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Nataliya Kuzevych: Migranten­selbstorganisationen in Deutschland

Cover Nataliya Kuzevych: Migrantenselbstorganisationen in Deutschland. Eine empirische Untersuchung der ukrainischen Minderheit am Beispiel der Großstadt München. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2016. 320 Seiten. ISBN 978-3-643-13235-2.
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Thema

Hemmen oder fördern Migrantenselbstorganisationen die Integration der Zugewanderten? Diese Frage stand lange Jahre im Mittelpunkt der innerdeutschen Integrationsdebatte über die Rolle der Migrantenselbstorganisationen (MSO) in der Zivilgesellschaft. Inzwischen hat sich weitgehend die Erkenntnis durchgesetzt, dass MSO einen zentralen Beitrag in den Unterstützungsfeldern der Sozialen Arbeit leisten. Wenn sie auch durch eine Form der Selbstethnisierung und durch Mobilitätseinschränkungen einer Integration abträglich sein können, tragen die MSO zur Integration der Einwanderer in die Mehrheitsgesellschaft bei, indem sie aus der Migration resultierende Unsicherheiten abmildern, die Bildung einer neuen Identität unterstützen, Selbstbewusstsein vermitteln und die Orientierung in einem neuen Umfeld erleichtern.

In der politischen Debatte über Migrations- und Integrationspolitik in Deutschland werden die MSO immer mehr als zivilgesellschaftliche Akteure wahrgenommen und treten zunehmend als Vertreter von Interessen der Immigranten in Erscheinung. Sie werden durch staatliche Stellen in dieser Funktion als Ansprechpartner hinzugezogen und in den integrationspolitischen Entscheidungsprozess einbezogen.

In der vorliegenden Arbeit geht Nataliya Kuzevych der Frage nach, wie die ukrainische Minderheit in Deutschland zustande gekommen ist und wie sie sich über die Jahrzehnte entwickelt hat. Sie will darlegen, wie aktiv und vielseitig sich Ukrainer/innen ihr soziales Umfeld und ihr kulturelles Leben in ihrer neuen Wahlheimat gestalten und wie motiviert und engagiert sie sich für ihren Alltag hier in Deutschland und ihre Landsleute in der Ukraine einsetzen.

Entstehungshintergrund

Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine Dissertation der Autorin an der Ludwig-Maximilians-Universität München aus dem Jahr 2014.

Nataliya Kuzevych zeichnet auf der Basis einer Charakterisierung von zehn Migrantenvereinen und ihrer Entwicklung in München eine Typologie und konstruiert die Vereinslandschaft der ukrainischsprachigen Minderheit nach.

Aufbau und Inhalt

Neben der Einleitung, in der die Autorin begründet, warum sie die ukrainische MSO untersucht, besteht die Arbeit aus zwei Teilen und sechs Kapiteln.

In dem ersten Teil geht es um eine theoretische Spurenlegung. Die Autorin befasst sich hierbei zunächst mit den Vereinen, Verbänden und organisationsähnlichen Strukturen (Kapitel 1), dann mit dem Thema Migration (Kapitel 2).

Der zweite, empirische Teil ist im Wesentlichen einerseits den MSO in Deutschland (Kapitel 3) und andererseits der Tätigkeit der ukrainischen Minderheit (Kapitel 4) gewidmet. Während die Autorin im dritten Kapitel die Ergebnisse relevanter Migrantenvereinsforschung vorstellt, wird im nächsten Kapitel die eigene explorative Untersuchung, in deren Mittelpunkt die qualitativen Interviews mit Vorsitzenden bzw. stellvertretenden Vorsitzenden von zehn ukrainischen MSO stehen, dargestellt.

Im nachfolgenden Kapitel unter dem Titel Diskussion werden die Untersuchungsergebnisse zusammengefasst und diskutiert. Die Arbeit schließt dann mit einem Resümee und Ausblick.

Es folgt abschließend ein umfangreiches Literatur- und Abkürzungsverzeichnis. Der Anhang enthält fünf Zeichnungen zum Thema Migration („Schreckensbilder der Migration“), zwei Ukraine-Karten, Kontaktdaten zu ukrainischen MSO, den Interviewleitfaden, Transkriptions- und Interviewhinweise sowie Zusatzmaterialien zu drei der 10 durchgeführten Interviews.

Fazit

Insgesamt gelingt Nataliya Kuzevych eine Arbeit, in der sie die allgemeine Bedeutung der Vereine und die besondere Wichtigkeit der MSO deutlich herausstellt sowie die Tätigkeit der untersuchten ukrainischen Vereine und deren Beitrag zum Zusammenleben in Deutschland herausarbeitet.

Personen, die an dem Thema theoretisch und wissenschaftlich interessiert sind, kann das Buch durchaus empfohlen werden.


Rezensent
Prof. Dr. Süleyman Gögercin
Duale Hochschule BW Villingen-Schwenningen, Fakultät für Sozialwesen
Homepage www.dhbw-vs.de/hochschule/mitarbeitende/sueleyman-g ...


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Zitiervorschlag
Süleyman Gögercin. Rezension vom 27.04.2016 zu: Nataliya Kuzevych: Migrantenselbstorganisationen in Deutschland. Eine empirische Untersuchung der ukrainischen Minderheit am Beispiel der Großstadt München. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2016. ISBN 978-3-643-13235-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20579.php, Datum des Zugriffs 25.07.2017.


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