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Mathias Schwabe: Die „dunklen Seiten“ der Sozialpädagogik

Cover Mathias Schwabe: Die „dunklen Seiten“ der Sozialpädagogik. Ideale, Negatives und Ambivalenzen. Klaus Münstermann Verlag (Ibbenbüren) 2016. 424 Seiten. ISBN 978-3-943084-33-7. D: 37,50 EUR, A: 38,60 EUR.
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Thema

Mathias Schwabe will sein Werk als ein paradigmatisches Buch über Menschen in der Arbeitswelt verstanden wissen, mit dem Fokus auf deren hehre und häufig unerfüllbare Ideale einerseits und den Verarbeitungsformen von Fehlern und Misserfolgen andererseits (vgl. S. 28). Er behauptet, „dass sowohl Individuen wie auch Institutionen den immer wieder erlebten Mangel an eigenem Gut-Sein zugleich spüren wie auch vor sich verbergen. Nie so gut verbergen, dass sie ihn nicht doch irgendwie spürten. Und doch so erfolgreich verbergen, dass sie ihn nicht allzu schmerzlich empfinden müssen“ (S. 23). Es handele sich dabei um einander gegenläufige Bewegungen, die „in zwei getrennten, inneren Räumen stattfinden und wenig Kontakt miteinander haben. Ein Geheimnis wie wir das hinbekommen“ (S. 29).

Es geht demnach genau um heikle, häufig vor- oder sogar unbewusst gehaltene Themen, die in den offiziellen Professionsdiskursen, aber auch der eigenen Selbstdarstellung häufig ausgeblendet werden. Er würde sich wünschen, dass ein ähnliches Buch auch über die Arbeit von Journalisten, Ärzten, Polizisten oder Krankenpflegern geschrieben würde (S. 28).

Autor

Mathias Schwabe, geb. 1958, hat vor, während und nach seiner Hochschultätigkeit viele Jahre in sozialpädagogischen Feldern praktisch gearbeitet und einige Fachbücher veröffentlicht, die bei Praktiker*innen und Ausbilder*innen hoch im Kurs stehen so wie z.B. „Eskalation und De-Eskalation in Einrichtungen der Jugendhilfe“ (5.Aufl. 2010) oder „Methoden der Hilfeplanung: Zielformulierung, Moderation und Aushandlung“ (3.Aufl. 2012) oder „Begleitende Unterstützung und Erziehung in der Sozialen Arbeit“ (2012).

Für das hier besprochene Buch gibt er eine biographische Inspiration an: Als 20-jähriger Student habe sein Lehrer Günther Bittner in einem Seminar die Frage gestellt. „Wie viel Böses man in sich und auch im eigenen Handeln zulassen muss, um immer wieder auch ein guter Mensch sein zu können?“. „Diese Frage und damit die `dunklen Seiten` an mir haben mich über 30 Jahre meines Berufslebens beschäftigt“ (S.26). Im Verlauf des Buches wird deutlich, dass Schwabe in diesem Buch auch seinem eigenen Scheitern nachgeht bzw. den Leser an etlichen, schmerzlichen „Desillusionierungsprozessen“ teilhaben lässt, die er im Verlauf seines Berufslebens erfahren hat.

Aufbau und Inhalt

Kapitel 1 schildert typische Ansprüche, die professionelle Helfer*innen an sich selbst richten und zeigt auf wie rasch man sich selbst damit überfordern kann. Erstens vertreten verschiedene Gruppen (Klienten, Kollegen, Vorgesetzte etc.) oft unterschiedliche Ansprüche und zweitens weisen deren Aufträge häufig auch innere Spannungen auf. Drittens begehen Sozialpädagog*innen immer wieder auch Fehler und müssen sich das Scheitern von Hilfeprojekten eingestehen. Dennoch halten sie oft hartnäckig an ihren Idealen fest. Das geht nur, weil sie einerseits eigene Fehler und Schwächen ausblenden und sich andererseits „systematischen Praxen der Vermeidung bzw. Ausmerzung“ von Fehlern und Schwächen verschreiben (vgl. S. 23 f). Damit werden wichtige Erfahrungsdimensionen aus der täglichen Arbeit verleugnet: Nicht nur das eindeutig Negative, das man begeht, sondern auch das „Mittelmäßige“, das „Ambivalente“, das „Unbestimmbare“ und das „Positive“, das manchmal gerade durch „Negatives“ entsteht (vgl. S. 24 f).

Kapitel 2 stellt zwölf „Gestalten des Negativen“ bzw. „dunkle Gestalten“ der Sozialpädagogik dar. Einige davon werden von Professionellen nur selten praktiziert und stellen eher „Ausnahmen“ dar, andere müssen dagegen als alltägliche und massenhafte Verhaltensweisen charakterisiert werden. Die Bandbreite reicht dabei von „Gewalt“, über „Zwang“ zu „Unachtsamkeit und Lieblosigkeit“ oder dem „Vergessen und Verbummeln von Aufträgen und Terminen“ oder dem „unangemessenen Umgang mit eigenen Fehlern“ bis hin zu „Lügen, Betrügen und Stehlen“ von Mitarbeiter*innen. Der Autor nimmt sich vor, diese „dunklen Seiten“ in einer Weise darzustellen, die sie nicht einfach moralisch verurteilt, sondern sie auch in ihrer Zwangsläufigkeit bzw. Zwiespältigkeit rekonstruiert: Neben aller Destruktivität und Abgründigkeit, die mit „Schuld“ verbunden sind, ist in ihnen oft auch ein verborgener Sinn bzw. eine bisher übersehene Aufgabe angelegt (S. 50 f), die es freizulegen gilt. Die von ihm propagierte Offenheit gegenüber Fehlern und Schwächen versucht der Autor dadurch zu befördern, dass er zu jedem der 12 „dunklen Gestalten“ mindestens eine persönliche Fallgeschichte beisteuert: So lernt man auch ihn als einen „Fehlerbehafteten“ bzw. „Schwachen“ kennen.

Kapitel 3 stellt die Sprachcodes und Semantiken vor, die im alltäglichen Sprechen von Sozialpädagog*innen mit Blick auf die Bewertung der eigenen oder fremden Arbeit zur Anwendung kommen (S. 131). Diese sind überwiegend binär angelegt d.h. es geht um „richtig oder falsch“, „fachlich oder unfachlich“, „sinnvoll und sinnlos“ etc. Diese Sprachcodes sind einerseits fest etabliert und sind unausweichlich, wenn man zu Urteilen kommen will; sie begrenzen aber immer auch die Offenheit bzw. den Diskurshorizont, in dem über tatsächliche oder vermeintliche Fehler gesprochen werden könnte bzw. müsste.

Kapitel 4 widmet sich neun individuellen und dreizehn institutionellen Formen des Umgangs mit Fehlern bzw. mit dem Scheitern von Hilfeprojekten. So wie Schwabe sie beschreibt handelt es sich einerseits um klassische „Abwehrmechanismen“ (Verleugnung, Exkulpieren, Verkehrung ins Gegenteil etc.) und andererseits um „institutionelle Programme“ mit denen man hofft, „die dunklen Seiten“ ein für alle Mal loswerden zu können. Hier überrascht der Autor die Leserin, weil er die narzisstischen Grundlagen von Verbesserungsstrategien wie „Fortbildungen“ oder „Qualitätsmanagement“ oder „Tagungen und Kongresse“ offenlegt, denen es oft mehr darum geht, die eigenen Ideale zu bewahren, statt sich für immer auch „schmerzhafte“ Lernprozesse und/oder die Anerkennung von Grenzen der Machbarkeit bzw. Leistbarkeit zu öffnen. Den meisten Optimierungs-Strategien sei gemeinsam, dass sie unerkannt auf Illusionen beruhen und deswegen mittelfristig untauglich sind: Das „Ausgeschlossene“ – die „dunklen Seiten“ bzw. das Negative – kehren regelmäßig durch eine der zahlreichen Hintertüren wieder zurück in die eigene Arbeit.

Kapitel 5 trägt den Titel „Ambivalenzen im Herzen von Erziehung und Hilfe“ und entwickelt die Idee, dass Ambivalenzen für die Soziale Arbeit zentral und unhintergehbar sind. Unter dem Stichwort „Ungewissheit“ werden erkenntnistheoretische Ambivalenzen beleuchtet (S. 240 f) gefolgt von Reflexionen über Gewalt, Zwang und Disziplin, die als „dunkle Gestalten an der Wiege sozialer Entwicklungen“ entfaltet werden (S. 256 f). Mit „‚dilemmatischen‘ Entscheidungssituationen in der Sozialen Arbeit“ wird eine dritte Quelle von Ambivalenzen erörtert (S. 269 f). In diesem zentralen Kapitel entwickelt der Autor ein deutlich bescheideneres Professionalitätsverständnis als es z.B. Staub-Bernasconi oder Maja Heiner etablieren wollen.

Kapitel 6 stellt sechs „Alternative Helferbilder“ vor. Was könnte an die Stelle der hehren, aber unrealistischen und belastenden Ideale treten? Nach Schwabe müssten das Bilder sein, die einerseits eine Entzauberung der Helferrolle vornehmen, aber gleichzeitig anziehend genug wirken, um weiter Energien zu mobilisieren. Ausführlich und mit Literatur belegt wird das für „die mit Begrenztheit identifizierte Helferin“ (V. Robinson, J. Taft) entwickelt, „den Helfer als Schattenkamerad“ (C.G. Jung) und „den Helfer als Sisyphos“ (S. Bernfeld, A. Camus). Eher phänomenologisch angelegt werden solche Alternativen mit Figuren wie der „leidenschaftlichen Helferin“, dem „Helfer als Spielender“ und der „abgeklärten“ bzw. „faden“ Helferin. Eingeleitet wird das Kapitel mit einem Beitrag über „die hilflosen Helfer“ (W. Schmidtbauer) und die Kritik Friedrich Nietzsches am „moralischen Verhalten“.

Kapitel 7 kehrt zu den „Gestalten des Negativen“ zurück und wendet sich dem „Bösen“ zu d.h. den Mächten in uns, die uns zum Kontaktabbruch mit Klienten anstiften und uns missgünstig, gemein und manchmal auch grausam handeln lassen (das ist noch einmal etwas anderes als die professionellen Fehler oder Schwächen oder Widersprüche, die auf Ambivalenzen in den Aufgabenstellungen zurück zu führen sind). Die Frage stellt sich, ob das „Böse“ überwunden werden kann oder muss oder ob es einen Weg zu seiner „Integration“ gibt und wie dieser aussehen kann? Das Kapitel versucht das Thema mit Hilfe von psychologischen und philosophischen Theorieansätzen als „Menschheitsthema“ aufzumachen (beginnend mit dem „Sündenfall“). Dazu skizziert es vier „alternative Formen der Einschätzung und des Umgangs mit dem Bösen in uns“ (S. 341): Zur Sprache kommen darin psychoanalytische Reflexionen über die Sündenfallgeschichte, C.G. Jungs Lehre vom „Schatten“, G.W. Hegels Ideen über die Funktion des Negativen in der Geschichte sowie Ausführungen des französischen Philosophen und Sinologen François Jullien zu taoistischen und buddhistischen Weisheitslehren (S. 347). Alle vier Ansätze gewinnen auf unterschiedliche Weise dem „Bösen“ etwas „Gutes“ ab. Julliens Unterscheidung zwischen dem „Dualismus von Gut und Böse“, dem er die „Funktionalität des Negativen“ gegenüberstellt, sorgt für eine entscheidende begriffliche Grundlage für das ganze Buch.

Kapitel 8 zieht ein Resümee über den Verlauf und den Aufbau des Buches und macht Vorschläge dazu, wie in institutionellen Zusammenhängen über Fehler und Schwächen gesprochen werden kann (Kap. 8.1.1 und 8.2). Zum Schluss entwickelt der Autor Ideen für die Etablierung einer „Ambivalenzkultur“, die u.a. das Einrichten von dauerhaften Räumen und regelmäßigen Ritualen für die „dunklen Seiten der Sozialpädagogik“ propagiert (S. 410). Nur wenn diese ihren festen Ort zugestanden bekommen, so der Autor, lassen sie sich auch „binden“ und bearbeiten. Andernfalls nomadisieren sie im Verborgenen und überfallen die Akteure der Sozialen Arbeit überraschend und unvorbereitet.

Zwischen die acht Kapitel sind drei „Theoretische Exkurse“ platziert, in denen die drei zentralen theoretischen Konzepte des Buches erläutert werden: einer über „moralische Kommunikation“ (N. Luhmann), einer über das „Ich-Ideal“ in psychoanalytischer Perspektive (J. Chasseguet-Smirgel) und einer über neue Entwicklungen in der Philosophie, die mit dem Begriff „Arbeit an der Negativität“ überschrieben werden können (E. Angehrn, J. Küchenhoff).

Zusätzlich sind zwölf längere Aphorismen in den Text eingestreut, die das Dargestellte in Form von persönlichen Reflexionen bzw. biographischen Geschichten ergänzen wollen. In diesen Texten wie auch im Kapitel 2 weicht die Sprache deutlich vom wissenschaftlichen Duktus ab und möchte „literarisch“ werden.

Diskussion

„Die ‚dunklen Seiten‘ der Sozialpädagogik“ (der Haupttitel wirkt sehr plakativ und wird der gedanklichen Vielfalt des Buches nicht gerecht) beschreibt im Grunde einen Teil professioneller sozialer Arbeit (und des Lebens), der bisher literarisch tatsächlich kaum erhellt scheint, den man vielleicht als Leser zunächst auch nicht erhellt haben möchte, denn das Buch – das wird dem Leser bereits bei einem Blick auf den Klappentext klar – wirft ein Schlaglicht auch auf die eigenen „dunklen Seiten“. Möchte man sich mit verschiedenen Formen und Aspekten des Negativen der sozialen Arbeit und der eigenen Arbeit beschäftigen? Möchte man ein Buch lesen, von dem man anfangs erwartet, dass es Fehler und Unvermögen beschreibt? Möchte man ein Buch lesen, welches vielleicht dazu beiträgt, dass eigene, positive Selbstbild zu dekonstruieren? Ja! Denn Schwabes Buch geht in seiner Essenz weit über die Analyse der Ausgestaltung des Negativen hinaus und es geht ihm auch nicht um Dekonstruktion. Da er „Alternative Formen der Einschätzung und des Umgangs mit dem Negativen oder ‚Bösen‘ in uns“ (Kapitel 7) und „Ausstiegsoptionen“ aufzeigt, macht es neugierig.

Lässt man sich auf das Buch ein, widersteht man dem Versuch, es unbedingt kategorisieren zu wollen (das Buch entzieht sich Einordnungen) und verliert man sich nicht in den teilweise gleichsam wimmelbildartigen und inspirierenden Gedanken des Autors, bietet sich ein besonderes Leseerlebnis.

Schwabes verdienstvoller Ansatz ist es, sich mit einem unkonventionellen Buchkonzept einem Teil – nicht nur – unseres professionellen Lebens, anzunähern, der defizitäre und unpopuläre Aspekte der sozialen Arbeit beschreibt und gleichzeitig theoretisch begründete Denkanstöße für deren konstruktive Umdeutung bietet. Seine „Strategien für den Umgang mit dem ‚Negativen‘ und für den Versuch seiner Transformation“ (Kapitel 4) haben jenseits von Sozialpädagogik Allgemeingültigkeit.

Methodisch zunächst etwas irritierend, aber im Verlauf des Lesens durchaus als Gewinn zu betrachten, ist der sehr persönliche Schreibstil in der Ich-Form. Der Autor nutzt Beispiele aus seinem persönlichen Erfahrungsschatz, die teilweise in seine generellen Überlegungen einfließen. Diese dann induktive Vorgehensweise kann kritisch betrachtet werden, etwa wenn Schwabe behauptet, dass Fortbildungen in Institutionen den Mitarbeitern „oft“ von Leitungskräften verordnet werden (S. 207). Dies entspricht nicht den Erfahrungen, die ich in über 25 Jahren in der freien und öffentlichen Jugendhilfe sammeln konnte.

Der Autor lässt den Leser in die „dunklen Seiten“ von Mathias Schwabe blicken, in denen der Leser sich allzu oft selbst wiederfindet. Die für Lehr- und Fachbücher typische Distanz zwischen wissendem und lehrendem Autor und lernendem Leser wird so teilweise gesprengt. Dem Leser fällt es manchmal schwer, eine innere Distanz zu wahren. Dies mag an einigen Stellen die unmittelbare Nachvollziehbarkeit der Gedankengänge erschweren und fordert vom Leser durchaus das wiederholte Lesen von Textpassagen. Verstärkt wird dieser Effekt durch die, dem Buch zu Grunde liegende, Suche nach Antworten und Reaktionsstrategien, bei der der Leser mitgenommen wird, durch die Ich-Form und durch die kurzen Essays, die die Kapitel einleiten/beenden.

Andererseits lehnt sich Schwabe immer wieder an Maturanas Konzept der Perturbation an. Das Buch verstört im systemischen Sinn und ist durch diese Intervention außerordentlich anregend. Das kritische Anzweifeln und Infragestellen etablierter (schlechter) Verhaltensweisen, das Entwickeln von Perspektiven und Ausstiegsoptionen, die Kombination aus Anregung, Zustimmung, gelegentlichem inneren Widerspruch und manchmal auch Irritationen beim Leser, führt beim Lesen zu einer prozesshaften Nachdenklichkeit. Dies ist ein Qualitätsmerkmal des Buches.

Im Grunde bemisst sich daher die Qualität des Buches nicht daran, ob man dem Autor immer zustimmen kann (was man weiten Teilen durchaus kann). Es ist nicht deshalb ein gutes Buch, weil Schwabe Recht hat. Es ist ein gutes Buch, weil es Schwabe gelungen ist, ein Buch zu schreiben, welches den Leser aktiviert, irritiert und inspiriert. Gegenmeinungen und Ambivalenzen, Anregungen und Ideen, Perspektivwechsel und alternative Denkansätze geben sich beim Lesen quasi „die Klinke in die Hand“. Klar wird auch, dass niemand vor ethischen Verfehlungen, den „dunklen Seiten“, sicher ist. Weder Mathias Schwabe noch der Leser. Dieses Buch jedoch ist ein verdienstvoller und gewagter Versuch, die Auseinandersetzung mit diesem Thema zu befördern.

Fazit

Schwabes Buch verortet sich in einem vernachlässigten und vermeintlich nicht attraktiven Teil der Sozialpädagogik. Es wirft ein Schlaglicht auf die negativen Aspekte der Arbeit und bietet gleichzeitig Ansätze für konstruktive Umdeutungen, insbesondere des Negativen.

Es ist eher der fortgeschrittenen Fachkraft zu empfehlen. Es ist nicht für Berufsanfänger und Studenten geeignet. Es lässt sich in keine der klassischen Schubladen einordnen. Der Leser, der ein Buch erwartet, in dem nur ein Fachthema abgehandelt wird, wird enttäuscht sein. Der Leser, der sich auf das Buch einlässt, bekommt in unüblicher Weise inhaltlich-fachliches „Futter“ und in gewisser Weise eine Interaktion mit dem Buch und den Gedanken des Autors, die verstörend und inspirativ ist.

Schwabes „Die ‚dunklen Seiten‘ der Sozialpädagogik“ fordert dem Leser ab, dass er sich dem Unkonventionellen, dem Ungewöhnlichen öffnet. Geht man also mit einem offenen Geist an das Werk heran und verzeiht ihm, die – in manchen Teilen – intellektuelle Reizüberflutung, die das eigene Mitdenken und Reflektieren gelegentlich erschwert, so bekommt man ein Buch, welches ungemein zum Denken, zum Zustimmen, zum Widersprechen, zum Reflektieren und zur Auseinandersetzung mit der Profession und mit der eigenen Person anregt.

In dem engagiert geschriebenen Werk bewegt sich Schwabe zwischen ethischen und berufsethischen Aspekten Sozialer Arbeit, eigenen „dunklen Seiten“, aphoristischen Denkimpulsen und anspruchsvollen, theoretisch-wissenschaftlichen Vertiefungen. Der Leser erhält die Chance, selbst Gegenstand des Buches zu werden, sich selbst an verschiedenen Stellen wiederzufinden. Das wirkt zunächst ungewöhnlich, macht das Leseerlebnis aber zu einer besonderen Koproduktion zwischen Autor und Leser. Das Buch ist in dieser Hinsicht sehr hilfreich und stimulierend. Es kann als eine Art erhellende Roadmap durch die dunklen Seiten der Sozialpädagogik verstanden werden und verdient daher eine uneingeschränkte Empfehlung.


Rezensent
Dipl. Sozialpädagoge Lukas-Georg Schima
Dipl. Diakoniewissenschaftler, Sozialarbeiter in einem Berliner Jugendamt
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Zitiervorschlag
Lukas-Georg Schima. Rezension vom 19.04.2017 zu: Mathias Schwabe: Die „dunklen Seiten“ der Sozialpädagogik. Ideale, Negatives und Ambivalenzen. Klaus Münstermann Verlag (Ibbenbüren) 2016. ISBN 978-3-943084-33-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20587.php, Datum des Zugriffs 20.10.2018.


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