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Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit (Hrsg.): Neue Ansätze in der Suchthilfe

Cover Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit (Hrsg.): Neue Ansätze in der Suchthilfe. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2016. 106 Seiten. ISBN 978-3-7841-2872-6. D: 14,50 EUR, A: 15,00 EUR.

Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit, 47. Jahrgang, Nr. 1 (2016).
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Thema

In dem Band „Neue Ansätze in der Suchthilfe“ des deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. werden in elf Beiträgen unterschiedlicher AutorInnen neue Entwicklungen aus der Suchthilfe vorgestellt und diskutiert. Das Themenspektrum des Bandes ist dabei weit aufgespannt: es reicht von der Darstellung epidemiologischer Daten zu theoretisch-konzeptionellen Überlegungen zur Versorgungsstruktur bis hin zur Darstellung von Praxisentwicklungen bzw. einzelner Praxisprojekte.

Herausgeber

Dem deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. ist es gelungen für die jeweiligen Beiträge ausgewiesene AutorInnen zu gewinnen.

Aufbau und ausgewählte Inhalte

Der Band umfasst folgende Kapitel:

  • Aktuelle Entwicklungen im Suchtverhalten und in der Suchthilfe (Felix Tretter)
  • Zuständigkeiten, sozialrechtliche Grundlagen und Anspruchsberechtigungen in der Suchthilfe (Rüdiger Lenski)
  • Umdenken in Drogenpolitik und Drogenhilfe: mehr Menschen mit Substanzstörungen früher erreichen und besser versorgen (Heino Stöver)
  • Vom Abstinenzdogma zum Paradigma Zieloffener Suchtarbeit (Joachim Körkel)
  • Jugendkulturelle Alkoholszenen: neue Ansätze in der Suchtprävention (Peter Koler)
  • Crystalkonsumierende Mütter und Väter: konzeptionelle Überlegungen für die Jugend- und Suchthilfe (Gundula Barsch, Aline Organo, Claudia Plöttner)
  • Computersüchtig? Pathologischer PC-/Internetgebrauch als neues Störungsbild (Jörg Petry)
  • Von berenteten Suchtkranken und suchtkranken Rentnern – neue Herausforderung für die Suchthilfe (Daniel Deimel)
  • Transkulturelle Suchthilfe (Martina Schu, Miriam Martin)
  • Suchthilfe in Netzwerken – Ansätze für integrierte und teilhabeorientierte Versorgung (Renate Walter-Hamann)
  • Inkludierende niedrigschwellige Suchthilfe: das Beschäftigungsprojekt „Kölner Feger“ (Andreas Hecht, Jane van Well).

Die Beiträge des Bandes bieten für ihre jeweiligen Themengebiete aktuelle Informationen zeigen die damit verbundenen Diskurse bzw. Entwicklungsbedarfe. So zeigt beispielsweise Rüdiger Lenski die komplexe und zersplitterte Finanzierungsstruktur der Suchthilfe auf mahnt eine verbindliche Koordinierung und Federführung an. Hier schließt sich der Beitrag von Renate Walter-Hamann an, die die Möglichkeiten von kommunalen Suchthilfeverbünden und Kooperationsstrukturen darstellt und auf die Notwendigkeit entsprechender struktureller und finanzieller Absicherung verweist.

Neuere Konsummuster bzw. Störungsbilder, mit denen sich die Suchthilfe auseinandersetzen muss, werden in den Beiträgen von Gundula Barsch et al. (Crystalkonsumierende Mütter und Väter) und Jörg Petry (Computersucht) vorgestellt. In diesen Beiträgen setzen sich die AutorInnen zudem kritisch mit dem bio-medizinischen Suchtmodell und -konzepten auseinander und leiten daraus Impulse für die Weiterentwicklung von Praxis ab.

Martina Schu und Miriam Martin berichten über die Ergebnisse des Modellprogramms „Transfer“, in dessen Rahmen neue Ansätze der transkulturellen Suchthilfe entwickelt und erprobt wurden. Im Rahmen dieses Programms wurden insbesondere die Zugangsbarrieren für Menschen mit Migrationshintergrund in den Blick genommen; Ansätze der Minimierung und Überwindung werden vorgestellt.

Diskussion und Fazit

Alle Beiträge des Bandes bieten äußerst lesenswerte Einblicke in ihre jeweiligen Themenstellungen und weisen durch ihre Literaturangaben auf die Möglichkeiten einer vertiefenden Auseinandersetzung hin.

Dieser Band spiegelt vor allem aktuelle Fragestellungen und Herausforderungen aus der Praxis der Suchthilfe. Suchtprävention und Suchtberatung werden mehrheitlich von Beratungsstellen und Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege angeboten. Von daher ist absolut begrüßenswert, dass der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge als ein Forum für alle Akteure in der sozialen Arbeit, der Sozialpolitik und des Sozialrechts in Deutschland sich den Fragestellungen der Suchthilfe explizit annimmt.

Der Band zeigt die Breite des Feldes und leuchtet einzelne Fragestellungen exemplarisch und qualifiziert aus. Eine Systematik oder Kriterien für die Auswahl der Themenstellungen erschließen sich dem Leser / der Leserin nicht.

Fazit: Der Band bietet qualifizierte Einblicke in einzelne Themen und Fragestellungen vornehmlich aus der Perspektive der Praxis der Suchthilfe.


Rezensentin
Prof. Dr. Marion Laging
Professorin für Theorien und Konzepte der Sozialen Arbeit mit psychisch kranken Menschen und mit Menschen mit riskantem/schädlichem Drogenkonsum
Homepage www.hs-esslingen.de/de/mitarbeiter/marion-laging.html
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Zitiervorschlag
Marion Laging. Rezension vom 05.01.2018 zu: Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit (Hrsg.): Neue Ansätze in der Suchthilfe. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2016. ISBN 978-3-7841-2872-6. Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit, 47. Jahrgang, Nr. 1 (2016). In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20461.php, Datum des Zugriffs 22.04.2018.


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