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Wolfgang Bilinski: Resilienz. Krisen erfolgreich meistern und nutzen

Cover Wolfgang Bilinski: Resilienz. Krisen erfolgreich meistern und nutzen. Haufe-Lexware GmbH & Co. KG (Freiburg) 2016. 200 Seiten. ISBN 978-3-648-08100-6. 19,95 EUR.
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Thema

Hier dreht sich alles darum, wie Krisen erfolgreich gemeistert werden können. Der Verfasser sieht die besondere Eignung des Buches im Selbstcoaching und „…bietet aber gleichermaßen Trainern, Coaches, Führungskräften, Beratern und Menschen in sozialen/pädagogischen Berufen eine wertvolle Unterstützung in ihrer täglichen Arbeit.“

Autor

Wolfgang Bilinski ist internationaler Trainer, Coach und Unternehmensberater für Personal- und Managemententwicklung. Der Sitz seines Unternehmens ist Wien, das Wirkungsfeld liegt bei den Wirtschaftsunternehmen.

Entstehungshintergrund

Wolfgang Bilinski erläutert, wie sich das Thema Resilienz im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren entwickelt hat und welchen Beitrag er dazu geleistet hat. Die erste Auflage des Buches trägt den Haupttitel „Phönix aus der Asche“ und „Resilienz“ findet sich im Untertitel. Bei der ergänzten hier diskutierten zweiten Auflage verhält es sich genau umgekehrt, wobei der Untertitel sich jetzt auf Krisenbewältigung richtet. Dies steht thematisch im Mittelpunkt des Buches, das mit vielen Übungen und Arbeitsblättern aufwartet.

Bilinski adressiert sein Buch zum praktischen Gebrauch. Es handele sich um ein Übungsbuch, das sich sprachlich in der Formulierung auch Laien gut erschlösse. Er leitet das Thema folgerichtig mit einem Praxisbeispiel ein, das das erfolgreiche Vorgehen eines jungen Personalentwicklers schildert. Dieser habe sich bei Personalentwicklungsmaßnahmen von der Frage leiten lassen, was die eigenen erfolgreichen Mitarbeiter besonders auszeichne. Dabei sei er darauf aufmerksam geworden, dass es zu einem wesentlichen geringeren Grad das Fachwissen, sondern vielmehr „Die untersuchten Topkundenbetreuer hatten etwas anderes, wahrscheinlich viel Wichtigeres gemeinsam – die Fähigkeit, an Rückschlägen zu wachsen und etwas aufzubauen, das die neuere Forschung ‚Resilienz‘ nennt: die Widerstandsfähigkeit gegen widrige Umstände und Krisen.“

Aufbau

Das Buch umfasst sieben Kapitel:

  1. Einleitung – hier erfahren die LeserInnen die Entstehungsgeschichte
  2. „Resilienz – das Geheimnis von Erfolgsgeschichten“. Bilinski stellt prominente Personen vor, die in ihrem Leben widrige Herausforderungen gut gemeistert haben.
  3. „Mit Resilienz akute Krisen meistern“. U. a. werden hier aufeinanderfolgende Schrittfolgen beschrieben, die im Selbstcoaching oder in Begleitung wieder aus der Krise herausführen können.
  4. „Nach der Krise – Kraft für den Neustart sammeln“. Wie Menschen mentale Kraft sammeln können, um neue Erfolge zu erreichen und wie innere Bilder und Dialoge dabei steuern und helfen, steht im Mittelpunkt.
  5. „Resilienz aufbauen – das Krisen-Immunsystem stärken“. Bilinski beschreibt sechs Schlüsselfaktoren aus seiner Perspektive: „Vertrauen Sie in die eigene Kompetenz“, „Verlassen Sie die Opferrolle“, „Suchen Sie sich gute Freunde“, „Steigern Sie Ihre Wahrnehmungskompetenz“, „Setzen Sie sich realistische Ziele“, „Sorgen Sie für sich selbst“.
  6. „Exkurs – Resiliente Unternehmen“. Dieses Kapitel ist mit acht Seiten eher knapp bemessen, setzt jedoch an einigen essentiellen Faktoren wie z.B. dem Fehlermanagement an.
  7. „Die eigene Zukunft gestalten“. Hier wird auf die eigene Motivation geschaut und die Lebensziele thematisiert.

Jedes der sieben Kapitel ist inhaltlich und optisch sehr klar gegliedert. Unterlegte Textboxen, Arbeitsblätter und Grafiken veranschaulichen die Inhalte. So gibt es z.B. auch eine Übersicht über die einzelnen Arbeitsblätter. Die Arbeitsblätter geben präzise formulierte Anweisungen zu den Arbeitsaufträgen. Es gibt ein Stichwortverzeichnis, und bei den Literaturangaben sind einige Biografien prominenter Menschen zu finden.

Ausgewählte Inhalte

Kapitel 5 „Resilienz aufbauen – das Krisen-Immunsystem stärken“ wird hier auszugsweise vorgestellt. Prägnant fasst Bilinski Studienergebnisse zusammen und veranschaulicht in einer Grafik sechs Schlüsselfaktoren für Resilienz. Im Laufe des Kapitel beschreibt der Autor ausführlich zu den einzelnen Faktoren Übungen zu einzelnen Aspekten der Schlüsselfaktoren. Ebenfalls werden Zusammenhänge erklärt und Dynamiken verdeutlicht: So stellt der Autor dar, wie ein geringes Selbstwertgefühl einen Kreislauf der negativen selbsterfüllenden Prophezeiungen in Gang setzen kann. Er spricht LeserInnen persönlich an, indem er deren potentielle Fragen aufgreift: „Wahrscheinlich werden Sie sich bereits gefragt haben, wie man aus einem negativen Kreislauf herauskommt. Der erste und wichtigste Schritt ist, zu erkennen, dass man sich in einem solchen Kreislauf befindet. Da jeder von uns, zumeist unbewusst, in mehreren Kreisläufen rotiert, ist es nicht selbstverständlich, dies wahrzunehmen. ‚Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung‘ weiß schon der Volksmund. Selbsterkenntnis, also ein Bewusstwerden, führt zu mehr Selbst-bewusst-sein. Innere Abläufe zu erkennen und die eigene gedankliche und emotionale Struktur zu erkennen steht somit als wichtiger Schritt am Anfang.“

Beherzt geht der Autor mit der Beschreibung von „Schlüsselfaktor 2: Verlassen Sie die Opferrolle“ ein grundlegendes, aber auch sensibel zu handhabendes Thema an: Menschen, die sich eher als Spielball der Ereignisse wahrnehmen, sind nicht immer offen dafür, sich mit dem Thema der Verantwortungsübernahme zu konfrontieren. Bilinski geht klar voran und vermittelt verschiedene Wege, die den Ausstieg aus der Opferrolle ermöglichen können. Er bietet viele nützliche Hintergrundinformationen und eröffnet eine Veränderungsperspektive. Z. B. in einem Praxis-Arbeitsblatt zur Veränderung von Glaubenssätzen stellt er Schritt für Schritt vor, wie man vorgehen kann, wenn hinderliche Glaubenssätze beeinträchtigend wirken. Es werden auch immer wieder Beispiele eingeflochten, die den LeserInnen schnell einen Transfer auf die eigene Situation erleichtern: „Hinderlicher Glaubenssatz nach einem Vortrag, bei dem nicht alles so lief, wie der Vortragende es wollte: ‚Ich bin ein schlechter Redner, ich erreiche meine Zuhörer nicht, sie hören mir nicht zu.‘
Kognitive Konfrontation:
Beweis: Es ist wahr, dass ich einen Teil meiner Zuhörer nicht erreiche.
Folgerung: Das heißt nicht, dass ich ein schlechter Redner bin.
Beweis: Ich kann Interesse wecken und Leute begeistern und bin stolz auf die gehirngerechte Aufbereitung meines Stoffes.
Alternativen: Es wäre schön, wenn alle Zuhörer Interesse hätten, aber es ist nicht realistisch, dass alle dauernd zu hundert Prozent aufmerksam sind.“ Anhand solcher Abfolgen und Übungen kommen Interessierte LeserInnen gut ins Tun und haben für das Selbstcoaching gut umsetzbare Arbeitsaufträge zur Verfügung.“

Diskussion

Sprachlich ist das Buch gut formuliert und sehr verständlich, sodass tatsächlich auch fachfremde LeserInnen hier von der prägnanten Darstellung profitieren. Durch die vielfältigen Arbeitsblätter erhält das Werk einen starken Aufforderungs- und Anregungscharakter. Die Formulierungen sind klar und strukturiert. Es geht, etwas salopp zusammengefasst, um das ‚Machen‘, das ‚Tun‘. Aktiv zu sein, (wieder) in seine Kraft zu kommen – das ist immer erklärtes Ziel einer ressourcen- und lösungsorientierten Arbeit.

Bei der Lektüre kann gelegentlich der Eindruck entstehen, dass das ‚Tun‘ immer im Vordergrund stünde. Man müsse es eben ‚nur‘ tun. Die große Herausforderung kann jedoch gelegentlich sein, einmal nichts zu tun … Weil es gerade nicht geht … weil es einem einfach zu schlecht geht, und man nicht in der Lage ist, einen klaren Gedanken zu fassen … weil jetzt nicht die richtige Zeit ist … usw. Etwas kurz kam mir bei der Lektüre das Thema Werte und die daraus resultierende Sinnstiftung, die wiederum dem Einzelnen hilft, am Ball zu bleiben, wenn es ganz dick kommt. Dass der eigene Körper und die Wichtigkeit der Fürsorge für ihn sehr betont werden, entspricht einerseits den absolut als sinnvoll erkannten Notwendigkeiten. Die Kehrseite könnte in lediglich ritualisierter Selbstoptimierung liegen. Erfreulich ist deswegen, dass Bilinski sich im – kurzen – Kapitel 6, das sich auf resiliente Unternehmen bezieht, kritisch zu einer mangelnden Fehlerkultur in Unternehmen äußert: Hier wird der Bereich gestreift, der strukturell verankert ist und den Kontext bildet, in dem sich Individuen bewegen und nach Erfolgen streben. Dieser Bereich ist durch individuelle Resilienz und das Bemühen um die Stärkung derselben nicht veränderbar.

Das Buch bietet viele nützliche Anregungen, und die Grafiken veranschaulichen mit ihrem erfrischend klaren und nüchternen Stil Sachverhalte, die sich so sehr gut merken lassen. Sie transportieren teilweise subtil alternative Sichtweisen – wie z.B. die Grafik auf S. 45, wo eine stilisierte Frau wahrscheinlich einem Mann aus dem Tief hilft – die mit „Falsche Unterstützung, um aus dem Tief zu kommen“ untertitelt ist. Die Interpretation liegt im Auge der Betrachterin …

Fazit

Ein Buch mit vielen Übungen und Anregungen, das keine Vorkenntnisse erfordert. Die Arbeitsaufträge sind interessant und können dabei unterstützen, wieder Klarheit in die persönliche Gedankenwelt zu bekommen.


Rezensentin
Dipl.-Päd. Ines Polzin
Prozessberaterin für KMU im Förderprogramm unternehmensWert:Mensch, Resilienz-Coach/-Trainerin
Homepage www.inespolzin.de
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Zitiervorschlag
Ines Polzin. Rezension vom 30.05.2018 zu: Wolfgang Bilinski: Resilienz. Krisen erfolgreich meistern und nutzen. Haufe-Lexware GmbH & Co. KG (Freiburg) 2016. ISBN 978-3-648-08100-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20573.php, Datum des Zugriffs 16.08.2018.


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