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Stefanie Mielitz: Assistenz-Erleben

Stefanie Mielitz: Assistenz-Erleben. Institut für Effizienz Kommunikation Forschung GmbH iekf.de (Ibbenbüren) 2016. 124,00 EUR.

Spiel für 2- 5 Spieler/innen. Zu beziehen über Online-Shop der IEKF GmbH; Prinzhügel 39; 49479 Ibbenbüren, http://www.assistenz-shop.de/index.php.


Thema

Assistenz Erleben – DAS SPIEL ist ein Lehr- und Lernspiel zur Vermittlung von Beratungskompetenzen im Bereich der AAL Technologien, insbesondere unter der Perspektive selbstständiger Lebensführung zu Hause bzw. Sicherstellung häuslicher Versorgungssituationen (ambulante Pflege beruflich und durch Laien).

Herausgeberin

Stefanie Mielitz; EKF GmbH – Institut für Effizienz, Kommunikation Forschung, Ibbenbüren

Entstehungshintergrund

Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und den wachsenden Problemen, die pflegerische Versorgung in der BRD sicherzustellen, hat die Bundesregierung in den vergangenen Jahren massiv die Entwicklung von AAL-Technologie gefördert, ohne dass diese in nennenswerten Maße in den Versorgungsalltag Einzug gehalten hat. Die Gründe sind vielfältig. Einem Grund, nämlich der fehlenden Beratungskompetenz und Vermittlung der Technologie in die Breite, versucht dieses Spiel abzuhelfen, in dem es sich als ein entsprechendes didaktisches Hilfsmittel empfiehlt.

Aufbau

Das Spiel besteht aus mehreren Karten, aus den sich der Spielverlauf und sein zahlreichen Variationen ergeben. Es gibt u.a.

  • Die Persona-Karten (16), auf der die relevanten Daten der zu beratenden Person festgehalten werden: (Name, Kurzbeschreibung medizinisch-pflegerischer Hintergründe (Anamnese); persönliche und Kontextdaten, Hinweise auf besondere Bedarfe);
  • 21 Technik-Karten beschreiben ein bestimmte Produkt hinsichtlich seiner technischen und konzeptionellen Eigenschaften, Anwendungsbereich (Indikationen), Hinweise notwendige Infrastruktur und Schnittstellen und Bezugsquelle;
  • 3 Grundrisse von Wohnung mit unterschiedlichen Zuschnitten (Wohnung klein und groß, Appartement),
  • 6 Ereigniskarten, mit denen die Situation und damit der Beratungsbedarf der Personen variiert werden kann.
  • Mehrere Dialog- und Hilfekarten, durch die Beratungssituation modifiziert werden kann.

Es gibt eine Spielanleitung in der zwei Grundvarianten des Spiels beschreiben werden.

Inhalt

„Assistenz Erleben – DAS SPIEL“ ist ein Lehr- und Lernspiel, mit dem man sich der Komplexität der technischen Unterstützung von Menschen mit Einschränkungen der Selbstmanagement Kompetenz nähern kann, wobei sich die Unterstützung auf AAL-Komponenten konzentriert und andere Hilfsmittel, die einen Beitrag zur selbstständigeren Lebensführung leisten, nicht vorkommen. Allerdings bieten Anlage und Struktur des Spiels einfache Möglichkeiten, je nach Anwendungssituation die Materialien zu ergänzen. Dies gilt nicht nur für die eingeführten Technikkomponenten wie Sensormatten, Notrufkomponenten oder Rauchwarnmelder, sondern auch für die anderen Komponenten des Spiels. Dazu gehören die Persona Karten, auf denen sie eine idealtypische-exemplarische Beschreibung bestimmter Personen findet, aus der dann ein bestimmter Versorgungsbedarf abgeleitet werden kann. Letztere wird modifiziert Angaben zur Wohnsituation (Grundrisskarten). Diese werden mit der in der Architektur typischen Zeichentechnik vorgestellt, was die Teilnehmer zwingt, sich entsprechende Lesekompetenz von Bauplänen anzueignen. Weitere Modifikationen ergeben sich durch Ereigniskarten, durch die sich das Leben (= die Versorgungbedarfe) der Personen zusätzlich verändern lassen.

Das Spiel erhebt nicht den Anspruch, alle denkbare Versorgungssituation zu simulieren, sondern anhand einer Vielzahl exemplarische Situationen die Fertigkeit der Spieler zu trainieren, systematisch eine Versorgungssituation zu bearbeiten. Dazu müssen die Situation eines Klienten – seine persönliche und die der Kontextfaktoren – erfasst und entsprechende Vorschläge zu Implementierung von Technik begründet werden. Ob eine Empfehlung, etwa eine Sensormatte, sinnvoll ist, kann anhand der Technikkarte überprüft werden, in der die wesentlichen Merkmale, insbesondere die Indikation (potentieller Nutzen) und notwendige Infrastruktur beschrieben werden. Etwas zu kurz kommen Beschreibungen, die die Anforderung an den Nutzer verdeutlichen. So ist es durchaus fraglich, ob ein „Medikamentenspender mit Benachrichtigungsfunktion“ für vergessliche und Menschen mit Demenz in gleicher Weise genutzt werden können.

Diskussion

Wer aus eigener Lehrtätigkeit und der Unterrichtspraxis weiß, wie schwer es ist Fallbeispiel zu konstruieren, der wird hier ein Füllhorn von fertigen Möglichkeiten und Anregungen für eigene Modifikationen finden. Das Spielmaterial kann so variiert werden, dass verschiedene Einsatzformen – Demonstration durch Lehrenden, Vertiefung in Einzel- oder Gruppenarbeit oder in Rollenspielen eingesetzt werden kann. Angesicht der im Spiel erhaltenen Komplexität ist es unbedingt zu empfehlen, zuvor mit den TN auch methodische Aspekte der Beratung und Fallanalyse einzuüben.

Das Spiel lässt eine Fülle von Variationen mit ganz unterschiedlichen Intentionen und Lernzielen zu, z.B. ein Training um bessere Gebrauchsanweisungen zu verfassen und den Nutzen deutlicher darzustellen, und kann daher in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden. Nicht nur in der Aus- und Weiterbildung im Kontext mit der Wohnberatung, sondern auch in Bereich der Pflegeberatung nach 7a, in der Weiterbildung von Case Managern oder von leitenden Pflegepersonen ambulanter Pflegedienste.

Fazit

„Assistenz Erleben – DAS SPIEL“ ist eine interessanter und gelungener erster Schritt, das Thema Beratung zur technischen Unterstützung einer selbstständigen Lebensführung im Alter und bei Behinderung in der Aus-, Weiter- und Fortbildung didaktisch zu Unterstützen. Struktur und Material sind so angelegt, dass eine Vielzahl kreativer Varianten möglich sind und das es ein leichtes ist, das Material mit eigenen Inhalten zu ergänzen. Diese sollte insbesondere für den Bereich der Hilfsmittel erfolgen, die im Rahmen des AAL-Hypes zu sehr vernachlässigt werden.


Rezension von
Diplompädagoge Otto Inhester
Wiss. Mitarbeiter an Universität Witten/Herdecke
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Zitiervorschlag
Otto Inhester. Rezension vom 28.06.2016 zu: Stefanie Mielitz: Assistenz-Erleben. Institut für Effizienz Kommunikation Forschung GmbH iekf.de (Ibbenbüren) 2016. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20394.php, Datum des Zugriffs 24.10.2021.


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