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Joachim Schwede, Ute Reiber-Gamp u.a.: Sichere Kita

Cover Joachim Schwede, Ute Reiber-Gamp, Matthias Lange: Sichere Kita. Carl Link (Kronach) 2016. 100 Seiten. ISBN 978-3-556-07036-9. 18,95 EUR.

Formulare, Arbeitshilfen und Praxistipps für den Arbeits- und Gesundheitsschutz in der Kita.
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Thema

Das Arbeitsumfeld trägt einen maßgeblichen Beitrag zur Gesundhaltung der Mitarbeiter_innen und auch der Kinder in einer Kindertagesbetreuung bei. Träger von Kindertageseinrichtungen haben auf der einen Seite eine Verpflichtung, bestimmte Standards einzuhalten und Präventionsmaßnahmen geplant umzusetzen. Auf der anderen Seite achten auch Mitarbeiter_innen verstärkt auf eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Freizeit. In einem älter werdenden Team müssen die Herausforderungen eines oft belastenden Alltags gemeistert werden. Die Autor_innen des vorliegenden Buches greifen das Thema „Sichere Kita“ in ihren drei Teilbeiträgen auf.

Autor_innen

  • Joachim Schwede ist Rechtsanwalt in Aichach mit Beratungsschwerpunkten im Arbeitsrecht und Arbeitsschutzrecht. Neben diversen Buchveröffentlichungen ist er auch regelmäßiger Autor und Fachbeirat für die Zeitschrift „Kita aktuell Recht“ und als Referent für den Deutschen Kitaleitungskongress tätig.
  • Ute Reiber-Gamp ist Fachkraft für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Quality Office ® -Fachberaterin und Physiotherapeutin. Ihr Unternehmen UR CONSULTING, (www.ur-consulting.com) berät und coacht branchenunabhängig zu den Schwerpunkten physische und psychische Belastung.
  • Matthias Lange ist Mitarbeiter der Unfallkasse Hessen im Bereich Prävention mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Schulen und Kindertageseinrichtungen sowie Mitglied im Sachgebiet „Kindertageseinrichtungen“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Er ist weiterhin Autor verschiedener Fachpublikationen und -artikel im Themenbereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Kindern und Jugendlichen.

(Autoreninformation Klappentext)

Aufbau

Nach Inhaltsverzeichnis und Vorwort finden sich drei inhaltliche Kapitel:

  1. Arbeits- und Gesundheitsschutz in der Kita (22 Seiten)
  2. Organisatorische und bauliche Rahmenbedingungen (40 Seiten)
  3. Praktische Tipps zur Reduzierung der physischen Belastung (26 Seiten)

Am Buchende befindet sich ein zweiseitiges Literaturverzeichnis.

Inhalt

In ihrem Vorwort führen die Autor_innen in das Themenfeld und in das Buch. Personen, die sich erstmalig diesem Themenfeld nähern, so beschreiben sie es, sehen „schnell den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.“ (S. 5) Mit der vorliegenden Broschüre möchte sie den Lesern einen verständlichen „Wegweiser“ an die Hand geben.

Schwede betrachtet im ersten Kapitel den Themenbereich „Arbeits- und Gesundheitsschutz“ in sieben Schritten. Zu Beginn nennt er „Krankmacher“ und zeigt, wie eine „Belegschaftsbefragung“ helfen kann, Gesundheitsbelastungen zu erkennen. Im weiteren Verlauf nennt er rechtliche Rahmenbedingungen und beantwortet die Frage, wer für den Arbeitsschutz verantwortlich ist. Danach erläutert Schwede, was unter einer Gefährdungsbeurteilung und der damit in Zusammenhang stehenden Unterweisung zu verstehen ist. Der Leser erhält Anregungen zur rechtsicheren Durchsetzung von Arbeits- und Gesundheitsschutz. Sechs Seiten am Ende des Kapitels setzen sich mit psychischen Belastungen auseinander. Beispielsweise nennt der Autor „zentrale Einflussfaktoren für das Entstehen von Stress“, geht auf Mobbing, Bossing und weitere gravierende psychische Erkrankungen und den Umgang damit ein.

Kapitel 2 greift die organisatorischen und baulichen Rahmenbedingungen auf. Im ersten Schritt nennt Lange die „Akteure im betrieblichen Arbeitsschutz“ und deren Aufgaben und Verantwortungsbereiche. Er listet hier auch externe Stellen, wie den Unfallversicherungsträger oder die betriebsärztliche oder sicherheitstechnische Betreuung auf. Detaillierte Informationen finden sich zum „Sicherheitsbeauftragten“ (interne Rolle). Der zweite Abschnitt beinhaltet die Aspekte Erste Hilfe, Hygiene und Infektionsschutz. Eine Reihe verschiedener Punkte finden sich im dritten Abschnitt „Anforderungen an das Kita-Gebäude“. Lange greift hier vorerst grundsätzliche Aspekte, wie Raumbedarf, Lärmschutz und Raumtemperatur, auf. Im weiteren Verlauf nennt er Regelungen und Empfehlungen zu verschiedenen Räumen und Bauteilen, Ausstattung und Mobiliar, Spielzeug, Arbeitsmittel und Brandschutzordnung. Der letzte Abschnitt umfasst das Außengelände. Neben Hinweisen zur Gestaltung zeigt der Autor beispielsweise auch auf, was bei Spielgeräten und deren Kontrolle notwendig ist.

In ihrem Beitrag „Praktische Tipps zur Reduzierung der physischen Belastung“ (Kapitel drei) erläutert Reiber-Gamp zunächst, warum dieses Thema ein Thema ist. Um eine Nachhaltigkeit zu ermöglichen, plädiert sie dafür, vor der Lösungssuche die Gefährdungsbereiche zu analysieren. Folgende Informationsquelle hierfür führt sie weiter aus: Gefährdungsbeurteilung, Mitarbeitergespräch und den moderierten Analyseworkshop. Im weiteren Verlauf finden sich Anregungen zur „Planung der Umsetzung der Lösungen, die beispielweise auch Informationen zur Maßnahmen-Hierarchie beinhaltet“. Schutzziele sollten, so erläutert die Autorin, möglichst konkret beschrieben werden. Außerdem gibt sie Beispiele für Lösungen und Hinweise, wie die Ergonomie am Arbeitsplatz, zum Beispiel durch eine geeignete Produktauswahl der Arbeitsumgebung, verbessert werden kann.

Diskussion

Ich kann den Autor_innen zustimmen. Neu im Themenfeld, ist eine Orientierung nicht leicht. Eine wahre Unterstützung kann hier eine unternehmensinterne oder beauftragte „Fachkraft für Arbeitssicherheit“ sein. Diese kann bei ihren Begehungen wichtige Hinweise auf nicht bedachte Aspekte geben. Betrachtet man den Umfang der vorliegenden Broschüre, so entsteht anfänglich der Eindruck, dass es doch nicht so viel sei, was es zu beachten gilt. Doch dieser Eindruck täuscht. Denn nach der Kenntnisnahme folgen die Vorbereitung, Einführung, Durchführung, Etablierung und Kontrolle der verschiedenen Aspekte. Man sollte sich daher nicht täuschen lassen. Ein fundiertes Aufgreifen und Umsetzen des Themenfeldes in den Einrichtungen nimmt sicherlich Zeit in Anspruch. Dennoch denke ich, dass es sich, unabhängig von der gesetzlichen Verpflichtung, für alle Beteiligten lohnt.

Die Broschüre ist gut aufgebaut, und auch die einzelnen Teilbeiträge folgen einen erkennbaren roten Faden. Die Beiträge sind, wie im Vorwort, beschrieben, verständlich formuliert. Dies gelingt den Autor_innen, ohne auf die Nennung von wichtigen gesetzlichen Grundlagen oder Regelungen zu verzichten. In diesen können und sollten sich Leser zuweilen umsehen, um tiefergehende Informationen zu erhalten. Die Zuordnung findet sich – zusammengefasst – in den entworfenen Checklisten. Sie dienen der praktischen Überprüfung des Themenbereiches. Bei jedem einzelnen Schutzziel wird die dazugehörige Rechtsgrundlage genannt. Es folgt die Frage, ob das Ziel erreicht ist, oder welche Maßnahme eingeleitet wird. Zu etlichen Punkten finden sich nützliche Kopiervorlagen, Arbeitsblätter oder auch Tipps, die eine Bearbeitung in der Praxis sicherlich erleichtern können.

Die Autor_innen erwähnen im Vorwort ebenso, dass es nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie etwas übersehen haben. „Deswegen freuen wir uns über Kritik und Anregungen!“ (S. 5). Ich sehe es nicht als Auftrag einer Rezension, die Vollständigkeit zu überprüfen, möchte aber dennoch auf drei Aspekte hinweisen:

  1. Lange nennt in seinen Ausführungen zu Hygiene und Infektionsschutz die Belehrung nach § 42 und 43 Infektionsschutzgesetz. Diese ist für Mitarbeiterinnen (aller Branchen), die Kontakt mit Lebensmitteln haben, verpflichtend. Da immer mehr Kindertageseinrichtungen ein warmes Mittagessen zubereiten oder ausgeben, ist dies von Relevanz. Obwohl die weiteren Ausführungen darauf bezogen werden können, so wird eine zweite Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz nicht explizit erwähnt: die Belehrung für die Beschäftigten in Schulen und sonstigen Gemeinschaftseinrichtungen gem. § 35 IfSG. Hierunter fallen, unabhängig vom Kontakt zu Lebensmitteln, auch alle Mitarbeiter_innen in Kindertageseinrichtungen.
  2. Die Abbildung auf S. 57 zeigt die alte und neue Kennzeichnung für Gefahrstoffe. Auf Seite 62 finden sich bei den Darstellungen zur Brandschutzordnung noch die alten Symbole. Neue Einrichtungen oder Häuser, die eine fehlende Beschilderung nachrüsten, sollten die seit 2013 gültigen Sicherheitszeichen nach ASR A1.3-2013 und DIN EN ISO 7010 einsetzen.
  3. Außerdem sollten wohl auch Leitern und Tritte regelmäßig überprüft werden.

Das Literaturverzeichnis am Ende des Buches nennt Möglichkeiten der weiteren Recherche. Die vorgenommene Untergliederung in nachfolgend genannte Bereiche erleichtert die Orientierung: Gesetze und Verordnungen, Regeln der Unfallversicherungsträger, Normen, Literatur, Links und Linktipps. Vielleicht könnte unter „Literatur“ die auf S. 40 genannte Publikation „Rahmenhygieneplan für die Kita“ noch ergänzt werden.

Fazit

Das vorliegende Buch zeigt fundiert und in verständlicher Ausführung bedeutsame Arbeits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen im Kita-Bereich auf. Es bietet Fachkräften und Verantwortlichen einen umfassenden Einstieg in das Themenfeld. Die entwickelten Checklisten und Vorlagen helfen bei einer Übertragung in die Praxis. Das Buch ist allen Personen aus dem Bereich der Kindertagesbetreuung zu empfehlen, die sich intensiver mit der Fragestellung „Sicherheit in der Kita“ auseinandersetzen wollen.


Rezensent
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management, Diplom-Sozialpädagoge (FH) Geschäftsführer Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
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Zitiervorschlag
Martin Walz. Rezension vom 11.08.2016 zu: Joachim Schwede, Ute Reiber-Gamp, Matthias Lange: Sichere Kita. Carl Link (Kronach) 2016. ISBN 978-3-556-07036-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20621.php, Datum des Zugriffs 20.10.2019.


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