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Jo-Jacqueline Eckardt: Trauma. Verstehen und heilen

Cover Jo-Jacqueline Eckardt: Trauma. Verstehen und heilen. Ecowin (Salzburg) 2016. 336 Seiten. ISBN 978-3-7110-0088-0. D: 21,95 EUR, A: 21,95 EUR, CH: 31,50 sFr.
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Thema

Das Buch unternimmt den Versuch, sich an Fachleute und Betroffene zugleich zu wenden. Es behandelt die Frage, was man unter einem Trauma versteht, wie es sich auf den menschlichen Organismus auswirkt und wie Menschen reagieren. Es beschreibt zudem, was man tun kann, um seine Widerstandskraft zu stärken und wie man anderen dabei helfen kann. Hinzu kommen Erklärungen über die wichtigsten Fakten, Übungen für Körper und Geist und individuelle Lösungsstrategien. Die Botschaft lautet: „Ein Leben, in dem das Trauma überwunden wird, ist möglich.“ (Klappentext)

Autorin

Jo Eckardt hat in Köln Germanistik studiert und später auch in San Diego und New York. Daran anschließend schloss sie eine Ausbildung als Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin in den USA an. Ihr Schwerpunkt sind Patienten, die verschiedene Traumata erfahren hatten. 2001 kam sie nach Deutschland zurück und begann Bücher zu schreiben. Zudem arbeitet sie als Beraterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie.

Aufbau und Inhalt

Nach einer Einleitung umfasst das Buch folgende Abschnitte:

    Erster Teil: Trauma verstehen

  1. Was ist ein Trauma
  2. Sich mit dem Trauma auseinander setzen
  3. Mögliche Symptome
  4. Physiologische Folgen
  5. Welche Umstände entscheiden, wie der Einzelne ein Trauma erlebt?
  6. Spätfolgen eines Kindheitstraumas

    Zweiter Teil: Trauma heilen

  7. Therapeutische Ansätze
  8. Nachwirkungen eines Traumas
  9. Erinnerungen
  10. Trauer, Schuld und Scham
  11. Weiterleben

Anmerkungen, Empfohlene Literatur, Empfohlene Links und Verweise, Übungen, Register und Danksagungen ergänzen diesen Aufbau.

Nach jedem Kapitel finden sich Literaturangaben „Weiterlesen“ und Links „Weitersurfen“. Eingestreute Fallvignetten sind in kursiv gedruckt. Farblich unterlegte Textboxen erläutern „Begriffe“, machen „Ausflüge“ in andere Fachgebiete oder verweist auf „Studien“.

In der Einleitung findet der Leser eine Übersicht, wie das Buch aufgebaut ist und was ihn erwartet. Die Autorin versucht einen Spagat: sie richtet sich zugleich an Betroffene und Fachleute. Das Buch gliedert sich in zwei Teile, die jeweils ca. 150 Seiten umfassen.

Im ersten Teil: Trauma verstehen handelt es sich um den Theorieteil, in dem beschrieben wird, was ist ein Trauma, was es bedeutet sich mit dem Trauma auseinander zu setzen, was mögliche Symptome sind und welche physiologischen Folgen erlebt werden. Dieser Teil wird durch die neuesten neurologischen Forschungsergebnisse und Studien unterfüttert. Es wird die Frage gestellt, ob es verschiedene Umstände sind, die entscheiden, wie der Einzelne ein Trauma erlebt. Dieser Teil endet mit dem Kapitel „Spätfolgen eines Kindheitstraumas“.

Im zweiten Teil Trauma heilen werden therapeutische Ansätze vorgestellt. Beschrieben werden die Nachwirkungen eines Traumas, Erinnerungen, aber auch Gefühle von Trauer, Schuld und Scham und dieser Teil endet mit dem 11. Kapitel „Weiterleben“. Abschließend findet die Leserschaft Anmerkungen der Autorin, empfohlene Literaturhinweise und Links/Verweise. Die Autorin hat zudem einige hilfreiche Übungen zusammengestellt. Ein Register hilft gezielt nach einzelnen Stichworten zu suchen.

Laut Klappentext erleben alleine im deutschsprachigen Raum bis zu 6,9 Millionen Menschen ein Trauma, in dieser Größenordnung kann man von einer „Volkskrankheit“ sprechen. Der Autorin ist es im Buch ein Anliegen, Traumata zu verstehen und zu erfahren, wie man sie überwinden kann. Neben den Ausführungen, Traumata zu verstehen geht es ihr auch darum, Wege zur Heilung aufzuzeigen. Ein besonderes Augenmerk dabei liegt auf dem Thema Resilienz. Sie zeigt im Buch, wie es gelingen kann, die eigene Widerstandsfähigkeit aufzubauen und zu stärken.

Diskussion

Das Buch ist gut strukturiert. Einzelne Textboxen erläutern Begriffe, weisen auf andere Fachgebiete oder auf Studien hin. Fallvignetten sind kursiv hervorgehoben. Diese Strukturierung hilft dabei, sich leicht im Buch zu Recht zu finden. Nach jedem Kapitel finden sich Literaturangaben und Links. Nach welchen Kriterien diese ausgewählt wurden, ist allerdings nicht klar auszumachen. Neben durchaus nützlichen Hinweisen finden sich auch solche, die tendenziell eher für Fachleute, nicht aber für Laien von Interesse sind. Leider wird die Auswahl nicht weiter kommentiert.

Jo Eckardt hat das Talent, komplexe Sachverhalte mit einfachen und verständlichen Formulierungen zu erläutern. Sie erklärt wichtige Fakten zu den Themen Trauma und Resilienz, zeigt Übungen für Körper und Geist und beschreibt individuelle Lösungsstrategien. Das ist eine Stärke des Buches. Eine Schwäche ist allerdings, dass sie versucht hat, ein Buch für Betroffene, Interessierte und Fachleute zu schreiben. Dieser Versuch ist aus meiner Sicht nicht gelungen. Hier wäre es ganz klar erfolgreicher gewesen, die Zielgruppen klar voneinander zu trennen! Diese Mischung hat dazu geführt, dass ich beim Lesen mehrfach sehr erschrocken darüber war, was in manchen Fallvignetten quasi ohne Vorwarnung beschrieben wurde. Zum Beispiel ist die Geschichte von Rudy erschütternd und ich hätte auch als nicht Betroffene gerne auf diese Direktheit verzichtet. Hier habe ich mich gefragt, ob diese Darstellungsart auf Betroffene nicht sogar retraumatisierend – quasi als Trigger – wirken kann. Bis dahin war ich begeistert von dem klaren verständlichen Sprachstil, der die Inhalte vereinfacht hat ohne trivial zu wirken. Hier zeigt sich für mich ganz klar ein Bruch, der verzichtbar gewesen wäre!

Fazit

Das Buch unternimmt den Versuch, sich an Fachleute und Betroffene zugleich zu wenden. Es behandelt die Frage, was man unter einem Trauma versteht, wie es sich auf den menschlichen Organismus auswirkt und wie Menschen reagieren. Es beschreibt verständlich und nachvollziehbar, was man tun kann, um seine Widerstandskraft (Resilienz) zu stärken und wie kann man anderen dabei helfen kann. Es gibt Erklärungen über die wichtigsten Fakten, beinhaltet Literaturhinweise und Links zum Weiterlesen und Vertiefen, zeigt zahlreiche Übungen für Körper und Geist und vermittelt individuelle Lösungsstrategien. Die Botschaft lautet: „Ein Leben, in dem das Trauma überwunden wird, ist möglich.“ (Klappentext).

Eine Schwäche des Buches ist, dass es sich an Fachmenschen und Betroffene zugleich wendet, eine Mischung der Zielgruppen, die unglücklich ist. Es bleibt mir unverständlich, warum diese Darstellungsweise gewählt wurde – eine klare Positionierung und inhaltliche Ausrichtung in Bezug auf eine Zielgruppe wäre hilfreicher gewesen! Aus diesem Grund kann ich das Buch leider nur bedingt empfehlen.


Rezensentin
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Heilpraktikerin für Psychotherapie. Einrichtungsleitung in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn und freiberuflich in eigener Praxis ABC Autismus tätig. Schwerpunkte: Herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation, Autismus, TEACCH, Erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 13.05.2016 zu: Jo-Jacqueline Eckardt: Trauma. Verstehen und heilen. Ecowin (Salzburg) 2016. ISBN 978-3-7110-0088-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20561.php, Datum des Zugriffs 23.08.2019.


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