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Johann Behrens, Gero Langer: Evidence based Nursing and Caring

Cover Johann Behrens, Gero Langer: Evidence based Nursing and Caring. Methoden und Ethik der Pflegepraxis und Versorgungsforschung. Hogrefe (Bern) 2016. 4., vollst. überarbeitete u. erweiterte Auflage. 432 Seiten. ISBN 978-3-456-85463-2. D: 34,95 EUR, A: 36,00 EUR, CH: 45,50 sFr.
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Thema

Die Publikation „Evidence-based Nursing and Caring“ (EBN), Methoden und Ethik der Pflegepraxis und Versorgungsforschung – Vertrauensbildende Entzauberung der „Wissenschaft“ legt einen spannenden Überblick über die vierte vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage dar. Das EBN-Werk informiert über die Pflegepraxis Evidence-based Nursing and Caring, in der sich pflegerische Entscheidungen auf wissenschaftlich geprüften Erfahrungen Dritter („externe Evidence“) begründet und die individuellen Bedürfnisse und Erfahrungen der Pflegebedürftigen und Pflegenden („interne Evidence“) integriert werden. Sie tut dies aus Respekt vor der Einmaligkeit des Pflegebedürftigen und bindet die Unterstützung, Förderung und Sorge für Menschen, die pflegebedürftig (Caring) sind, mit ein.

In ihrem wissenschaftlich fundierten und erfolgreichen Werk informieren Johann Behrens und Gero Langer, wie Pflegende evidenzbasiertes Wissen generieren, die recherchierten wissenschaftlichen Resultate begutachten und gewinnbringend in der Praxis anwenden. Es werden Wege und Umsetzungsmöglichkeiten dargelegt, sowohl hinsichtlich qualitativer Methoden (hermeneutisch-interpretativ), als auch quantitativer Methoden (statistisch) und verdeutlichen, wie pflegerische Entscheidungen nachgewiesen, begründet und begünstigt werden können. Die Veröffentlichung, welche den Charakter eines Lehrbuches aufweist, ist sowohl für Studierende aus dem Bereich der Pflege und Gesundheit, als auch für jeden Interessierten eine Bereicherung. Die Publikation ist auf anschaulicher, verständlicher und nachprüfbarer Basis verfasst worden.

Autoren

Prof. Dr. phil. Johann Behrens ist Gründungsdirektor des Institutes für Gesundheits- und Pflegewissenschaft und des German Centers for Evidence-based Nursing an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

PD Dr. rer. medic. Gero Langer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Gersundheits- und Pflegewissenschaft, an der Medizinischen Fakultät, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Aufbau

Der Aufbau des Buches gliedert sich in sechs Schritte.

Der Inhalt beginnt mit einer Danksagung und Geleitworten von Prof. Dr. Donna Ciliska, Prof. Juliet Corbin und Dr. Waltraud Tappeiner.

Im Anschluss folgt das Vorwort der beiden Autoren zu der vierten Auflage.

Eine Zusammenfassung zu Beginn eines Kapitels stellt die Thematik umfassend vor. Der Schreibstil ist wissenschaftlich gehalten. Zahlreiche Abbildungen und Tabellen sorgen für ein besseres Verständnis.

Im Anhang liegen ein Literaturverzeichnis, Glossar, Abkürzungsverzeichnis, Tabellenverzeichnis sowie Informationen über die Autoren und abschließend ein Sachwortverzeichnis der Publikation zugrunde.

Inhalt

Die Grundlagen bieten eine Einführung in das Evidence-based Nursing und die Ethik professionellen eingreifenden Handelns. Es wird aufgezeigt wie die alltägliche professionelle Pflege Verantwortung für ihre Wirkungen übernimmt, wie durch die Nachprüfung beständiges Wissen verbessert werden kann, was u. a. der Begriffsklärung Evidenz versus Evidence dient, was unter wissenschaftlich begründet zu verstehen ist und zeigt auf, ob es für die Nachprüfbarkeit einen Unterschied macht, ob mittels hermeneutisch-interpretativen oder quantitativen Untersuchungsergebnissen argumentiert wird. Fortlaufend wird die Bedeutung von EBN für die Begründung der Pflegwissenschaft als Handlungswissenschaft – zehn Jahre Entwicklung von EBN besprochen, indem dargestellt wird, was unter Pflegewissenschaft, als Wissenschaft überhaupt zu verstehen ist.

Der erste Schritt befasst sich mit der Klärung des Auftrags in der Begegnung – Evidence-Informed Decision Making. Hier wird auf den Auftrag der Einrichtung eingegangen, der aus dem Aufbau interner Evidenz besteht. Es wird diskutiert, welche ausreichenden Präferenzen den Patientinnen und Pflegebedürftigen zugrunde liegen, welche Präferenzen und Ziele sich in der Begegnung klären und welche Beziehungen und Gefährdungen zum Aufbau von interner Evidence vorliegen. Am Ende wird das Vorgehen an einem Beispiel besprochen und anhand der Zielklärung der onkologischen Pflege vorgestellt. Hier wird abschließend auf die Verwechslung von Mitteln und Zielen, vier Stufen der Qualität sowie auf die Verwechslung von interner und externer Evidence und die Verwendung von Assessmentinstrumenten eingegangen.

Der zweite Schritt stellt die Problemformulierung in den Mittelpunkt. Dazu rücken Fragen als Geburtshelferinnen interner Evidence und Fragen an die externe Evidence in den Fokus.

Weiterhin werden Themenbereiche erörtert, wie wir zu Fragen kommen, die sich auch beantworten lassen, wie wir verlernten zu fragen, auf subjektive Fragen – objektive Antworten und auf Gütekriterien von Formulierungen. Die Elemente einer Frage am Beispiel Schlucktraining bei Apoplexie beschließen das Kapitel.

Im dritten Schritt setzen sich die Autoren mit der Literaturrecherche auseinander. Hier wird diskutiert, was veröffentlicht wird und woher man Wissen beziehen kann. Daraufhin wird eigens auf Bücher, Zeitschriften, die eigene Sammlung sowie das Internet und seine Dienste verwiesen. Anhand der 6S-Methode wird das Auffinden von bester geeigneter Evidence verstanden. Weiterführend rücken Datenbanken, wie Medline, DIMDI etc. in den Mittelpunkt der Diskussion und was bei der Suche, wie Schlüsselbegriffe, Trunkierung, logische Operatoren und Klammern beachtet werden muss. Abschließend werden die Suchstrategien, wie allgemeine und methodologische Filter, der Ablauf der Suche am Beispiel von Schlucktraining sowie die Bestellung von Artikeln vorgestellt.

Der vierte Schritt legt die kritische Beurteilung von Studien dar. Zu Beginn wird die Verschiedenheit und Eignung von Studiendesigns bspw. unterschiedliche Goldstandards für unterschiedliche Studien, hermeneutisch-interpretative und quantitative „Forschungsdesigns“ – ein Ziel?, vorgestellt. Dem folgend werden hermeneutisch-interpretative Forschungs-designs (u. a. Phänomenologische Grundlagen, strukturale und objektive Hermeneutik, biographische Verfahren und Grounded Theory) beleuchtet, bevor auf quantitative Studiendesigns, wie randomisierte kontrollierte Studie, kontrollierte klinische Studie, Kohortenstudie, Fall-Kontroll-Studie, Querschnittstudie, Vorher-Nachher-Studie, Multivariate Analyse und systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen eingegangen wird. Anhand von Interventionsstudien werden Merkmale von Studien besprochen, wie die Wirksamkeit, Kausalität und Validität, Hypothesentestung, Zufallsfehler und systematischer Fehler, Fehler 1. und 2. Art, häufige Bias-Quellen in klinischen Studien sowie Rando-misierung etc. Das Kapitel diskutiert weiterhin die Komplexität der Studiendesigns anhand von diagnostischen Genauigkeisstudien/Diagnosestudien (Bias-Quellen, Vierfeldertafel etc.), Studien über Ursachen und Nebenwirkungen (Designvergleich etc.), Prognosestudien (Prognostische Faktoren, Follow-up etc.), Studien zu komplexen Interventionen und Wirtschaftlichkeitsstudien (Kostenarten etc.). Abschließend legen die Autoren den Prozess der Entwicklung von Standards und Leitlinien, GRADE, Beurteilung von Leitlinien sowie der Mitwirkung und Erstellung von Leitlinien zugrunde.

Der fünfte Schritt setzt sich mit der Veränderung der Pflegepraxis (Pflegemanagement-modell) auseinander. Dazu werden Wenn-dann-Entscheidungspfade, Adaption der Arbeits-organisation (EBN-Adaption in Pflegeeinrichtungen, Modelle, die auf Leitlinien, Standards, kontinuierliche Weiterbildung und Qualitätsaudits setzen, Gefahren von Leitlinien und Standards) sowie Möglichkeiten der Implementierung (Einzelpersonen, Gruppen etc.), diskutiert. Weiterhin werden Bias und Confounding, Routinedaten für kleinräumige Analysen sowie Erfahrungen aus Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie dargelegt, bevor abschließend die Nutzung von Sekundärdaten in der gesetzlichen Qualitätssicherung sowie ein Vorschlag für eine standardisierte Berichterstattung beleuchtet werden.

Der sechste und letzte Schritt diskutiert die Evaluation von Wirkungsketten – Qualitäts-management und Evidence-based Practice. Es wird ein Spannungsbogen gezogen, beginnend mit den drei Ebenen der Evaluation, die in der ersten Ebene, das Ergebnis diskutieren, wenn es (nicht) wie erwartet zugrunde liegt, in der zweiten Ebene, das Ergebnis ist wie erwartet und entspricht inzwischen nicht mehr den Bedürfnissen sowie in der dritten Ebene, das Ergebnis ist wie erwartet, aber es wäre etwas Besseres möglich gewesen. Das Kapitel beschließt die Evaluation von Struktur,- Prozess,- Prozessergebnis- und Zielerreichungsqualität sowie die Ergebnisse die schon während des Prozess auftreten und nicht erst nach einem Prozess.

Diskussion

Die Veröffentlichung legt einen umfassenden Überblick von Evidence-based Nursing dar. Es wird die Grundlage von EBN aufgezeigt, und sich methodisch und ethisch unter dem Einbezug auf die Pflegepraxis und Versorgungsforschung dem Organisationskontext angenähert. Vertrauensbildende Entzauberung der Wissenschaft legt zugrunde, dass wissenschaftlich Ergebnisse in die Praxis und den pflegerischen Alltag sowie in die Versorgung von Menschen bestens nachvollzogen werden kann und sich daraus Vertrauen für die Art und Vorgehensweise der Pflege entwickelt. Der Lehr- und Handbuchcharakter ist dieser Publikation eindeutig zuzuordnen.

Fazit

Mit der Publikation „Evidence-based Nursing and Caring“ wird die Methodik und Ethik der Pflegepraxis sowie in der Versorgungsforschung – Vertrauensbildende Entzauberung der „Wissenschaft“ umfassend dargestellt. Es ist eine wahre Freude diese Publikation zu lesen, darin zu blättern und durchzugehen.

Der Aufbau und die Vorgehensweise der Kapitel, die exakt aufeinander abgestimmt sind, sowie die verwendeten Begrifflichkeiten sind eindeutig nachvollziehbar. Für die quantitative und qualitative Forschung wurde im Anhang eigens ein Glossar integriert, um Begrifflichkeiten nachschlagen zu können.

Diese Publikation eignet sich für jeden interessierten Leser, der sich fundiert mit der Thematik Evidence-based Nursing and Caring auseinandersetzten möchte. Weiterhin erhält der interessierte Leser Anregungen und Impulse, die er in die praktische tägliche Arbeit aufnehmen kann. Der Preis ist für das Werk mehr als angemessen. Der Leser erhält ein fundiertes und umfassendes und bestens aufeinander abgestimmtes Werk über die Methodik der evidenzbasierten Pflege.


Rezensent
Dr. Christian Heidl
Diplom-Pflegewirt (FH), MSc Dozent und Wissenschaftlicher Mitarbeiter Wilhelm Löhe Hochschule für angewandte Wissenschaften, Forschungsinstitut IDC
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Zitiervorschlag
Christian Heidl. Rezension vom 14.10.2016 zu: Johann Behrens, Gero Langer: Evidence based Nursing and Caring. Methoden und Ethik der Pflegepraxis und Versorgungsforschung. Hogrefe (Bern) 2016. 4., vollst. überarbeitete u. erweiterte Auflage. ISBN 978-3-456-85463-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20375.php, Datum des Zugriffs 26.08.2019.


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