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Christiane Ludwig-Körner, Karsten Krauskopf u.a. (Hrsg.): Frühe Hilfen – Frühförderung – Inklusion

Cover Christiane Ludwig-Körner, Karsten Krauskopf, Ulla Stegemann (Hrsg.): Frühe Hilfen – Frühförderung – Inklusion. Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung im Kindergarten. Psychosozial-Verlag (Gießen) 2016. 210 Seiten. ISBN 978-3-8379-2575-3. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR.
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Thema und Entstehungshintergrund

Entwicklungspsychologische Befunde belegen die besondere Bedeutung, die der frühen Kindheit für den weiteren Entwicklungsverlauf zukommt. Eben darum brauchen Kinder aus belasteten Familien frühzeitig Unterstützung, um sich gesund entwickeln zu können. Dies ist ohne den Einbezug der Eltern kaum möglich – ihre Be- und Erziehungskompetenz gilt es zu stärken. Kindertagesstätten sind Einrichtungen, die in besonderer Weise geeignet scheinen, psychosozial belasteten Familien umfassende Unterstützung anbieten zu können.

Vor diesem Hintergrund entstand das Projekt „Förderung der Eltern-Kind-Beziehung im Kindergarten. Erwachsenenbildung/Frühe Hilfen und Frühförderung in einer Hand“, das in dem vorliegenden Buch ebenso wie die Evaluation besagten Projektes vorgestellt wird.

Aufbau und Inhalt

Das vorliegende Buch gliedert sich in sechs Kapitel.

  1. Kapitel eins („Einleitung“) führt in die Thematik ein.
  2. Das zweite Kapitel ist mit „Exklusion statt Inklusion – Angebote für Familien mit Hilfebedarf“ überschrieben und geht der Frage nach, wie sich die Situation in Deutschland im Hinblick auf die Umsetzung und Qualität einer inklusiven Frühpädagogik gestaltet. Weiterhin werden vergleichend Einblicke in Angebote für Familien mit Hilfebedarf im Ausland gegeben.
  3. Das dritte Kapitel, überschrieben mit „Neue Wege: Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung im Kindergarten“, stellt das Pilotprojekt „Förderung der Eltern-Kind-Beziehung im Kindergarten. Erwachsenenbildung/Frühe Hilfen und Frühförderung in einer Hand“ vor. Beschrieben werden hier Rahmenbedingungen, das methodische Vorgehen sowie Facetten des Angebots bzw. der Arbeit aus Sicht der Eltern und der pädagogisch-therapeutischen Fachkraft, der eine zentrale Stellung zukommt. Aufgabe der pädagogisch-therapeutischen Fachkraft – eine Expertin im Bereich Frühförderung/Frühe Hilfen mit einer pädagogischen und psychotherapeutischen Ausbildung – war die Förderung der Eltern-Kind-Beziehung vor Ort in der Kindertagesstätte. Sie verbrachte mehrere Stunden täglich mit den Projektfamilien parallel zum Kita-Alltag in der Einrichtung. Methodisch wurden hierbei u.a. mit Einzelgesprächen, dem Arbeiten in der Triade, der Wahrnehmungs- und Beobachtungsschulung der Eltern sowie mit Videografien gearbeitet. Das Kapitel schließt mit einer Darlegung der Forschungsergebnisse und diskutiert die kindliche Entwicklung sowie die Entwicklung der elterlichen Erziehungskompetenzen im Projektverlauf.
  4. Kapitel vier heißt: „Neue Weggefährten: Patenschaften als Ressource in der kindlichen Entwicklung“. Vorgestellt werden hier bereits existierende Patenschaftsprogramme in der BRD; skizziert wird ferner, was Patenschaften – definiert als unterstützende und fördernde Beziehung von zwei nicht verwandten Personen – zu bewirken vermögen.
  5. Das fünfte Kapitel („Das Patenschaftsprojekt K-IPU (Projektphase 2) – Forschungsergebnisse“) stellt, wie der Titel bereits nahe legt, das ergänzende Patenschaftsprojekt K-IPU vor. Interessant ist hier, dass nicht Ehrenamtliche, sondern Studierende der Psychologie als Paten eingebunden wurden. Sie verpflichteten sich für ein Jahr zu regelmäßigen wöchentlichen Unternehmungen mit ihren Patenkindern. Aufgabe hierbei war, die Kinder empathisch zu begleiten und als verlässliche außerfamiliale Bezugsperson, Impulsgeber und Förderer dem Kind zur Seite zu stehen. Ehrenamtlich arbeitende SupervisorInnen unterstützten die Studierenden in ihrem Bemühen, die Kinder in ihrem Entwicklungsprozess zu unterstützen. In diesem Kapitel werden weiterhin Einblicke in die Arbeit der PatInnen bzw. die mit dieser verbundenen Herausforderungen, Konflikte und Erfolge eröffnet. Zu Wort kommen hier die PatInnen wie auch SupervisorInnen und Eltern.
  6. Das Buch schließt mit einem kurzen Kapitel, indem Schlussfolgerungen gezogen sowie ein Ausblick formuliert werden.

Fazit

Das vorliegende Buch ist informativ und gut lesbar. Es gibt Fachkräften, die im Feld der Frühen Hilfen und des präventiven Kinderschutzes bzw. im Kontext der Erziehung und Bildung im Kindesalter auf der Suche nach tragfähigen Ansätzen sind, belasteten Familien und deren Kinder frühzeitig zu unterstützen, vielfältige Anregungen. Die AutorInnen versuchen auf sympathische Weise nicht den Eindruck zu erwecken, als hätten sie auf die komplexe Frage – Wie können belastete Familien derart unterstützt werden, dass die Kinder wirksam und nachhaltig in ihrer Entwicklung profitieren? – eine einfache Antwort gefunden. Sie stellen ein engagiertes Projekt vor, das neben Erfolgen auch „Baustellen“ offenbart, stellen Fragen, öffnen gewissermaßen die Werkstatttüren und laden so auch zum Mit- und Weiterdenken ein.

Zu empfehlen ist das Buch vor allem Fachkräften und Interessierten, die im Feld der Frühen Hilfen bzw. Frühprävention tätig sind. Empfohlen werden kann es aber auch Studierenden der Psychologie, der Sozial-, Kindheits-, Früh- und Heilpädagogik.


Rezensentin
Prof. Dr. Ariane Schorn
Fachhochschule Kiel, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit
Entwicklungspsychologie, Qualitative Sozialforschung, Psychosoziale Beratung, Supervision
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Zitiervorschlag
Ariane Schorn. Rezension vom 16.08.2016 zu: Christiane Ludwig-Körner, Karsten Krauskopf, Ulla Stegemann (Hrsg.): Frühe Hilfen – Frühförderung – Inklusion. Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung im Kindergarten. Psychosozial-Verlag (Gießen) 2016. ISBN 978-3-8379-2575-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20451.php, Datum des Zugriffs 24.03.2019.


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