Johannes Oehlmann: Die Kangreise
Rezensiert von Dr. sc. mus. Monika Nöcker-Ribaupierre, 27.05.2016
Johannes Oehlmann:Die Klangreise. Eine Reise nach Innen mit ursprünglichen Instrumenten. Dr. Ludwig Reichert Verlag (Wiesbaden) 2014. 117 Seiten. ISBN 978-3-89500-980-8.
Eine
Klangreise ist eine Klangreise.
Sie
kann durchaus einen therapeutischen Sinn haben oder bekommen.
Sie
kann auch einfach eine eigene Erfahrung sein.
Angenehmer
Genuss. Musik.
Ein
Klangbad.
Eine
besondere Form des intensiven Hörens
Autor
Dr. Johannes Oehlmann ist Psychotherapeut mit Ausbildungen in Gestalttherapie, tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie, Musiktherapie, systemischer Arbeit und Hypnotherapie. Er gab viele Jahre lang Konzerte mit ursprünglichen Instrumenten, promovierte in Musikwissenschaft mit einer Forschung über die Klangwirkungen von Gongs und arbeitete als Musiktherapeut in einer psychosomatischen Klinik. Nach vielen Jahren als Gastdozent am Masterstudiengang Musiktherapie an der FH Frankfurt ist er heute Dozent an der WIAP und an der ZIST-Akademie. Er arbeitet in freier Praxis in Beratung, Therapie, Coaching und Supervision.
Dies Buch ist gedacht als eine Orientierungshilfe in einer Zeit, in der die äußere Orientierung zugunsten einer als immer notwendiger erachteten inneren Orientierung bröckelt. Wo möchte ich hin? Was sind meine Ziele? Wo und wie finde ich meine grundlegende Orientierung, die mein Leben zentriert? Oehlmann zeigt hier einen inneren Weg in Form von Klangreisen auf, ein Weg aus Ton, Stille, Klang, auf dem Sammlung, Entspannung, Tranceprozessen und anderen Bewusstseinszuständen erlebt werden. Einen Weg, den man alleine, zu zweit, in Gruppen, in therapeutischen Settings gehen kann.
Entstehungshintergrund
Nach vielen langen Jahren der umfassenden Beschäftigung und Arbeit mit ursprünglichen Klang- und Rhythmusinstrumenten – beginnend in freien, nicht-institutionell gebundenen Selbsterfahrungsgruppen - stellt der Musiker und Therapeut Johannes Oehlmann die Essenz seiner persönlichen und subjektiven Erfahrungsschätze dar, eingebettet in ein weites Feld verschiedener kultureller, historischer und psychotherapeutischer Perspektiven.
Aufbau und Inhalt
Das Buch ist in einen einleitenden Teil und viele weitere Instrumenten- und praxisbezogene Teile gegliedert.
Einleitender Teil zum Kontext von Klangreisen: In dieser Einleitung bereitet der Autor das Feld von einem historisch gewachsenen Zusammenhang des Spielens von elementaren Instrumenten zum heutigen Interesse und Bedürfnis nach authentischer, körperbezogener und percussiver Musik in Selbsterfahrung und Therapie.
Instrumente: hier stellt Oehlmann alle die ursprünglichen Instrumente vor, die sich ebenso für alleinigen Klangreise wie auch für Reisen innerhalb eines therapeutischen Settings eignen. Die liebevoll gestaltete Darstellung der einzelnen Instrumente bildet den Hauptteil des Buches, mit ästhetisch ansprechenden farbigen Bildern und farbig abgesetzten Teilen zu zusätzlichen Informationen (z.B. Übungen bzw. Anleitungen zum Spiel oder zum Kauf des Instrumentes oder eingeschobene Fallvignetten). Die verschiedenen Facetten des Spielens dieser ursprünglichen Instrumente in Therapie, Selbsterfahrung und kreativer Praxis finden sich bei allen beschriebenen Instrumenten wieder. Den meisten Platz nehmen Trommeln und Gongs ein. Oehlmann führt über historische, handwerkliche und theoretische Aspekte, die verschiedenen Wirkungsweisen, zu Aspekten des Spielens und vermittelt praktische Anleitung und Übungen. Es folgen Klangschalen, Rasseln, Regenmacher, Oceandrum, Kalimba, kleine Instrumente wie Zimbeln oder Glocke, das Didgeridoo und das Monochord.
Klangreisen in der Praxis: Entwicklung und Kontext, Wirkungsaspekte unterschiedlicher Möglichkeiten – und Bestandteile zum Aufbau einer Klangreise.
Hypnotherapeutische Techniken und Sprachmuster (nach Erikson), die theoretische Orientierung seiner therapeutischen Arbeit,beinhalten einige Aspekte der therapeutischen Haltung, die Arbeit mit verbalen Tranceinduktionen, sowie praktische Aspekte zur musiktherapeutischen Einzelarbeit.
Musik für Klangreisen: dieser Teil widmet sich der Verwendung von CDs versus selbst spielen, sowie ein (leider) sehr kurz geratener Absatz über die Theorie des Autors zu Wirkungszusammenhängen. Weiter finden sich (hypno-) therapeutische Themen und Definitionen, die einer solchen Begleitung von Klangreisen zu beachten sind: wie Angst, Trance, Hypnose, Schutz oder die Situation des Spielers.
Den Abschluss bilden zwölf praktische Spielanleitungen.
Beigelegt ist eine CD als Hörgrundlage für die Texte. Es handelt sich um Klangbeispiele mit den im Buch vorgestellten Instrumenten, nicht im Sinn von Kompositionen, sondern als einzelne Klangbeispiele, die ihre Spielform erlebbar machen sollen – entspannend, heilend, aufregend und voller Überraschungen.
Diskussion
Was der Rezensentin als erstes auffällt, ist die ästhetische und liebevolle Gestaltung des Buches, mit zahlreichen ansprechend arrangierten Abbildungen der einzelnen Instrumente, auf haptisch weichem Papier gedruckt. Es macht gleich Freude, es aufzuschlagen und erst einmal darin zu blättern. Dies Buch ist wie ein Reiseführer in eine Klangwelt, der Interesse weckt, hörend und spielend auf eine eigene innere Reise zu gehen. Es ist auch so aufbereitet, dass alle Bereiche für sich stehen und rezipiert werden können.
Der einleitende Teil stellt ebenfalls einen gesonderten Bereich dar, den man mit Genuss lesen (sollte) oder auch einfach überspringen kann. Hier bereitet Oehlmann den Weg von den historischen Hintergründen einfach zu spielender ursprünglicher Instrumente aus der Jäger-und Sammlerzeit vor und führt zu den heutigen Möglichkeiten, tiefenentspannende Erfahrungen bis zu Tranceerfahrungen zu durchleben. Seine musikalische und therapeutische Kompetenz, sein Wissen um die Integration dieser Instrumente in heutiges Leben und therapeutisches Arbeiten überzeugt.
Durchgängig vermittelt der Autor die Haltung eines achtsamen offenen Hörens und die Freude am kreativen Spielen. Die vielen praktischen Spielanleitungen und Anleitungen zu Klangreisen sind, ebenso wie die eindrucksvollen Beispiele aus Therapien, theoretisch mit hypnotherapeutischem Wissen verbunden.
Die Sprache, die Oehlmann benutzt, ist getragen von Empathie und Wärme, poetisch, farbig und auch wieder nüchtern – immer im direkten Kontakt mit dem Leser. Seine Sprache vermittelt Neugier, einem solchen Weg zu folgen.
Fazit
Ein in jeder Beziehung ansprechendes, lebendiges und fachlich fundiertes Buch über bewusstes und achtsames Umgehen mit dem Klang und den klanglichen Möglichkeiten der ursprünglichen Instrumente. Es ist geschrieben für alle, die Interesse und Freude am Spiel mit den vielfältigen ursprünglichen Instrumente haben. Es ist reich an Wissen und Anregungen für Menschen, die einfach nur Spielen wollen sowie erfahrene (Musik-) Therapeutinnen und Therapeuten.
Rezension von
Dr. sc. mus. Monika Nöcker-Ribaupierre
Dipl. Musiktherapeutin DMtG, Vice President der International Society for Music in Medicine ISMM.
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