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Barbara Langmaack: Soziale Kompetenz. Verhalten steuert den Erfolg

Rezensiert von Dr. Winfried Leisgang, 28.12.2004

Cover Barbara Langmaack: Soziale Kompetenz. Verhalten steuert den Erfolg ISBN 978-3-407-85783-5

Barbara Langmaack: Soziale Kompetenz. Verhalten steuert den Erfolg. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2004. 256 Seiten. ISBN 978-3-407-85783-5.
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Einführung in die Thematik

Fachwissen entscheidet heute nicht mehr alleine über den Erfolg im beruflichen Alltag. Vielmehr bestimmt die Qualität des Umgangs miteinander, ob die fachlichen Ziele auch wirklich erreicht werden. In ihrem Buch stellt Barbara Langmaack die Facetten sozialer Kompetenz vor, auf die es im Beruf ankommt und die zu einer neuen Qualität im zwischenmenschlichen Umgang führen und damit zu einer erfolgreichen Umsetzung von beruflichen Erwartungen und Zielen.

Die Autorin

Barbara Langmaack ist Ehe- und Lebensberaterin und TZI-Ausbilderin. Sie berät Firmen und Organisationen in Konfliktsituationen und ist Autorin mehrerer Bücher zum Thema TZI (Themenzentrierte Interaktion).

Zielgruppe

Das Buch wendet sich an die Leserinnen und Leser, "die besser verstehen wollen, was soziale Kompetenz zu einer Schlüsselqualifikation im Umgang miteinander macht und die den Schlüssel suchen, der Menschen auf schließt damit über Fähigkeiten, Kenntnisse und Informationen hinaus tragfähige Brücken von Mensch zu Menschen bauen können". Zielgruppe sind Menschen, die nach einem tragfähigen Miteinander im beruflichen wie im privaten Kontext suchen und weniger akademisch interessierte Leserinnen und Leser.

Aufbau und Inhalt

Im ersten Teil beschreibt Langmaack soziale Kompetenz aus einer vernetzten Perspektive. Sie beschreibt soziale Kompetenz als ein Kunsthandwerk, das sich wie jedes Handwerk lernen und überlässt, dessen individuelle Ausprägung jedoch von der Veranlagung des Milieus und der persönlichen Begabung abhängt. Nur mit einem Zugang zu eigenen Empfindungen und Gefühlen gelingt es, Wirkungen in sozialen Situationen wahrzunehmen und zu reflektieren. Sie geht der Frage nach, warum soziale Kompetenzen gerade jetzt Konjunktur haben und regt dazu an, über verschiedene Aspekte des Wandels nachzudenken, wie zum Beispiel Individualität im Arbeits- und Geschäftsleben, die Vielfalt des Marktes, neue Modelle der Führung, Leben und Arbeitsleben im Wandel, multikulturelle Gesellschaft, Orientierung finden in sich rasch verändernden Arbeitswelten und Sozialisation im Erwachsenenalter. Danach wendet sie sich der Persönlichkeitsstruktur des Menschen zu, mit seinen innerpsychischen Mechanismen, Abwehrmechanismen und Werthaltungen. Dabei wird genauer auf den Aufbau des Seelenlebens nach der Auffassung von Freud eingegangen. Am Schluss wird eine Typisierung von Verhaltensmustern im Hinblick auf soziale Kompetenzen dargestellt, die sich auf die zwei Pole Nähe und Distanz sowie Bewahrung und Veränderung stützt. Anschließend geht die Autorin auf die Bedeutung der Kommunikation im Zusammenhang mit sozialen Kompetenzen ein, zeigt was Teams leistungsfähiger macht und wo die Ursachen für zwischenmenschliche Probleme in Gruppenprozessen liegen können. Anhand der Entwicklungsphasen von Gruppen und Teams zeigt sie entsprechende Anforderungen an soziale Kompetenzen auf. Das letzte Kapitel dieses Teils des Buches befasst sich mit dem Verständnis für die Einflussnahme von emotionalen und zwischenmenschlichen Faktoren bei Handlungsabläufen und der Kommunikation zwischen zwei Menschengruppen. Dabei geht es um den Handlungszyklus zwischen Wahrnehmung und Handlung, in dem uns immer wieder unbewusste Gefühle und Erwartungen überraschen.

Im zweiten Teil stehen die Bausteine sozialer Kompetenz im Mittelpunkt. Hier geht die Autorin auf folgende Aspekte ein: die Vergangenheit als Motor der Gegenwart, auf doppelte Botschaften reagieren, Interpretationen vermeiden, Respekt wahren, Intuition nutzen, Vermeidungen aufdecken, kritisch Denken - kritisch Fragen, Distanz und Nähe gestalten, Entschuldigungen annehmen, Sympathie und Antipathie hinterfragen, Empathie entwickeln, Feedback geben und nehmen, Verzichtleistungen erbringen und Verbindlichkeiten einhalten.

Der dritte Teil des Buches befasst sich mit der Frage, wie und auf welche Art und Weise soziale Kompetenzen erweitert werden können. Diesen Abschnitt hat Langmaack nicht alleine verfasst, sondern sich von Ko-Autoren unterstützen lassen. Jetzt sollen Erklären und Verstehen ins Umsetzen und Trainieren übergeleitet und der Frage nachgegangen werden, wie sich das Lernen von sozialen Kompetenzen gestalten lässt. Dafür bietet die Autorin zunächst einige Lernorte  an, an denen soziale Kompetenzen entwickelt werden können.

  • Ein erster solcher Lernort ist die Familie, wo in der frühen Kindheit der Grundstock für soziales Verhalten und Handeln gelegt wird.
  • Danach zeigt Feliks Hoff für die Schule auf, wie soziales Lernen in dem 5. und 6. Klassen geübt werden kann. Der gesamte Planungs- und Durchführungsprozess eine Gesamtschule in Hamburg wird ausführlich dargestellt.
  • Anschließend verdeutlicht Sebastian Walzik die Förderung sozialer Kompetenzen an Hochschulen. Die Universität in St. Gallen fördert seit 2003 neben dem Kontextstudium so genannte überfachliche Kompetenzen der Studentinnen und Studenten. Warum diese Neuerung? Auch an den Universitäten gewinnen soziale Kompetenzen zunehmend an Bedeutung. Begründet wird dies ähnlich wie in der Wirtschaft mit der Auflösung starrer Hierarchien und der immer größeren Selbstständigkeit im Arbeitsprozess. Der Autor geht der Frage nach, was soziale Kompetenz ausmacht und beschreibt Kommunikation als den Kern dieser Kompetenzen. Gleichzeitig weist er, wie schon Langmaak an früherer Stelle, auf die Werthaltigkeit kommunikativer Prozesse und damit sozialer Kompetenzen hin.

Diskussion und Bewertung

Aus der Literaturliste kann man den geistigen Hintergrund der Autorin erkennen und entdeckt eine Reihe von gestalttherapeutischer, humanistischer und transaktionsanalytischer Literatur. Manchmal kam während des Lesens der Eindruck auf, die Autorin ist in der Blütezeit dieser therapeutischen Bewegungen groß geworden. Es scheint immer wieder ein sehr individualistisch und therapeutisch orientierter Ansatz durch. In Kombination mit der Diskussion von wertgebundenem Handeln und Kompetenzlernen (das die Autorin zu recht beschreibt) ergibt sich beinahe der Eindruck eines traditionalistischen, konservativem Weltbilds nach dem Motto: wenn nur die alten Tugenden wieder mehr beachtet werden, dann bräuchten wir über soziale Kompetenzen nicht weiter zu diskutieren. Langmaack zeigt im ersten Teil aber auf, in welchen Bereichen sich die heutige Arbeitswelt sichtlich verändert hat und welche neuen zusätzlichen Anforderungen auf die Arbeitnehmer zukommen. Nimmt man auch diese gesellschaftlichen Veränderungen in den Blick, dann wird sehr wohl deutlich, dass es sich lohnt, den Herausforderungen mit einer Entwicklung sozialer Kompetenzen zu begegnen. Auch wenn man sich dabei dann doch wieder auf manche der alten Tugenden besinnen muss bzw. kann. 

Langmaack umkurvt mit ihren Exkursionen die Inseln der Persönlichkeitstheorien in der Psychologie (Freud, Riemann) und vermittelt damit psychologisches Grundwissen. Damit wird die Autorin ihrer Zielsetzung einer Alltagsorientierung gerecht, lässt aber viele neuere Forschungs- und Erklärungsansätze, die sich mit der Konstruktion (sozialer) Situationen durch die Akteure selbst auseinandersetzen (Holzkamp, Engeström) und der neueren Kompetenzforschung (Erpenbeck und Heyse, siehe dazu Rezensionen in socialnet) unberücksichtigt. Der wissenschaftlich orientierte und bereits psychologisch vorgebildete Leser findet erst im Beitrag von Walzik Diskurse zum Thema Kompetenz wieder. Diesem Autor gelingt es in knapper und komprimierter Form die theoretischen Hintergründe und Auswirkungen des Kompetenzentwicklungskonzeptes an der Universität St. Gallen darzustellen.

Positiv hervorzuheben sind die bildlichen Veranschaulichungen, die die Gedankengänge der Autorin sehr präzise in nachvollziehbare Abbildungen umsetzen. Dies erhöht mit Sicherheit die Lerneffekte bei den Leserinnen und Lesern. Außerdem erleichtert ein sehr detailliertes Register am Ende des Buches die Suche von Schlüsselbegriffen.

Fazit

Der Leser und die Leserin hält ein leicht verständliches, sprachlich flüssig geschriebenes und anschauliches Bändchen in den Händen. Der Autorin ist es gelungen, ein durchaus komplexes Thema für diejenigen nachvollziehbar aufzubereiten, die sich ohne großes wissenschaftliches Interesse in die Thematik einlesen wollen.

Rezension von
Dr. Winfried Leisgang
Dipl. Soz.-Päd., Master of Social Work (M.S.W.)
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Es gibt 43 Rezensionen von Winfried Leisgang.

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Zitiervorschlag
Winfried Leisgang. Rezension vom 28.12.2004 zu: Barbara Langmaack: Soziale Kompetenz. Verhalten steuert den Erfolg. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2004. ISBN 978-3-407-85783-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2061.php, Datum des Zugriffs 19.08.2022.


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