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Thorsten Knobbe, Mario Leis u.a.: Arbeitszeugnisse

Cover Thorsten Knobbe, Mario Leis, Karsten Umnuß: Arbeitszeugnisse. Haufe-Lexware GmbH & Co. KG (Freiburg) 2016. 8. Auflage. 297 Seiten. ISBN 978-3-648-08114-3. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.

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Autoren

  • Dr. phil. Thorsten Knobbe hat sich auf HR-Services und Karriereberatung spezialisiert und ist Managing Partner einer Beratungsgesellschaft.
  • Dr. Mario Leis ist Arbeitszeugnisberater für Fach- und Führungskräfte aus Bonn.
  • Dr. Karsten Umnuß ist Fachanwalt für Arbeitsrecht bei EY Law.

Entstehungshintergrund

Da dieses Werk in der 8. Auflage erscheint, kann man es durchaus als ein Standardwerk bezeichnen. Angesichts der arbeitnehmerfreundlichen Rechtsprechung ist es notwendig, stil- und rechtssichere Formulierungen in Arbeitszeugnissen zu verwenden. Die Autoren haben hierfür wie bei einer Notenskala jeweils sechs Formulierungsvarianten entwickelt, um das Arbeitsverhalten und die Kompetenzen eines Mitarbeiters angemessen bewerten zu können.

Aufbau

Das Buch ist ein Praxisleitfaden mit über 2.000 Textbausteinen in Deutsch und Englisch sowie fast 200 Tätigkeitsbeschreibungen für unterschiedliche Berufe und Branchen. Zudem gibt es diese Arbeitshilfen unter www.haufe.de/mybook zum Download, wenn der hinten im Buch angegebene Buchcode eingegeben wird. Außerdem gibt es an mehreren Stellen im Buch einen QR-Code, der direkt zu den Textbausteinen, Tätigkeitsbeschreibungen, zu Ablaufcheckliste und Bewertungsbogen führt.

Inhaltlich besteht das Buch aus sieben Kapiteln, wobei diese unterschiedlichen Umfang haben.

Inhalte

Als Einleitung werden kurz die wichtigsten Fragen rund ums Arbeitszeugnis abgehandelt, zum Beispiel die zu beachtenden gesetzlichen Regelungen, die Zeitpunkte der Ausstellung, der Umfang eines Zeugnisses, die richtige Bewertung, wer das Zeugnis unterschreibt und auch Fragen, wann ein Zeugnis diskriminierungsfrei ist und was nicht erwähnt werden darf.

Kapitel 1 „Die Ablaufcheckliste: Wer muss was wann tun?“ beschäftigt sich genau hiermit, nämlich wer beteiligt werden muss und wie der Zeitplan aussieht. Hierzu gibt es eine Checkliste.

Kapitel 2 „Bewertungsbogen und Begleitschreiben“ behandelt die Bewertung und die Bestandteile eines qualifizierten Arbeitszeugnisses, wobei Checkliste und Arbeitsmittel in der Praxis hilfreich sind.

Kapitel 3 „Textbausteine (männlich)“ gibt zu 17 Kriterien entsprechende Vorgaben – von Fachwissen und Fachkönnen bis hin zur Schlussformulierung.

Kapitel 4 „Textbausteine (weiblich)“ ist entsprechend aufgebaut.

Kapitel 5 „Textbausteine in englischer Sprache“ ist ebenso aufgebaut und hilfreich, wenn es darum geht, Arbeitszeugnisse im internationalen Rahmen zu erstellen. In den Online-Materialien wird im Unterschied zum Buch zwischen männlichen und weiblichen Formen unterschieden. Was fehlt ist eine kurze Erläuterung über die unterschiedliche Bedeutung, den Aufbau und die Erwartungen an ein Arbeitszeugnis insbesondere im anglo-amerikanischen Bereich.

Kapitel 6 „Tätigkeitsbeschreibungen“ ist das umfänglichste Kapitel, in dem sich Beschreibungen für die Gruppen „Auszubildende, Trainees, Praktikanten“, „gewerbliche Arbeitnehmer“, „Angestellte“, „Führungskräfte“ und „40 Tätigkeitsbeschreibungen für Führungskräfte in englischer Sprache“ finden.

Kapitel 7 „So gestalten Sie das Arbeitszeugnis“ weist auf die Bedeutung der äußeren Form hin, da ein Arbeitszeugnis nicht nur Zeugnis des Beurteilten, sondern auch vom Beurteiler ablegt. Da ein solches Zeugnis möglicherweise vielen Bewerbungen beigelegt wird, sollte es einen guten Eindruck vom eigenen Unternehmen geben: Geschäftspapier oder zumindest Briefkopf, sauber und fehlerfrei sind die Mindestanforderungen. Die Autoren geben einige Beispiele, wie ein Arbeitszeugnis formuliert sein und aussehen sollte.

Diskussion

Lange Zeit hatten Arbeitszeugnisse die Aura des Geheimnisvollen: vom Wohlwollen geprägte Formulierungen, die genau das Gegenteil besagten wie „Er/sie bemühte sich, die gestellten Aufgaben zu erledigen!“ oder der Knick in der Mitte des Papierbogens, der besagt, dass das Arbeitszeugnis per Post zugestellt wurde, weil der Arbeitnehmer ein Hausverbot hatte. Viele Beispiele ließen sich noch anführen und die höchstrichterliche Arbeitsrechtsprechung musste sich immer wieder mit Themen wie dem fehlenden Schlusssatz „Wir wünschen ihr/ihm alles Gute!“ auseinandersetzen. Denn anders als in vielen Ländern, wo eher Empfehlungsschreiben erwartet werden, hat das Arbeitszeugnis in Deutschland eine hohe Bedeutung: Ein schlechtes Arbeitszeugnis kann Karrieren vernichten.

Viele Vorgesetzte sind aber überfordert, wenn sie ein Arbeitszeugnis erstellen sollen. Wie lang und ausführlich soll es sein? Was bedeutet „qualifiziertes Arbeitszeugnis“? Welche Inhalte müssen unbedingt hinein? Wie sollte die Reihenfolge sein? Wie werden Benotungen formuliert? Sieht man sich auch heute noch Arbeitszeugnisse an, so stellt man schnell fest, dass hier, oft unbeabsichtigt, gravierende Fehler gemacht werden, die schlimme Konsequenzen für den Beurteilten haben können. Insofern ist es sehr hilfreich, wenn auf Formulierungen zurückgegriffen werden kann, die solche Fehler vermeiden helfen. Die 18 Bewertungskriterien im Bewertungsbogen unterstützen dabei, keine wichtigen Themen zu vergessen.

Fazit

Das Buch ist ganz eindeutig ein Praxisleitfaden und keine wissenschaftliche Auseinandersetzung zum Sinn und der Aussagekraft von Arbeitszeugnissen. Damit hat es auch die Einschränkungen, die jedem Ratgeber zugrunde liegen: es wird erklärt, wie es gemacht wird, aber nicht warum. Akzeptiert man dieses, dann handelt es sich um ein sehr gut gelungenes Werk. Die wichtigsten Formalia rund um ein Arbeitszeugnis mit den entsprechenden Checklisten werden in den ersten Kapiteln erklärt, so dass auch unerfahrene Schreiber keine gravierenden Fehler mehr machen müssen. Dann folgen die, männlich und weiblich differenzierten Textbausteine sowie die Tätigkeitsbeschreibungen. Das Anpassen an den jeweiligen Beurteilten, das Customizing, muss jeder Beurteiler für sich machen – mit den Bausteinen und Tipps der Autoren ist dies aber kein großes Problem. Man würde sich vielleicht etwas mehr Hintergrundwissen und Erläuterungen vor jedem Kapitel wünschen. Aber das Fazit lautet: ein sehr hilfreiches und nützliches Buch für alle jene, die ein Arbeitszeugnis schreiben (müssen).


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
em. Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Human Resource Management und Berufsbildung sowie Sportmanagement an der Hochschule Koblenz
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 20.05.2016 zu: Thorsten Knobbe, Mario Leis, Karsten Umnuß: Arbeitszeugnisse. Haufe-Lexware GmbH & Co. KG (Freiburg) 2016. 8. Auflage. ISBN 978-3-648-08114-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20577.php, Datum des Zugriffs 26.08.2019.


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