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Heike Fehlberg, Corinna Glenz u.a. (Hrsg.): Blickwechsel in der Pflege

Cover Heike Fehlberg, Corinna Glenz, Andreas Meier-Hellmann, Manuel Berger (Hrsg.): Blickwechsel in der Pflege. Vom ärztlichen Erfüllungsgehilfen zum Patientenmanager. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2016. 296 Seiten. ISBN 978-3-95466-223-4. D: 59,95 EUR, A: 61,75 EUR, CH: 72,00 sFr.
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Thema

Die Gesundheitsversorgung in Deutschland und damit auch die Krankenpflege unterliegt einer stetigen Veränderung. Hiervon ausgehend nimmt der vorliegende Sammelband unter der Überschrift „Blickwechsel in der Pflege“ anhand der HELIOS Kliniken GmbH – die sich im Verlauf von 20 Jahren vom eigentümergeführten mittelständischen Pionier der Krankenhausprivatisierung hin zu Deutschlands beziehungsweise Europas größter Krankenhausgruppe als Teil eines weltweit agierenden DAX-Unternehmens (Fresenius) entwickelt hat – die jüngeren Entwicklungen wie Fachkräftemangel, Fallzahlsteigerungen und kürzere Verweildauern in den Krankenhäusern in den Blick um aufzuzeigen, wie nun auch Pflegestrukturen, die Rolle der Pflege im interdisziplinären Team, Qualifizierungen und vieles mehr verändert werden müssen.

Herausgeber_innen und Autor_innen

Für die Herausgabe des Buches zeichnen sich Heike Fehlberg, Leiterin der HELIOS Fachgruppe Pflege, Diplom-Ingenieurin Corinna Glenz, Regionalgeschäftsführerin der HELIOS Region Mitte-West, Prof. Dr. med. Andreas Meier-Hellmann, Chefarzt im Kollegialsystem der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am HELIOS Klinikum Erfurt sowie Medizinischer Beirat der HELIOS Kliniken GmbH, und Diplom-Politologe Manuel Berger, Regionalgeschäftsführer der HELIOS Region West, verantwortlich.

Zu dem Band haben neben den Herausgeber_innen mehr als 40 Autor_innen Beiträge beigesteuert, die allesamt Mitarbeiter_innen von HELIOS in unterschiedlichen Bereichen sind und über Erfahrungen in der Pflege verfügen.

Entstehungshintergrund

Das Buch erscheint in der Schriftenreihe „Gesunder Dialog“, die von Prof. Dr. med. Ralf Kuhlen, in der Unternehmensgeschäftsführung der HELIOS Kliniken verantwortlich für das Ressort Medizin, einschließlich des gesamten Bereichs des Qualitätsmanagements, und Dr. Francesco De Meo, Vorsitzender der Geschäftsführung der HELIOS Kliniken und Mitglied im Vorstands des Fresenius Managements, herausgegeben wird.

Aufbau

Nach einer Einführung ins Thema von Karin Gräppi „Warum Blickwechsel bei HELIOS?“ (S. 1-5) enthält das Buch 40 Beiträge, die in fünf Kapitel gegliedert sind:

I. Management

  1. Heike Fehlberg: Blickwechsel oder Blickschärfe (S. 9-13)
  2. Anna-Maria Zechmann-Hecht: „Wir wollen die Besten“: Personalentwicklung und Personalbindung von Pflege-Führungskräften bei HELIOS (S. 15-18)
  3. Corinna Glenz: Pflege heute – die Anforderungen aus Sicht der Klinikgeschäftsführung (S. 19-23)

II. Patientennutzen

  1. Thomas Kortüm: Patientenbefragung als Tracer für Veränderungen (S. 27-33)
  2. Cornelia Herold: Gemeinsame Visite – Herausforderung und Chance (S. 35-42)
  3. Bettina Duri und Peter Müller: Pflegerische Übergabne am Patientenbett (S. 43-50)
  4. Annett Lallecke und Hertha Ratayski: Interprofessionelle Kommunikation (S. 51-55)
  5. Clemens Regenbrecht und Katja Pippel: Mit der Integrierten Normalstation zu mehr Patientensicherheit (S. 57-66)
  6. Carl Poersch: Qualität, Sicherheit und Komplikationsvermeidung in der Pflege (S. 67-80)
  7. Andreas Meyer und Britta Seiffert: Haftpflichtansprüche in der Pflege – Stürze und Dekubitus (S. 81-88)
  8. Arne Hesselmann: Qualitätsreporting in der Pflege – Was heißt das? (S. 89-96)
  9. Manja Riese und Thomas Kortüm: Best Practice Exchange (BPE) – Umgang mit Pflegefehlern (S. 97-102)
  10. Constanze Neubert: Case Management als Schnittstelle zur Verbesserung des Behandlungsservices im Krankenhaus (S. 103-109)

III. Wissen

  1. Nicole Thoma: Mein Weg in die Gesundheits- und Krankenpflege (S. 113-116)
  2. Mandy Dietel: Pflegeausbildung in Bewegung (S. 117-127)
  3. Uwe Westhues: Lebenslanges Lernen: verpflichtende Fort- und Weiterbildung (S. 129-136)
  4. Mandy Dietel und Christine Barth: Basiscurriculum Pflege (S. 137-141)
  5. Petra Müller: Fachweiterbildung und Modulare Weiterbildung (S. 143-148)
  6. Andreas Gussmann und Susanne Adam: Arbeiten mit Erfahrung – Möglichkeiten der Weiterbildung (S. 149-152)
  7. Matthias Prey: Physician Assistant – eine neue Perspektive? (S. 153-155)
  8. Waltraud Georg: Interprofessionelles Lernen bei HELIOS (S. 157-162)
  9. Guntram W. Ickenstein: Wandel des Behandlungsteams aus ärztlicher Sicht am Beispiel der Neurologie (S. 163-168)
  10. Dirk Gregor: Qualifikationsmix in der Pflege aufgrund ständig wachsender Anforderungen (S. 169-175)
  11. Mona Otto: Akademisierung der Pflege in Deutschland – Wo kommen wir her und wo stehen wir heute? (S. 177-181)
  12. Judith Schöll: Wer macht was, mit welcher Qualifikation in der Pflege? – Anwendung des Modells der Europäischen Qualifikationsniveaus (S. 183-190)
  13. Margareta Harnack: Akademisierte Pflege in der Praxis (S. 191-194)
  14. René Marx: Vom Trainee zur Führungskraft im Pflegemanagement (S. 195-202)

IV. Wirtschaftlichkeit

  1. Uwe Westhues: Ausfallzeitenmanagement in der Pflege – das Stand-by-Modell: ein Modellversuch (S. 205-208)
  2. Nicola Küppers: Personalbedarf im Pflegedienst (S. 209-216)
  3. Heike Fehlberg und Bernd Frank: Vom pflegerischen Unterstützungsbedarf zur Ressourcenplanung in der intensivmedizinischen Rehabilitation (S. 217-226)
  4. Daniela Levy: Pflegeorganisation im Ausland (S. 227-231)
  5. Sylvia Lehmann und Manja Riese: Pflegeorganisation im Umbruch (S. 233-237)
  6. Carsten Hermes und Andreas Meier-Hellmann: Pflegemanagement von Intensivstationen (S. 239-246)
  7. Bernd Frank: Die intensivmedizinische Rehabilitation – Pflege an der Nahtstelle von Intensivmedizin und Frührehabilitation (S. 247-253)
  8. Jan Wagner: Pflege nimmt Einfluss auf die Erlöse und damit auf die Qualität: PKMS und pflegerelevante Nebendiagnosen (S. 255-258)
  9. Jan Wagner und Gerald Burgard: Weniger ist mehr – medizinische Dokumentation im Umbruch (S. 259-263)

V. Wachstum

  1. Manuel Herburger und Ulla Löwenberger: Personalakquise und Personalbindung von Pflegekräften (S. 267-274)
  2. Thomas Garten: Pflege im Gesunden Dialog mit den Neuen Medien (S. 275-281)
  3. Norbert Miklitza: Das Magnetkrankenhaus – ein ganzheitliches Modell zur Personalgewinnung und -bindung in der Pflege (S. 283-288)
  4. Sylvia Heinemann: Pflege, stark bis zur Rente (S. 289-296).

Inhalt

In ihrer Einführung „Warum Blickwechsel bei HELIOS?“ stellt Karin Gräppi fest, dass ein regelmäßiger Perspektiv- oder Blickwechsel in jeder Berufs- oder Lebenssituation, und somit auch im Bereich der stationären Gesundheitsversorgung, hilfreich ist. Die im Bereich der Pflege, aber auch in den übrigen Bereichen des Krankenhauses bestehenden Herausforderungen erforderten ein vielschichtiges Umdenken. Themen wie die komplexer werdende medizinische Versorgung, die Frage nach der Attraktivität des Pflegeberufes, des Fachkräftemangels und der Demografie bräuchten ebenso neue Antworten beziehungsweise Lösungen wie die zunehmende Akademisierung und Spezialisierungen der Pflegenden. Die Pflege habe als größte Berufsgruppe Schnittstellen zu allen Professionen im Krankenhaus und sei somit auch von Veränderungen in anderen Bereichen immer mit betroffen. Daher sei es nur konsequent, dass die Pflege die Frage nach dem Perspektivenwechsel zuerst und am deutlichsten stellt. Die hierbei aufgeworfenen Fragen seien keine HELIOS spezifischen. Vielmehr seien es Fragen und Herausforderungen, mit denen sich alle deutschen Krankenhäuser befassen müssten.

Untergliedert in die fünf Kapitel „Management“, „Patientennutzen“, „Wissen“, „Wirtschaftlichkeit“ und „Wachstum“ beschäftigen sich die 40 Beiträge mit den Herausforderungen des modernen Gesundheitswesens. Im Fokus der Betrachtung stehen dabei die Themen Führungsrolle und Entwicklungsmöglichkeiten sowie Qualifikation und Akademisierung in der Pflege. Vor dem Hintergrund der sich stark gewandelten Krankenhauswelt wird zudem nicht nur die Rolle der Pflege im interdisziplinären Team in den Blick genommen, sondern auch die Patienten und die Wirtschaftlichkeit unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet.

Diskussion

Zweifelsohne unterliegt die Gesundheitsversorgung in Deutschland und damit auch die Krankenpflege einer stetigen Veränderung. Vor allem der Fachkräftemangel, Fallzahlsteigerungen und kürzere Verweildauern in den Krankenhäusern werden jeden Tag spürbarer. Davon betroffen sind auch die Mitarbeiter_innen und Verantwortlichen der HELIOS Kliniken GmbH (www.helios-kliniken.de), die in dem vorliegenden Buch „Blickwechsel in der Pflege“ Stellung beziehen. In 40 Beiträgen beschreiben dabei Stationspflegekräfte, Pflegedienstleitungen, Ausbilder_innen, Krankenhausmanager_innen und Ärzte ihren Blickwinkel, ihre Praxiserfahrungen und mögliche Entwicklungspotentiale. Dabei werden Fallbeispiele zum Umgang mit Pflegefehlern, die gemeinsame Visite am Patientenbett oder die praktische Umsetzung von Patientenbefragungsergebnissen auf Station ebenso behandelt wie das Thema Pflegemanagement auf Intensivstationen und Möglichkeiten von Fachweiterbildungen. Das Buch stellt nicht nur Strukturen im Krankenhaus in Frage, sondern zeigt auch neue Wege auf und richtet seinen Blick über den Tellerrand hinaus. Interdisziplinäre Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist demnach gefragter denn je.

Francesco De Meo weist in seinem Vorwort darauf hin, dass es sich um ein Buch handelt, über das diskutiert werden soll. Zur Bedeutung und Intention der Veröffentlichung schreibt er sodann wörtlich: „Die Pflegenden präsentieren sich in diesem Buch – auch in zahlreichen interdisziplinären oder berufsgruppenübergreifenden Beiträgen – sachbezogen reflektiert, lösungsbezogen differenziert und als Berufsgruppe selbstbewusst. Wir sind froh, dass wir bei HELIOS eine starke Pflege haben. Mehr davon täte allen Krankenhäusern, vor allem aber den Patienten, gut. Nun gilt es, möglichst viel davon praktisch umzusetzen“ (S. X).

Wenngleich das Buch aus Sicht von HELIOS beziehungsweise von Mitarbeiter_innen des Konzerns verfasst wurde, ist es dennoch für alle lesenswert, denen die Pflege und deren Weiterentwicklung am Herzen liegen. In jedem Fall aber sollte es von Führungskräften im Krankenhaus sowie Studierenden des Pflegemanagements und der Gesundheitsökonomie zur Kenntnis genommen und – nicht zuletzt zum Wohle der Patient_innen – intensiv diskutiert werden.

Fazit

„Blickwechsel in der Pflege“ nimmt nicht nur die aktuelle Situation der Pflege und deren Probleme in den Blick, sondern zeigt auch vor dem Hintergrund der sich wandelnden Krankenhauswelt praktische Wege zu deren Lösungen in der Zukunft auf.


Rezensent
Dr. Hubert Kolling
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Zitiervorschlag
Hubert Kolling. Rezension vom 23.05.2016 zu: Heike Fehlberg, Corinna Glenz, Andreas Meier-Hellmann, Manuel Berger (Hrsg.): Blickwechsel in der Pflege. Vom ärztlichen Erfüllungsgehilfen zum Patientenmanager. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2016. ISBN 978-3-95466-223-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20585.php, Datum des Zugriffs 18.09.2019.


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ISSN 2190-9245

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