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Ulrike Wehinger: Eltern beraten, begeistern, einbeziehen

Cover Ulrike Wehinger: Eltern beraten, begeistern, einbeziehen. Erziehungspartnerschaft in der Kita. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2016. 112 Seiten. ISBN 978-3-451-34235-6. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 26,90 sFr.
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Thema

Die Autorin befasst sich in diesem Werk eingehend mit der Erziehungspartnerschaft mit Eltern im Rahmen der Arbeit von Fachkräften in Kindertagesstätten.

Autorin

Ulrike Wehinger ist Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen mit dem Schwerpunkt Qualitätsentwicklung und Early Excellence Centres/ integrierte Familienzentren

Entstehungshintergrund

Das vorliegende Buch ist vor dem Hintergrund der Fachberatungsarbeit der Autorin entstanden. Es beschreibt anhand von insgesamt elf Schwerpunkten Stolpersteine und Türöffner für eine gelingende Kommunikation zwischen vor allem Erziehern/-innen und Müttern und Vätern auf.

Aufbau

Das Werk ist in insgesamt elf Abschnitte untergliedert (zu jedem Kapitelbeginn gibt es eine Kurzzusammenfassung) und enthält zum Schluss noch ein Verzeichnis der Arbeitshilfen und der Checklisten sowie neben den Literatur- auch noch Medien-Tipps.

Neben den Textausführungen in schwarzer bzw. blauer Schrift gibt es ergänzende Fotos, Graphiken und Tabellen. Diese unterstützen im besonderen Maße die Übersichtlichkeit des Buches.

Inhalte

Ulrike Wehinger erläutert zunächst die Bedeutung gelebter Erziehungspartnerschaft mit den Eltern und hebt hervor, dass Eltern ernst genommen werden müssen als andere Experten für die Kinder. Hierbei verdeutlicht sie, dass auf beiden Seiten es in den letzten Jahren starke Veränderungen gegeben hat und man von einer stärkeren Vielfalt ausgehen muss sowohl in den Elternhäusern als auch in den Kindertagesstätten. Chronologisch der normalen Begegnungen mit Kindertagesstätten befasst sich die Autorin mit der Eingewöhnungsphase und beschreibt hier das Berliner Modell, das Münchner Eingewöhnungsmodell und stellt kurz und knapp wichtige Aspekte aus der Transitionsforschung vor. Ein Fragebogen vor dem ersten Elterngespräch sowie ein Fragebogen für Eltern nach der Eingewöhnung ergänzen das umfangreichste Kapitel.

Wie jedes andere Kapitel auch wird im dritten Buchabschnitt "Eltern in das Lernen ihrer Kinder einbeziehen" zunächst ein Kasten vorangestellt, wo zusammengefasst wird: "In diesem Kapitel erfahren Sie…". Damit erhält man rasch einen passenden Überblick. Außerdem wird jeweils ein Fallbeispiel benannt, so dass ein guter Bezug zur Praxis hergestellt wird. In diesem Buchabschnitt wird die Portfolio-Arbeit besonders unter die Lupe genommen und tabellarisch mögliche Formen von Elternveranstaltungen sowie eine Checkliste dargelegt.

Hospitation, Schweigepflicht und Familienbesuche stehen im Kapitel "Als Erziehungspartner voneinander lernen" im Mittelpunkt. Hier stellt eine gelungene Graphik den "Austausch zwischen Kita und Familie" dar.

Interessant ist die Überschriftformulierung des fünften Kapitels "Beteiligung der Eltern in multikulturellen Kitas", wo nicht die Eltern in ihren unterschiedlichen kulturellen Bezügen im Vordergrund stehen, sondern vielmehr das Leben in der Kindertagesstätte als Ganzes. Dies wird auch in den einzelnen Vorschlägen zur Einbeziehung des Migrationshintergrundes der Familien deutlich. Die Darstellung der verschiedenen Ebenen von Kultur – leider ohne eine entsprechende Graphik – sowie viele Fragen zur kulturellen Identifikation und Erfahrungen mit anderen Kulturen und die Positionierung zum Einsatz von Kindern als Dolmetscher runden das Kapitel ab.

Wie bei jedem anderen Kapitel auch, ist beim sechsten Kapitel "Väter als Erziehungspartner in der Kita" ein Schwarz-weiß- Foto eingefügt. Dies zeigt einen Vater und einen Erzieher. So wird auch stellenweise deutlich, dass es zum Teil nicht allein um Väter in der Kindertageseinrichtung geht, sondern stärker auch um das Einbeziehen von männlichen Personen sowohl als pädagogische Fachkraft als auch als Elternteil. Sehr interessant sind hier die Checkliste zur Väterfreundlichkeit einer Kita und die Ideen zur Einbeziehung beispielsweise auch getrennt lebender Väter.

Im siebten Buchabschnitt wird die Partizipation und die unterschiedliche Motivation von Eltern in den Mittelpunkt gerückt, während ein weiteres Kapitel sich mit der Durchführung von Beratungsgesprächen befasst; leider stehen hier keine Checklisten zur Verfügung.

Reflexion und Evaluation werden im folgenden Kapitel behandelt. Hier werden Punkte beschrieben, wie man sich selbst als Team in seiner Arbeit kritisch hinterfragt und des weiteren eine vierseitige Elternbefragung vorgestellt.

Ein immerhin 9 Seiten umfassendes Kapitel befasst sich mit der Thematik Inklusion, wobei hier auch der Anti-Bias-Ansatz und der Diversity-Ansatz beschrieben werden. Es geht hier stark um eine vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung. Ein, wenn auch kurzer Einschätzungsbogen kann zur Reflexion im Team eingesetzt werden.

Das letzte Kapitel greift unterschiedliche belastende Situationen von Familien (Tod, psychische Krankheit, Armut, Scheidung, Flucht) auf und zeigt, welche Unterstützungssysteme außerhalb einer Kita, aber gegebenenfalls auch als Unterstützung vor Ort in der Kita möglich sind. Ein gut zwanzig Titel umfassendes Literaturverzeichnis rundet das Buch ab.

Diskussion

Das Buch ist sehr ansprechend aufgemacht und bietet einen guten Überblick über die unterschiedlichen Aspekte der Erziehungspartnerschaft mit Erziehungsberechtigten. in der Kita. Viele Fragestellungen und Checklisten, die leider vom Layout her nicht immer kopierfreundlich angelegt und leider ohne Piktogramme versehen sind. Fachlich fundiert und vor allem auf die Umsetzung in der konkreten Praxis angelegt sind die Hinweise und Einschätzungen hilfreich und stärken eine reflexive Praxis.

Bei der Literaturliste hätte man sich mehr aktuelle Titel bzw. die Berücksichtigung grundlegender Werke zur Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit Eltern gewünscht sowie auch eine Benennung hilfreicher Internetseiten. Für eine grundlegende Erziehungspartnerschaft in der Kita fehlen bei diesem Werk dennoch Unterstützungshinweise bei handfesten Auseinandersetzungen mit Eltern, spezifische Hinweise für einen traumasensiblen, professionellen Umgang und insbesondere der Aspekt der Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung unter Hinzuziehung einer insofern erfahrenen Fachkraft. Hilfreich für im Berufsfeld noch nicht so lange tätigen Personen wäre noch ein Stichwortverzeichnis gewesen.

Fazit

Ein im Gesamten nützliches und vielseitig angelegtes Buch, das eine gute Hilfe für pädagogische Fachkräfte darstellt. Hier werden viele Hintergründe angeschnitten und diverse Tipps gegeben sowie vor allem Reflexionseinschätzungen geboten. Facettenreiche Unterstützung wird hier gegeben, ohne immer ausreichend Tiefgang dabei zu haben. Für Berufseinsteiger/-innen eine lohnende Lektüre, die aber unbedingt durch vertiefende fachliche Auseinandersetzungen sowie insbesondere durch Hinzuziehung grundlegender Titel und Spezialbücher (z.B. zur Krisenbewältigung und Umgang mit Konfrontationen) ergänzt werden sollte.


Rezensent
Dipl. Soz. Päd. Detlef Rüsch
Systemischer Familientherapeut, Supervisor
Jugendsozialarbeiter an einer Mittelschule
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Zitiervorschlag
Detlef Rüsch. Rezension vom 07.07.2016 zu: Ulrike Wehinger: Eltern beraten, begeistern, einbeziehen. Erziehungspartnerschaft in der Kita. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2016. ISBN 978-3-451-34235-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20480.php, Datum des Zugriffs 20.10.2019.


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ISSN 2190-9245

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