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Keith Ferrazzi, Tahl Raz: Geh nie alleine essen! und andere Geheimnisse rund um Networking und Erfolg

Cover Keith Ferrazzi, Tahl Raz: Geh nie alleine essen! und andere Geheimnisse rund um Networking und Erfolg. Börsenmedien AG Marketing & Sales (Kulmbach) 2009. 2. Auflage. 408 Seiten. ISBN 978-3-938350-21-8. 29,90 EUR.
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Thema

„Geh nie alleine essen! Und andere Geheimnisse rund um Networking und Erfolg“ ist in zweiter Auflage 2009 erschienen. Auch wenn das Thema kein neues ist, werden hier sehr praktische Vorgehensweisen beschrieben und pragmatische Tipps gegeben. Der unkomplizierte ‚american style‘ und die persönliche Note des Autors tragen dazu bei, das Buch aus der Reihe der Ratgeber erfrischend abzuheben. Das muss nicht jedermanns und -fraus Sache sein, bietet aber auf jeden Fall interessante Anregungen.

Autor

Keith Ferrazzi hat in Yale und Harvard studiert, ist ein gefragter Fachmann für Marketing und Networking. Er ist eine Stilikone des American Dream: sein Vater Stahlarbeiter, seine Mutter Putzfrau, arbeitete er sich akribisch nach vorne und wurde vom Weltwirtschaftsforum in Davos zu einem der „Global Leaders for Tomorrow“ gewählt. Er ist Inhaber von Ferrazzigreenlight, ein Unternehmen der Marketingbranche.

Entstehungshintergrund

Das Thema Networking war eine Zeitlang in aller Munde. Viele Ratgeber und Tipps sind hierzu bereits erschienen. So hat z.B. die EU in ihren Förderprojekten immer auch den Netzwerkgedanken an Bord und explizit Projekte gefördert, die diese Kultur des Miteinanders und der Verbreitung nützlicher Networking-Grundsätze verbreiten helfen sollen. Die Verknüpfung mit dem Faktor Erfolg steht bei „Geh nie alleine essen“ im Mittelpunkt. Keith Ferrazzis persönlicher Werdegang und Erfolgsweg liefert die lebendige Hintergrundfolie für alle seine Ausführungen: Sein Erfolg, seine Bekanntheit, die Darlegung von Teilen seiner eigenen „ties“, sind zugleich auch Nachweis seiner Erfolgsstrategien. So ist es in der Tat interessant zu lesen, wie Ferrazzi vorgeht, und wie es ihm ergangen ist, welche Erfahrungen er persönlich gesammelt hat und er hier weitergibt.

Aufbau

Vier Teile bilden die folgenden inhaltlichen Schwerpunkte:

  1. Die geistige Haltung
  2. Fähigkeiten
  3. Machen Sie Verbindungen zu Verbündeten
  4. Hoch spielen und zurückgeben

Jeder dieser Teile führt eine herausragende Person der Zeitgeschichte unter dem Aspekt auf, inwiefern sie als „großer Connector“ Wirkung entfaltet hat. Dabei handelt es sich um die folgenden Persönlichkeiten:

  • Bill Clinton,
  • Katharine Graham,
  • Paul Revere,
  • Dale Carnegie,
  • Veron Jordan,
  • Dalai Lama,
  • Benjamin Franklin,
  • Eleanor Roosevelt.

Analog zum Titel, appellieren auch die Unterkapitel an die Leserschaft, aktiv zu werden: „Werden Sie … Wie lautet Ihre Mission? … Bauen Sie es auf … Machen Sie …,Teile Deine Leidenschaften … “ etc.

Inhalt

1. Die geistige Haltung. Ferrazzi beschreibt seine persönlichen Erfahrungen, die ihn ermunterten, sich über Leistung nach vorne zu bringen. Es entsteht das Bild eines Menschen, der hart arbeitet und den ein großes Durchhaltevermögen auszeichnet. Als Jugendlicher auf dem Golfplatz steht er einflussreichen Personen so gut als Caddie zur Seite, dass sie ihn weiterempfehlen und er durch sein Tun zu deren Erfolg beiträgt. Er lernt dort weiterhin, dass es üblich ist, sich gegenseitig zu unterstützen. Er selbst macht dort dann für sich auch diese Erfahrungen. Weiterhin lernt er von seinem Vater, der ihn an die Hand nimmt und ihn regelmäßig zu Treffen der Erwachsenen mitnimmt und ihm so ein Übungsfeld eröffnet. Seine Erkenntnis lautet: „Nach und nach betrachtete ich das Zugehen auf Menschen als Möglichkeit, sowohl im Leben anderer Menschen etwas zu bewirken als auch mein eigenen Leben zu erforschen, daraus zu lernen und es zu bereichern; daraus wurde die bewusste Konstruktion meines Lebensweges. Als ich meine Networking-Bemühungen in diesem Licht betrachtete, gab ich mir die Erlaubnis, sie in allen Bereichen meines Lebens hemmungslos fortzusetzen. Ich empfand das aber nicht so kalt und und unpersönlich wie ich das Wort ‚Networking‘ verstand. Es war eher so, dass ich ‚Verbindungen‘ herstellte – ich teilte mein Wissen, meine Mittel, Zeit und Energie, Freunde und Kollegen, Einfühlungsvermögen und Mitgefühl in dem stetigen Bemühen, anderen Nutzen zu bieten, wobei ich gleichzeitig meinen eigenen Nutzen steigerte.“

2. Fähigkeiten. Im zweiten Teil wird viel ‚Handwerkszeug‘ vermittelt – angefangen von einer umfassenden Recherche, über das Sammeln von Namen, die erfolgreiche Art zu telefonieren, Plaudern lernen usw. Die einzelnen Aspekte sind kurz und knapp auf den Punkt gebracht und können in loser Folge gelesen werden.

3. Machen Sie Verbindungen zu Verbündeten. Der „Social Arbitrage“ beinhaltet ein „Stetiger offener Austausch von Gefälligkeiten und Informationen“ und ist, laut Ferrazzi der Weg, der dauerhaft Erfolg für einen persönlich und das jeweilige Umfeld sicher stellt. Nun ist es aber nicht so, dass Ferrazzi diesen Weg von vornherein beschritten hätte: er legt dar, dass er selbst zu Anfang auf die konventionelle Weise erfolgreich sein wollte, ihm dies aber nicht gelang: „Von dem Moment an, als ich bei Deloitte arbeitete, war ich ein Mann mit einer Mission. Ich wollte mehr Stunden arbeiten, mehr Partner kennen lernen, in den größten Projekten die größten Probleme lösen – und das wollte ich alles jetzt sofort, weil ich mir um jeden Preis einen Namen machen wollte. Mein Ehrgeiz hatte zur Folge, dass mich viele Menschen nicht leiden mochten. Und bei Deloitte bringt man genauso wie in anderen Organisationen nur schwer etwas zustande, wenn einen die Kollegen nicht leiden können.“ Diese Hintergrundinformation ist sowohl plausibel als auch eine Verstärkung seiner These, dass der „Social Arbitrage“ als die innovativere Strategie das alte Denken in Konkurrenzen ablöst.

4. Hoch spielen und zurückgeben. Der vierte Teil beginnt dann gleich mit der Aufforderung „Seien Sie interessant“ -. Interessant sei man laut Ferrazzi, wenn man Zugriff auf Themen hat, die außerhalb des eigenen kleinen Radius beheimatet sind. Er führt die „Flughafen-Frage“ an, die den Kandidaten aus einer Anzahl Bewerber/innen danach auswählt, ob man mit ihr/ihm eine Wartezeit auf dem Flughafen überbrücken wollen würde. Interessante Menschen hätten hierbei bessere Chancen, ausgewählt zu werden. Sie geben in Gesprächen Hinweise auf Themen, die über den Tellerrand hinausgehen: „Haben Sie in einem Gespräch Ihre große Jazz-Sammlung erwähnt? Die Zeit, die Sie an der Elfenbeinküste verbracht haben oder Ihre ausgefallenen Ansichten zu einer politischen Debatte? Quetschen Sie in Ihren Terminplan eine gewisse Zeit, in der Sie sich auf dem Laufenden halten, was in der in der Welt so passiert. Achten Sie auf interessante Kleinigkeiten, die Sie hören, und bemühen Sie sich, sie im Gedächtnis zu behalten, damit Sie sie weitergeben können, wenn Sie jemanden kennenlernen. … Bedenken Sie, dass die Verantwortlichen nicht Menschen einstellen, die sie gut leiden können, sondern Menschen, von denen sie glauben, dass sie sie und ihr Unternehmen verbessern können. Und das sind Menschen mit einer weiten Weltsicht. Das bedeutet, dass Sie sich Ihres geistigen Kapitals bewusst sein müssen und dass andere Menschen einen Nutzen von dem haben können, was Sie zu sagen haben.“

Diskussion

Die Aufforderungen Ferrazzis sind lebendig und auf die konkrete Umsetzung gerichtet. Er beschreibt, wie umfassend und durchdrungen sein Leben von dieser Art der Beziehungsgestaltung und -pflege ist. Die beschriebene Vorgehensweise ist sein persönlicher Weg, dem Leser/innen nicht folgen müssen bzw. sollen, so Ferrazzi. Das fällt sehr angenehm auf! Spannend ist bei der Lektüre der kleine Blick hinter die Kulissen der Macht. Die Leser/innen lernen, wie ausgefeilt und komplex das Vorgehen ist, mit dem Ferrazzi seine Geschäftswelt gestaltet. An einer Stelle beschreibt er seinen Zeitplan – und beantwortet damit auch die Frage, ob es denn noch eine Trennung von beruflich und privat gäbe – Sie ahnen es bereits … nein, diese Trennung gibt es nicht. Dieser Aspekt passt zur aktuellen Diskussion um das Konzept Work-Life-Balance und Life-Balance. Ferrazzi beschreibt seinen persönlichen Weg. Er bleibt jedoch nicht bei sich stehen – im Unterkapitel 31 „Willkommen im ‚verbundenen‘ Zeitalter“ schreibt er: „Das bedeutet, je mehr alles mit allem und allen verbunden ist, umso mehr hängen wir davon ab, mit wem und womit wir verbunden sind. Im 19. und im 20. Jahrhundert regierte die meiste Zeit krasser Individualismus, aber im 21. Jahrhundert werden Gemeinschaft und Allianzen regieren. … Wir begreifen jetzt wieder, dass Erfolg nicht an tolle Technologien oder an Wagniskapital gebunden ist; er hängt davon ab, wen man kennt und wie man mit diesen Menschen arbeitet. Wir entdecken wieder, dass der wahre Schlüssel zum Gewinn die gute Zusammenarbeit mit anderen Menschen ist.“

Fazit

„Geh nie alleine essen“ gibt Einblicke in die Welt erfolgreicher Personen und die Prinzipien der Beziehungsgestaltung zu Menschen, die einflussreiche Positionen innehaben. Teilweise liest es sich wie ein Handbuch, das helfen kann, die größten Fettnäpfchen erfolgreich zu umgehen. Die Lektüre ist in appetitliche „Häppchen“ zergliedert, so dass jede/r Interessierte an diesem „Buffet“ etwas Passendes finden könnte. Auch die Basisinformationen sind vertreten, wie die Grundsätze eines guten Networking, aber auch Praxisbeispiele, die auf den eigenen Kontext übertragen, abgewandelt, erweitert werden können.

Ferrazzi gibt Menschen, die sich ernsthaft fragen, wie sie denn am besten vorangehen sollten bei dieser Art von Beziehungsaufbau und -pflege, bodenständige Hinweise – und diskretere für die Unterlassung. Sicher ist es nicht hinderlich, dem amerikanischen Background Respekt zu zollen – und im Zuge einer globalisierten Welt den Inhalt auf Europa zu überprüfen. „Geh niemals alleine essen“ geht noch einen wesentlichen Schritt über das Vermitteln von Erfolgsstrategien hinaus: Es wendet sich der Haltung der Menschen zu und stellt die Beziehungen und die Verbundenheit zueinander als Schlüsselfaktor in den Mittelpunkt.


Rezensentin
Dipl.-Päd. Ines Polzin
Prozessberaterin für KMU im Förderprogramm unternehmensWert:Mensch, Resilienz-Coach/-Trainerin
Homepage www.inespolzin.de
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Zitiervorschlag
Ines Polzin. Rezension vom 22.09.2016 zu: Keith Ferrazzi, Tahl Raz: Geh nie alleine essen! und andere Geheimnisse rund um Networking und Erfolg. Börsenmedien AG Marketing & Sales (Kulmbach) 2009. 2. Auflage. ISBN 978-3-938350-21-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20388.php, Datum des Zugriffs 20.11.2019.


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