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Enrica Barth, Stefan Schaefer: Unterrichts­methoden. Schwerpunkt Pflege und Gesundheit

Cover Enrica Barth, Stefan Schaefer: Unterrichtsmethoden. Schwerpunkt Pflege und Gesundheit. Verlag Europa-Lehrmittel Nourney, Vollmer GmbH & Co. KG (Haan-Gruiten) 2016. 216 Seiten. ISBN 978-3-8085-6828-6. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR.
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Thema

Methodenkompetenz ist das Rüstzeug für jede Lehrkraft, denn in Lern- und Lehrkontexten geht es nicht nur um das fachliche Wissen, sondern auch um die Art und Weise, wie etwas vermittelt wird.

Autorin und Autor

Für das Buch „Unterrichtsmethoden“ hat sich ein Autorenduo zusammengefunden: Enrica Barth und Stefan Schaefer aus Niedersachsen.

Aufbau

75 Unterrichtsmethoden werden in sieben Kapiteln vorgestellt:

  • Kennenlernspiele
  • Methoden als Einstieg und zur Motivation
  • Methoden zur Ideenfindung
  • Methoden zur Informationsbeschaffung und Erarbeitung
  • Methoden zur Reflexion und Vertiefung
  • Methoden als Lernspiele und zur Wiederholung einer Unterrichtseinheit
  • Methodische Großformen

Inhalt

Das Buch wird von den Herausgebern nicht als wissenschaftliche Basis für Didaktik verstanden, sondern als Hilfestellung für alle, die vor einer Klasse stehen. Die Methode wird jeweils mit Einsatzmöglichkeiten beschrieben. Die Angaben zur Planung der helfen insofern bei der Umsetzung, als das die Unterrichtsmethoden gezielt je nach Phase und Ziel des Unterrichts ausgewählt werden können. Im auffälligen Farbdesign sind die Methoden grafisch aufbereitet und so zügig erfassbar, es muss nicht erst seitenlanger Fließtext bearbeitet werden.

Jedem Kapitel ist eine sehr knappe Erklärung vorangestellt. Die Kennenlernspiele dienen beispielsweise dazu, dass sich die Lernenden einer Gruppe kennenlernen. Sie helfen, gruppendynamische Prozesse zu initiieren und schneller abzuschließen, um eine Basis für konstruktives Arbeiten zu schaffen. 14 Methoden zu diesem Thema sind nachlesbar, von „Steckbrief“ über „Durchschnittsalter“ bis hin zu „Märchen und Wahrheit“.

Da es aus lernpsychologischer Sicht ein essentieller didaktischer Schritt ist, den Lernenden die Bedeutung und Relevanz klar zu machen und einen motivierenden Einstieg zu gestalten, halte ich die Methoden für Einstieg und Motivation für sehr wichtig. Eine gezeigte Methode, die ich sicher demnächst öfter in meine Lehrkontexte einbauen werde, weil sie einfach umsetzbar ist und gute Anknüpfungspunkte liefert, ist die beschriebene Punktabfrage. Eine polarisierende Frage wird mit einer Skala visualisiert und die Lernenden aufgefordert, einen Klebepunkt der Skala zuzuordnen (anonym, wenn die Skala z.B. hinter der Tafel verdeckt wird). Das Ergebnis wird dann hinterfragt bzw. kann zum Anknüpfen an ähnliche Situationen dienen.

Das Kapitel „Methoden zur Ideenfindung“ beinhaltet ergebnisoffene, kreative Vorgehensweisen. Mit Assoziationssternen, dem Brainstorming oder der Kopfstand-Methode werden die Lernenden zu Spontanität angeregt und gleichzeitig in den Lernprozess eingebunden.

Kompetenzen für lebenslanges Lernen werden erworben, wenn es um Informationsbeschaffung und -verarbeitung geht. Mit 16 verschiedenen Methoden ist dies der umfangreichste Teil. Die Methode „Bilderrätsel“ z.B. wird erläutert mit einer Fallsituation zu Infektionswegen. Diese sollen die Lernenden sich aus einem Lehrbuchtext heraus erarbeiten und in ein Bild einzeichnen. Eine andere Methode zielt auf das Leseverständnis ab, die „Fragenkette“. Hierbei lesen die Lernenden einen komplexen Text und formulieren dazu schriftlich eine Frage, die dann ein weiterer Lernender beantworten soll.

Die Methoden zur Reflexion setzen voraus, dass die Lernenden sich bereits Wissen angeeignet haben. Dieses Wissen soll nun bewertet werden. Dies kann z.B. mit der „Ampelmethode“ gelingen: jeder Lernender erhält eine rote und grüne Karte, mit der sie zu einem Sachverhalt bewerten und visualisieren – stimme zu/stimme nicht zu oder falsch/richtig. Hierzu gibt es Beispiele zu Übertragungswegen für Infektionskrankheiten und zu Vitalzeichenmessungen.

In dem Abschnitt zu den Lernspiele und Wiederholungen sind viele Anregungen, die an bekannte Gesellschaftsspiele angelehnt sind. Dieses Vorgehen bietet Anknüpfungspunkte und ist gleichzeitig zum Lernen geeignet, z.B. ein Memory mit dem Auffinden von Begriffen und den dazugehörigen Definitionen oder Schiffe versenken mit Begriffen zu einem Fachthema, die sich im Wasser verbergen.

Im letzten Kapitel werden noch einige methodische Großformen vorgestellt. Diese beziehen sich auf einen umfassenden und ganzheitlichen Lernprozess und können sehr gut mit den anderen methodischen Ansätzen kombiniert werden. Zu nennen sind hier die Fallstudie, der Info-Markt, die Projektmethode, das Rollenspiel, die Szenario-Methode und die Zukunftswerkstatt.

Diskussion

An diesem Buch gefällt mir der hohe Praxisbezug gut. Die Autoren haben eine abwechslungsreiche Liste zusammengestellt, die Methoden beinhalten kommunikative Ansätze wie auch kreativ-gestalterische. Gerne hätte ich mir wenig mehr Grundlegendes der Didaktik oder Lernpsychologisches gewünscht. Damit ließ sich die Methodenwahl besser begründen und gerade unerfahrene Lehrkräfte bekämen hier Unterstützung. Die Beispiele sind alle auf das Gesundheitswesen abgestimmt: Szenen und Fragen aus dem Krankenhaus oder (Zahn-)Arztpraxis, ausbildungsbezogene Gesetze, Ausbildungsformen und Erkrankungsspezifika. Damit trifft es den Fokus von Lern- und Lehrkontexte in der Berufsausbildung oder berufsvorbereitenden Schulen. Der Hochschulkontext wird nicht angesprochen, gewinnt an aber mit dem zukünftigen Pflegeberufsgesetz sicher an Bedeutung.

Einige Methoden verwenden einen Overheadprojektor. Sicher ist die Ausstattung der Schulen sehr heterogen, dennoch kann ich mir hier gut vorstellen, die Methoden auch auf mehr Verwendungsmöglichkeiten für digitale Geräte und Medien ausrichten (Tablet-PCs, Smartboards o.ä.).

Fazit

Dieses Buch richtet sich an Referendare und Lehrkräfte in den Fachbereichen Pflege und Gesundheit. Sicher werden auch erfahrene Lehrkräfte in diesem Methodenpool fündig und entwickeln neue Ideen für kreativen Unterricht. „Unterrichtsmethoden“ ist mit 75 Methoden mit sieben Zielsetzungen ein praktischer Alltagsbegleiter für die Lehrenden.


Rezensentin
Nina Fleischmann
M.A. Public Health und Pflegewissenschaft
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Zitiervorschlag
Nina Fleischmann. Rezension vom 08.03.2016 zu: Enrica Barth, Stefan Schaefer: Unterrichtsmethoden. Schwerpunkt Pflege und Gesundheit. Verlag Europa-Lehrmittel Nourney, Vollmer GmbH & Co. KG (Haan-Gruiten) 2016. ISBN 978-3-8085-6828-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20402.php, Datum des Zugriffs 21.09.2017.


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