socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Constanze Berndt, Claudia Kalisch u.a. (Hrsg.): Räume bilden – pädagogische Perspektiven auf den Raum

Cover Constanze Berndt, Claudia Kalisch, Anja Krüger (Hrsg.): Räume bilden – pädagogische Perspektiven auf den Raum. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2016. 256 Seiten. ISBN 978-3-7815-2072-1.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Der Sammelband stellt einen Diskurs dar wie erziehungswissenschaftlich mit dem Thema Raum unter den Vorzeichen der Globalisierung, Digitalisierung und Migrationsbewegung umgegangen wird.

Herausgeberinnen

  • Constanze Berndt, Dr.in, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Erziehungswissenschaften der Universität Rostock, Arbeitsschwerpunkte: Reflektierende Professionalisierung, Globales Lernen, Kommunikation und Beziehungen in Schule und Unterricht u.a.
  • Claudia Kalisch, Dr.in, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Berufspädagogik an der Universität Rostock, Arbeitsschwerpunkte: Übergang Schule- Beruf, Inklusion in der beruflichen Bildung, Regionales Lernen u.a.
  • Anja Krüger, LA, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Erziehungswissenschaften an der Universität Rostock, Arbeitsschwerpunkte: Raumwissenschaftliche Schul- und Bildungsforschung, Architektursemiotik u.a.

Entstehungshintergrund

Zum Thema: „Räume bilden?! Pädagogische Perspektiven auf den Raum“ wurde 2014 an der Universität Rostock eine Ringvorlesung veranstaltet. Eingeladen waren Autoren, die den Diskurs zum Thema abbildeten und ergänzten. Für den vorliegenden Sammelband wurden Themen ausgewählt, die bislang wenig Berücksichtigung im Raumdiskurs fanden.

Aufbau

Das Buch ist in drei Teile untergliedert.

I. Erziehungswissenschaftliche Perspektiven auf den Raum: Facetten des Diskurses

Hier werden insbesondere historische, anthropologische, kulturtheoretische, phänomenologische und bildungstheoretische Perspektiven dargestellt.

  • Nugel fordert eine erziehungswissenschaftliche Erforschung des Beobachtens, Beurteilens und Erschließens von Bildungsräumen, auch der nicht- institutionalisierten Räume.
  • Göhlich stellt einen historische Verbindung zwischen Bildungsräumen früher und heute her und beschreibt unter anderem den notwendigen gesellschaftlichen Nutzen von Bildungsräumen.
  • Burghardt und Zirfas wollen eine Verknüpfung der Dimensionen der Körperlichkeit, Zeitlichkeit und Liminalität mit pädagogischen, anthropologischen und raumwissenschaftlichen Überlegungen darstellen.
  • Nieke unterzieht erziehungs- und bildungswissenschaftliche Redeweisen über den Raum einer Diskursanalyse. Dabei macht er deutlich, dass Raum die Kognition des Menschen zur Weltorientierung ist.
  • Haase macht darauf aufmerksam, dass eine kritische Bildung zu einer differenzierten Wahrnehmung, z.B. des unsichtbaren, aber spürbaren, Stadterlebens führen kann.

II. Raumwahrnehmung und Raumaneignung: Leben – Lernen – Arbeiten in wirkmächtigen Räumen

Das Kapitel beschreibt Fragen über die Wirkung architektonisch gestalteter Räume auf das menschliche Empfinden und Handeln, Prozesse der Raumaneignung und Verortung von Lern- und Bildungsprozessen.

  • Viehauser geht der Frage nach, worin die Pädagogik des Raums besteht und stellt dar, wie Architektur und Einrichtung (am Beispiel der Frankfurter Küche) Einfluss auf die darin lebenden Menschen nimmt.
  • Rieger- Ladich und Grabau kritisieren eine Architektur und Einrichtung (Bsp. Luxuspraxen), die den Zugang von Gruppen und Milieus erschwert und auch unmöglich macht. Das Gefühl von Unterlegenheit und Scham wird hervorgerufen und Machtverhältnisse manifestiert.
  • Flasche legt die Ergebnisse einer Studie zu Schullogos vor. Mit dem Medium: Zukunftswerkstatt stellte sie fest, dass die bestehenden Schulräume eine Diskussion und Erprobung von Raumgefügen für Lern- und Bildungsprozesse verhindern.
  • Krüger, Ninnemann, Häcker hinterfragen die universitäre Raumwahrnehmung aus historischer und fallanalytischer Perspektive. Sie stellen fest, dass Menschen und Räume reziprok aufeinander wirken.
  • Hagedorn stellt dar, wie sich das jugendliche Selbst narrativ ins Verhältnis zu Ordnungen und Strukturen der räumlichen Umwelten stellt.
  • Röll zeigt auf, dass Jugendliche am Beispiel des Begriffes „Heimat“ sowohl einen realen Raum als auch digitale Welten und deren Verwobenheit als Heimat empfinden. Sein Forderung für die Pädagogik ist, sich in diesem Räumen als Berater auf zu halten und zur Verfügung zu stellen.
  • Ludwig stellt fest, dass Räume sowohl Rahmenbedingung als auch Gegenstand von Bildungsprozessen sind. Er kritisiert, dass Bildung in Institutionen stattfindet und außerhalb dieser abgewertet wird.
  • Wittwer beschreibt, dass es an Konzepten fehlt, die das Arbeiten und Lernen auch räumlich verbinden und so Alltagsorte zu Lernräumen werden können. Seine Ansätze aus dem betrieblichen Kontext sind übertragbar auf den Weiterbildungsbereich.

III. Bildungslandschaft gestalten: regionale und globale Denk-, Handlungs- und Möglichkeitsräume

  • Weishaupt befasst sich mit den verschiedenen Bildungseinrichtung wie Kinderkrippe, Kindergarten, Schule, Berufsausbildung. Er stellt fest, dass Untersuchungen fehlen, die Beziehungen zwischen Bildungsangebot und Bildungsnachfrage und den sozialen Einflussfaktoren auf diese Beziehung untersuchen.
  • Tippelt und Lindemanns Studien zur Lernenden Region zeigen Kooperationsprofile, die häufiger horizontal (mit Institutionen gleichen Typs) als vertikal (mit vor- und nachgelagerten Einrichtungen) sind. Ziel ist es interorganisationale regionale Kooperationen einzugehen, dazu beschreiben sie die Rahmenbedingungen.
  • Flath und Diersen stellen praxisorientiert das Regionale Lernen als Bildungskonzept für außerschulisches und handlungsorientiertes Lernen vor. Die Region ist hier der Bezugsrahmen (außer)schulischen Lernens mit der Möglichkeit der Partizipation und Verankerung vor Ort.
  • Lang- Wojtasik stellt das Konstrukt der Weltgesellschaft als globalen Raum vor, dabei wären die Grenzen der Nationalstaatlichkeit aufgehoben. Stichworte sind z.B. die zunehmende Komplexität, die Frage nach den Lernherausforderungen und Lernoptionen und auch nach den Konsequenzen für die Ausbildung von Lehrkräften.
  • Berndt und Kalisch gliedern ihren Beitrag in einen ersten Teil über die interdisziplinäre Beanspruchung von Raumkonzepten und anschließend über die Raumbezüge im Globalen und Regionalen Lernen. Sie fassen zusammen, dass sich die beiden vorgestellten Konzepte nicht ausschließen, sondern wechselseitig aufeinander bezogen, ihre Einseitigkeit überwunden wird.

Fazit

Die Vorstellung der Herausgeberinnen das Phänomen Raum von verschiedenen Seiten zu beleuchten und einen neuen Diskurs an zu schieben, ist sicher gelungen. So werden die Aspekte der verschiedenen Fakultäten zum Thema Raum für die erziehungswissenschaftliche Arbeit erschlossen. Neue Betrachtungen, Diskussionen, und kritische Auseinandersetzungen werden ermöglicht. Eine Raumdiskussion wird zum interdisziplinären Thema zwischen Raumplanung, Städteplanung, Schule, Beruf, Freizeit und gesellschaftlichem Leben. Verschiedene kritische Aspekte, die auch die praktische Arbeit betreffen, werden erörtert: z.B. Ausübung von Macht durch Raumgestaltung, Raumaneignung und Bildungsstand, Inklusion und Raum.

Die Aufsätze sind nicht so nebenbei zu lesen, es sind eben Fachartikel. Zumeist erschießt sich die Quintessenz in den Zusammenfassungen. So können sich auch interessierte „Laien“ über das Thema informieren. Alle Beiträge sind identisch aufgebaut: Abstract, verschiedene Kapitel, eine Art Resümee und Quellenhinweise. So ist eine Orientierung für den Leser einfach. Die sehr umfangreichen Literaturhinweise weisen noch einmal auf das große, auch interdisziplinäre, Spektrum hin.


Rezensentin
Monika Pietsch
Training und Konstruktives Lernen
selbständige Trainerin und Beraterin, Schwerpunkt: Team- und Führungskompetenzen mit den Methoden des konstruktiven Lernens
Homepage www.training-konstruktiv.de
E-Mail Mailformular


Alle 52 Rezensionen von Monika Pietsch anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Monika Pietsch. Rezension vom 05.12.2016 zu: Constanze Berndt, Claudia Kalisch, Anja Krüger (Hrsg.): Räume bilden – pädagogische Perspektiven auf den Raum. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2016. ISBN 978-3-7815-2072-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20600.php, Datum des Zugriffs 19.11.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung