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Emma Domínguez-Rué, Linda Nierling (Hrsg.): Ageing and technology

Cover Emma Domínguez-Rué, Linda Nierling (Hrsg.): Ageing and technology. Perspectives from the social sciences. transcript (Bielefeld) 2016. 339 Seiten. ISBN 978-3-8376-2957-6. D: 34,99 EUR, A: 36,00 EUR, CH: 45,90 sFr.
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Thema

Wie der Titel sagt, befasst dieses Buch sich mit verschiedenen Zusammenhängen von Altern und Technologien.

Herausgeberinnen, Autorinnen und Autoren

Die nicht weniger als 31 Autorinnen und Autoren sind an verschiedenen, mehrheitlich europäischen Universitäten tätig. Die Herausgeberinnen repräsentieren das aufgespannte Feld zwischen Sozial- resp. Geistes- und Technikwissenschaften.

Emma Dominguez-Rués Interessegebiete umfassen Altern und Gender in Literatur und Kultur, aber auch zeitgenössischer Kriminalroman, Feminismus, Psychoanalyse und psychische Krankheiten. Sie arbeitet an der Universität Lleida in Katalonien, Spanien.

Linda Nierling dagegen arbeitet in Karlsruhe am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zu Arbeit und Technologie, Konzeptionen und Methoden von Technologie-Assessment sowie Nachhaltigkeit.

Aufbau

Die Beiträge sind in drei Themenfelder geordnet:

  1. Das erste Themenfeld befasst sich mit der Nutzung und dem Nutzen von Technologien durch und für ältere Menschen.
  2. Das zweite Themenfeld behandelt das Potential von technologischen Hilfsmitteln und technologischer Unterstützung in der Pflege.
  3. Das dritte Themenfeld thematisiert Alter(n) und Technologie in einem grösseren Kontext. Woher stammen unsere Bilder? Wie erfolgt typischerweise die Verbindung von Technologie und Altern auf gesellschaftlicher Ebene?

Ausgewählte Inhalte

Das englisch geschriebene Buch versammelt Beiträge rund um die Themen Altern und Technologie(entwicklung). Dabei gehen die in verschiedenen Kontinenten und unterschiedlichsten Kontexten arbeitenden Autor_innen von den drei oben genannten Themenfeldern aus.

Aus dem ersten Themenfeld möchte ich exemplarisch den Beitrag von Hannah Marston und Sheri Graner-Ray hervorheben. Nicht, dass die anderen Beiträge weniger interessant wären. Dieser Text mit dem Titel „Older Women on the Game: Understanding Digital Game Perspectives from an Ageing Cohort“ jedoch nähert sich dem Thema aus eher unerwarteter Perspektive: ältere Frauen wurden im Hinblick auf ihren Bezug zu technologiegestütztem Handeln und den damit verbundenen Interessen befragt. Es zeigte sich, dass sie entgegen gängigen Erwartungen ein grosses Interesse an elektronischen Spielen zeigten – und zwar daran, in virtuellen Welten neue Rollen auszuprobieren.

Weniger unkonventionell, jedoch ebenfalls sehr interessant finde ich den Text von Ike Kamphof im zweiten Teil. Dort wurde untersucht, inwiefern eine elektronische Überwachung von fragilen alten Menschen menschliche Betreuungsleistungen ergänzen, ersetzen oder verbessern könnte. Eine Erkenntnis, und ich finde dieses Ergebnis sehr wichtig, war dass die Beantwortung dieser Frage je nach pflegebedürftiger Person anders ausfällt, und zwar weniger abhängig von ihrem Krankheitsbild resp. ihrem Unterstützungsbedarf als je nach Persönlichkeit. Während die Einen mit dem elektronischen bewachenden „Auge“ in Interaktion treten und beispielsweise beim Gang auf die Toilette melden „hallo, hier bin ich wieder“, vergessen andere, dass eine Kamera im Raum ist; wieder andere fühlen sich gestört davon gestört und irritiert. Für die Pflege ist es in dieser Situation sehr wichtig, zusammen mit der pflegebedürftigen Person beurteilen zu können, welche Form und Intensität einer Fernüberwachung allenfalls unterstützend sein kann.

Aus dem dritten Teil möchte ich zwei Beiträge mit völlig unterschiedlichen Themen herausgreifen: „Aging and Technology: What Is the Take Home Message for Newspaper Readers?“ sowie „Towards an Ageless Society: Assessing a Transhumanist Programme“. Sie zeigen exemplarisch auch für die anderen Beiträge und Teile des Buches „Ageing and Technology“ auf, wie reichhaltig, abwechslungsreich und aktuell der Band ist.

  • Gregor Wolbring und Boushra Abdullah zeigen in ihrer Untersuchung zweier kanadischer Tageszeitungen auf, welches Altersbild in den Medien transportiert wird. Sie kommen kurz gesagt zu folgendem Schluss: über relevante politische Entscheidungen massgeblich beeinflussende Themen, welche namentlich in wissenschaftlichen Studien und Politikberichten der Weltgesundheitsorganisation etc. entwickelt werden, wird in den Tageszeitungen so gut wie gar nicht berichtet. Schlimmer noch, viele relevante Erkenntnisse sind gar nicht – oder nur über sehr viele Hürden – öffentlich zugänglich. Wenn über Altern und Technologie berichtet wird, dann meistens aus einer defizitären Perspektive, beispielsweise indem die technologische Unerfahrenheit älterer Technologie-Nutzer_innen in den Vordergrund gestellt wird.
  • Im Beitrag von Martin Sand und Karin Jongsma zur alterslosen Gesellschaft geht es um die Frage, ob durch technologische „Reparatur“ der Alterungsprozess überwunden werden kann und wir auf eine Gesellschaft ohne die Kategorie Alter zusteuern. Das transhumanistische Konzept wird von gesellschaftlichen Utopien wie Thomas Mores „Utopia“ klar abgegrenzt. In diesem Programm geht es um die Verbesserung des Individuums durch Technologie. Die Autor_innen kritisieren jedoch das verkürzte und reduzierte Menschenbild des Transhumanismus stark, erschöpft sich doch der menschliche Alterungsprozess keineswegs in der zunehmenden Anfälligkeit der Körperzellen. Im Gegenteil umfasse das Altern auch eine soziale und geistige Dimension.

Fazit

Ein absolut empfehlenswertes, sehr sorgfältig editiertes und äußerst reichhaltiges Buch zu einem aktuellen Thema!


Rezensentin
Simone Gretler Heusser
Dozentin an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit
Homepage www.hslu.ch/de-ch/hochschule-luzern/ueber-uns/perso ...
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Zitiervorschlag
Simone Gretler Heusser. Rezension vom 30.11.2016 zu: Emma Domínguez-Rué, Linda Nierling (Hrsg.): Ageing and technology. Perspectives from the social sciences. transcript (Bielefeld) 2016. ISBN 978-3-8376-2957-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20439.php, Datum des Zugriffs 27.06.2019.


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