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Jochen Schickert: Hilfsmittel in der Pflege

Cover Jochen Schickert: Hilfsmittel in der Pflege. Rollstuhl, Prothese und weitere Alltagshilfen sicher anwenden. Urban & Fischer in Elsevier (München, Jena) 2016. 160 Seiten. ISBN 978-3-437-26034-6. D: 34,99 EUR, A: 36,00 EUR, CH: 47,00 sFr.
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Thema

Hilfsmittel erleichtern Pflegebedürftigen und allen Pflegebeteiligten den Alltag. Daher ist die entsprechende Handhabung von Hilfsmittel und im Vorfeld die passende Auswahl zu finden. Dies soll in diesem Fachbuch behandelt und anschaulich erläutert werden.

Autor

Autor des Buchs ist Jochen Schickert. Seit 1996 ist er Orthopädietechniker, seit 2001 Orthopädietechnikermeister.

Auf der Homepage des Verlages wird die Ehefrau des Autors, Frau Jannicke Schickert als Co-Autorin benannt. Sie ist Krankenschwester und Berufspädagogin im Bereich Gesundheit/ Pflege.

Entstehungshintergrund

Der Autor wollte aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit in der Beratung und Schulung von Angehörigen und Patienten ein umfassendes Buch zum Umgang mit Hilfsmitteln.

Aufbau

Numerischer Aufbau einzelner Kapitel in übersichtlicher Anzahl (insgesamt elf und Anhang), Kapitelüberschriften und Teilüberschriften in kurzer Form. Zum Text finden sich farblich markierte Flächen mit „Tipps und Tricks“ sowie „Merke“. Zahlreiche Bilder, Fotos und schematische Zeichnungen ergänzen den Text.

Inhalt

Vorwort und Danksagung. Entstehungsgeschichte und Handhabung des vorliegenden Werkes sowie Danksagung an die Ehefrau. Es folgen Benutzerhinweis, Abbildungsnachweis und Inhaltsverzeichnis. Danach folgen die elf Kapitel des Buchs.

1. Grundlagen. Aufgaben und Ziele von Hilfsmitteln. Wichtige Eigenschaften von Hilfsmitteln. Kriterien zur Auswahl von Hilfsmitteln, Verordnung von Hilfsmitteln, Gewährleistung und Garantie für Hilfsmittel, Reinigung von Hilfsmitteln, Komplikationsrisiko: Druckstellen, Verschlüsse (Klettverschlüsse, Schnürung, Reißverschluss, Haken-Ösen-Verschluss, Pin-Verschluss, Rastenverschluss, Rädchen-Schnell-Verschluss), Methoden der Einordnung (reichlich bebildert)

2. Einlagen. Aufgaben sowie allgemeine Nutzungsempfehlungen, Einlagen zur Bettung und Entlastung, Formen von Einlagen (Schaleneinlagen, Propriozeptive Einlagen, Stoßabsorber, Ausgleich von Beinverkürzungen)

3. Kompressionsbestrumpfung. Wirkweise von Kompressionstherapie, Kompressionsklassen mit tabellarischer Aufzählung, Indikation mit tabellarischer Übersicht sowie relativen Kontraindikationen und Kontraindikationen, Handhabung, Pflege von Kompressionsgestricken, Medizinische Anti-Thrombosestrümpfe, Phlebologische Kompressionsbestrumpfung (Rundgestricke) – und entsprechender Hinweis bei Einschnürungen oder eingeschränkter Passfähigkeit, Lymphologische Kompressionsbestrumpfung (Flachgestricke), Spezielle Kompressionsbestrumpfung (z. B. bei Verbrennungs- und Narbenkompression) mit Reinigungshinweisen, speziellen Hinweisen bei Kindern, Apparative Kompressionstherapie durch Luftdruckmanschetten mit Kontraindikationen.

4. Bandagen und konfektionierte Orthesen. Merkmale, Unterscheidung, Wirkweisen (Limitierung, Führung, Extension, Flexion, Reklination, Redression, Kompression, Repostition, Fixieren) von Bandagen und Orthesen.

Beschrieben werden Mittelfußbandage und Sprunggelenkbandage sowie Immobilitsationsorthesen an Unterschenkeln und Fuß, z. B. ROM-Walker oder Luftkammer-Systeme.

Vorstellung und Unterscheidung zwischen Verbandsschuhe, Entlastungsschuhe, Therapie- und Stabilschuhe, Orthesen- und Prothesenschuhe, Diabetiker- und Rheumatikerschuhe (mit Übersicht beachtenswerter Gegebenheiten von Schuhen, falls noch keine individuelle Schuhanpassung erfolgt), orthopädische Maßschuhe („Jeder Schuh ein Unikat“, Seite 49).

Weiterhin werden Unterschenkel-Fuß-Orthesen, Bandagen und Orthesen an Knie und Bein (nochmals unterteilt in die Bereiche Knieorthesen mit Mechanismus und Aufgabe, sowie Frakturorthesen), Knieimmobilitationsorthesen, Knieführungsorthese (jeweils mit Bilderstrecke zur Handhabung beim Anziehen), Bandagen und Orthesen an der Hüfte besprochen.

Bandagen und Orthesen an Becken und Rumpf beschreiben Beckenorthesen in Folge von Schwangerschaft, Trauma oder Lockerung des Iliosakralgelenks. Anlegen von Rumpforthesen in verschiedenen Lagen (stehend, in Rückenlage). Anlegen einer Extensionsorthese in bebilderter Abfolge.

Vorstellung verschiedener Stomabandagen. Lendenwirbelsäulenorthesen und Bandage mit Zielsetzung der Immobilisierung, Mobilisierung, Stabilisierung oder Korrektur. Bandagen und Orthesen an der Schulter in Form einer Gilchrist/ Desault-Bandage. Bebilderte Anleitungen zu Schultermanschette und Briefträgerkissen.

Indikationen und Ziele der Daumenorthese bzw. Handorthese und -bandage, Besprechung von Ellenbogenorthesen sowie Bandagen an Hals und Kopf.

5. Prothesen. Vorbereitung des Stumpfes durch Bewegung und Therapie zur Kräftigung der Muskelspannung, Tipps zur Abhärtung des Stumpfes und Notwendigkeit des Kompressions-Stumpfstrumpfes sowie entsprechende Befestigungsmöglichkeiten, z. B. mit Hüftbefestigung. Ausführliche Beschreibung und Erklärung des Umgangs mit einer Fußprothese, Vorstellung von Prothesen nach Knieexartikualation und Oberschenkelprothesen. Ebenso Vorstellung von Hand-, Finger-, Oberarm- und Schulterprothesen. Beschrieben wird das Prothesenmaterial sowie verschiedene Arten der Positionierung, z. B. das „Wet Fitting“.

6. Epithesen (Brustprothesen). Auflistung der Epithesensysteme (Selbstklebende Epithesen bzw. Haftepithesen, Epithesen-BH) mit entsprechender Bebilderung.

7. Rollstühle. Grundlegende Informationen über Größenanpassung (was und wie wird gemessen) und Antriebsarten (Greifreifenantrieb, Trippel-Antrieb, Schiebeantrieb, Hebel- und Handkurbelantrieb und Elektroantrieb). Tabellarische Beschreibung der Grundausstattung eines Rollstuhls und dessen Funktionen, sowie zusätzliche Ausstattungsmöglichkeiten. Vorstellung von Umsetzhilfen, in Bebilderung der Transfer mit einem Lifter, sowie in Zeichnung der Transfer mit einer Umsetzhilfe. Bebilderter Transfer mit Rutschhilfe und mit Drehteller (auf dem Foto ist der Autor zu sehen). Beschrieben wird die Handhabung bei Entfalten und Zusammenfalten, sowie zum Transport des Rollstuhls im Auto. Weiter wird in Bildern der Greifreifenantrieb dargestellt sowie das Überwinden von Treppen durch eine oder zwei Begleitpersonen.

Als Besonderheit der Elektroantriebe werden Schiebe- und Zughilfen benannt.

8. Rollatoren, Delta-Gehräder und Gehgestelle. Anwendungsgebiete, Ausstattung und Hinweise zur Griffhöhen-Einstellung sowie zu verschiedenen Gangarten.

9. Gehhilfen. Als älteste Hilfsmittel sind mittlerweile diverse Gehhilfen einsetzbar. Bildliche Darstellung des Drei-Punkte-Ganges und des Vier-Punkte-Ganges, sowie des Kreuz-Ganges.

10. Stehtrainer. Ziele und In-Betriebnahme sowie Grundlagen.

11. Therapeutische Bewegungsgeräte. Grundlagen und Ziele, sowie ausführlich Vorstellung einer Kniebewegungsschiene, Bein-und Armbewegungsgeräte und Schulterbewegungsschiene.

Diskussion

Der Bedarf von ausführlichen Erklärungen zu Hilfsmitteln für Angehörige und Betroffene, aber auch für Fachpersonal ist vom Autor meines Erachtens richtig erkannt worden. Gerade bei immer neuauftretenden Konzepten und Theorien sollte grundlegendes Wissen aufgefrischt und vertieft werden können. Die reichliche Bebilderung innerhalb des Buches ist informativ und anschaulich.

Wie der Autor in seinem Vorwort sowie in den Benutzerhinweisen sogleich feststellte, erhebt das Buch keinen Anspruch auf Komplettheit – daher werde ich ohne weiteren Kommentar mir fehlende (und vielleicht für ein zweites Buch mögliche) Hilfsmittel ergänzen:

  • Absaugegeräte, Atemtherapiegeräte
  • Schmerzpumpen, PEG-Pumpen
  • Messgeräte (Blutzucker, INR)
  • Antidekubitusmatratzen und -sitzkissen,
  • Bewährte Alltagshilfsgegenstände, die keine Hilfsmittelnummer haben

Im Rahmen des Rollstuhlumgangs hätte eine weiterführende Vertiefung zu den Inhalten eines sogenannten Rollstuhlführerscheins die reichliche Bebilderung abschließend ergänzt. Gerade hinsichtlich ehrenamtlichem Engagements oder der Zunahme von Pflegebedürftigen. bzw. Hochaltrigen könnte dies eine bisher gering beachtete Fähigkeit sein, die zukünftig gefragt sein wird.

Schickert könnte sicherlich auch eine Art Übersicht anfertigen, die es dem Leser schnell ermöglicht entsprechenden Diagnosen ggf. entsprechenden Hilfsmitteln zuzuordnen. Auch der Passus von Kontraindikationen oder Gefahren könnte, wie es im Zusammenhang von nicht passgenauen Rollstühlen erwähnt wurde, nochmals ausführlich(er) besprochen werden.

Fazit

Ein informatives „Schnittstellen“-Buch, das die vielfachen Aufgaben einzelner Personen um und mit dem Patienten verdeutlicht: Vom Erkennen (Patient oder Angehörige/ Pflege) über das Anpassen (Orthopädietechniker/ Sanitätshaus), zur Benutzung (Patient) der entsprechenden Hilfsmittel.


Rezension von
Sonja Fröse
Homepage www.sonjafroese.de
E-Mail Mailformular
und
Esther Abplanalp
Dozentin Bachelorstudiengang Soziale Arbeit Berner Fachhochschule Fachbereich Soziale Arbeit
Homepage www.verweberin.ch
E-Mail Mailformular


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Zitiervorschlag
Sonja Fröse/Esther Abplanalp. Rezension vom 30.09.2016 zu: Jochen Schickert: Hilfsmittel in der Pflege. Rollstuhl, Prothese und weitere Alltagshilfen sicher anwenden. Urban & Fischer in Elsevier (München, Jena) 2016. ISBN 978-3-437-26034-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20637.php, Datum des Zugriffs 12.08.2020.


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ISSN 2190-9245

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