socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Fang Wang, Martin Prominski u.a. (Hrsg.): Urbanization and locality

Cover Fang Wang, Martin Prominski, Tanja Angela Kubes, Sophie Weingraber (Hrsg.): Urbanization and locality. Strengthening identity and sustainability by site-specific planning and design. Springer Science+Business Media GmbH & Co. KG (Berlin) 2016. 384 Seiten. ISBN 978-3-662-48492-0. D: 139,09 EUR, A: 142,99 EUR, CH: 146,50 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Wann werden Plätze integrationssichernde und identitätsstiftende Orte, mit denen man etwas verbindet, wo biographisches Erleben verortet wird? Wie entstehen über einen längeren Zeitraum lokale Lebenszusammenhänge, wo verschiedene Lebensbereiche in ihrer jeweiligen lebensgeschichtlichen und gegenwärtigen Perspektive verknüpft sind, weil sie in der alltäglichen Praxis verwirklicht werden? Und was bedeutet es, sich in der alltäglichen Praxis zu verstehen, weil man in der Interaktion mit anderen auf die gleichen Zeichen und Rituale zurückgreifen kann?

Die europäische Stadt hat sich immer auch so verstanden. In dem Spannungsbogen von Privatheit und Öffentlichkeit hatte der öffentliche Raum mit seinen Bauten, Straßen und Plätzen ein kollektives Gedächtnis entwickelt, in dem der Städter sich sicher bewegen konnte. Aber der Typus der europäischen Stadt hat außerhalb Europas nicht die gleiche Dignität und Bedeutung. Die chinesische Stadt ist ein vollkommen anderer Typus und die Geschichte der Urbanisierung in Europa und China lassen sich kaum vergleichen. Was ist dann typisch für die chinesische Stadt, die nie eine Bürgerstadt war, wenn sich in China überhaupt eine bürgerliche Gesellschaft entwickelt hat, wie wir sie im zentraleuropäischen Raum kennen?

Und wird die chinesische Stadt dadurch europäisch, weil deutsche und europäische Städtebauer und Stadtplaner am Aufbau der Stadt beteiligt sind. Entwickelt sich dann in den Megacities und metropolitanen Zentren Chinas ganz allmählich ein anderes Verständnis von Stadt – auch in der Differenz zur ländlichen Gesellschaft?

Herausgeber

  • Fang Wang Ph. D. ist Professorin am College für Architektur und Landschaftsplanung der Universität Peking.
  • Dr.-Ing. Marin Prominski ist Professur für Landschaftsplanung an der Leibniz Universität Hannover.

Autorinnen und Autoren

Die übrigen Autorinnen und Autoren kommen aus den Bereichen der Architektur und Landschaftsplanung, der Stadtplanung und des Urban Design, der Stadtsoziologie, der Stadtforschung und der Geographie.

Aufbau

Nach einem Vorwort untergliedert sich das englischsprachige Buch in drei große Teile mit jeweils mehreren Beiträgen:

  1. New Trends: Bridges Between People and Place in Urbanization Processes
  2. New Strategies: Locality Preservation and Development in Urbanization Process
  3. New exploration: Site-Specific Planning and Design in the Context of Urbanization

Zum Vorwort

In ihrem Vorwort erläutern die Herausgeberin und der Herausgeber die Absicht des Buches. Die Urbanisierung ist weltweit nicht mehr aufzuhalten und unumkehrbar. Die ökonomischen und sozialen Prozesse sind in den einzelnen Kulturkreisen sehr unterschiedlich und führen auch zu unterschiedlichen Konsequenzen. Außerdem wird die Urbanisierung in den einzelnen Kulturkreisen unterschiedlich diskutiert.

Deutsche und chinesische Wissenschaftler haben sich in der Auseinandersetzung mit der Urbanisierung in ihren Ländern auf die Frage konzentriert, wie durch die Planung von Plätzen und Orten das Lokale als Basis für Identität und Nachhaltigkeit gestärkt werden kann.

Dabei diskutieren sie die unterschiedlichen Arten der Urbanisierung in China und Deutschland, insbesondere die rasante Entwicklung in China, die mit der Megacity einen anderen Typus von Stadt hervorbrachte, der sich vom Typus der europäischen Stadt wesentlich unterscheidet. Vor allem ist dabei die Frage relevant, was in China vom architektonischen Erbe und den in der Geschichte entwickelten Traditionen übrig bleibt angesichts der „Europäisierung“ der chinesischen Stadt. Denn nicht nur die Urbanisierungsgeschwindigkeit ist unterschiedlich, sondern auch die Urbanisierungsgeschichte Deutschlands und Europas, was ja auch zu unterschiedlichen Traditionen geführt hat und zu einem anderen Verständnis von Stadt als sozialem Gebilde und Widerspiegelung der Gesellschaft. Oder gelingt es durch die Beteiligung der Europäer, insbesondere der Deutschen an der Stadtentwicklung in China, dessen historisches Erbe zu sichern und Nachhaltigkeit und Identität durch die Entwicklung eines historischen Bewusstseins für die Stadt und ihre Plätze und Orte zu schaffen?

Im Weiteren gehen die Herausgeberin und der Herausgeber auf einzelne Beiträge ein.

Zu Part I: New Trends: Bridges Between People and Place in Urbanization Processes

Zu: The Dynamics of Locality: Inspirations for Designing Large-Scale Urbanization Projects (Martin Prominski)

Der Autor setzt sich nach einer kurzen allgemeinen Einführung mit dem Begriff des Lokalen auseinander, auch in Gegensatz zur Universalität. Alles, was stattfindet, hat einen sozialräumlichen Kontext – einen Platz, einen Raum. Im Rückgriff auf Norbert Schulz Buch „Genius Loci“ betont er die Bedeutung von Raum für unsere Existenz. Und der Raum ist konkret als Platz, als gestalteter Raum, der Orientierung und Identifikation ermöglicht, die gleichsam Voraussetzungen für Identität sind. Nach der Diskussion des Genius Loci beschäftigt sich Prominski mit Plätzen, mit Places und Non-Places, mit der „Platzlosigkeit“, die zu einer Schwächung von Distinktion führt und keine Raumerfahrungen ermöglicht, die zur Identität eines Platzes beitragen könnten.

Weiter geht es dem Autor um den Ort. In Anlehnung an weitere Autoren wird der Ort in einen Ort der Kontrolle, in den Raum der Beeinflussung und in den Wirkungsort unterschieden.

Zusammenfassend misst der Autor dem Lokalen fünf Funktionen und Bedeutungen zu: das Lokale ist wichtig; das Lokale steht unter Druck; das Lokale ist relational; das Lokale ist hybrid und das Lokale ist dynamisch. Diese Bedeutungen werden kurz erläutert.

In einem Exkurs fragt der Autor, ob das Lokale ein Auslaufmodell ist. Nach einer kurzen Reflexion des Forschungsstandes geht der Autor auf der Grundlage der fünf genannten Bedeutungen vom Lokalen auf das Lokale in new urbanization projects ein und stellt in diesem Kontext drei Fallstudien vor: Scharnhauser Park, ein Gebiet von Ostfildern, dann Hannover Kronsberg und Zhangjiawo. Alle Fallstudien werden ausführlich vorgestellt und analysiert und mit Bildern illustriert und verdeutlicht. Dabei geht es auch um die Frage eines größeren räumlichen Zusammenhangs, in den die Fallstudien integriert sind.

Zu: Measurement and Application of Urban Memory Related to Historic Areas of Beijing (Fang Wang, Wei Li, Yang Liu, Hongru Cai)

In ihren einleitenden Bemerkungen erklärt das Autorenteam den Begriff der „urban memory“. Es versteht darunter den kollektiven Eindruck/die kollektive Wahrnehmung der Form, des Wandels und der Entwicklung einer Stadt. Für Beijing ist die Bewahrung und Fortführung eines kollektiven Gedächtnisses neu und meint den Schutz des historischen Kapitals, und das Autorenteam möchte die Mittel erforschen und bestimmen, die zur Bewahrung des historischen Gedächtnisses erforderlich sind und es möchte Entwicklungsansätze liefern, die gerade in Beijing mit seiner rapiden Urbanisierung notwendig erscheinen.

Nach einer ausführlichen Beschäftigung mit der Literatur fragt das Autorenteam nach Elementen eines solchen kollektiven Gedächtnisses, das es nunmehr unterscheidet in subjektive, objektive und zeitliche Elemente. Dann geht das Team auf die historischen Stadtgebiete Beijings ein, was auch an Hand der Literatur ausführlich erörtert wird.

Im Folgenden werden die Forschungsmethoden und die Methoden der Datenerhebung vorgestellt und ausführlich erörtert und im weiteren Verlauf werden fünf Typen von historischen Stadtgebieten ausfindig gemacht:

  1. Historische Gebiete mit einer objektiven Dynamik des kollektiven Gedächtnisses.
  2. Historische Gebiete mit einem integrativen charakteristischen kollektiven Gedächtnis.
  3. Historische Gebiete mit einem dauerhaft erinnernden kollektiven Gedächtnis.
  4. Historische Gebiete mit einem kollektiven Gedächtnis, das vor Erneuerung schützt.
  5. Historische Gebiete mit einem zeitlich kontinuierlichen kollektiven Gedächtnis.

Die Unterscheidung dieser Typen erfolgt nach sozial- und bevölkerungsstrukturellen Faktoren.

Es folgt dann noch eine Diskussion der Schutz- und Erneuerungsstrategien im Kontext der Typenbeschreibungen. Diese Diskussion wird mit Bildern illustriert.

Zu: New Urbanization and Land Use in China (Changchun Feng, Zhuyun Xiao, Haojing Shen, Lei Zhang)

China hat zu Beginn von 2014 einen neuen Urbanisierungsplan veröffentlicht, der den Widerspruch zwischen dem Flächennutzungsbedarf und denen deutlich macht, die diese Flächen zur Verfügung stellen sollen. Wie also muss eine Flächennutzungspolitik aussehen, die die lokalen Strukturen des zur Verfügung gestellten bevölkerten Landes im Kontext einer Urbanisierung berücksichtigt und der den Widerspruch zwischen Stadt und Land, wenn schon nicht auflöst, aber doch im Blick hat?

Das Autorenteam setzt sich zunächst ausführlich mit dem Entwicklungsstand und dem Charakter der Urbanisierung in China auseinander, bevor es auf die Probleme und Herausforderungen der Urbanisierung in China zu sprechen kommt. Dazu gehören

  • regionale Disparitäten in der Entwicklung des Urbanisierungsniveaus,
  • die weiter auseinander triftende Kluft zwischen urbanen und ländlichen Räumen,
  • die Tatsache, dass Städte unterschiedlicher Größe auch mit unterschiedlichen Entwicklungsproblemen konfrontiert sind,
  • die mangelnde Koordination zwischen der ökonomischen Entwicklung und der Bevölkerung,
  • die niedrige Rate der Umstellung der ländlichen Bevölkerung auf den Urbanisierungsprozess und
  • die niedrige Nutzungseffizient der Ressourcen im Prozess der Urbanisierung.

Im weiteren Verlauf des Beitrags diskutiert das Autorenteam das Konzept der New Urbanization, das auf eine Verbindung von Bevölkerungsentwicklung, Ressourceneinsatz, industrieller Entwicklung und sozialer Dienste setzt. Dieses Konzept wird gründlich erörtert und vorgestellt, bevor eine Landnutzungsstrategie im Zeichen der New Urbanization entwickelt wird. Weiter werden zwei praktische Beispiele vorgestellt: einmal wie eine Politik aussieht, die das Land bevölkert, zum anderen eine Politik, die die Potentiale des Landes intensiviert und nutzt. Beide Beispiele werden ausführlich erörtert.

Zu: Urban Interplay (Annette Rudolph-Cleff)

Einleitend beschreibt die Autorin das Szenario, das in Blick auf die Umweltressourcen mit einer zunehmenden Verstädterung verbunden ist, der vermutlich hier nicht gleichzusetzen ist mit Urbanisierung, zumal auf die Risiken und Gefährdungen verwiesen wird, die damit verbunden sind.

Welche Strategien sind erforderlich, die gleichsam Resilienz und Nachhaltigkeit erforderlich machen und wie geht Planung damit um?

Einmal wird vermutet, dass es keine perfekte technologische Lösung gibt, die die Frage der Nachhaltigkeit befriedigend beantwortet. Es gibt einige Probleme, die besser gelöst werden als andere und Städte sind da besonders gefordert. Resilienz ist das Schlüsselwort für diese Herausforderungen. Dies wird ausführlich auch an Hand der Literatur begründet. Anschließend werden Projekte erörtert, in denen Planungsansätze umgesetzt wurden, die als integrierte Konzepte Resilienz und Nachhaltigkeit auf verschiedenen Stufen lokaler Planung realisieren.

Dabei wird deutlich, wie sehr die Risiken nicht mehr abgrenzbar sind, ja dialektisch mit einander verknüpft sind und wie sehr deshalb integrierte Planungsansätze auf Interdisziplinarität angewiesen sind. Dies wird dann noch an bestimmten konkreten Aspekten auf lokaler Ebene verdeutlicht wie an der städtebaulichen Gestaltung, an den Energiepotentialen, wo es um Ziele und nicht um Standards geht, an der sozialräumlichen Ausgestaltung, am Erbe einer Stadt und an der kommunal gestützten Planung.

Zu: Mountainous Rural Urbanization: Space Integration of Industry and Village (Hao Log, Jiayang Li, Feng Lu, Dongzhu Chu)

Wie werden auf dem Land Urbanisierungsprozesse durchgeführt und wie gestalten sich insbesondere in China die Prozesse der Industrialisierung auf dem Land und die „Urbanisierung des Dorfes“ die von den für China spezifischen Prozessen der Bevölkerungswanderung begleitet werden?

Das Autorenteam beschreibt zunächst auch an Hand der Literatur diese Prozesse und geht auf die Folgen der industriellen Entwicklung auf dem Land für die Landbevölkerung ein, auf die Strukturierung ihres Alltags, ihre Mentalität, ihre individuellen Ressourcen und Kompetenzen. Gleichzeitig wird der Widerspruch zu den geforderten Kompetenzen und Ressourcen deutlich. Dies wird an Hand von Bergregionen verdeutlicht, wo auch noch ein anderer Widerspruch ins Auge fällt. Was bedeutet die industrielle Nutzung von Flächen in Bergregionen für die menschlichen und natürlichen Ressourcen? Werden Lebensverhältnisse und Lebensstandards dadurch verbessert oder braucht es dazu noch anderer Strategien?

Das Autorenteam beschreibt dann die Nöte der Entwicklung von Bergregionen.

In den letzten Jahren haben sich zwei Modelle im Umgang mit der Entwicklung von Bergregionen durchgesetzt. Einmal das Konzept, das auf Design und Gestaltung als Verbesserungsmöglichkeiten setzt, zum anderen die Strategie, die auf funktionale Trennung des Landes von Wohnen und Produktion und auf die Trennung von Wohngebieten und industriellen Sektoren setzt. Dies wird ausführlich dargestellt, auch zum Teil mit Bildern unterlegt.

Die Probleme, die weiter beschrieben werden, sind:

  • ein Mangel einer übergreifenden Industrie-Dorf-Entwicklungs-Strategie;
  • eine unzureichende räumlich Ausdehnung der Industrie;
  • keine ordentliche Dorfentwicklungsstrategie.

Des Weiteren werden bestimmte Aspekte einer Tendenz der Urbanisierung von Bergregionen beschrieben: Nationale Politik, Unterstützung der gegenwärtigen Technologie, Trends in der relevanten Forschung.

Weiter geht es um die räumliche Integration von industriellen Räumen und dem Dorf, die als eine integrative Entwicklung der Gemeinde verstanden werden muss. Dabei muss die Planung auf Besonderheiten dieser integrativen Entwicklung reagieren.

Zu: Rural Planning in the New Urbanization Process: The Case of Chengdu, China (Wei Zhao, Jiao Yang)

Die Autorin und der Autor sagen einleitend, dass das Konzept der „New Urbanization“ in China die Bedeutung der Entwicklung ländlicher Regionen für die Urbanisierung von Landstrichen hervorgehoben hat. Allerdings fehlt es an einem gesetzlichen Rahmen für die Planung im ländlichen Raum. Auch wie weit Planung im ländlichen Raum gehen soll und auf welcher staatlichen Ebene sie angesiedelt sein soll, ist unklar.

Die Autorin und der Autor stellen dann die Planung in Chengdu vor, einer 2300 Jahre alten Stadt und einzigartig in China, was seine ländliche Umgebung angeht. Sie gehen auf die Planung eines nicht-urbanen Gebietes in der Innenstadt ein. Das scheint zunächst ein Widerspruch zu sein, aber die Autorin und der Autor beschreiben überzeugend, was ein Grüngürtel in einer Stadt bewirken kann. Sie diskutieren dann eine integriere Stadt-Land-Planung und gehen auf die Entwicklung in China seit 2003 ein, als China begann, bestimmte Entwicklungszonen zu definieren und zu steuern.

Weiter erörtern die Autorin und der Autor, was mit einer rekonstruktiven Planung gemeint ist, die nach dem Erdbeben im Mai 2008 einsetzt. Bei diesem Beben wurden verschiedene Gebäude und Funktionen im ländlichen Raum zerstört. Das Erdbeben führte dazu, dass die Planung den ländlichen Raum in seiner Entwicklung besser verstanden hat. Auch wurde deutlich, dass viele technische Experten fehlten, wie Landschafts- oder Freiraumplaner.

Die Autorin und der Autor gehen dann noch auf einige Hauptaufgaben in der näheren Zukunft ein. Darunter verstehen die beiden die Fortführung und Konsolidierung der finanziellen Förderung der Landwirtschaft, der Umweltschutz und Anstrengungen in der Untersuchung von typischen und charakteristischen Merkmalen der regionalen Kultur.

Zu Part II: New Strategies: Locality Preservation and Development in Urbanization Processes

Zu: Integrative Design Computation for Local Resource Effectiveness in Architecture (Oliver David Krieg, Tobias Schwinn, Achim Menges)

Architektur hat einen immensen Einfluss auf die Nutzung von Ressourcen und die Autoren wollen dazu in ihrem Beitrag der Nachweis erbringen. In ihrer Forschung wollen sie zeigen, dass die Aktivierung der örtlichen Ressource Holz bei einer Steigerung der Effizienz der Nutzung von Holzprodukten durch ein Modell ermöglicht wird, das Design und „Berechnung“ zusammenbringt und Form und Material mit einander verbindet.

Zunächst werden neu entwickelte digitale Design- und Fabrikationsmethoden vorgestellt, bevor auf das Holz als eine lokale Ressource eingegangen wird und deren zukünftigen Potentiale in Deutschland differenziert und fachkundig beschrieben werden.

Danach stellen die Autoren ein integriertes Konzept eines computergesteuerten Designs vor und erörtern es als Möglichkeit einer nachhaltigen Architektur. Es geht um anpassungsfähige und flexible Konstruktionssysteme und um Ansätze, die Design und digitale Produktion integrativ verbinden.

Sie stellen dann Säulen der Nachhaltigkeit vor und diskutieren dies im Zusammenhang mit einer Ausstellungshalle der Landesgartenschau. Weiter erörtern sie, was „biominetic design“ ist und was die Roboter-Fabrikation bedeutet.

Zu: New Characteristics of Medical Architecture Development in China´s New-Type Urbanization (Hui Li)

Der Autor bescheinigt China zunächst einen großen Fortschritt in der medizinischen Versorgung und der Gesundheitsfürsorge, bevor er auf das Gesundheitssystem eingeht, wie das Versicherungswesen, auf genossenschaftliche oder kooperative Systeme auf dem Land und auf diejenigen, die nicht versichert sind.

Ausführlicher beschreibt er die Probleme bei der Entwicklung der modernen Gesundheitseinrichtungen in China, die er auch mit der Modernisierung der chinesischen Gesellschaft in Verbindung bringt. Dazu gehören die Basisversorgung für alle, die hohe Urbanisierungsrate und das neue Registrierungssystem für Haushalte.

Ausführlich geht dann der Autor auf die Planungsleitlinien für medizinische Einrichtungen im Kontext der „New urbanization“ ein. Dabei wird deutlich, dass die Qualität und humanitäre Aspekte des Gesundheitsdienstes im Vordergrund der Planung stehen sollen. An einer Reihe von Beispielen werden diese Überlegungen exemplifiziert. Die Argumentation wird durch Bilder unterstützt.

Zu: Study of Vernacular Dwellings and Settlement Renewal (Xiaopeng Fan, Zhennan Wang)

Jedes Wohnquartier hat seinen ethnischen und regionalen Charakter, seinen Dialekt. Und dieser Dialekt ist die Basis für die Konstruktion der Wirklichkeit, in der man lebt und handelt. So entstehen lokale Lebenszusammenhänge als Interaktions- und Handlungsmuster, die Vertrauen und Zugehörigkeit erzeugen und die einen bestimmten Lebensstil prägen. Die Autoren gehen diesem Typus von Wohngebieten nach und untersuchen zunächst die räumliche Gestalt und das natürliche Umfeld solcher Räume am Beispiel von Tibet.

Im ländlichen Raum finden wir Lebensstile, die von der ländlichen Gesellschaft geprägt sind. Familien bilden diese Gesellschaft und das Familienoberhaupt vertritt diese Familien in der Öffentlichkeit des Dorfes oder der Region. Die Autoren diskutieren in diesem Zusammenhang das Konzept des Patriarchats und die Lebensweise in Abhängigkeit der eingesetzten Technologie, die wiederum von zur Verfügung stehenden Materialen abhängt. Weitere Einflussfaktoren sind die klimatischen Bedingungen und die religiösen Praktiken, die vor allem im Alltag eine Rolle spielen.

Wenn Wohngebiete zu Siedlungen werden, also größer werden, werden Traditionen zu Regeln und Gesetzen, werden Traditionen institutionalisiert. Siedlungen größeren Ausmaßes differenzieren sich nach Funktionen und unterscheiden soziale und andere Funktionen und der Dialekt spielt nicht mehr die zentrale Rolle. Das soziale Umfeld hängt nunmehr auch vom Charakter der Siedlung ab. Kulturelle, räumliche und soziale Faktoren und Bedingungen gestalten nun gemeinsame Wertvorstellungen, die alle teilen und auf die sich alle beziehen.

Dies wird ausführlich dargestellt und begründet, bevor auf die gegenwärtige Rekonstruktion von Siedlungen und ihren regionalspezifischen Charakter, ihren Dialekt eingegangen wird. Dabei werden zwei Modelle der Rekonstruktion vorgestellt:

  1. Das Modell des sich aus sich selbst heraus erneuernden Dörflers als Subjekt eines Wandlungsprozesses der Siedlung. Dieses Modell wird eher in traditionellen Ansiedlungen verankert.
  2. Das Modell der geplanten und konstruierten Erneuerung einer Siedlung, wo mit Projekten das Wohnumfeld neu konstruiert wird, Wohnungen gebaut werden. Dadurch wird auch ein neuer Lebensstil des Dörflers „erzwungen“.

Dies wird ausführlich beschrieben und mit Bildern verdeutlicht.

Zu: Preservation and Tourism-Oriented Use of Cultural Heritage Streets: Case Study of Lhasa´s Barkhor Street (Xia Li, Youngzhi Xu)

Lhasa ist eine berühmte alte Stadt mit einer 1300jährigen Geschichte und die Barkhor Street ist das Zentrum der Stadt, wo sich die Kultur und Geschichte der Stadt am ehesten widerspiegelt. China verfolgt derzeit die Rekonstruktion solcher historischen urbanen Gebiete und die Autoren diskutieren diese Entwicklung vor dem Hintergrund der Stadt Lhasa. Dabei analysieren sie das historische Erbe der Barkhor Street und weisen der Straße folgende Funktionen und Bedeutungen zu: Die Straße ist

  • ein Ort religiöser Kultur,
  • eine Straße mit öffentlicher Bebauung,
  • eine Straße mit privaten Bauten,
  • ein historischer Ort des Handels,
  • ein Ort des Gerichtswesens,
  • ein Ort, der die kulturelle Landschaft widerspiegelt,
  • ein unantastbares kulturelles Erbe.

Alle Funktionen und Bedeutungen werden mit bestimmten geographischen Orten der Straße verbunden. Weiter diskutieren die Autoren, wie dieses Erbe erhalten und mit der weiteren Nutzung heute verbunden werden kann und wie es geschützt werden kann, bzw. wie es touristisch aufgewertet werden kann.

Zu: Sustainable Tourism-Oriented Conservation and Improvement of Historical Villages in the Urbanization Process: A Case Study of Nan´anyang Village, Shanxi Province, China (Ye-Feng Xie, Lu Li, Yan-DanGou, Xu-Peng Sun, Yu-Jun Zhang)

Einleitend formuliert das Autorenteam die Bedeutung historischer Bewahrung und Erneuerung des Dorfes. Von 600.000 Dörfern gelten 3000 als historische Dörfer, deren Bewahrung gleichsam der Schutz des historischen Erbes bedeutet.

Das Autorenteam fragt sich, wie eine Balance hergestellt werden kann zwischen der rasanten Entwicklung der Urbanisierung einerseits und der Bewahrung und Konservierung des historischen Erbes andererseits. Es stellt dabei eine Studie vor, die es in einer Stadt gemacht hat, die in einen alten und einen neuen Teil zweigeteilt ist (Nan´anyang). Diese Stadt wird kurz vorgestellt und es wird das Forschungsinteresse formuliert, bevor die Forschungsmethoden erörtert werden.

Weiter werden sehr ausführlich die Ergebnisse der Analyse vorgestellt, die sich auf die folgenden zentrale Aspekte beziehen. Einmal geht es um die Konservierung der Landschaft, dann um einen nachhaltigen Schutz der Landschaft im Zusammenhang mit dem Tourismus und um die Aktivierung der Gemeinden im Zusammenhang mit der Bewahrung ihres historischen Erbes.

Zu: The Disappearing Historical Hutongs: Key Issues in Preserving Locality in Old Beijing (Pengjun Zhao)

Hutongs sind traditionelle Wohnbebauungen in China, auch enge Gassen mit eingeschossiger Bebauung. In Beijing gibt es noch solche Wohnviertel, sind aber sehr stark zurückgegangen. Sie gelten als ein wichtiges historisches Erbe, dass zu bewahren ist. Der Autor beschreibt dies einleitend, bevor das Gebiet der Fallstudie, ein Hutong in Beijing vorstellt und analysiert. Die ausführliche Analyse bezieht sich einmal auf die Wahrnehmung des Besuchers und zum anderen auf die Wahrnehmung der Bewohner.

Zu: Restructuring the Urban Landscape: A „Critical Reconstruction“ of Permanent Structures in Historic Cultural and Urban Landscapes (Sören Schöbel)

Der Autor beschäftigt sich in seinem Beitrag mit der Beständigkeit von Raumstrukturen in städtischen und ländlichen Gefügen als einem wichtigen Aspekt von Nachhaltigkeit, die soziale und ökologische Stabilität und Resilienz bietet.

S. Schöbel geht dann mit dem Begriff der Stadtlandschaft auf die Auflösung der Grenzen zwischen Stadt und Landschaft ein, und diskutiert dabei einige Modelle wie z. B. E. Howard´s Garden City.

S. Schöbel bezieht sich auf Deutschland und stellt Berlin als Beispiel vor, in dem deutlich wird, wie die Funktionen Wohnen, Arbeit und Freizeit räumlich getrennt wurden.

Was ist mit der kritischen Rekonstruktion der Stadt gemeint? Viele Städte waren nach dem 2. Weltkrieg zerstört. Im Rekurs auf Vertreter der kritischen Theorie (Adorno, Habermas) und des kritischen Rationalismus (Popper) sollte die Stadt nicht nach dogmatischen Paradigmen wieder aufgebaut werden, sondern nach Prinzipien von Versuch und Irrtum, in kleinen Schritten und sorgfältig. Nicht die Lebensform der alten Stadt sollte aufgebaut werden, sondern eine Stadt, die Integration sichert, Identität stiftet, offen und plural ist. Die europäische Bürgerstadt ist wieder entdeckt worden.

Weiter diskutiert Schöbel ausführlich und an Hand von Beispielen spätere Entwicklungen wie die Suburbanisierung, den Klimawandel und die Luftverschmutzung, und später die Stadtentwicklung von München.

Zu Part III: New exploration: Site-Specific Planning and Design in the Context of Urbanization

Zu: Providing Urban Ecosystem Services for Human Well-Being: A Comparison of Exemplary Institutional Arrangements in China and Germany (Marin Welp, Natalie Ward, Siegmund Missall, Abdulla Abliz, Ümüt Halik)

Städte sind der entscheidende Faktor, der für die Veränderung der Umweltbedingungen verantwortlich ist. Und Städte provozieren zentrale Frage der Nachhaltigkeitsdebatte. Was können Städte und ihre städtebauliche Gestaltung zu einem nachhaltigen Lebensstil beitragen und wie kann ein „gutes Leben“ in den Städten durch gute Planung und gutes Management verbessert werden? Diesen Fragen geht das Autorenteam nach, wobei es einen besonderen Blick auf die Vegetation in der Stadt hat. Dabei diskutiert das Autorenteam zunächst die institutionellen Arrangements, die die Freiflächen in der Stadt etablieren und aufrechterhalten. Sie berücksichtigen auch die nationalen Regelungen in China und Deutschland, die als legalisierter Rahmen für die Städte auch gelten.

Anschließend stellt es jeweils eine Fallstudie in China und Deutschland vor und diskutiert sie. Einmal geht es um Urban Gardening in Berlin und zum anderen um ein Projekt in Aksu, einer Stadt in China mit ungefähr 314.000 Einwohnern. Dort geht es um den Kökyar Wald. Das Projektgebiet wird beschrieben, die Hauptakteure werden benannt und die gesetzlichen Vorgaben werden erörtert. Anschließend wird die Struktur der Bepflanzung erläutert. Weiter diskutiert das Autorenteam das Obstgarten-Leasing-System ausführlicher, das seit 1981 vom Staat gefördert wird und wo Privatleute auf der Leasingbasis Bäume pflanzen und ernten können.

Zu: Research on IMGE(SB) in Sustainable Building Design Process (Dongzhu Chu, Shuxing Wei)

IMGE(SB) steht für Integration Mechanism of Generation-Evaluation for Sustainable Building. Es geht um den Zusammenhang von Design und Nachhaltigkeit im Städtebau oder umfassender: es geht um den Zusammenhang von Umwelt, Ökologie und Ressourcen einerseits und gesellschaftlichen, ökonomischen und natürlichen Bedingungen andererseits. Dieses Konzept wird erst einmal ausführlich erläutert und an Hand von Beispielen verdeutlicht. Weiter wird erklärt, wie dieses Konzept als eine Verbindung von subjektiven Vorstellungen im Design und der „objektiven“ Realität gesehen werden kann, wobei die Realität nie objektiv sein kann, sondern nur objektiv konstruiert erscheint.

Die Anwendung dieses Modells wird an Beispielen sehr ausführlich und anschaulich vorgestellt, um dann zu Schritten der Implementation zu kommen, die da wären:

  1. Informationen sammeln und verarbeiten (Management),
  2. Konzeptentwicklung,
  3. Test und Optimierung der Strategie,
  4. Entscheidungsfindung und Integration.

Diese Schritte werden kurz erläutert.

Zu: Locality as Co-production of Common Ground: Urban Interventions by the Academy of a New Gropiusstadt (Jörg Stollmann)

Gropiusstadt ist eine mono-funktionale Siedlung in Berlin mit 36.000 Einwohnern. Der Autor berichtet von den Aktivitäten des Instituts für Architektur der TU Berlin im Kontext einer kooperativen Forschung und Gestaltung seit 2011. Dabei geht es um die Kernfrage, wie das Lokale in kooperativen Zusammenhängen gestaltet und weiter entwickelt werden kann. Der Autor zeichnet zunächst die Architekturgeschichte in Deutschland nach, um dann festzustellen, dass Koproduktion ein Aushandeln von Interessen und Macht ist.

Der Autor berichtet dann von der Planungsgeschichte von Gropiusstadt und geht dann auf die Frage ein, wie Lehre aussieht, die eng verzahnt ist mit den Interessen und Lebenslagen derer, die im Planungsgebiet wohnen. Dabei werden einzelne kleinere Projekte vorgestellt, die konkret im Planungsgebiet implementiert wurden und in die dann verschiedene Institutionen und Organisationen wie die Schule, und der Kindergarten eingebunden wurden oder andere Akteure auf dem Markt (Supermarkt) und im öffentlichen Raum. Dies wird anschaulich beschrieben und verdeutlicht.

Zum Schluss geht Stollmann auf die Gestaltung des Lokalen als eine Koproduktion eines gemeinsamen Denk- und Handlungsansatzes ein, der Zugehörigkeit und Vertrauen erzeugt.

Zu: Ecological Plan: City Covered by Green Roofs (Linfei Han, Jianmin Guo)

Vor dem Hintergrund der Umweltverschmutzung in den großen chinesischen Städten und der steigenden Verstädterungs- bzw. Urbanisierungsrate entwerfen die Autoren ein nicht gerade Hoffnung verbreitendes Szenario der weiteren Entwicklung in China.

Sie beschreiben zunächst bestehende Umweltprobleme der Urbanisierung wie z. B. die zurückgehende Vegetation, die mangelnden grünen Korridore in den Städten, die Verschlimmerung der Luftverschmutzung, der hohe Energieverbrauch und ein schlechtes Abwassersystem. Die Autoren beschreiben dann die Vorteile eines Konzepts des Grünen Daches (Green Roof). Sein historisches Vorbild hat dieses Konzept in den Hängenden Gärten von Babylon. Sie gehen dann auf die ökologischen, ökonomischen und sozialen Vorteile und auf den Entwicklungstand des Konzepts in China ein und machen dies an Beispielen fest. Insbesondere stellen sie das Konzept des grünen Daches in Beijing vor und machen der Politik eine Reihe von Vorschlägen.

Zu: Urban Formation Based on Environmental Performance Simulation (Philip F. Yuan Shuyi, Chao Yan)

Einleitend gehen die Autoren auf die Bedeutung der Urbanisierung für den Umgang mit natürlichen Ressourcen ein und wie sehr der Urbanisierungsprozess den gesamten gesellschaftlichen Wandel in China beeinflusst und auch die politischen und wissenschaftlichen Diskurse bestimmt. Weiter erläutern die Autoren das Paradigma des Urban Design für die städtebauliche Gestaltung einer Stadt. Sie erläutern die Methodologie, die Methode der Datenerhebung und die Simulation der Umwelt-Darstellung, die Geometire und die Optimierung der urbanen Morphologie. Dann gehen die Autoren anschaulich auf eine Fallstudie ein, in der die Urban-Design-Methode Anwendung fand und diskutieren die Umwelt als treibender Faktor. Weiter erörtern sie die urbane Gestalt der City und entwickeln prototypische City-Cluster. Die damit verbundene Technik und die computergestützten Anwendungen werden ausführlich erörtert.

Zu: Nature Conservation as Part of a Multifunctional Use of Suburban Landscapes (Michael W. Rode)

Der Autor geht einleitend auf die Verwendung des Landes als entscheidender Faktor für die Landschaftsgestaltung ein und wie sich im Übergang von der agrarischen zur industriellen Gesellschaft die Verwendung des Landes und die Landschaft verändert hat. Die Frage der Naturbewahrung macht Rode dann an der Multifunktionalität suburbaner Räume fest, wo am deutlichsten der Konflikt von Naturerhaltung und städtebaulicher Gestaltung hervortritt. Dabei geht er davon aus, dass die Naturerhaltung durch die Integration von agrarischer Funktionen und Wohnumfeldbedingungen möglich ist.

Er beschreibt zunächst die Situation und arbeitet Typen der Multifunktionalität der Landschaft heraus, in denen drei Funktionen integriert sind: die Landwirtschaft, die Funktion der Biotoperhaltung und das Wohnen bzw. die Freizeit/Erholung. Rode stellt dann die Entwicklung der Landschaft in Kronsberg (Hannover) vor, deren zentrales Element die Allmende ist, Felder und Wiesen, die keinem und doch allen gehörte. Die einzelnen Funktionen werden ausführlich diskutiert.

Welche Strategien und Erfordernisse mit einer integrierten multifunktionalen Landnutzung in einer suburban gestalteten Landschaft verbunden sind, wird anschließend analysiert.

Zu: Multi-dimensional Experience of the Rural Landscape in Chinese Organic Farms (Jun Shao)

Die Städter in China sehnen sich nach dem Land, nach einer ländlichen Umgebung angesichts von Luftverschmutzung und den Schwierigkeiten der Nahrungssicherung. Und die Menschen machen die Erfahrung einer ländlichen Landschaft in China auch auf Biobauernhöfen, die verstärkt im städtischen Umland auftauchen. Ist diese Erfahrung möglich?

Der Autor diskutiert diese Frage vor dem Hintergrund von Studien und Konzepten, die sich darin einig sind, dass die Rolle der Kultur eine zentrale Bedeutung für die Gestaltung der Landschaft hat und umgekehrt (Knudsen u. a.).

Er stellt dabei das Konzept der Regierung vor, die dieses Projekt in China mit geprägt und gefördert hat und erläutert dann die Methode einer Studie, die diese multidimensionalen Landschaftserfahrungen der Städter untersucht. Er stellt dabei eine Fallstudie vor, erörtert die Datenerhebung und -analyse, um dann Ergebnisse vorzustellen, die zum einem die Erfahrungen als Erziehungs- und Bildungserfahrungen verdeutlichen und zum anderen die Erfahrungen, „assoziiertes“ Mitglied der Familie zu sein, dazu zu gehören im Kontext der ländlichen Lebens der Familie. Weiter werden Erfahrungen der Erholung rezipiert, aber auch Vertrauenserfahrungen und Erfahrungen, dass dieses Leben auf dem Land gut und gesund ist.

Zu: Generic Design Tools to Produce Site-Specific Solutions: Three Projects (Vanessa Miriam Carlow, Yeon Wha Hong)

Die Autoren gehen zunächst einleitend ganz allgemein auf die Frage der Natur und der zukünftigen Urbanisierung ein. Sie diskutieren dann drei Prinzipien von Urban Design: Das Prinzip der Fünf-Minuten Stadt soll verdeutlichen, dass man alles das was, man an einem Tag braucht, in fünf Minuten hat (1). Das Prinzip des blauen und grünen Netzwerks soll heißen, dass hier die Erhaltung und Förderung der Vegetation (grün) und des Wassers (blau) an einem Ort bestehen (2). Und das Prinzip der Erhaltung der städtebaulichen Struktur (Straßen, Plätze, Häuser) (3).

Wie ein ortspezifisches Design aussehen kann, wird an einer Fallstudie in einer Bergregion in China ausführlich und anschaulich erläutert. Dabei werden neue grüne Netzwerke vorgestellt und die Frage der Rekonstruktion des städtebaulichen Erbes diskutiert.

Zwei weitere Fallstudien in Dänemark und in Dakar werden nach den gleichen Mustern erörtert.

Diskussion

Der Vergleich zwischen Deutschland und China zeigt, wie unterschiedlich Urbanisierungsprozesse sind und wie unterschiedlich das Verständnis von Stadt als Lebensform ist. Sicher ist die eurozentristische Sicht auf die Stadt lange bestimmend gewesen für die wissenschaftliche und phänomenologische Sicht auf die Stadt. Aber die gegenwärtige Verstädterung in China zeigt, wie sehr Lebensformen und kulturelle Muster auch das Zusammenleben auf lokaler Ebene bestimmen und wie das Lokale geprägt ist. China hat in der Tat ein anderes Verständnis von Stadt, das einerseits auch mit der Urbanisierungsgeschichte zu tun hat und andererseits mit der Gesellschaftsgeschichte, ist doch die europäische Stadt als Bürgerstadt erst durch das Erstarken des Bürgertums zu dem geworden, was wir auch mit Urbanität verbinden.

Der Begriff der Urbanität als Lebensstil fehlt in der Auseinandersetzung mit der Urbanisierung in China. Ist dies überhaupt ein Begriff der städtisches Leben erklärt? Gibt es so etwas wie ein Spannungsverhältnis von Privatheit und Öffentlichkeit in den chinesischen Städten, die den Städter gleichsam zu bestimmten Repräsentationsformen im öffentlichen Raum „zwingen“ und auch schützen (etwa in Anlehnung an Simmels Überlegungen)? Dass sich diese Spannung in den Magacities schwerlich ausbildet, ist bekannt. Aber es gibt ja nicht nur Megacities in China.

Dieser Begriff der Urbanität macht ja auch das Spannungsverhältnis von Stadt und Land deutlich, dass in einigen Beiträgen angesprochen wurde.

Oder müssen wir angesichts bestimmter Formen der Urbanisierung in China eher von Verstädterung sprechen als von Urbanisierung, die gleichsam mit der Entwicklung einer typischen städtischen Lebensweise (Urbanität) verbunden ist.

Der Fokus dieses Buches liegt in der Frage, wie durch lokalspezifische Planung und Gestaltung die Identität derer gestärkt wird, die mit diesen Orten verbunden sind, die gleichsam Teil des Lokalen sind, und wie Nachhaltigkeit hergestellt werden kann – auch in der Gestaltung des Sozialen. Dabei ist die zentrale Frage, wie das kulturelle Erbe mit den Urbanisierungsprozessen zusammen geführt, ja sogar versöhnt werden kann, die gleichsam auch Modernisierungsprozesse initiieren. Diese Frage ist um bedeutsamer als am chinesischen Urbanisierungsprozess nicht nur chinesische Planer beteiligt sind, sondern auch europäische und andere, die ihre Vorstellung von der städtebaulichen Gestaltung der Stadt ja auch mitbringen und realisieren oder realisiert haben. Die Skyline von Shanghai verändert möglicherweise auch die Mentalität des Wohnens und des Lebens in der Stadt schneller und stärker als dies die Hotungs in Beijing tun. Und auch das Modell der ortsspezifischen Planung und Gestaltung ist kein originäres chinesisches Modell, das aus den gesellschaftlichen Wandlungsprozessen in China hervorgegangen ist, auch wenn seine Anwendung in der Praxis einleuchtet. Haben wir es mit einer Europäisierung der chinesischen Urbanisierung zu tun?

Fazit

Die 21 Beiträge dieses Buches beschäftigen sich mit neuen Trends, neuen Strategien und neuen Forschungsansätzen und Studien einer lokalspezifischen Planung und Gestaltung in Deutschland und China. Die Auseinandersetzung mit der chinesischen Urbanisierung macht nicht nur deutlich, wie unterschiedlich die Urbanisierungsbeschichte der beiden Länder ist, sondern wie unterschiedlich das Verständnis von Stadt als Lebensort und Lebensform ist.

Das Buch leistet einen wichtigen Beitrag zu einer Reflexion dessen, was wir im europäischen Kontext bisher als Stadt verstanden haben und ob sich in China im Laufe der Geschichte ein Verständnis von Stadt als Lebensform entwickelt hat, das sich auf die kulturellen Muster und Traditionen bezieht und der Lebensweise der Chinesen entspricht und das sich im Zuge der Urbanisierung auch verändert.

Summery

The 21 articles deal with new trends and strategies, research approaches and with local orientated studies for planning and shaping of cities in Germany and China. If we discuss China´s urbanization processes, how different the history and the character of urbanization in both countries are and how different the understanding of a city is.

The book is an import contribution for the reflexion and discussion of the European city and its character in relationship to Chinese Urbanisation history. And it is an important contribution to the question, how in the Chinese history the understanding of city as a life form has been developed in the context of the cultural, economic and social development of the whole country. It may be of interest, whether and how this understanding of city changes in the context of the development of the modern cities in China.


Rezensent
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor em. Arbeits- u. Praxisschwerpunkte: Gemeinwesenarbeit, stadtteilorientierte Sozialarbeit, Soziale Stadt, Armut in der Stadt Forschungsgebiete: Stadtsoziologie, Stadt- und Gemeindeforschung, soziale Probleme und soziale Ungleichheit in der Stadt
E-Mail Mailformular


Alle 167 Rezensionen von Detlef Baum anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 27.05.2016 zu: Fang Wang, Martin Prominski, Tanja Angela Kubes, Sophie Weingraber (Hrsg.): Urbanization and locality. Strengthening identity and sustainability by site-specific planning and design. Springer Science+Business Media GmbH & Co. KG (Berlin) 2016. ISBN 978-3-662-48492-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20582.php, Datum des Zugriffs 20.08.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung