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Peter Graaf: Schematherapie

Cover Peter Graaf: Schematherapie. Mit Bedürfnissen, Emotionen und Modi arbeiten. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. 57 Seiten. ISBN 978-3-621-28317-5. D: 26,95 EUR, A: 27,70 EUR, CH: 37,10 sFr.

Kartenset mit 56 Bildkarten.
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Thema

In Ergänzungzu den Büchern, die der Autor zusammen mit Loose 2013 und 2015 herausgebracht habe (siehe Beltz-Verlag) und in Ergänzung zu einem bereits veröffentlichtem Kartenset 2014 stellt der Autor eine weitere Materialie zur Unterstützung der Arbeit mit der Schematherapie bei Erwachsenen vor: 56 Bildkarten zur Kennzeichnung verschiedener Modi (s.u.) und zu körperlichen und psychischen Bedürfnissen. Sie sollen in der Arbeit mit Klienten helfen, deren dominierende Persönlichkeitszüge praktisch ins Bild zu bringen.

Autor

Peter Graaf ist Diplom Psychologin, arbeitet im Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf und im Werner Otto Institut als Psychologischer Psychotherapeut und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut. Er ist Mitglied am Schematherapieinstitut Eckernförde mit Entwicklung eines Konzeptes zur schema- und modusgeleiteten Verhaltenstherapie bei Kindern, Jugendlichen und Eltern.

Entstehungshintergrund

Der Autor möchte mit dem vorliegenden Bildmaterial die Theorie der Schematherapie in der Praxis anschaulich machen und fokussiert hierbei insbesondere auf das sogenannte Moduskonzept. In der Schematherapie wird grob gesagt davon ausgegangen, dass in der Entwicklung des Menschen sich bestimmte Verhaltens- und Kognitive Muster entwickeln, mit denen der Mensch auf für ihn typische Weise den Anforderungen des Alltags begegnet. Diese Schemata setzen sich aus Erinnerungen, Emotionen, Kognitionen und Körperempfindungen zusammen- mehrere von ihnen bilden sogenannte Modi. Hierzu liefert der Autor Bildmaterial, das diese Modi praktisch ins Bild bringen sollen (Illustrationen: Claudia Styrsky).

In der Regel sind bei jedem Menschen mehrere Schemata (auch „Modi“ oder „Zustände“) zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Situationen aktiv, einerseits auf Situationen im Therapieprozess, die ihnen als schwierig erscheinen, andererseits auf Situationen, die Ihnen in Supervision stehende TherapeutInnen als schwierig geschildert haben. Der Umgang und die Lösung mit und von solchen Schwierigkeiten wird hauptsächlich mit dem Modus-Konzept der Schematherapie nach Young demonstriert.

Aufbau und Inhalt

Entsprechend dem angedeutetem Moduskonzepot der Schematherapie bietet das Bildmaterial Vorlagen zu den Modi:

  • Kindmodus (insgesamt 19 Bildkarten),
  • Bewältigungsmodus (insgesamt 21 Bildkarten),
  • Karten für Elternmodi und innere Unterstützer (9 Karten), letztlich noch
  • 7 Karten für den „gesunden Erwachsenen“ und für die Grundbedürfnisse, bspw. Lustgewinn, Autonomie, Selbstwert u.a.

Die Karten sollen nach Vorstellung von Graaf selbstexplorativ eingesetzt werden, wenn sie etwa zu Beginn einer Therapie dem Klienten mit der Frage vorgelegt werden „Welcher Typus passt zu Ihnen?“. Ausgehend hiervon kann dann weiter genauer eruiert werden, welche Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen zu diesem Typus passend sind- welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringen und in welchem Typen Verhaltensalternativen gegeben sind.

Diskussion

Im Rahmen der Rezension kann sicher nicht auf die Diskussion zu Vor- und Nachteilen manualisierter Therapieverfahren eingegangen werden. Im Kontext des vorliegenden Materials ist sicherlich wertzuschätzen, dass der Autor das Moduskonzept für die Arbeit mit Klienten pädagogisch zugänglicher macht. Er handelt sich allerdings meines Erachtens einen (durchaus gravierenden) Nachteil ein. Die visualisierten Modus-Typen bringen Vorstellungen des Autors und seiner Illustratorin ins Bild – nicht die des Klienten! Und mit den Vorlagen begibt sich der Klient in die Vorstellungswelt der Autoren und entfernt sich möglicherweise von seiner eigenen. Dies sollte den Anwendern bewusst sein – sie sollten dem Klienten gegenüber den exemplarischen Charakter der Darstellung deutlich machen („Vielleicht sieht der Typus in IHRER Vorstellung ganz anders aus…“), so sie denn das Material einsetzen.

Fazit

Das Kartenset kann zur Unterstützung in der Arbeit mit der Schematherapie eingesetzt werden, so es denn in die Therapie-Rationale der Anwender passt und die Klienten nicht in die Vorstellungswelt des Autors zwingt. In wieweit hiermit ein über die Anwendung der reichlich vorhandenen Fragebogen-Materialien hinausgehender Gewinn zu erzielen ist, muss erprobt werden.


Rezensent
Prof. Dr. Christian Schulte-Cloos
Hochschullehrer Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen, seit 31.8.2011 pensioniert
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Zitiervorschlag
Christian Schulte-Cloos. Rezension vom 19.07.2016 zu: Peter Graaf: Schematherapie. Mit Bedürfnissen, Emotionen und Modi arbeiten. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. ISBN 978-3-621-28317-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20428.php, Datum des Zugriffs 21.10.2019.


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