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Caroline Baker: Exzellente Pflege von Menschen mit Demenz entwickeln

Cover Caroline Baker: Exzellente Pflege von Menschen mit Demenz entwickeln. Hogrefe (Bern) 2016. 208 Seiten. ISBN 978-3-456-85547-9. 28,95 EUR, CH: 38,50 sFr.
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Thema und Autoren

Die vorliegende Publikation befasst sich mit dem vielfach ausgezeichneten PEARL-Programm (Positively Enricing And enhancing Residents´ Lives) für Menschen mit Demenz. Es wurde entwickelt, um Pflegeheimen den Weg zu exzellenter person-zentrierter Pflege zu ermöglichen.

Caroline Baker ist Herausgeberin des Bandes und Leiterin der Demenzpflegeabteilung des Wohnheims, in dem das PEARL-Programm entwickelt und getestet wurde. Sie berichtet aus persönlicher Erfahrung anschaulich darüber, welche Hürden und alten Denkweisen sich dem neuen Ansatz in den Weg stellten und wie diese überwunden werden konnten. Das Programm vermittelt Anbietern von Pflegedienstleistungen die besten und bisher bewährten Praxisleitlinien, um in ihren Pflegeheimen den entscheidenden Schritt von einer guten Grundpflege hin zu einer spezialisierten Demenzpflege zu ermöglichen.

Aufbau und Inhalt

Neben einer Widmung, einem Geleitwort zur englischen Ausgabe und einer Einführung ist das Handbuch in 12 Kapitel mit Unterkapiteln unterschiedlicher Länge gegliedert. Daran schließt sich ein 35 – seitiger Anhang an, der Literaturhinweise und verschiedene Links enthält.

In der „Einführung“ werden das Ziel der Ausführungen und die Inhalte der einzelnen Kapitel kurz vorgestellt.

Das erste Kapitel „Person-zentrierte Pflege in der Praxis“ verweist zunächst darauf, dass im vorliegenden Buch durchgängig Beispiele gezeigt werden wie die person -zentrierte Pflege in der Praxis implementiert werden kann, denn das sei der einzige Weg, der nach vorn führen würde- Rückschritte gäbe es nicht (S. 25). Die Philosophie des Programms erachtet das Leben eines jeden Menschen unabhängig von seinem Alter oder den kognitiven Fähigkeiten als wertvoll, es sei ein individualisierter Ansatz, der die Einzigartigkeit berücksichtige. Es sei eine Betrachtung der Welt aus der Perspektive des Dienstleistungsnutzers und es werde das soziale Umfeld berücksichtigt, das den psychischen Bedürfnissen des Einzelnen gerecht werden sollte.

Kapitel zwei „Keine Entscheidung ohne mein Wissen“ beschreibt, wie es gelingt, Menschen mit Demenz über die von ihnen gewünschte Pflege mit zu beteiligen. So sei das Auge das wertvollste Instrument im Bereich der Demenzpflege, denn es führe uns eher als das Ohr zu den Bedürfnissen der Bewohner (S. 48). Das bedeutet, wir müssen sie um ihr Einverständnis bitten, ihre Vorlieben ergründen und ihre Fähigkeiten fördern.

Im dritten Kapitel „Lebensgeschichte und Lebensstil“ soll herausgearbeitet werden, wie Informationen über die Lebensgeschichte gesammelt werden und wie diese für die tägliche Pflege genutzt werden können. Darüber hinaus sollten die Rollen, die ein Bewohner früher ausgeübt hat, beachtet werden, weil diese Einfluss darauf haben, wie er die Pflege wahrnimmt.

Die „Person-zentrierte Pflegeplanung“ wird in Kapitel vier aufgegriffen. Es wird gezeigt, wie mithilfe der Lebensgeschichte ein spezifischer Pflegeplan, also ein schriftlicher strukturierter Strategieplan, entwickelt werden kann, der sinnvoll durchführbar ist. Wichtig dabei ist, dass die Person, die an Demenz erkrankt ist, im Vordergrund steht und nicht wie bei traditionellen Plänen die Krankheit (S. 63).

Das fünfte Kapitel ist mit „Vermeidung von Fehlern im Zusammenhang mit den ‚pflegerischen Grundbedürfnissen‘“ überschrieben. Bei der Verrichtung täglicher Arbeiten der Körperhygiene, des Essens oder der Auswahl der Kleidung sollten sich Pflegekräfte immer wieder vergewissern, was die Person wirklich möchte.

Wie die Tischzeit zu einem angenehmen Erlebnis wird“ ist das Thema von Kapitel sechs. Es wird verdeutlicht, warum an Demenz Erkrankte nicht wie in einer Gaststätte wählen können, wo sie sitzen möchten, welches Essen sie gern essen wollen etc., so dass die Auffassung widerlegt werden könnte, die Essenszeit sei nur eine Aufgabe von vielen (S. 100).

Im siebenten Kapitel wird die „Reduzierung von Stressreaktionen“ thematisiert. Das Wichtigste sei, niemandem die Schuld zuzuweisen, nicht dem Bewohner noch sich selbst. Es wird nicht immer gelingen, die Stressursache zu finden, so dass es in solchen Situationen ratsam sei, den Gepflegten zu zeigen, dass sie sich sicher fühlen können und sie hier gut betreut werden.

Kapitel acht setzt sich mit der „Überprüfung der Neuroleptika- Verschreibung“ auseinander. Hier geht es um die Reduzierung der Neuroleptika Versorgung, um nach Alternativen für Sedativa zu suchen und zu prüfen, ob Stress- Episoden auch andere Ursachen haben könnten.

Die „Entwicklung der Umgebung – Wie eine unterstützende Umgebung geschaffen wird“ ist das Thema von Kapitel neun. Es werden Ideen präsentiert, die dazu beizutragen haben, die Umgebung zu „beruhigen“ und den Bewohnern zu helfen, sich im Heim besser zurechtzufinden (S. 119). So sollte beispielsweise darauf geachtet werden, dass sich Stühle und Teppiche farblich voneinander abheben, damit sich die Bewohner beim Hinsetzen richtig platzieren (S. 125).

Kapitel zehn ist der „Unterstützung von Mitarbeitenden“ gewidmet. Es geht um die Stärkung der Mitarbeiter, um in der Lage zu sein, Demenzkranke zu betreuen. Es werden verschiedene Trainingskurse angeboten, die jeder Mitarbeiter, der mit dem PEARL- Programm arbeitet, durchlaufen muss.

Proaktive Analyse und regelmäßige Kontrolle“ ist der Titel des vorletzten Kapitels. Regelmäßig überprüft werden sollen die Anzahl der Stürze, stressbedingte Reaktionen, die Schmerzmittelbehandlung und die Kontrolle des Gewichts der Bewohner. Dazu bedarf es geschulten Personals, das nicht einfach hinnimmt, was der Arzt sagt, sondern selbst mitdenkt und hinterfragt.

Das letzte Kapitel 12 ist eine „Würdigung der Erfolge“, die das PEARL- Programm für Pflegende und Bewohner gebracht hat. Der größte Erfolg, der erzielt werden konnte, ist die Reduzierung von Neuroleptika um 52% oder die Gewichtszunahme der Bewohner um durchschnittlich 42%. Aber auch auf Seiten des Pflegepersonals gab es Erfolge. Der person-zentrierte Ansatz habe ihre Arbeit erleichtert, weil die Bewohner weniger Ängste entwickeln, sich verstanden fühlen und dadurch eine für alle Beteiligten angenehme Atmosphäre entwickelt werden konnte. „Die Unterstützung und der Wille, auf allen Ebenen exzellente Demenzpflege durchzuführen, haben ein Programm hervorgebracht, welches das Leben vieler Menschen positiv verändert hat“ (S. 171).

Fazit

Es ist ein Handbuch für die Pflege von Demenzkranken, das verständlich und dadurch handhabbar geschrieben ist. Zu Beginn jedes Kapitels wird dargelegt, was der Leser von den folgenden Ausführungen erwarten kann. Das ganze Buch lebt von den vielen Fallvignetten, die verdeutlichen, wo die person- zentrierte Pflege ansetzt, welche Probleme damit wie gelöst werden können. Die Erfahrungsberichte aus den Heimen, die mit dem PEARL- Programm arbeiten und als solche zertifiziert wurden, sind überzeugend und nachvollziehbar und zeugen von einer hohen und besseren Qualität des Miteinanders sowohl der Pflegekräfte als auch der Bewohner. Auch wenn sich der eine oder andere Leser eine tiefere theoretische Durchdringung gewünscht hätte, die begründete Schlussfolgerungen zulässt, ist es ein Buch, das praktikable Lösungen anbietet und damit erreicht, dass es von hoffentlich vielen gelesen wird, die mit an Demenz Erkrankten arbeiten.


Rezensentin
Prof. Dr. habil. Gisela Thiele
Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
Berufungsgebiete Soziologie, Empirische Sozialforschung und Gerontologie
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Zitiervorschlag
Gisela Thiele. Rezension vom 08.07.2016 zu: Caroline Baker: Exzellente Pflege von Menschen mit Demenz entwickeln. Hogrefe (Bern) 2016. ISBN 978-3-456-85547-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20543.php, Datum des Zugriffs 26.06.2019.


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