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Constance Engelfried, Pierre Ibisch (Hrsg.): Promovieren an und mit Hochschulen für Angewandte Wissenschaften

Cover Constance Engelfried, Pierre Ibisch (Hrsg.): Promovieren an und mit Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Theorie, Praxis und Perspektiven eines partizipativen Instruments. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2016. 260 Seiten. ISBN 978-3-8474-0771-3. D: 33,00 EUR, A: 34,00 EUR.
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Thema

Im vorliegenden Buch wird das Thema „Promotion an und mit Fachhochschulen“ facettenreich beleuchtet: Von den generellen Rahmenbedingungen über die Besonderheiten kooperativer Verfahren, Modellprojekten in einzelnen Bundesländern, Angeboten zur Promotionsförderung bis hin zu einem eigenständigen Promotionsrecht an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Das ist für die Sozialen Arbeit in besonderem Maße virulent, da für diese Disziplin kein vollwertiges Äquivalent an Universitäten existiert und Absolvent/innen einschlägiger Studiengänge gezwungen sind, eine Promotion in den „Bezugswissenschaften Sozialer Arbeit“ anzustreben (Schröer und Schmitt 2013).

Für Promotionsinteressierte liegt bisher eine Vielzahl von Ratgebern vor, die Hinweise zu den formalen Anforderungen, zum Procedere und anschließenden Karrierechancen geben. Dazu zählen die „Promotionsfibel“ von Becker (2014) und die Publikation von Gunzenhäuser und Haas mit dem Titel „Promovieren mit Plan“ (2015) sowie Titel, welche aus den Bezugswissenschaften Sozialer Arbeit entstanden sind (bspw. Wolf und Wenzelburger 2010 für die Politikwissenschaft sowie Schöneck, Wolf und Wenzelburger 2012 für die Soziologie). Allerdings wird hier kaum auf die besondere Situation von Fachhochschulabsolvent/innen eingegangen.

Eine Ausnahme stellt das von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) herausgegebene Handbuch „Promovieren mit Perspektive“ dar, in dem zumindest ein einschlägiger Aufsatz von Schmitt und Günauer (2012) enthalten ist, sowie eine umfangreichere Broschüre von Schmitt (2011).

Was bisher jedoch fehlt(e) sind Beiträge, welche gegenwärtige hochschulpolitische Diskurse und damit verbundene Debatten aufgreifen, kontextualisieren und kritisch hinterfragen. Der hier besprochene Band soll diese Lücke schließen.

Autor/innen

Die hier besprochene Publikation wurde von Dr. Constance Engelfried, Diplompädagogin, Sozialwissenschaftlerin, Organisationsberaterin und Professorin an der Hochschule München, sowie Dr. habil. Pierre L. Ibisch, Biologe und Professor an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde herausgegeben und im Verlag Barbara Budrich veröffentlicht.

Zu den Autor/innen der Einzelbeiträge zählen neben Professor/innen aus dem Umfeld der Fachgruppe Promotionsförderung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) auch Vertreter/innen anderer Disziplinen, die an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) vertreten sind, Promovend/innen sowie eine Vertreterin eines Studienförderwerkes.

Zielgruppe und Anspruch

Das Buch richtet sich an Akteure aus Wissenschaft und (Hochschul-) Politik, die an einer „Versachlichung“ (S. 16) der kontroversen Debatte um das Promotionsrecht an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und derzeit gangbare Wege zum Erwerb des Doktor/innengrades interessiert sind. Für Absolvent/innen von Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, die sich über Rahmenbedingungen einer Promotion informieren wollen, dürfte diese Publikation ebenfalls von Interesse sein.

Aufbau

Der insgesamt zwölf Beiträge umfassende Band ist formal in zwei Teile gegliedert:

  • Teil I versammelt sieben Beiträge zu „Aktuellen Positionen und Entwicklungen“ (S. 7 – 134), in
  • Teil II finden sich fünf Aufsätze zu „Aktivitäten und Maßnahmen“ (S. 135 – 208).

Am Ende des Bandes findet sich ein Autor/innenverzeichnis (S. 209 – 213).

Zu Teil I: Aktuelle Positionen und Entwicklungen

Der erste Beitrag mit dem Titel „Am Wendepunkt? Promovieren an und mit Hochschulen für Angewandte Wissenschaften“ (S. 9 – 17) wurde von den Herausgeber/innen der Publikation verfasst. Darin wird die Relevanz des übergreifenden Themas erläutert und aufgefächert. Ausgehend von Veränderungen der Hochschullandschaft im Zuge des Bolgna-Prozesses, dessen intendierte und nicht intendierte Folgen die gegenwärtigen Entwicklungen prägen, werden Besonderheiten des Hochschultyps „University of Applied Sciences“ herausgestellt: Tradierte Strukturprinzipien stehen zur Disposition, und der Anspruch und das Selbstverständnis der ehemaligen Fachhochschulen geht über die kostengünstige Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses an „akademischen Fachschulen“ hinaus. Gleichzeitig bestehen im Vergleich zu Universitäten deutliche Unterschiede im Hinblick auf die Qualifikation des Personals sowie den zur Verfügung stehenden Ressourcen (S. 9f.). Andererseits partizipieren Hochschulen für Angewandte Wissenschaften an Forschungsprogrammen, haben eigene Forschungsprojekte und zum Teil Forschungsabteilungen etabliert und fördern Studierende, die eine Promotion anstreben, durch Kolloquien. Ein eigenständiges Promotionsrecht besteht jedoch nach wie vor nicht. Diese Ambitionen treffen im Gegenteil (und konträr zu der Auffassung des Wissenschaftsrates) auf Ablehnung seitens universitärer Einrichtungen, die den Fachhochschulen nach wie vor die Funktion als reine Ausbildungsstätte zuweisen (S. 10f.). Dabei wird ignoriert, dass an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften Professionen, Disziplinen und Felder verortet sind, die Universitäten keine Entsprechung erfahren. Somit wird argumentiert, dass es nicht allein um den Zugang zu Promotionen für Absolvent/innen von ehemaligen Fachhochschulen geht, sondern das Problem grundsätzlicher ist (S. 11f.).

Die Autorinnen zeigen in einem Rekurs die Entwicklung von Fachhochschulen in den 1970er Jahren als Modell zur Herstellung von Bildungsgerechtigkeit, bedarfsgerechter Ausbildung und Akademisierung breiterer Bevölkerungsschichten die Impulse auf, die von Neugründungen derartiger Einrichtungen nach der „demokratischen Wende“ in den „neuen Bundesländern“ ausgingen. Dazu zählen insbesondere die Einrichtung innovativer neuer, inter- und transdisziplinär ausgerichteter Studiengänge, welche eine strikte Trennung von Grundlagenforschung, angewandter Forschung und Industrieforschung obsolet erscheinen lassen. Im Zuge der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengängen kam den Hochschulen für angewandte Wissenschaften ebenfalls eine Vorreiterrolle zu (S. 12ff.). Aus dieser Situation heraus entstanden Initiativen, diesen Einrichtungen den Zugang zum Promotionsrecht zu gewähren, wobei die eingeführten oder angestrebten Modelle teils erheblich variieren (S. 14). Der Beitrag schließt mit einem Ausblick auf die kommenden Aufsätze und kann als „thematische Klammer“ verstanden der vorliegenden Publikation werden.

Der zweite Beitrag von Pierre L. Ibisch mit dem Titel „Promotionsrecht an Fachhochschulen: ‚Ein wissenschaftliches oder wissenschaftstheoretisches Problem?‘“ (S. 19 – 41) beginnt mit drei polemischen Kommentaren zu einem Beitrag zu diesem Thema in einem Onlineforum, in denen die Wissenschaftlichkeit von Hochschulen für angewandte Wissenschaften grundsätzlich infrage gestellt wird. Damit wird eindrucksvoll aufgezeigt, in welchem Maße die gegenwärtige Debatte von Ignoranz, Standesdünkel, Emotion und Irrationalität geprägt ist. Daran anknüpfend formuliert der Autor kritische Fragestellungen, die er in den weiteren Abschnitten seines Beitrages aufgreift und daran anknüpfend Thesen und Antworten vorschlägt (S. 19f.). Zunächst wird mit Verweis auf historische Entwicklungen hinterfragt, inwieweit Wissenschaft um ihrer selbst willen versus eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit praxisbezogenen Fragestellungen angesichts der Komplexität von Fragestellungen und Forschungsansätzen trennscharf voneinander abzugrenzen sind. Unter Verweis auf die Anforderungen einer sich fortschreitend differenzierenden Gesellschaft und der diese begleitenden technologischen Entwicklung, der Verknappung von Rohstoffen, sozialen und ökologischen Problemen und Herausforderungen wird herausgearbeitet, dass die Rolle des „konventionellen“ wissenschaftlichen Wissens differenziert zu diskutieren ist (S. 20ff.). Als basale Voraussetzung von Wissenschaft benennt der Autor die Kategorien Systematik, Transparenz und Reproduzierbarkeit, um im Anschluss daran herauszustellen, dass Anwendungsorientierung kein Argument für deren unterstellte Nichtwissenschaftlichkeit sein kann (S. 23). Am Beispiel der Ingenieurswissenschaften stellt er dar, dass die Schaffung von Wissen mit dem Ziel der Anwendung nicht mit der bloßen Anwendung wissenschaftlichen Wissens gleichzusetzen sei (S. 23f.). Zudem verweist er unter Bezug auf verschiedene Disziplinen, die in universitären Kontexten verortet sind (Medizin, Pädagogik, Verkehrswesen) auf deren Anwendungsorientierung, so dass die unterkomplexe Trennung von Grundlagenforschung (L´art pour l´art) und angewandter Forschung nicht mehr aufrechterhalten werden kann, sondern die Gegenwartsgesellschaft angesichts aktueller Herausforderungen in die „angewandte Wissenschaft getrieben“ wird (S. 25).

Im folgenden Abschnitt zeichnet Ibisch Entwicklungen des Wissenschaftsbetriebes nach und beschreibt, wie sich dieser vom Terrain privilegierter Männer zu einem Massenphänomen der Wissensgesellschaft gewandelt hat, der durch die Akademisierung zahlreicher Berufsstände gekennzeichnet ist. Die damit einhergehende Verknüpfung von Forschung und Lehre gemäß des humboldtschen Bildungsideals veränderte nicht nur die Anforderungen an die Vermittlung von Wissen, sondern auch die Wissenschaft selbst und führte zu einer erhöhten Nachfrage an angewandter Wissenschaft (S. 26f.). Er zeigt ferner auf, dass sich Bildung angesichts gesellschaftlicher Veränderungsprozesse von einem idealistischen Konzept zur praktischen und ökonomischen Notwendigkeit entwickelt hat, die ihrerseits neue Ansprüche an Forschung und Lehre stellt (S. 27). Dies korreliert mit der Forderung der Öffnung des Hochschulzugangs für Menschen ohne propädeutische Vorkenntnisse bisheriger Bildungseliten (ebd.). Schlussendlich stellt er die gegenwärtige und zukünftige Bedeutung angewandter Wissenschaften heraus und argumentiert, dass es angesichts zunehmend komplexer Wissensbestände nicht mehr darum gehen kann, Wissen „einzupauken“ und im Beruf „effizienter abrufen zu können“, sondern Kompetenzen vermittelt werden müssen die es ermöglichen, Wissen kritisch zu reflektieren (S. 28). Im vierten Abschnitt seines Beitrages hinterfragt Ibisch die gegenwärtige Rolle von Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Er räumt dabei zunächst das Missverständnis aus, dass Lehre an Fachhochschulen bedeutet, anwendungsbezogen Wissen zu vermitteln, das „anderswo geschaffen wurde“ (S. 29). Er sieht die Nähe zur Praxis als ein Merkmal von Fachhochschulen, dass insbesondere auf den Biografien der Professor/innen an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften beruht und durch die Einstellungsbedingungen (5jährige Berufspraxis, davon mindestens 3 Jahre außerhalb des Wissenschaftsbetriebes) begünstigt wird (ebd.). Ibisch sieht dadurch einen Wissenschaftler/innentypus begründet, der sowohl über herausragende akademische Qualifikationen als auch praktische Erfahrungen verfügt, jedoch gegenwärtig in seiner Entfaltung gehemmt sei (S. 30). Damit zeigt er auf, dass die Hochschulen für angewandte Wissenschaften nicht auf die Rolle als „Kaderschmieden für fachkräftebedürftige Unternehmen“ zu reduzieren sind, gleichwohl sie ursprünglich aus diesem Anspruch heraus gegründet worden sind (ebd.). Potentiale sieht er zudem hinsichtlich deren Innovationskraft jenseits etablierter Strukturen und Traditionen (S. 30f.). Andererseits verweist der Autor auf strukturelle Rahmenbedingungen, die dieses Innovationspotential einschränken: Das hohe Lehrdeputat, eine vergleichsweise geringere durchschnittliche Vergütung im Zuge der Besoldung, mangelnde Sekretariatsressourcen und ein wenn überhaupt nur spärlich vorhandener Mittelbau sind kaum zu kompensieren. Auch die Lockerung des Zugangs zur Promotion für Absolvent/innen von Fachhochschulen bedeutet, sofern diese in einem kooperativen Verfahren angestrebt wird, einen erheblichen Mehraufwand im Hinblick auf die knappen zeitlichen Ressourcen. Diese Diskriminierung schlägt sich unmittelbar in einer Hemmung von Forschungsaktivitäten an Hochschulen für angewandte Wissenschaft nieder (S. 31f.). Erschwerend tritt hinzu, dass im Hinblick auf eine Veränderung dieser prekären Rahmenbedingungen kein Konsens besteht, sondern bspw. der Deutsche Hochschulverband als Akteur bestrebt ist, den derzeitige Status Quo und die damit einhergehenden Privilegien der Universitäten zu erhalten (S. 32f.).

Der Beitrag wird an dieser Stelle unvermittelt durch einen im Inhaltsverzeichnis nicht ausgewiesenen Bericht von Pfriem und Ibisch zur Situation in Brandenburg unterbrochen, in dem Vorschläge zur Rolle von Hochschulen für Angewandte Wissenschaften diskutiert werden (S. 34 – 37). Im letzten Abschnitt findet der Autor zum eigentlichen Thema zurück und plädiert für eine „adaptive und komplexe Entwicklung der Hochschullandschaft in einer komplexen Gesellschaft“ (S. 38f.). Er stellt den Anspruch einer ganzheitlichen Wissenschaft heraus, die sowohl aus Lehre als auch aus Forschung besteht und betrachtet den systematischen Ausschluss anwendungsorientierter Forschung als unhaltbar. Ibisch sieht in der derzeitigen Situation eine „Ressourcenverschwendung sondergleichen“ und fordert eine mit Universitäten vergleichbare Ausstattung, die das grundsätzliche Promotionsrecht einschließt (ebd.). Damit geht auch die Forderung nach einer unabhängigen Begutachtung von Dissertationen und zur Organisation von Disputationen einher, wie sie bspw. in Großbritannien praktiziert wird. Die Verantwortung würde nach diesem Modell einem übergeordneten Promotionsausschuss übertragen, an dem Professor/innen aller Hochschultypen mitwirken, die allein auf Grundlage ihrer Qualifikation akkreditiert werden. Er plädiert für ein dynamisches Hochschulsystem zur Qualitätsentwicklung an Hochschulen und schließt mit der Forderung, dies auch gegen Widerstände durchzusetzen.

Der dritte Beitrag widmet sich dem Thema „Promovieren mit FH-Abschluss: Aktuelle Positionen und Perspektiven“ (S. 43 – 66). Er wurde von Constance Engelfried und Marianne Klotz verfasst und bietet einen differenzierten Überblick zu Kontexten, Strukturen und Grundlagen am Beispiel der Sozialen Arbeit. Zunächst stellen die Autorinnen fest, dass eine Promotion als „Form der wissenschaftlichen Sozialisation in eine bestimmte wissenschaftliche Kultur“ für alle beteiligten eine große Herausforderung darstellt und der Erwerb des Doktorgrades Disziplin, Ehrgeiz, Beharrungsvermögen und Geduld erfordert. Im Anschluss daran wird die Frage aufgeworfen, welche stichhaltigen Gründe es angesichts gleichwertiger Bachelor- und Masterabschlüsse es gegenwärtig gibt, Hochschulen für Angewandte Wissenschaft das Promotionsrecht zu verweigern. Andererseits sehen sie wenig Ertrag in der Debatte, ob Fachhochschulen ein eigenständiges Promotionsrecht zugestanden werden sollte, sondern wollen Angesichts der Heterogenität der Hochschullandschaft und der darin vertretenen Akteure einen differenzierten Blick auf gegenwärtige Prozesse zu richten, die das „Promotionsmonopol“ von Universitäten aufweichen. Sie attestieren in diesem Zusammenhang jedoch nach wie vor ein Ungleichgewicht der Machverhältnisse (S. 45) und verweisen – wie zuvor schon Ibisch – auf strukturelle Benachteiligungen von Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (schlechtere Besoldung, höheres Lehrdeputat etc., siehe oben). Während in den letzten Jahren eine formale Angleichung von Abschlüssen stattgefunden hat, stellt das Promotionsrecht eine der letzten Machtressourcen der Universitäten dar, um sich von Hochschulen für angewandte Wissenschaften abgrenzen zu können (S. 43ff.). Die Autorinnen gehen im Folgenden auf die gegenwärtige Situation an Fachhochschulen ein und stellen heraus, dass diese in Deutschland generell über kein eigenständiges Promotionsrecht verfügen. Das wiederum bedeutet, dass Studiengängen, die nahezu ausschließlich an Fachhochschulen angeboten werden, die Möglichkeit verwehrt wird, ihren eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs eigenverantwortlich auszubilden. Dies gelte beispielsweise für die Soziale Arbeit. Derzeit besteht zwar die Möglichkeit der Promotion in einem kooperativen Verfahren, allerdings ist deren Ausgestaltung in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt, beispielsweise ist die Rolle von Fachhochschulprofessor/innen als Gutachter/innen unterschiedlich definiert. Es existieren Pilotprojekte in Form von Promotionskollegs, an denen sowohl Universitäten als auch Hochschulen für Angewandte Wissenschaften beteiligt sind. Dennoch sind die wenigsten Doktorand/innen in ein strukturell verankertes System eingebunden. Gleichzeitig steigt der Anteil der Promovend/innen mit Fachhochschulabschluss (S. 45f), die Autorinnen berufen sich dabei auf eine Studie der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) aus dem Jahr 2013.

Um die gegenwärtige Situation von Hochschulen für Angewandte Wissenschaften differenziert betrachten zu können folgt ein Abriss der Geschichte dieser Einrichtungen. Anschließend erläutern Engelfried und Klotz Möglichkeiten einer Promotion nach Fachhochschulabschluss. Die Autorinnen gehen ferner auf allgemeine Zugangsvoraussetzungen für Absolvent/innen von Fachhochschulabsolvent/innen ein und stellen heraus, dass Fachhochschulabsolvent/innen trotz Masterabschluss mit dem Argument einer fachfremden Ausbildung der Zugang durch Eignungsfeststellungsverfahren erschwert wird. Ebenso gilt – im Unterschied zu Absolvent/innen von Universitäten – das Prädikat „sehr gut“ als formale Voraussetzung einer Promotion (S. 53). Daran anknüpfend betrachten die Autorinnen Modelle kooperativer Promotionen (S. 54f.), zudem wird die Situation von Doktorand/innen mit Fachhochschulabschluss anhand einer Fallstudie (unter einer „Fallstudie“ stelle ich mir eigentlich etwas anderes vor, es handelt sich hier um eine literaturgestützte Darstellung der gegenwärtigen Situation) illustriert (S. 55ff.). Ferner werden unter Bezugnahme auf Schmitt (2011) sechs Wege zur Promotion in der Sozialen Arbeit aufgezeigt und wesentliche individuell unterschiedliche Voraussetzungen und Entscheidungen (Wahl der Gutachter/innen und Betreuer/innen, Finanzierung, Mobilisierung zusätzlicher Ressourcen etc.) benannt. Zudem wird auf das Risiko eingegangen, dass durch den Zwang der Promotion in einer Bezugsdisziplin das Risiko der Entfremdung besteht und ein Ausblick auf Perspektiven nach erfolgter Promotion gegeben. Anschließend wird mit dem Szenario des „Brain-Drain“ ein weiteres Argument für die Verankerung eines eigenständigen Promotionsrechts für Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Feld geführt (S. 57ff.). Die „Fallstudie“ endet mit einem internationalen Vergleich (S. 60ff.). Schlussendlich benennen Engelfried und Klotz Empfehlungen und Zukunftsperspektiven.

Christiane Fritze und Stephanie Kastner gehen im nächsten Beitrag auf Promotionen an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften im Freistaat Bayern ein (S. 67 – 84). Sie zeigen Veränderungen in den letzten zehn Jahren auf, die von offener Diskriminierung (bspw. die Auflage, trotz Masterabschluss 30 Leistungspunkte im Promotionsfach zu erwerben oder alternativ einen universitären Masterabschluss nachzuholen) über latente Exklusionsmechanismen (wie abschlägige Antworten universitärer Lehrstühle auf Anfragen von Promotionsinteressierten mit Fachhochschulabschluss) bis hin zu verbindlichen Zielvereinbarungen zur Durchführung kooperativer Verfahren (S. 67f.). Die Autorinnen erörtern zunächst die gesetzlichen Grundlagen sowie Fördermodelle des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst (S. 69ff.). Zunächst gehen sie dabei auf die Folgen der Novellierung des bayerischen Hochschulgesetzes ein, die eine Neugestaltung der rechtlichen Voraussetzungen kooperativer Promotionen beinhaltete sowie die Stellung von Professor/innen an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften im Promotionsverfahren definierte und ihnen dabei das Recht einräumte, als Prüfer/in bestellt zu werden (ebd.). Ein weiteres Element der Gesetzesnovelle ist die Zielvereinbarung mit den Hochschulen und Universitäten abgeschlossene Zielvereinbarung, in der kooperative Promotionsverfahren verbindlich verankert sind (S. 70f.). Darüber hinaus wurden Förder- und Sonderprogramme initiiert, um Mittel für kooperative Graduiertenkollegs zur Verfügung zu stellen. Davon werden gegenwertig fünf Modellprojekte gefördert. Ferner werden regionale Netzwerke und Forschungsverbünde gefördert. Zusätzlich existiert ein Förderverein, der Karrierewege von Fachhochschulabsolvent/innen unterstützt (S. 71f.). Im Folgenden beschreiben die Autorinnen drei verschiedene Wege zur Promotion, die sich bisher etabliert haben: (1) Die Individualpromotion, deren Anteil gegenwärtig überwiegt und die hauptsächlich im Rahmen von Drittmittelprojekten erfolgt, (2) die strukturierte und institutionalisierte Kooperation mit ausländischen Universitäten, welche jedoch mit Kosten verbunden sein kann, sowie (3) inländische und institutionalisierte Kooperationsformen in Form von Graduiertenkollegs (S. 72 – 76). Diese Entwicklung wird von den Autorinnen positiv gewürdigt, allerdings kritisch angemerkt, dass Individualpromotionen nach wie vor eine besondere Herausforderung darstellen und es insbesondere kleineren Hochschulen schwerfällt, die dafür notwendigen strukturellen Voraussetzungen zu gewährleisten (S. 77).

Auf den folgenden Seiten findet sich eine Evaluation abgeschlossener (bzw. vollzogener) und laufender Promotionen in den Jahren 2006 bis 2014 (S. 78ff.). Einerseits wird hier deutlich, dass die Anzahl erfolgreicher kooperativer Verfahren respektive Verfahren im Rahmen von Verbundpromotionen deutlich zugenommen hat. Andererseits bestehen nach wie vor Hindernisse wie bspw. die unterschiedliche Regelung der Zugangsvoraussetzungen in den jeweiligen Promotionsordnungen (ebd.). Im Erhebungszeitraum wurden insgesamt 46 kooperative Promotionsverfahren erfolgreich beendet, das entspricht einem Anteil von 5,7%. Der Frauenanteil betrug dabei 20%. Weitere 101 Promotionsverfahren wurden in Kooperation mit außerbayerischen Universitäten abgeschlossen. Im Jahr 2014 wurden 481 laufende Promotionsverfahren gezählt. In Bezug auf Promotionskollegs wurde festgestellt, dass mehr als die Hälfte der bayerischen Hochschulen ein solches Modell anbietet, jedoch lediglich 22% der Doktorand/innen davon profitieren und somit der Individualpromotion nach wie vor eine herausragende Bedeutung zukommt (S. 80). Des Weiteren gehen die Autorinnen auf Rahmenbedingungen von Promotionsverfahren ein und stellen fest, dass neben „persönlichen Befindlichkeiten einzelner Universitätsprofessoren“ mangelnde Anreizsysteme dazu führen, dass nach wie vor Barrieren einer kooperativen Promotion existieren. Zudem erschwert die fehlende Entsprechung von Studiengängen an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften an Universitäten – Fritze und Kastner führen als Beispiele Tourismus-, Pflege-, Gesundheits- und Sozialwissenschaften an – die Suche nach Betreuungsmöglichkeiten (S. 81). Aus den Befunden der Evaluation werden 14 Forderungen abgeleitet (ebd.). Schlussendlich werden Perspektiven kooperativer Promotionen diskutiert (S. 82ff.). Dabei wird auf das Bayerische Wissenschaftsforum sowie die Etablierung des Modells „Verbundpromotion“ einschließlich einer verbindlichen Verankerung von Zielen und Strukturen eingegangen. Zudem wurden Eckpunkte kooperativer Kooperationsverfahren, die Absolvent/innen von Hochschulen für Angewandte Wissenschaften vereinfachen. In diesem Zusammenhang wurde bspw. festgelegt, auf zusätzliche Qualifikations- bzw. Prüfungsauflagen zu verzichten. Bei der Betreuung und in ihrer Funktion als Gutachter/innen sind Professor/innen an Universitäten und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften gleichgestellt und es werden Anreizsysteme entwickelt, um die Bereitschaft zur Betreuung von Dissertationen zu fördern. Das Promotionsrecht selbst verbleibt bei den Universitäten, die Beteiligung einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften ist jedoch auf dem Abschlusszertifikat ersichtlich. Auf eine Differenzierung des Doktorgrades (etwa „Dr. (FH)“) wurde verzichtet und eine weitere Evaluation nach fünf Jahren beschlossen (ebd.). Der Beitrag schließt mit einem kritischen Resümee (S. 85f.).

Der fünfte Beitrag wurde von Gerhard Klockläuner verfasst und betrachtet die Situation in Schleswig-Holstein aus einer kritischen Perspektive heraus (S. 89-95). Ausgehend von der derzeitigen Gesetzeslage, die kein eigenständiges Promotionsrecht für Hochschulen für Angewandte Wissenschaften vorsieht, wird in diesem Bundesland im Rahmen einer Gesetzesnovelle, die sich derzeit im parlamentarischen Verfahren befindet, ein qualifiziertes Promotionsrecht für Fachhochschulen diskutiert. Eingangs wird auf die Unterschiede der Qualifizierungsziele von Fachhochschulen (Forschungs- vs. Anwendungsorientierung) hingewiesen und dargelegt, dass diese sich angesichts der aktuellen hochschulpolitischen Entwicklungen abschwächen könnten (S. 89f.). Andererseits wird die gegenwärtige Realität so beschrieben, dass sich Hochschulen für Angewandte Wissenschaften mit der Intention einer klaren Profilbildung bewusst vom Studienangebot an Universitäten abgrenzen. Der Autor hinterfragt ferner, ob angesichts der unterschiedlich ausgeprägten Forschungspraxis an Fachhochschulen eine „reine Anwendungsorientierung als Basis für Promotionen im Bereich angewandter Forschung ausreichend sein kann“ (S. 90). Unter Verweis auf die Berufungsvoraussetzungen für Professor/innen an Fachhochschulen wird eine Forschungsorientierung des Lehrpersonals bezweifelt und dargelegt, dass im Rahmen des angestrebten Praxistransfers ein Wissenschaftsbezug nicht vorrangig sei. Zudem seien Forschungsberichte von Fachhochschulen durch das aktuell gültige Hochschulgesetz nicht zwingend vorgeschrieben und wurden nach 2007 auch nicht vorgelegt. Lediglich vereinzelt lassen sich, so der Autor, Beiträge finden, die wissenschaftliche Fortschritte dokumentieren und zumeist von den „wenigen habilitierten Professor_innen“ verfasst wurden (S. 90f). Diese bedeute nicht, dass keine „Forschung im engeren Sinne z.B. mit anschließenden Veröffentlichungen in […] Fachzeitschriften“ stattfinden würde, allerdings werde diese häufig als neben der Lehre stattfindende „Privatangelegenheit“ betrachtet. Gegenwärtig werden Promotionen im Rahmen kooperativer Verfahren realisiert, die häufig durch persönliche Beziehungen von Fachhochschulprofessor/innen zu promotionsberechtigten Personen an Universitäten geprägt sind (S. 91).

Obwohl das Scheitern etlicher Promotionsverfahren dokumentiert sei, bestehen Hochschulleitungen auf ein eigenständiges Promotionsrecht. Damit sind zwar einerseits Forderungen nach der Aufhebung bestehender Diskriminierungen verbunden, allerdings bezweifelt der Autor die Bereitschaft, die Forschung an Fachhochschulen zu stärken. Deshalb sei die Vergabe des Promotionsrechts angesichts des „überwiegend vorhandenen Selbstverständnisses“ sowie einer „fehlenden gewachsenen Forschungsgrundlage“ nicht ohne Bedingungen möglich (ebd.). Klockläuner wirft in diesem Zusammenhang die Frage auf, ob es nicht angeraten sei, Studierenden mit einer starken Forschungsneigung im Bachelor-Studium ein forschungsorientiertes Masterstudium an einer Universität zu empfehlen. Diese Überlegungen würden sich auch in einem Gesetzesentwurf der Landesregierung niederschlagen, der Fachhochschulen statt einem allgemeinen ein qualifiziertes Promotionsrecht zugesteht (S. 92). Dieser wurde im Frühjahr 2014 vorgelegt und beinhaltet den Vorschlag der Einrichtung eines hochschulübergreifenden Promotionskollegs, wurde allerding noch nicht parlamentarisch beraten. Diese Kollegs dienen der Durchführung von Promotionsverfahren an Fachhochschulen, der angestrebte akademische Grad wird durch diejenige Fachhochschule verliehen, an der bzw. die betreuende Professor/in Mitglied ist. Voraussetzung einer Beteiligung von Fachhochschulprofessor/innen ist eine externe Evaluation, sofern sie nicht habilitiert sind oder bereits über eine Zweitmitgliedschaft an einer Universität verfügen, sowie die Mitgliedschaft in einem „Forschungsteam“, das sich aus mindestens drei Fachhochschulprofessor/innen und einer universitären Professur (sog. „Spiegelprofessur“) zusammensetzt. Im Promotionsverfahren erfolgt eine funktionale Trennung von Betreuer/innen und Gutachter/innen. Für die Promotion ist ein Ausschuss, der aus Mitgliedern verschiedener Forschungsteams, promovierten Vertreter/innen des Mittelbaus und einer bzw. einem Doktorand/in besteht, zuständig (ebd.). Die Bewertung der Dissertation erfolgt durch eine Prüfungskommission, die aus dem/ der Betreuer/in, der „Spiegelprofessur“ sowie einem/einer weiteren Gutachter/in mit Betreuungsrecht besteht. Die betreuende Person hat die Funktion, über die Promotionsleistung schriftlich zu berichten, die eigentliche Bewertung erfolgt durch die anderen Mitglieder der Kommission. Am Ende des Promotionsverfahrens ist eine hochschulöffentliche Disputation vorgesehen (S. 92f.). Mittlerweile wurde dieser Gesetzesentwurf überarbeitet und insbesondere rechtliche Aspekte eines solchen Kollegs spezifiziert. Zudem ist im Gegensatz zur früheren Fassung das Kolleg nunmehr nicht ausschließlich als Einrichtung vorgesehen, die Promotionsverfahren für Fachhochschulen regelt, sondern als hochschulübergreifende wissenschaftliche Einrichtung konzipiert (S. 93).

Der Autor weist in einem Resümee darauf hin, dass die Einrichtung eines solchen Promotionskollegs zwar auf breite Zustimmung stößt, da es den Zugang zu Promotionen regelt, bezweifelt aber, dass die konkretisierten Qualitätsanforderungen derzeit erfüllbar sind. Dennoch sei die Einrichtung von Kollegs als zusätzlicher Promotionsweg mit klaren Qualitätsanforderungen (ungeachtet der Hochschulzugehörigkeit) zu begrüßen. Er bezweifelt jedoch, dass die Durchführung von Praxisprojekten mit reiner Anwendungsorientierung promotionsadäquat ist. Klockläuner begrüßt den Modellcharakter der Gesetzesnovelle, sieht Potentiale hinsichtlich einer gewünschten fachwissenschaftlichen Profilierung und einer Aufweichung der bisherigen Abgrenzung der verschiedenen Hochschultypen. Er zeigt sich darüber hinaus aber skeptisch, inwieweit sich die Einrichtung von Promotionskollegs mit den gesetzlich definierten Anforderungen an Fachhochschulen in Einklang bringen lassen. Sollte das bisherige berufsorientierte Profil beibehalten werden, wäre es seiner Meinung nach „konsequent, Promotionen wie bisher Universitäten vorzubehalten.“ (S. 94f.).

René Gründer und Jürgen Burmeister beschäftigen sich in ihrem Beitrag mit den Möglichkeiten und Grenzen einer Anbahnung von Hochschulkarrieren nach Abschluss an einer dualen Hochschule nach dem Baden-Württemberger Modell (S. 97-124). Sie diskutieren anhand von drei Hypothesen, (1) inwieweit sich die Funktion der dualen Hochschulausbildung gewandelt hat und welche Konsequenzen dies für die Einmündung in das Wissenschaftssystem nach sich zieht, (2) welche Rahmenbedingungen dieses Modell zur Verfügung stellt und welche Rolle die hochschulpolitische Aufwertung der ehemaligen Berufsakademien dabei spielt und (3) welche Möglichkeiten der Karriereförderung und der Etablierung von Promotionsprojekten für den Bereich Sozialwesen an Dualen Hochschulen in Baden-Württemberg bestehen (S. 97f.). Im Weiteren beschreiben die Autoren die besondere Situation Dualer Hochschulen in Baden-Württemberg und die daraus resultierenden Konsequenzen hinsichtlich der Promotionsförderung. Sie entfalten in ihrem Beitrag aktuelle Rahmenbedingungen für wissenschaftliche Qualifikationswege, institionengeschichtliche Aspekte, spezifische Selektionsmechanismen und konkrete Aufgabenfelder am Beispiel des Fachbereichs Sozialwesen. Schlussendlich verweisen sie auf bisherige Erfahrungen und geben einen Ausblick und positionieren sich zum Promotionsrecht (S. 98ff.). Ein fachbezogenes Promotionsrecht wird diskutiert und als perspektivisch wünschenswert, aber derzeit noch – bspw. aufgrund des derzeitigen Stellenwertes anwendungsorientierter Forschung sowie fehlender konzeptionelle infrastruktureller Voraussetzungen an Dualen Hochschulen – als nicht realisierbar betrachtet (S. 121ff.).

Das siebente Kapitel (S. 125-134) der vorliegenden Publikation schließt den ersten Teil zu aktuellen Positionen und Entwicklungen ab. Dabei handelt es sich um ein Interview mit Susanne Elsen von der Freien Universität Bozen, vorher Hochschule für angewandte Wissenschaften Zürich und Hochschule München, zum Thema „Promovieren mit FH-Abschluss“. Sie sieht das „professional doctorate“ als eigenständigen, spezifischen Doktoratsabschluss für Absolvent/innen von Fachhochschulen die Chance der Profilierung im Hinblick auf eine nichtuniversitäre Karriere (S. 128f.). Bedenken, dass damit eine Promotion „zweiter Klasse“ entstehen würde, sieht sie nicht und verweist auf Erfahrungen in Italien und Frankreich (ebd.). Ferner geht auf die Vor- und Nachteile von Individual- vs. strukturierter Promotion ein. Sie verweist auf gute Bedingungen eines Promotionsstudiums in Bozen, gleichzeitig erscheinen ihr die Zugangsvoraussetzungen für Bewerber/innen mit Fachhochschulabschluss kritikwürdig (S. 129f.). Sie moniert insbesondere die Ungleichbehandlung von Masterabschlüssen, die an Fachhochschulen erworben wurden, und nennt als positive Gegenbeispiele die TU Dresden und die Ludwig-Maximilians-Universität München. Allerdings schränkt sie ein, dass diese vergleichsweise bessere Situation auf Einzelpersonen zurückzuführen ist und nach deren Ausscheiden aus dem Hochschulbetrieb die Gefahr besteht, dass mangels einer strukturellen Lösung diese Möglichkeiten wegbrechen könnten (S. 130f.). Schlussendlich geht sie auf disziplinäre Unterschiede ein und verweist auf hochschulpolitische Veränderungen (S. 131f.). Der Beitrag endet mit einem Positivbeispiel und einem Ausblick.

Zu Teil II: Aktivitäten und Maßnahmen

Der erste Beitrag des zweiten Teils (S. 137 – 155) wurde von einem Autor/innenkollektiv verfasst. Andreas Büscher, Lena Dorin, Claudia Hellmers, Christiane Knecht, Sabine Metzing, Wilfried Schnepp, Stefanie Stelzig und Friederike zu Sayn-Wittgenstein stellen darin das kooperative Forschungskolloquium „Familiengesundheit im Lebensverlauf“ vor. Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Projekt der Universität Witten/Herdecke und der Hochschule Osnabrück, das von den Autor/innen als „gelungen“ charakterisiert wird. Einleitend verweisen sie auf aktuelle hochschulpolitische Diskussionen hinsichtlich des Promotionsrechtes und zur Zulassung von Fachhochschulabsolvent/innen zur Promotion (S. 137f.). Anschließend erörtern sie die thematische Klammer des o.g. Promotionskollegs (S. 138ff.) und gehen auf die Besonderheiten von Pflegewissenschaften und Hebammenwissenschaft im deutschen Hochschulkontext ein (S. 141ff.). Daran anknüpfend beschreiben die Autor/innen die Umsetzung der Kooperation zwischen den beteiligten Institutionen. Eine Besonderheit ist hier, dass in einem Kooperationsvertrag die gegenseitige Berufung der beteiligten Professor/innen an die jeweils andere Hochschule festgeschrieben wurde (S. 143ff.). Zudem wurde ein gemeinsames, strukturiertes Qualifikationskonzept für die Promovierenden erarbeitet (S: 145f.). In diesem sind vierteljährlich stattfindende Forschungskolloquien, die Planung und Durchführung internationaler Fachtagungen unter Beteiligung der Kollegiat/innen, die fortlaufende Unterstützung insbesondere durch Postdoktorand/innen, die Betreuung durch Professor/innen, die aktive Teilnahme an Kongressen und Fachtagungen und Auslandsaufenthalte, die Unterstützung bei der Vorbereitung von Präsentationen und Publikationen sowie die Möglichkeit, in der Lehre tätig zu sein und hochschuldidaktische Weiterbildungsmaßnahmen wahrzunehmen (S. 145ff.), verankert. Anschließend werden Organisation und Aufbau des Kolloquiums beschrieben (S. 149ff.). Die beteiligten Professor/innen ziehen ein positives Fazit (S. 153f.) und führen dabei ins Feld, dass eine Abbruchquote von 0% sowie vier bereits eingereichte Promotionsgesuche, von denen bisher zwei erfolgreich abgeschlossen wurden, auf einen Erfolg hindeuten und merken an, dass es nicht allein die Frage des Promotionsrechtes sei, über die diskutiert werden müsse, sondern es auch um den nachhaltigen Aufbau von Strukturen gehe (S. 154).

Im folgenden Beitrag von Rudolf Schmitt und Silke B. Gahleitner (S. 157 – 169) werden promotionsfördernde Aktivitäten und Maßnahmen in der Sozialen Arbeit nach FH-Abschluss vorgestellt, die in und aus der Fachgruppe Promotionsförderung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit (DGSA) entstanden ist. Sie stellen Motive einer Promotionsförderung in der Sozialen Arbeit dar und verweisen zunächst auf Probleme der Anerkennung von FH-Abschlüssen bei der Zulassung zur Promotion, wobei durch die im Zuge der Bolgona-Reform formale Gleichstellung von FH- und universitären Masterabschlüssen Verbesserungen erkennbar seien. Zudem verweisen sie auf den Umstand, dass es für die Soziale Arbeit als Disziplin an Universitäten keine Entsprechung hat und Absolvent/innen gezwungen sind, die Promotion in einer Bezugsdisziplin Sozialer Arbeit anzustreben. Wenngleich auch zwischen Sozialer Arbeit als Handlungswissenschaft und (universitärer) Sozialpädagogik als Reflexionswissenschaft inhaltliche Überschneidungen bestehen, treffen zwei unterschiedliche disziplinäre Ausrichtungen aufeinander (S. 158f.). Diese Besonderheit in Deutschland, Österreich und der Schweiz führt dazu, dass ein Mangel an grundständig als Sozialarbeiter/innen ausgebildetem Lehrpersonal existiert: Laut einer Studie von Amthor (2008) verfügen 80% der Dozent/innen über keinen einschlägigen Abschluss. Dieser relativ geringe Selbstrekrutierungsgrad führt nach Meinung von Schmitt und Gahleitner dazu, dass es Studierenden schwerfällt, sich mit den Lehrenden und dem Fach zu identifizieren. Zudem sehen sie durch Forschungsarbeiten und Dissertationen einen unmittelbaren Nutzen für die (Weiter-) Entwicklung) von Disziplin und Profession der Sozialen Arbeit. Ferner sehen sie Potentiale bei der Entwicklung eines akademischen Milieus der Sozialen Arbeit, bei der Besetzung entscheidungsrelevanter Positionen in Gremien, bei der Verhandlung mit anderen Professionen „auf Augenhöhe“ sowie in der Erweiterung biografischer Optionen (S. 159f.).

In einem weiteren Abschnitt erörtern sie das Selbstverständnis der Promotionsförderung im Kontext Sozialer Arbeit und benennen dabei Themen, Aufgaben und Herausforderungen (S. 160f.). Eine Kernaufgabe sehen Schmitt und Gahleitner von der Betreuung von Promovierenden in den Promotionskolloquien der DGSA, deren Einrichtung auf Albert Mühlum und Silvia Staub-Bernasconi zurückzuführen sind. Seit 2007 tagen diese an mehreren Standorten in Deutschland und erfreuen sich einer konstant bemerkenswerten Teilnehmerzahl. Sie dienen der Vernetzung und Identitätsbildung und bieten die Möglichkeit der Präsentation von Projekten und Vorhaben (S. 162). Als zweite Säule benennen sie Informationen für FH-Absolvent/innen und FH-Dozent/innen. Diese werden durch eine Promotionsrundmail, eine erstmals 2008 erschienene und seitdem regelmäßig überarbeitete Broschüre für Promotionsinteressierte zur Klärung erster Fragen (Zugangsvoraussetzungen, Finanzierung, Promotionsordnungen etc.), eine Datenbank relevanter Fachzeitschriften im Bereich Sozialer Arbeit und deren Bezugswissenschaften sowie eine Sammlung erfolgreicher Promotionsprojekte von FH-Absolvent/innen (S. 162ff.). Ein dritter Schwerpunkt ist die Promotionsförderung sowie die Entwicklung akademischer Milieus an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (S. 164ff.). Zu den Aktivitäten zählen hier die Benennung von Promotionsbeauftragen an Fakultäten, an denen Soziale Arbeit gelehrt wird (bislang 75 Kolleg/innen an 63 Einrichtungen), die Arbeit der Fachgruppe Promotionsförderung der DGSA, die Einrichtung eines wissenschaftlichen Beirates zur Promotionsförderung, die Mitwirkung und Sichtbarkeit auf den Jahrestagungen der DGSA, die Unterstützung selbstorganisierter Arbeitskreise, ein Facebook-Portal zur Promotionsförderung sowie die Kooperation mit Verbänden (u.a. DBSH, GEW, DVSG). Zum Abschluss des Beitrages werden Beobachtungen und Tendenzen benannt: Bisher lagen waren Schwerpunkte in der unmittelbaren Förderung von Promoven/innen, der Entwicklung promotionsfreundlicher Milieus und der Wissensdistribution. Dabei zeigte sich, dass Bedarfe hinsichtlich forschungsmethodischer Kompetenzen existieren, die durch ein grundständiges Studium der Sozialen Arbeit offenbar nicht immer abgedeckt werden. Ferner werden weitere Themen benannt, die künftig diskutiert werden müssen: die Verbesserung der Einbindung von FH-Promotionen in universitäre Kontexte und die Debatte um ein eigenständiges Promotionsrecht für Fachhochschulen (S. 168f.).

Marianne Klotz stellt im dritten Kapitel des zweiten Teils eine Studie zur im Beitrag von Schmitt und Gahleitner bereits erwähnten „Promotionsrundmail Soziale Arbeit (FH)“ vor, die sie im Rahmen ihres Masterstudiums für ihre Abschlussarbeit angefertigt hat (S. 173 – 190). Dabei handelt es sich um eine Evaluation auf Grundlage eines quantitativen Zugangs. Zunächst werden deren Intention sowie inhaltliche Strukturen beschrieben, deren Geschichte skizziert und das aktuelle Redaktionsteam benannt. Anschließend werden Forschungsfragen genannt und das Forschungsdesign erläutert: Die Daten wurden mittels eines Fragebogens erhoben, die Rücklaufquote betrug 19% (S. 174). Die Darstellung der Ergebnisse erfolgt entlang der Forschungsfragen: Beruflicher Status zum Zeitpunkt des Abonnements und zum Zeitpunkt der Befragung, Motivation zum Abonnement, Einschätzung des Aufbaus der Rundmail, Bewertung inhaltlicher Aspekte, subjektiv empfundener Nutzen, Kenntnis weiterer Möglichkeiten der Promotionsförderung und Promovieren mit Kind (S. 175 – 188). In einer Zusammenfassung betont die Autorin die Bedeutung der von Schmitt verfassten Broschüre „Promotion in der Sozialen Arbeit nach FH-Abschluss: Eine Handreichung für Promotionsinteressierte und Promovierende“, fasst die von den von den Nutzer/innen artikulierten Interessen und Verbesserungsvorschläge zusammen und kommt zu der Einschätzung, dass das Ergebnis der Evaluation insgesamt positiv zu bewerten sei (S. 189f.).

Der anschließende Beitrag von Ulla Siebert zum Thema „Promotionsförderung von Fachhochschulabsolvent/innen in der Begabtenförderung“ (S. 191 – 197). Dabei geht sie einleitend das Ziele der Begabtenförderungswerke ein, Menschen mit Leistungsorientierung und gesellschaftlichem Gestaltungswillen finanziell und ideell zu unterstützen (S. 191ff.). An Beispiel der Heinrich-Böll-Stiftung stellt sie Angebote, Erwartungen und Möglichkeiten vor und argumentiert, dass damit schon das vorweggenommen worden sei, was später mit der Einführung von Graduiertenschulen und Promotionskollegs als „strukturierte Promotion“ bezeichnet wurde (S. 193). Sie führt als, dass die einzelnen Begabtenförderungswerke mittlerweile eine unterschiedliche Haltung dazu entwickelt hätten, jedoch eine Gegenüberstellung von Individualpromotionen vs. Strukturierte Promotion nicht mehr zeitgemäß sei (S. 194). Stand August 2015 wurden 180 Promovend/innen mit Stipendien gefördert. Auswahlkriterien waren hervorragende Studienleistungen, gesellschaftliches Engagement, politisches Interesse sowie die aktive Auseinandersetzung mit den Zielen und Werten der den Grünen nahestehenden Stiftung. Durchschnittlich erfolgt die Förderung über drei Jahre (ebd.). Die Heinrich-Böll-Stiftung sieht die „Nachwuchsförderung als Beitrag zur Förderung der demokratischen Kultur“ (S. 195) und will „den Leistungsgedanken mit dem Prinzip der Chancengerechtigkeit“ verknüpfen (ebd.). Als Besondere Zielgruppen sind neben Frauen in MINT-Fächern, Menschen mit Migrationsgeschichte und/oder aus nichtakademischen Elternhäusern insbesondere FH-Studierende (ebd.). Seit den 1990er Jahren hat die Stiftung an verschiedenen Standorten (u.a. Kassel, Bremen und Dresden) Promotionskollegs institutionell gefördert und unterhält ein eigenes Referat „Bildung und Wissenschaft“, um sich als Akteur in hochschulpolitischen Fragen, bspw. zum Promotionsrecht an Fachhochschulen, zu positionieren (ebd.). Weiterhin beschreibt sie die unterschiedliche Förderungsquote von FH-Absolvent/innen in den einzelnen Begabtenförderungswerken und sieht Potentiale, dass sich deren Anteil künftig erhöht (S. 196). Anschließend benennt die Autorin Auswahlkriterien für Stipendiat/innen und erläutert das Auswahlprocedere (S. 196ff.).

Der letzte Beitrag mit dem Titel „Traumziel Frau Doktor!“ Oder: „Nehmen Sie´s wie ein Mann, Madame! Werden Sie Frau Professorin“ (S. 199 – 208) stammt von Birgit Meyer. Sie verweist darin eingangs auf geschichtliche Aspekte wie die erstmalige Zulassung von Frauen an deutschen Hochschulen im Jahr 1901, die Einrichtung einer „Frauenprofessur“ im Wintersemester 1986/87 und verweist auf ihre eigene Berufsbiografie und ihre derzeitige Funktion als Leiterin des „Begleitzirkels Promotion“ in Baden-Württemberg (S. 199f.). Zudem weist sie darauf hin, dass sich in den letzten 20 Jahren die Anforderungen an Professor/innen an Fachhochschulen verändert haben: Waren damals noch mehrheitlich nicht-promovierte Professor/innen tätig, hat sich dies mittlerweile umgekehrt. Ferner verweist sie auf Programme zur Unterstützung von Nachwuchswissenschaftlerinnen, um Promotionen und Lehrerfahrungen zu fördern. Anhand statistischer Befunde zeichnet sie die Entwicklung des Anteils von Frauen in den verschiedenen Statusgruppen nach und zeigt auf, dass der Anteil von Frauen in Hochschulleitungen nach wie vor sehr gering ist (S. 200f.). In einem weiteren Abschnitt stellt sie das Mathilde-Planck-Programm zur Förderung von Frauen vor, das gezielt auf Fachhochschulen ausgerichtet ist und mit dem eine breite Angebotspallette (Informationsveranstaltungen, Seminare, eine Datenbank etc.) einhergeht (S. 202ff.). Sie verweist auf Erfolge und belegt dies mit einer relativ hohen Zahl an Berufungen und abgeschlossenen Promotionen (S. 205). In einem „nachdenklichen Resümee“ verweist die Autorin kritisch darauf hin, dass trotz bisheriger Erfolge nach wie vor eine Diskriminierung von Frauen zu attestieren ist und Gleichberechtigung noch nicht erreicht sei. Vorhandene Strukturen, die von gegenseitigen Abhängigkeiten geprägt sind, seien prägend für die derzeitige Wissenschaftskultur. Sie plädiert dafür, weitere Anstrengungen zu unternehmen, Zugangsmöglichkeiten und Perspektiven in der Wissenschaft zu verbessern (S. 206ff.).

Diskussion

Auf eine kritische Würdigung der Einzelbeiträge wird an dieser Stelle verzichtet, stattdessen sollen einzelne formale und inhaltliche Aspekte hervorgehoben werden:

  • Die einzelnen Beiträge sind insgesamt informativ und kenntnisreich verfasst worden, allerdings scheint die formale Trennung in Teil I und II willkürlich. Der erste Beitrag von Engelfried und Ibisch hätte auch als Einleitung (bzw. thematische Klammer) funktioniert.
  • Das Wording ist an einigen Stellen suboptimal: Wenn von „promovieren“ statt von „promoviert werden“ die Rede ist und von „Promovierenden“ statt von „Promovenden/ Doktorand/innen“ sowie von einem „Doktortitel“ statt von einem „Doktorgrad“ gesprochen wird, werden auf einer latenten Sinnebene die „feinen Unterschiede“ sichtbar und die in mehreren Beiträgen angesprochenen Differenzen akademischer Milieus an Fachhochschulen und Universitäten aufgezeigt. Das Bemühen um eine geschlechtergerechte Sprache treibt an einigen Stellen seltsame Blüten: Auf Seite 52 wird die weibliche Form eines Doktors als „Doktora“ bezeichnet, gemäß den Regeln der deutschen Sprache müsste es jedoch „Doktorin“ heißen. Ebenso verwirrt es, wenn von der „Anfrage eines Fachhochschul-MasterabsolventInnen“ berichtet wird (S. 67). Überhaupt fällt auf, dass Binnen-I und Gendergap und Solidus verwendet wurde, und man sich offenbar nicht auf eine einheitliche Gestaltung geeinigt hat. Im Beitrag von Büscher, Dorin, Hellmers, Knecht, Metzing, Schnepp, Stelzig und Sayn-Wittgenstein findet sich ein kleinerer formaler Mangel: Es gibt einen Unterpunkt 4.1, aber es fehlt der mindestens notwendige zweite Unterpunkt. Zudem unterschlagen Schmitt und Gahleitner, dass Studiengänge nicht nur an Fakultäten, sondern auch an Fachbereichen organisiert sein können (S. 164).
  • In den einzelnen Beiträgen finden sich mehrere Redundanzen und thematische Überschneidungen. Anzumerken ist, dass die Gegensätzlichkeit von Hochschulen für Angewandte Wissenschaft und Universität nicht grundsätzlich hinterfragt wird, obwohl es jenseits von Deutschland, Österreich und der Schweiz erfolgreiche Bildungssysteme gibt, die diese Unterscheidung nicht kennen. Die im Buch enthaltenen „Länderberichte“ zeigen jedoch eindrucksvoll die Vor- und Nachteile einer föderalen Struktur des tertiären Bildungssektors auf. Spannend ist insbesondere der Beitrag von Gründer und Burmeister zur Situation Dualer Hochschulen in Baden-Württemberg als spezifisches Hochschulmodell, das in der aktuellen Debatte häufig nicht berücksichtigt wird. An anderen Stellen sind einzelne Aussagen zu hinterfragen. So schreiben Engelfried und Ibisch auf Seite 13 unter Verweis auf Kehm (2004), „die in der DDR bestehende Tradition der Lehrorientierung und der guten Betreuung von Studierenden bestimmt nach wie vor in beträchtlichem Maße das Verhalten und das Selbstverständnis des wissenschaftlichen Personals“. Gegen diese Kontinuitätsthese spricht, dass die Stellenbesetzung an den in den neuen Bundesländern gegründeten Fachhochschulen zumindest im Bereich der Sozialwissenschaften überwiegend durch Personal aus den alten Bundesländern erfolgte. Auch die Sinnhaftigkeit des Exkurses von Pfriem und Ibisch zur Perspektiven und Konzepten in Brandenburg im Beitrag von Ibisch zum Thema „Promotionsrecht an Fachhochschulen“ (S. 34 – 37) erschließt sich nicht, denn es findet sich kein unmittelbarer Bezug zum Text. Ein separates Kapitel wäre hier sicherlich sinnvoller gewesen.
  • Für die Soziale Arbeit zeigt sich das Kernproblem einer unklaren disziplinären Verortung als genuine Sozialarbeitswissenschaft: Sie geht nicht in den Erziehungswissenschaften auf, ebenso wenig wie in Rechtswissenschaften, der Soziologie als Teildisziplin der Philosophie etc. Damit gewinnt die Debatte um ein Promotionsrecht an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften eine weitere Dimension: Neben der Frage nach der Durchlässigkeit zwischen beiden Hochschulsystemen muss es künftig darum gehen, Soziale Arbeit als eigenständige Disziplin zu emanzipieren, was unabhängig von der institutionellen Anbindung mit dem Recht zur Promotion einhergeht. Ob das von Elsen ins Spiel gebrachte „professional doctorate“ eine Alternative darstellt, oder ob es Bemühungen einer wissenschaftlichen Ausrichtung Sozialer Arbeit konterkarieren würde, müsste gesondert diskutiert werden.

Fazit

Das Buch ist informativ, spiegelt den aktuellen Stand der Diskussion wieder und bietet interessante Einblicke der verschiedenen Modelle in einzelnen Bundesländern. Es zeigt, dass derzeit Bewegung in der Debatte ist und hilft, Positionen nachzuvollziehen und argumentativ zu untermauern. Der Anspruch, zur Versachlichung des Diskurses beizutragen, wurde erfüllt.

Literatur

  • Amthor, Ralph-Christian (2008): Von Orientierung, Vorbildern und beruflichem Habitus. In: Ralph-Christian Amthor (Hrsg,): Soziale Berufe im Wandel. Baltmannsweiler: Schneider. S. 229-256.
  • Becker, Julia (2014): Das Einmaleins der Promotion. Die Promotionsfibel 2015. Hamburg: academics GmbH.
  • Gunzenhäuser, Randi/Haas, Erika (2015): Promovieren mit Plan. Ihr individueller Weg: von der Themensuche zum Doktortitel. 3. überarb. u. aktualisierte Auflage. Opladen, Berlin, Toronto: Barbara Budrich.
  • Günauer, Franziska/ Krüger, Anne K./ Moes, Johannes/ Steidten, Torsten/ Koepernik, Claudia (Hrsg., 2012): GEW-Handbuch Promovieren mit Perspektive. Ein Ratgeber von und für DoktorandInnen. Bielefeld: W. Bertelsmann. S. 89-95.
  • Kehm, Barbara M. (2004): Deutsche Hochschulen: Entwicklung, Probleme, Perspektiven. Verfügbar [online] unter: www.bpb.de. [Zugriff am 09.09.2016]
  • Schmitt, Rudolf/ Günauer, Franziska (2012): Promotion mit Fachhochschulabschluss. In: Günauer, Franziska/ Krüger, Anne K./ Moes, Johannes/ Steidten, Torsten/ Koepernik, Claudia (Hrsg.): GEW-Handbuch Promovieren mit Perspektive. Ein Ratgeber von und für DoktorandInnen. Bielefeld: W. Bertelsmann. S. 89-95.
  • Schmitt, Rudolf (2011): Promotionen in der Sozialen Arbeit nach FH-Abschluss: Eine Handreichung für Promotionsinteressierte und Promovierende (7., überarbeitete Fassung). Download: http://web.hszg.de. [Zugriff am 09.09.2016]
  • Schöneck, Nadine M./ Wolf, Frieder/ Wenzelsburger, Georg (2012): Promotionsratgeber Soziologie. Wiesbaden: VS.
  • Schröer, Sebastian/ Schmitt, Rudolf (2013): Rezension zu: Nadine M. Schöneck/ Georg Wenzelburger/ Frieder Wolf: Promotionsratgeber Soziologie. In: socialnet Rezensionen, Verfügbar [online] unter: www.socialnet.de/rezensionen/14243.php. [Zugriff am 09.09.2016]
  • Wolf, Frieder/ Wenzelburger, Georg (2010): Promotionsratgeber Politikwissenschaft. Wiesbaden: VS.

Rezensent
Prof. Dr. Sebastian Schröer
Dipl.-Sozialarbeiter/Sozialpädagoge (FH), Professor für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Forschungsmethoden an der Evangelischen Hochschule Berlin
Homepage www.eh-berlin.de/hochschule/lehrende-an-der-ehb/hau ...


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Zitiervorschlag
Sebastian Schröer. Rezension vom 21.09.2016 zu: Constance Engelfried, Pierre Ibisch (Hrsg.): Promovieren an und mit Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Theorie, Praxis und Perspektiven eines partizipativen Instruments. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2016. ISBN 978-3-8474-0771-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20505.php, Datum des Zugriffs 14.10.2019.


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