Jan Dreher: Psychopharmakotherapie griffbereit
Rezensiert von Dr. Stephanie Pfeuffer, 11.05.2016
Jan Dreher: Psychopharmakotherapie griffbereit. Medikamente, psychoaktive Genussmittel und Drogen - griffbereit. Schattauer (Stuttgart) 2016. 2., vollständig aktualisierte und erweiterte Auflage. 276 Seiten. ISBN 978-3-7945-3183-7. D: 24,99 EUR, A: 25,70 EUR.
Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-7945-3285-8 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
Thema
Das kleine stabile Buch bietet einen ersten Überblick über wichtige Psychopharmaka – Gruppen mit wichtigen Untergruppen, einzelnen Wirkstoffe und deren Einsatzgebiete. Darüber hinaus werden die Themen Genussmittel, illegale Drogen, Gerontopsychiatrie, Notfälle und Medikamentenwechselwirkungen kurz angerissen.
Autor
Dr. Jan Dreher ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Von 2010 bis 2014 war er leitender Oberarzt am Alexianer Krankenhaus Köln, seit 2015 ist er Chefarzt der Klinik Königshof in Krefeld.
Entstehungshintergrund
Das kleine Nachschlagewerk wurde erstmals 2014 veröffentlicht und im Februar 2016 aktualisiert. Der Autor möchte ein einführendes und praxisorientiertes Lehrbuch einem breiten Zielpublikum präsentieren.
Aufbau
Das kleine Buch gliedert sich im Hauptteil in zwölf Kapitel:
- Psychopharmaka im Überblick
- Antidepressiva
- Neuroleptika
- Phasenprophylaktika
- Anxiolytika
- Schlafmittel
- ADHS-Therapeutika
- Genussmittel
- Illegale Drogen
- Gerontopsychiatrie
- Notfälle
- Medikamentenwechselwirkungen
Ein Inhaltsverzeichnis, ein Glossar und ein Sachverzeichnis sind hilfreich beim Nachschlagen.
Ausgewählte Inhalte und Diskussion
Das Buch Psychopharmaka griffbereit ist zunächst ein sehr praxisorientiertes kleines Nachschlagewerk für Psychiater, Psychotherapeuten und Neurologen in Klinik und Praxis. Auch für die Beratung in Hausarztpraxen und Apotheken erhält man sehr gezielt aktuelle Informationen in Verbindungen mit guten weiterführenden Weblinks zu ausgewählten Wirkstoffen.
Im Kapitel 4.3.2 wird zum Beispiel der Wirkstoff Valproinsäure zunächst in der Einleitung mit vier wichtigen Kurzsätzen charakterisiert. Dann wird der Arzneistoff näher beleuchtet unter den Stichworten Geschichte, Pharmakologie, Klinischer Einsatz, Dosierung, Fallbeispiel, Nebenwirkungen und dem persönlichen Fazit des Facharztes. Hilfreiche Weblinks im Anschluss zum Rote-Hand-Brief des BfArMs, Musterformulare zur Aufklärung von gebärfähigen Frauen und die aktuelle Leitlinie zur Diagnostik und Therapie bipolarer Störungen sind von großer Relevanz in der Praxis.
Diese Struktur wird konsequent im Buch beibehalten und ermöglicht ein rasches Einlesen in die Vielfalt der Psychopharmaka. Gerade das persönliche Fazit kann Kollegen mit nicht so großer Berufserfahrung eine gute Entscheidungshilfe bieten.
Eine kleine Kritik betrifft das Kapitel 12: Hier beleuchtet der Facharzt das Thema Medikamentenwechselwirkungen auf zwei kleinen Seiten. Aus seiner Sicht ist die mit 9 EURO preiswerte Anschaffung der App „Arznei aktuell“ vom IFAP die Lösung des Problems. Er erwähnt noch die sehr gute Datenbank MEDIQ, die tatsächlich umfassend den Stand aller bekannten Wechselwirkungen stets aktuell aufführt. Aus Kostengründen lehnt dieser Facharzt die Anschaffung dieser informativen Datenbank einfach ab und verlässt sich auf Empfehlungen dieser App im Praxisalltag.
Hier wäre der richtige Moment gewesen, um auf die notwendige kollegiale Zusammenarbeit mit einem weiteren Heilberufler hinzuweisen: Apotheker haben acht Semester lang das sehr anspruchsvolle Studium der Pharmazie absolviert und sind die Arzneimittelfachleute. Jede öffentliche Apotheke hat Zugang zu der sog. ABDA – Datenbank und die Klinikapotheken häufig die MEDIQ-Datenbank. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apotheker würde nicht nur Leid, sondern viele Klinikeinweisungen und Todesfälle aufgrund von unerkannten Interaktionen den Patienten ersparen.
Fazit
Das kleine handliche Buch bietet für einen akzeptablen Preis einen raschen und zugleich fundierten Überblick über wichtige Psychopharmaka. Es kann Ärzten, Apothekern und Pflegefachkräften in der Psychiatrie und in der Geriatrie zum Einstieg sehr empfohlen werden.
Rezension von
Dr. Stephanie Pfeuffer
Pharmazeutin, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Fachbereich Pflege- und Gesundheitsförderung, Evangelische Hochschule Darmstadt.
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