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Günther Bauer: Einführung in das systemische Controlling

Cover Günther Bauer: Einführung in das systemische Controlling. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2015. 127 Seiten. ISBN 978-3-8497-0076-8. D: 13,95 EUR, A: 14,40 EUR, CH: 20,50 sFr.
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Thema

Es gibt eine Vielzahl an Publikationen zum Controlling als betrieblicher und unternehmensbezogener Steuerungslehre. Kernanliegen dieser betriebswirtschaftlichen Funktion ist es, die für Planungen, Kontrollen und Entscheidungen notwendigen bzw. wesentlichen Informationen zu erheben sowie diversen Managementebenen und -gruppen sachgemäß zur Verfügung zu stellen. Eine besondere Herausforderung für die Steuerungslehre ist die Komplexität von Organisationen und deren Umwelten. Interessanterweise berücksichtigen nicht alle der etablierten Konzepte systemische Sichtweisen in einem hinreichenden Maße.

Entstehungshintergrund

Günther Bauer möchte mit seiner Einführung in das systemische Controlling aufzeigen, warum die systemische Perspektive für die Steuerung von komplexen sozialen Systemen wie Erwerbs- und Non-Profit-Organisationen besonders geeignet ist. Controlling, Organisationsentwicklung und lernende Organisation sollen in seinem Entwurf in ein umfassendes Konzept des systemischen Managements integriert werden.

Autor

Günther Bauer, Dr. iur. und Dr. phil., war bis 2004 Leiter des Amtes für soziale Angelegenheiten der Stadt Linz und ist seither Geschäftsführer der Seniorenzentren Linz GmbH. Nebenberuflich ist er tätig als Dozent, Trainer, Vortragender und Organisationsberater mit den Schwerpunkten Führungskräftetraining und -coaching, Sozial- und NPO-Management, Personalwesen, Personal- und Organisationsentwicklung sowie Führungskräfte-Recruiting.

Aufbau und Inhalte

Die Publikation enthält zehn Abschnitte.

Im ersten Abschnitt werden die Grundlagen des Controllings dargelegt. Im Mittelpunkt der Ausführungen stehen die Aufgaben und Anliegen der betrieblichen und unternehmerischen Steuerung, es erfolgt auch eine Differenzierung in strategisches (langfristiges) und operatives (kurzfristiges) Controlling.

Im zweiten Abschnitt werden wesentliche Handlungsfelder des Controllings kurz dargestellt. Die Leserinnen und Leser erfahren, dass diese betriebswirtschaftliche Funktion sich auf Kosten ebenso beziehen kann wie auf Leistung, Finanzen, Investitionen, Beschaffung und Produktion, aber auch auf die Bereiche Logistik, Marketing, Qualität oder Organisationsentwicklung.

Im dritten Abschnitt stehen Controllingkonzeptionen im Mittelpunkt. Der Autor umreißt das klassische Controlling und die Kritik an entsprechenden Ansätzen, schildert aber auch den Ansatz der Balanced Scorecard inklusive der Schwächen dieses Instruments. Eine besondere Rolle spielen in diesem Abschnitt zudem Konzeptionen für Nonprofit-Organisationen und deren Mängel. Schließlich erfolgt auch ein kurzer Abriss des systemischen Controllings.

Im vierten Abschnitt erfolgt eine Einführung in systemische Grundlagen. Geschildert werden das Verständnis von Systemen bzw. deren Eigenschaften, der Ansatz des Konstruktivismus, die besondere Rolle von Kybernetik zweiter Ordnung sowie von Linearität und Zirkularität. Dieser Abschnitt hat für den weiteren Gang der Ausführungen insoweit eine wesentliche Bedeutung, als über die systemische Sichtweise bzw. den Konstruktivismus die Frage aufgeworfen wird, ob Beschreibungen und Informationen des Controllings als objektive Wirklichkeit aufgefasst werden dürfen, oder ob sie vielmehr bzw. lediglich Konstruktionsleistungen eines Systems resp. eines Teils eines Systems sind.

Im fünften Abschnitt geht Günther Bauer näher auf systemische Steuerung ein. Vor dem Hintergrund von Kernelementen der Systemtheorie wie System und Umwelt, Autopoiesis und adaptives Verhalten, der systemischen Schleife sowie der Kontextsteuerung führt er in ein erweitertes Verständnis von Controlling ein. Deutlich wird, dass Steuerung bzw. entsprechende Interventionen nur auf der „Basis von Versuch und Irrtum unter Einbeziehung der dabei gewonnenen Lernerfahrung“ greifen können. Im Zusammenhang mit der systemischen Schleife wird eine bewusste Trennung von Beobachtung, Interpretation und Steuerungshandeln nahe gelegt. Selektive Wahrnehmung kann, so der Autor, überwunden werden, wenn „Controlling im Rahmen eines diskursiven Prozesses geeignete Informationen und Bilder zur Verfügung stellt, durch die ein Bewusstsein dafür geschaffen werden kann, in welcher Weise die Leistungen der einzelnen Abteilungen eines Unternehmens zum Gesamtergebnis beitragen“.

Im sechsten Abschnitt werden Leitdifferenzen des systemischen Controllings vorgestellt. Betont wird unter anderem, dass der Blick des Controllings sowohl der betreffenden Organisation als auch ihrer Umwelt gelten muss. Sowohl für die Beobachtung nach innen wie nach außen sind eine Sach- und eine Beziehungsebene angezeigt. Der systemische Ansatz setzt dabei weniger auf Hierarchie, denn auf Kooperation und Beteiligung.

Im siebten Abschnitt werden weitere Perspektiven im Kontext von Management und Controlling entworfen. Skizziert werden der Ansatz des systemischen Managements, die notwendigen Eigenschaften der systemischen Controllingkraft sowie die Besonderheiten der systemischen Haltung.

Spezielle Steuerungsansätze und Controllinginstrumente werden im achten Abschnitt am Beispiel des betrieblichen Fehlzeitenmanagements vorgestellt. Schwerpunkte sind die betriebliche Gesundheitsförderung nach dem Salutogenesekonzept von Antonovsky, das Führungscontrolling, die Burn-Out-Prophylaxe, die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sowie das Konzept der „Organisationalen Energie“. Zu jedem Komplex werden Skalen angeführt, die eine Messung des Ist-Zustands sowie entsprechender Entwicklungen ermöglichen.

Im neunten Abschnitt wirft der Autor einen Blick in die Werkzeugkiste des systemischen Controllings. Schwerpunkte sind unter anderem das Benchmarking, das Arbeiten mit Kennzahlen, die System-Umwelt-Analyse, die Mitarbeitendenbefragung sowie Qualitäts- und Gesundheitszirkel – jeweils erläutert unter einer systemischen Perspektive der organisationalen und personalen Steuerung.

Zum Schluss werden den Leserinnen und Lesern noch 12 Erfolgsrezepte des systemischen Controllings mit auf den Weg gegeben. Die Tipps umfassen ein breites Spektrum wie „Misstrauen Sie Zahlen!“, „Denken Sie in Kreisen“, „Lernen Sie staunen“ und „Entspannen Sie sich!“.

Diskussion

„Systemisches Controlling wird sich … nicht mit einer vom Controller allein vorgenommenen Wirklichkeitskonstitution begnügen. Nur durch die Einbeziehung mehrerer unterschiedlicher Sichtweisen kann ein umfassendes Bild einer gegebenen Situation erstellt werden.“ Diese von Günther Bauer vertretene Einschätzung spiegelt die Auffassung des systemischen Controllings in Bezug auf Hierarchie und Beteiligungsorientierung sowie Personenlernen und Organisationslernen wieder und zeigt auf, welche besondere Perspektive hier eingenommen wird und welche Potenziale Systemtheorie und Konstruktivismus in das Controlling einbringen können. Ziel ist dabei nicht, herkömmliche Konzepte und Tools zu ersetzen, sondern die Anwendung sinnvoll zu ergänzen bzw. tradierte Ansätze der Steuerungslehre durch Kybernetik zweiter Ordnung, Linearität und Zirkularität, System und Umwelt, Autopoiesis und die systemische Schleife effektiv zu erweitern.

Fazit

Günther Bauer gelingt es nicht nur, auf dem knappen Raum von gerade einmal 127 eher kleinformatigen Seiten zentrale Aspekte der Systemtheorie und des Konstruktivismus zu vermitteln, er kann auch die Möglichkeit und das Potenzial einer Integration dieser Ansätze in herkömmliche Konzepte des Controllings auf plausible Weise aufzeigen. Diese Publikation ist ein schönes Beispiel für die Anwendbarkeit der grundlegenden Perspektiven von Systemtheorie und Konstruktivismus in einer elementaren Funktion der Betriebswirtschaftslehre.

Insbesondere im Bereich sozialer Verbände, Träger und Einrichtungen darf noch nicht überall davon ausgegangen werden, dass die Entwicklung und Einführung eines den unterschiedlichen Informations- und Steuerungsbedarfen gerecht werdenden Controllingsystems erfolgreich abgeschlossen ist. Die Lektüre dieses ebenso leicht zu lesenden wie fundierten Bands ist Verantwortlichen in allen sozialwirtschaftlichen Sektoren zu empfehlen, auch im Hinblick auf Organisationsentwicklung und lernende Organisation.


Rezensent
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit in Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 07.04.2016 zu: Günther Bauer: Einführung in das systemische Controlling. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2015. ISBN 978-3-8497-0076-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20619.php, Datum des Zugriffs 10.12.2018.


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