Christiane Born-Kaulbach, Tido Cammenga et al. (Hrsg.): Wundersame Wandlungen zur Selbstwirksamkeit
Rezensiert von Prof. Dr. Lilo Schmitz, 06.10.2016
Christiane Born-Kaulbach, Tido Cammenga, Joachim Welter (Hrsg.): Wundersame Wandlungen zur Selbstwirksamkeit. Neue lösungsfokussierte Strategien der Begleitung von Kindern, Jugendlichen und Familien am Beispiel der Jugendhilfe. Verlag modernes lernen Borgmann GmbH & Co. KG. (Dortmund) 2016. 416 Seiten. ISBN 978-3-8080-0768-6. D: 26,95 EUR, A: 27,80 EUR, CH: 43,65 sFr.
Thema
Der 400 Seiten starke Band möchte aus verschiedenen Blickwinkeln lösungsfokussiertes (lösungsorientiertes) Arbeiten in einem als schwierig geltenden Bereich vorstellen: in der stationären Jugendhilfe und Heimerziehung.
Herausgeber*innen
Alle drei Herausgeber*innen verfügen über einen fruchtbaren Hintergrund für das Thema. Ausgebildet sind Christiane Born-Kaulbach als Heilpädagogin und Erzieherin für Heim und Heilpädagogik, Tido Commenga als Sozialpädagoge und Diplompädagoge und Joachim Welter als Diplompsychologe. Alle drei praktizieren den lösungsorientierten Ansatz seit Jahren und vermitteln ihn als Trainer*innen in lösungsfokussierter Beratung. Sie sind ausgewiesene langjährige Praktiker*innen in der Heimpädagogik und Familienberatung in Deutschland und der Schweiz.
Entstehungshintergrund
Wie in vielen anderen Bereichen hat sich die stationäre Unterbringung für Kinder und Jugendliche gewandelt. Heute werden viele Anstrengungen unternommen Kinder in ihren Herkunftsfamilien zu belassen oder eine geeignete Pflegefamilie für sie zu finden – die stationäre Jugendhilfe gilt oft als ultima ratio und vor ihrer Aufnahme dort haben Kinder und Jugendliche in der Regel bereits andere Maßnahmen erlebt und dort das Etikett „schwierig“ erhalten. In diesem Bereich das lösungsfokussierte Arbeiten konsequent umzusetzen ist ein spannendes und anspruchsvolles Projekt.
Bereits vor über 20 Jahren wurden Marianne und Kaspar Baeschlin Schüler und Schülerin von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg in Milwaukee und später in der Schweiz. In der Werkschule Grundhof am Stadtrand von Winterthur haben sie Schritt für Schritt begonnen den lösungsfokussierten Ansatz in die stationäre Jugendhilfe umzusetzen und Steve de Shazer und Insoo Kim Berg haben dieses einmalige Projekt über Jahre durch regelmäßige Schulungen und Seminare begleitet. In ihrem Erfahrungsbericht „Über den Nutzen von LOA in der Pädagogik“ stellen sie die Geschichte und die Schwerpunkte dieses Projektes vor.
Aufbau und Inhalt
Joachim Welter und Tido Cammenga führen auf über 40 kompakten Seiten zunächst in die Grundlagen und Handlungsschritte des lösungsfokussierten Ansatzes ein. Mit Therese Steiner haben die Herausgeber*innen die Grande Dame der lösungsorientierten Arbeit mit Kindern gewonnen, die in einem ausführlichen Beitrag die Grundlagen ihrer lösungsorientierten Arbeit beschreibt. Regine Nürnberg-Nebel führt in die Arbeit mit der als schwierig geltenden Anspruchsgruppe der Eltern ein.
Nach diesen einführenden Beiträgen werden drei Einrichtungen in Deutschland und der Schweiz dargestellt, die nach dem lösungsfokussierten Modell arbeiten.
Der weitere und damit größte Teil des Buches beschäftigt sich mit der ganz konkreten Umsetzung des lösungsfokussierten Modells in den Alltag vor allem der stationären Jugendhilfe. Mit vielen praktischen Hinweisen, Erfahrungsberichten und Modellen wird der Alltag in den Einrichtungen in seiner Vielfalt, aber auch in den Gemeinsamkeiten deutlich. Vor den Augen der Leserin entsteht das Bild eines konkreten pädagogischen Alltags mit Jahres- und Wochenabläufen, mit wohl bekannten Auseinandersetzungen um Taschengeld, Freizeit, Schule und Elternhaus. Gleichzeitig begleitet der Band mit zahlreichen Anregungen den*die einzelne*n Jugendliche*n vom ersten Besuch über die Hilfeplanung, die ersten Vereinbarungen, die Eingewöhnungszeit bis hin zur Ablösung, Rückführung in die Familie und / oder Selbständigwerdung.
Das Schlusskapitel ist den Wirkfaktoren lösungsfokussierten Arbeitens und der Wirkungforschung vorbehalten.
Fazit
Ein spannendes, kompaktes und optimistisches Buch, das den Blick auf schwierige Kinder und Jugendliche und den Blick auf die Möglichkeiten der Heimerziehung verändern und revolutionieren kann. Es sollte in keiner Bibliothek der Sozialen Arbeit fehlen und kann allen lösungsorientierten Fachkräften in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen als wertvoller Handwerkskoffer zur Seite stehen.
Rezension von
Prof. Dr. Lilo Schmitz
Hochschule Düsseldorf (Ruhestand) und ILBB - Institut für Beratung Brühl
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