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Claudia Schwarze, Gernot Hahn: Herausforderung Pädophilie

Cover Claudia Schwarze, Gernot Hahn: Herausforderung Pädophilie. Beratung, Selbsthilfe, Prävention. Psychiatrie Verlag GmbH (Köln) 2016. 224 Seiten. ISBN 978-3-88414-645-3. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR.
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Autorin und Autor

  • Claudia Schwarze ist Psychologische Psychotherapeutin und leitet eine Fachambulanz für Sexualstraftäter (und für Männer, die nicht Täter werden wollen) in Nürnberg,
  • Dr. Gernot Hahn ist Leiter der Nachsorgeambulanz einer forensischen Klinik in Erlangen. Er untersucht seit einigen Jahren die Wirksamkeit von Nachsorgeeinrichtungen und kann Veröffentlichungen über die Behandlung von Straftätern in Büchern und Fachzeitschriften vorweisen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch behandelt nach einem Geleitwort von Prof. Berner und einer kurzen Einleitung das Thema Pädophilie in 13 breit gefächerten Kapiteln.

Kapitel 1 umreißt knapp die Definition und die Verbreitung der Pädophilie.

Kapitel 2 vertieft die Frage nach den Ursachen der Störung, bevor in Kapitel 3 ein kurzes Zwischenresümee klärt, was strafbar ist und was nicht: Das sexuelle Verlangen nach kindlichen Sexualpartnern ist nämlich nicht strafbar, wohl aber dessen Verwirklichung.

Kapitel 4 widmet sich dem Gefühlsleben, zuweilen dem Gefühlschaos von pädophilen Menschen, die lernen müssen, mit ihrer Störung zu leben, wozu Kapitel 5 Anregungen und Hilfen gibt.

In Kapitel 7 und 8 behandeln Schwarze und Hahn die Frage, ob und wie Menschen mit einer pädophilen Störung sich ‚outen‘ und wie sie soziale Unterstützung suchen können, um ihre sexuelle Vorlieben nicht in die Tat umzusetzen. Dabei sprechen die Autoren auch Angehörige (und den Freundeskreis) von Pädophilen mit an.

Kapitel 8 befasst sich mit der Nutzung des Internets, das hilfreiche Informationen vorhalten, hilfreiche und weniger hilfreiche Kontakte knüpfen, aber auch der Vorbereitung von Straftaten dienen kann.

In Kapitel 9 definieren die Autoren Risikofaktoren und Risikosituationen für Pädophile, bevor sie in Kapitel 10 die Folgen von sexuellem Missbrauch für Kinder und Jugendliche schildern.

Kapitel 11 schildert die Möglichkeiten für Pädophile, sich selbst zu helfen, nicht übergriffig zu werden. Falls es allein und mit der Hilfe des sozialen Umfelds nicht mehr gut klappt oder ein Übergriff droht, gibt Kapitel 12 Hinweise zu professionellen Hilfen und zur Therapie.

Das letzte Kapitel 13 wurde von einer Autorengruppe um Matthias Butz geschrieben und befasst sich mit den Präventionsangeboten des Netzwerks „Kein Täter werden“.

Ein Serviceteil mit Tipps zur Selbsthilfe, Downloads, Links, Hilfsadressen rundet das Buch ab. Für Betroffene und für Fachleute gibt es (knappe) Literaturangaben und ein Glossar.

Diskussion und Fazit

Das Buch von Schwarze und Hahn füllt eine wichtige Lücke: Bisher gibt es wenig Bücher, die man den Betroffenen selbst in die Hand geben kann.

Nur knapp und lückenhaft sind die Ausführungen zur Geschichte des Sexualstrafrechts (Seite 25 und 41f). Die Ausführungen zum Internet (Seite 94ff und 110) sind aus meiner Sicht sehr mit dem erhobenen Zeigefinger geschrieben, hier hätte ich mir eine nüchternere Analyse gewünscht. Das schmälert aber nicht den Gewinn, den der Rezensent aus der Lektüre gezogen hat und den Leser haben können.

Die Sprache des gesamten Buches ist klar und verständlich gehalten, Fachchinesisch und komplizierte Sätze wurden vermieden, was Laien und Betroffenen die Lektüre erleichtert. Ein Anhang mit Adressen und viele Hinweise auf Downloads für weitere Informationen sowie zahlreiche Übungen machen das Buch zu einer wertvollen Handreichung für Menschen mit pädophiler Störung.

Dass das Literaturverzeichnis knapp ausfällt, schadet dem Buch wenig, weil es sich in erster Linie an an Pädophile und ihre Angehörige richtet, weniger an ein Fachpublikum; trotzdem finden Praktiker wichtige Hilfestellungen für die Betreuung solcher Klienten.

Schwarze und Hahn wünschen sich im Vorwort, dass ihr Buch beiträgt, Diskussionen über die Behandlung von Sexualstraftätern anzuregen. Ihr Buch fordert geradezu dazu auf. Dem Buch deshalb ist eine weite Verbreitung unter Praktikern in der Straffälligenhilfe und bei Betroffenen zu wünschen.


Rezensent
Dr. biol. hum. Michael Stiels-Glenn
Kriminologe & Polizeiwissenschaftler M.A. Integrativer Therapeut M.Sc. Supervisor (DGSv)
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Zitiervorschlag
Michael Stiels-Glenn. Rezension vom 06.05.2016 zu: Claudia Schwarze, Gernot Hahn: Herausforderung Pädophilie. Beratung, Selbsthilfe, Prävention. Psychiatrie Verlag GmbH (Köln) 2016. ISBN 978-3-88414-645-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20542.php, Datum des Zugriffs 19.10.2019.


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