sinn), einer sachbezogenen und einer (im weitesten Sinne) transzendenzbezogenen Achse unterscheiden. In diese drei Grundkategorien lassen sich konkrete Beziehungsfelder eintragen: a) Familie, Freundschaft, Politik; b) Objekte, Arbeit, Schule, Sport; c) Religion, Natur, Kunst und Geschichte.

  1. Neben Familie und Freundschaft zählt Rosa auch die Politik zur personenbezogenen (vertikalen) Achse. Moderne Menschen erwarten Sinn in Bezug auf Politik. Politik soll kein autoritärer Apparat sein, sondern den Menschen antworten. Dabei lassen sich verschiedene Stimmqualitäten unterscheiden. Die Stimme kann sich als Wahlakt artikulieren, aber auch als deliberative Beratung. Musik ist eine neue Stimmqualität. Das Protestlied beispielsweise findet Resonanz, wenn es Antwort erhält. Eine Stimme im negativen Sinn ist dagegen das Schreien der Wutbürger und das versteinerte Lachen der Politiker. Hier hat man sich nichts mehr zu sagen und mit der Resonanz ist es zum Ende gekommen. Rosa fordert im Kontext dieser Diagnose das Primat der Politik z.B. über die Wirtschaft, so dass Resonanz möglich und Entfremdung nicht das letzte Wort bleibt.
  2. Auf der sachbezogenen Ebene sucht Rosa zuerst einmal über die Dichtung Anschluss an eine Möglichkeit, die Dinge zum Singen und Klingen zu bringen. Die Dichtung stellt Wirklichkeit in ein neues Licht, das sie einer rein sachbezogenen, kalten und subjektfremden Perspektive entreißt. Zahlreiche Beispiele werden präsentiert, um das „zum Klingen bringen“ von Wirklichkeit zu demonstrieren. Weitere Resonanzachsen auf dieser Ebene sind die Arbeit, die Schule, Sport und Konsum. Möglich sind hier jeweils Resonanz, aber auch Entfremdung. In Bezug auf Arbeit ist von Marx her der Topos gut bekannt. Arbeit kann als vermittelte Selbstgestaltung begriffen werden, ist jedoch aufgrund der gesellschaftlichen Bedingungen häufig deformiert. Letzteres führt zur Enteignung der Arbeit, die dann nicht mehr Mittel von Selbstgestaltung, sondern die drückende Last einer Fremdbestimmung ist. Auch die Schule entpuppt sich häufig als Entfremdungsphänomen und lässt am Ende nur noch das „We don´t need no education“ zu. Auch Sport und Konsum können uns die Welt als Resonanzboden eröffnen, aber eben auch verschließen wie die Konsumsucht oder instrumentalisierte Sportausübung zeigen.
  3. Als vertikale Resonanzachsen führt Rosa die Religion, die Natur, die Kunst und die Geschichte an. Gemeinsam ist diesen Achsen, dass sie gleichsam aus der Höhe sprechen und das Subjekt in vermeintlichen Gebrauch nehmen. Rosa hebt die Vermeintlichkeit hervor, indem er z.B. in Bezug auf die Religion ausdrücklich darauf verweist, dass Gott „…im Grunde die Vorstellung einer antwortenden Welt ist“ (S. 435). Hier knüpft er an Schleiermacher an und grenzt sich ab gegen ein Religionsverständnis aus Metaphysik und Moral. Letztere produzieren nur stumme Weltbeziehungen sowie leere Formeln, Gesetze und Gebote. Ähnlich wie Schleiermacher lässt sich auch Buber als Kronzeuge einer Vorstellung der Resonanz, die Ich und Du übergreift, anführen. Auch die Natur wird als Resonanzraum begriffen. Dies setzt natürlich voraus, dass szientistische Verständnisse verabschiedet werden. Der Bezug zur Dichtung ist hier augenfällig. Aber auch naturphilosophische Konzepte, die Natur als lebende Natur begreifen, sind einschlägig, um den Resonanzgedanken geistesgeschichtlich zu stützen. Auch die Kunst ist nicht reines Produkt eines Subjekts. Bereits Platon sieht im Dialog „Ion“ den Dichter nicht darin, dass er sein Können entfaltet, sondern darin, dass er das göttliche Wort weitergibt. Ähnlich begreift Kant den Künstler nicht als Macher, sondern als einen durch den hindurch die Natur wirkt. Das Genie produziert nicht qua subjektivem Wille, sondern ist die subjektivierte Stimme der Natur. Der Mensch also auch als Werkzeug eines allumfassenden Schaffensprozesses. Das Schöne ist für Kant nicht auf den Begriff zu bringen. Es ist ein Wohlgefallen an einem Spiel, das zwischen Einbildungskraft und Verstand pendelt. Das Schöne provoziert etwas in uns, das wir letztendlich nicht im Griff haben, dass sich der Herrschaftsgewalt unserer Subjektivität entzieht. Auch die Geschichte kann uns ergreifen. Die Geschichtsphilosophie hat diesen Topos besonders deutlich gemacht. Marxisten sahen sich als Ausführungsorgane einer welthistorischen Mission, also eingehüllt in einen Mantel der Geschichte. Auch in der Hermeneutik findet sich dieser Topos. Nie starten wir vom Nullpunkt, immer ist da ein Vorverständnis, das sich aus unserer jeweiligen historischen Situiertheit ergibt. Diese beinhaltet auch einen Auftrag. Immer dann wenn Menschen sich vom Gesamtzusammenhang isolieren, also den Pulsschlag der Geschichte nicht mehr vernehmen, kommt es zu Entfremdung.

Im Teil 3 des Buches rekonstruiert Rosa das Verstummen der Welt in einer Theorie der Moderne. Dabei beginnt er, indem er Werke aus der Literatur und der Philosophie Revue passieren lässt und jeweils verdeutlicht, inwieweit der Bruch zur Welt ihr Hauptthema bildet. Der hier konstatiere Bruch ist jedoch nur die eine Seite; auf der anderen Seite beinhaltet die Moderne das Versprechen einer umfassenden Weltbeherrschung. Letztere müsste auch das Glück des Subjekts garantieren. Fakt scheint aber zu sein, dass die Beherrschung des Anderen letztendlich nicht das Glück hervorbringt, sondern genau das Gegenteil – das, was Gelassenheit oder Loslassen verhindert. Hier liegen die Potenziale der Resonanz, die durch umfassende Planung, Kontrolle und Herrschaft nicht herstellbar sind. So bilden die Achsen der Resonanz in ihren positiven Ausprägungen Gegengifte gegen eine umfassende Sinnentleerung der Welt.

Im Teil 4 entwirft Rosa die Grundlagen einer kritischen Theorie der Weltbeziehung. Dabei werden unterschiedliche Aspekte wie kulturelle und sozialstrukturelle Faktoren, institutionelle Faktoren, Wettbewerb und Beschleunigung sowie die Konturen einer Postwachstumsgesellschaft dargelegt.

Abschließend geht Rosa auf mögliche Einwände gegen seine Resonanztheorie ein. Ein wichtiger Punkt ist hier u.a. der Normativismusvorwurf, also der Vorwurf, dass es sich um kein empirisch sozialwissenschaftliches Konzept handelt, sondern ein normatives. Resonanz wäre ein normativer Begriff, der unmotiviert an die Realität als ein „Sollen“ herangetragen wird. Rosa setzt dem entgegen, dass es ein natürliches Bedürfnis nach Resonanz gibt.

Diskussion

Rosa legt mit Resonanz ein Werk vor, das eine sehr große Zahl von Phänomenen und Theorien verschiedenster Provenienz integrieren kann. Das von ihm entwickelte Raster (z.B. die Resonanzachsen) ist logisch nachvollziehbar und ermöglicht eine sinnvolle Ordnung der Phänomene. Allerdings kommt es auch zu Redundanzen. Z.B. wird bei der sachbezogenen Resonanzachse (nach Rosa die diagonale Achse) die Sprache genannt (Die Dinge singen hör ich so gern, S. 381). Bei der vertikalen Resonanzachse (Transzendenzbezug) erscheint erneut die Stimme der Natur sowie die Kraft der Kunst (wobei Kunst ein Zeichen ist, dass den aktivistischen Zeichengebrauch ins Passivische einbettet). Ähnliche Phänomene werden somit öfter mehrmals diskutiert, wobei es immer wieder um die gleiche Grundthematik eines Verlustes der Resonanz geht. Diese Redundanz kann fruchtbar sein, da sie analoge Strukturmuster in zahlreichen Bereichen und Theorien aufdeckt; sie kann allerdings auf die Dauer einer fast achthundertseitigen Lektüre auch ermüdend wirken.

„In-Resonanz-Sein“ ist insgesamt ein immanentes Konzept von Glück. Auch der Bezug zur Transzendenz wird sozialwissenschaftlich als Vorstellung eines Bezugs zu einer antwortenden Welt gesehen (S. 435). Damit wird per se vorausgesetzt, dass die Transzendenz immer nur eine Vorstellung ist. Dies widerspricht offensichtlich Konzepten, die Rosa im Sinne seiner eigenen Argumentation anführt, z.B. dem von Heidegger. Das Sein ist hier – bei Heidegger- ja gerade nicht das gedachte Sein, sondern das Unverfügbare, das mich in die Verantwortung ruft, wobei diese Verantwortung definitiv nicht nur etwas ist, was ich mir als Subjekt ausgedacht habe. Ganz ähnlich argumentierte seinerzeit auch Karl Jaspers, dessen Transzendenz Existenz übersteigt, sodass sich Existenz als durch Transzendenz geschenkt weiß.

„In-Resonanz-Sein“ ist möglicherweise ein Wohlfühlkonzept. Sicher ist es das Recht jedes Menschen, das Sich-Wohl-Fühlen als Höhepunkt seines Lebens anzusehen und den Besuch einer Therme oder den Konsum eines Pornos als In-Resonanz-Sein zu deklarieren. Allerdings verfehlt man durch eine fast umfassende Anwendung des Resonanzkonzepts die Eigenart zahlreicher Theorien, die Rosa in sein Resonanzkonzept integriert. Alle Auffassungen, die das Wohl-Sein nicht als letzen Bezugspunkt ansehen, sondern z.B. die Nähe zu Gott, den Einsatz für eine Sache usw. zielen gar nicht das Wohl-Sein an. Oft führt der Einsatz für eine Sache, wie man z.B. bei den frühen Christen sehen kann, nicht zum Wohl-Sein, sondern zu extremem Unwohlsein (Todesstrafe). Typisch findet sich dies theoretisch ausformuliert bei Kant, der bekanntermaßen srikto sesu zwischen Neigung und Pflicht trennte. Anderen zu helfen kann z.B. zu extremen Einbußen im Wohl-Sein führen. In diesem Zusammenhang hat Kant auch gelehrt, dass wir auf eine ausgleichende Gerechtigkeit – Wohl-Sein als Lohn für Moralität – hoffen können, es jedoch keine Garantie gibt, dass diese tatsächlich eintritt. Bei Rosa gewinnt man den Eindruck, dass alles, was man richtigerweise tut, immer gleich durch das Glück des In-Resonanz-Seins entschädigt wird bzw. dass eine umfassende Übereinstimmung zwischen dem Guten und dem Glück herrscht.

Fazit

Insgesamt ein fast lexikalischer Durchgang durch zahlreiche Phänomene und Theorien der menschlichen Wirklichkeit, wobei alle Analysen und Einordnungen grundsätzlich mit dem Begriff der Resonanz operieren. Das Buch erliegt teilweise den Risiken, die für alle Theorien mit umfassendem Erklärungsanspruch gegeben sind. Zu vieles wird in einen begrifflichen Rahmen eingeordnet, wobei am Ende möglicherweise das Differenzierungsvermögen in Bezug auf die einzelnen Phänomene und Theorien leidet.


Rezensent
Prof. Dr. Anton Schlittmaier
Direktor der Berufsakademie Sachsen – Staatliche Studienakademie Breitenbrunn; Schwerpunkte in der Lehre: Philosophische, anthropologische und ethische Aspekte Sozialer Arbeit; Sozialarbeitswissenschaft
Homepage www.ba-breitenbrunn.de
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Zitiervorschlag
Anton Schlittmaier. Rezension vom 09.06.2016 zu: Hartmut Rosa: Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung. Suhrkamp Verlag (Berlin) 2016. ISBN 978-3-518-58626-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20367.php, Datum des Zugriffs 15.10.2019.


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ISSN 2190-9245

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