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Luise Hartwig, Gerald Mennen u.a. (Hrsg.): Kinderrechte als Fixstern moderner Pädagogik?

Cover Luise Hartwig, Gerald Mennen, Christian Schrapper (Hrsg.): Kinderrechte als Fixstern moderner Pädagogik? Grundlagen, Praxis, Perspektiven. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. 350 Seiten. ISBN 978-3-7799-2286-5. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 51,90 sFr.
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Thema

Vor nunmehr fast 27 Jahren, am 20. November 1989, wurde die UN-Kinderrechtskonvention von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen. Mit ihr wurden erstmals Kinder als Subjekte eigenen Rechts in international verbindlicher Weise anerkannt. In der Kinderrechtskonvention sind politisch-zivile, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Rechte in einem einzigen Menschenrechtsvertrag zusammengefasst, wobei hervorzuheben ist, dass neben Schutz- und Förderrechten erstmals auch Partizipationsrechte verankert wurden. Die Konvention und drei inzwischen beschlossene Zusatzprotokolle haben weltweit ein Umdenken über die soziale Stellung von und den Umgang mit Kindern eingeleitet. Auch in Deutschland kamen seitdem einige rechtliche Regelungen zustande, die kinderrechtliche Vorgaben aufnehmen und Kindern zugutekommen, z.B. das im Bürgerlichen Gesetzbuch seit dem Jahr 2000 verankerte Recht auf „gewaltfreie Erziehung“. Aber noch immer sind die Kinderrechte nicht im Grundgesetz verankert und es fehlt an einem umfassenden Kinder- und Jugendgesetz, wie es in vielen anderen Ländern inzwischen existiert.

Zahlreiche Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO), die mit Kindern befasst sind, orientieren ihre Arbeit heute an den Kinderrechten und setzen sich in Netzwerken (z.B. der „National Coalition Deutschland“) für ihre Umsetzung ein. In Deutschland haben sie erreicht, dass seit November 2015 eine unabhängige Monitoringstelle beim Deutschen Institut für Menschenrechte überprüft, in wie weit staatliches Handeln den Maßgaben der UN-Kinderrechtskonvention entspricht. In einer Reihe von Kommunen sind Kinderinteressenvertretungen entstanden. Sie verfügen zwar nur selten über die notwendigen rechtlichen Kompetenzen (z.B. als Beschwerdeinstanz) und sind nur unzureichend materiell ausgestattet, aber sie beleben das Interesse an den Kinderrechten, nicht zuletzt bei Kindern und Jugendlichen selbst. In Deutschland wie in vielen anderen Ländern greifen Kinder und Jugendliche die ihnen in der Konvention verbürgten Rechte heute auf und machen sie zu ihrer eigenen Sache, teilweise auch in organisierter Weise. Mitunter formulieren sie sogar Rechte, die in der Konvention nicht vorgesehen sind, und fordern sie ein.

Kaum jemand bestreitet heute noch, dass Kinderrechte gerade in pädagogischen Institutionen wie Schule, Kindertagesstätten und Heimen mehr Beachtung finden müssen und dass sich professionelles pädagogisches Handeln stärker an ihnen orientieren muss. Aber in welcher Weise dies geschehen kann und vor allem welche Änderungen der Machtstrukturen in den pädagogischen Institutionen und Beziehungen dafür erforderlich sind, darüber besteht noch wenig Klarheit. Aber es wird immerhin mehr darüber nachgedacht und gestritten.

Entstehungshintergrund

Das Buch geht auf einen Kongress zurück, der im Herbst 2014 in Koblenz von der OUTLAW-Stiftung gemeinsam mit der Universität Koblenz-Landau und der Fachhochschule Münster veranstaltet worden war. OUTLAW.die Stiftung, so der genaue Name, verfolgt nach eigenem Bekunden das Ziel, „Projekte zu fördern und/oder entsprechende Maßnahmen selbst zu ergreifen, die die Rechte von Kindern und Jugendlichen in den Mittelpunkt stellen und publik machen“. Die etwa 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten auf dem Kongress Gelegenheit, sich über den aktuellen Stand der Umsetzung der Kinderrechte zu informieren und Erfahrungen und Ideen aus Projekten der pädagogischen Praxis in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland zu diskutieren. Der größte Teil der Beiträge basiert auf Vorträgen des Kongresses und wurde durch einige Beiträge mit aktuellen Bezügen ergänzt.

Die Herausgeberin Luise Hartwig und die beiden Mitherausgeber Gerald Mennen und Christian Schrapper sind innerhalb der OUTLAW-Stiftung als Vorstände und Sprecherin tätig. Die Herausgeberin und einer der Herausgeber sind zudem hauptberuflich Professor*innen für Pädagogik an den Hochschulen, die den Kongress mitveranstaltet haben.

Zielsetzung

Mit dem blumigen Bezug zu „Fixsternen“ im Titel des Buches wollen die Herausgeber*innen unterstreichen, dass sie die Kinderrechte – ähnlich wie die Fixsterne in früheren Zeiten für Seefahrer – als „Orientierungsmarken“ für die pädagogische Arbeit verstehen. Allerdings müssten diese von den Pädagoginnen und Pädagogen „gekannt, eingeordnet und gedeutet werden“, um nicht „in Untiefen oder auf Klippen, die in ihrer Arbeit ebenfalls reichlich drohen“ (S. 13) zu geraten. Mit der Publikation wird das Ziel verfolgt, „geeignete Wege zu identifizieren und zur Diskussion zu stellen, wie die Kinderrechte im alltäglichen Leben ebenso wie in aktuellen gesellschaftlichen und politischen Debatten mit Leben gefüllt werden können“ (S. 17).

Aufbau und Inhalt

Die insgesamt 29 Beiträge des Buches sind drei Hauptteilen zugeordnet, die jeweils mit „Grundlagen“, „Praxis“ und „Perspektiven“ überschrieben sind, und enden mit einem „Schlusskapitel“, in dem die Herausgeber*innen die Quintessenz der Beiträge resümieren und mit Vorschlägen für den künftigen Umgang mit Kinderrechten verbinden. Fast alle Beiträge beziehen sich auf die Bedeutung der Kinderrechte für die pädagogische Praxis im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe bzw. folgen sozialpädagogischen Fragestellungen.

Der erste Teil „Grundlagen“ wird mit einem Beitrag von Malu Dreyer, der Ministerpräsidentin des gastgebenden Bundeslandes Rheinland-Pfalz eingeleitet; sie hatte in ihrem ausführlichen Grußwort dafür plädiert, die Kinderrechte „im Gleichklang mit den Elternrechten“ im Grundgesetz zu verankern. Der Soziologe Jörg Maywald, Sprecher des Kinderrechte-Netzwerks „National Coalition Deutschland“, gibt eine bündige Einführung in das „Gebäude der Kinderrechte“ und skizziert ihre Handlungsrelevanz für die Kinder- und Jugendhilfe. Die Erziehungswissenschaftlerin Carola Kuhlmann zeigt mit Blick auf die Geschichte der Erziehungshilfe, wie Kinder durch mehr Partizipation und entsprechende institutionelle Strukturen sowie Haltungen und Kompetenzen der pädagogischen Fachkräfte besser vor Gewalt geschützt werden können. Ulrike Urban-Stahl, Professorin für Sozialpädagogik an der FU Berlin, begründet die Notwendigkeit von Beschwerdeinstanzen in der Kinder- und Jugendhilfe und zeigt unter Bezug auf ihre Forschungen, wie hierzu eine bessere Qualifikation der Fachkräfte und eine partizipative Einrichtungskultur beitragen könnten. Im letzten Beitrag des Grundlagenteils machen die Erziehungs- und Kindheitswissenschaftlerinnen Sabine Andresen und Johanna Wilmes mit Forschungsergebnissen zum Gerechtigkeitsempfinden von Kindern vertraut und lassen erkennen, welche Bedeutung dem Erleben sozialer Gerechtigkeit für deren Wohlbefinden zukommt.

Der zweite Teil „Praxis“ umfasst nicht weniger als 18 Beiträge, die sich allesamt auf verschiedene Handlungsfelder der Kinder- und Jugendhilfe beziehen. In ihnen wird unterstrichen, dass Kinderrechte, wenn sie nicht nur als Katalog abstrakter Wünsche, sondern als verbindliche Handlungsvorgabe verstanden werden, konkrete und nicht immer leicht zu erfüllende Herausforderungen für jede Organisation und Fachkraft in diesem Bereich mit sich bringen. Das breite Spektrum der Beiträge, die hier nicht im Einzelnen dargestellt werden können, reicht von Hilfeplangesprächen, über den institutionellen Kinderschutz, die stationäre Erziehungshilfe, Kindertageseinrichtungen, Offene Jugendarbeit, die Situation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen bis hin zu Fragen der politischen Bildung, Fachausbildung und Kunstaktionen mit Kindern im öffentlichen Raum. In zwei Beiträgen wird auch auf Erfahrungen in Österreich (Kinder- und Jugendanwaltschaften) und der Schweiz (Elternbildung) eingegangen. Alle Autorinnen und Autoren dieses Teils messen den Kinderrechten für die von ihnen beschriebene Praxis logischerweise große Bedeutung zu. In den meisten Beiträgen dieses Kapitels wird die eigene Praxis geschildert und erläutert, in einigen wenigen wird das jeweils angesprochene Handlungsfeld auch kritisch beleuchtet.

Der dritte Teil „Perspektiven“, der wie der erste Teil aus fünf Beiträgen besteht, befasst sich in mit Fragen der zukünftigen (Aus-)Gestaltung der Kinderrechte in der Gesellschaft. Kay Biesel, Professor für Kinder- und Jugendhilfe an einer Schweizer Hochschule, zeigt, was sich im institutionellen Kinderschutz ändern müsste, wenn er sich konsequent an den Kinderrechten orientiere; das Kind könne nicht länger als „Objekt der Besorgtheit und Sorge“ behandelt, sondern müsse im Kinderschutzverfahren als Subjekt gestärkt werden und sich aktiv an zu treffenden Entscheidungen beteiligen können. Der Rechtswissenschaftler Hans Jürgen Schimke fragt nach den Möglichkeiten, die Position des Kindes in familiengerichtlichen Verfahren zu stärken; um nicht wie bisher meist zum Objekt der Interessen Erwachsener zu werden, müsse das Kind sich selbst für seine Anliegen, Wünsche und Bedürfnisse einsetzen können und dabei von fachkundigen und sensiblen Fachkräften unterstützt werden. Adolf Bartz, ehemaliger Schulleiter und heute in der Fortbildung von Schulleitern tätig, fragt nach den Konsequenzen des menschrechtlichen Prinzips der Inklusion für die Schule; es sei nicht nur auf Menschen mit Behinderung gerichtet, sondern ziele auf ein Lernklima der Vielfalt ab, das unabdingbar sei, um jedem Kind sein Recht auf Bildung zu gewährleisten. Die Rechtswissenschaftlerin Henriette Katzenstein analysiert jüngere Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts, denen vorgehalten wurde, sie hätten die Kinderrechte zugunsten von Elternrechten eingeschränkt; stattdessen hält sie es für wichtig zu beachten, dass Kinderrechte in Kinderschutzfällen miteinander in Konflikt geraten könnten und, wie vom Bundesverfassungsgericht geschehen, gegeneinander abgewogen werden müssen. Im letzten Beitrag des Perspektiven-Teils zeigt Sabine Schutter, Projektleiterin der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendpolitik am Deutschen Jugendinstitut, mögliche Wege zur Erarbeitung indikatorengestützter Datenberichte über die Entwicklung der Kinderrechte in Deutschland auf; dabei betont sie die Notwendigkeit, Kinder aus verschiedenen Lebenswelten und Kulturen einzubeziehen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich an der Erstellung der Berichte zu beteiligen.

In ihrem ausführlichen Schlusskapitel mit dem allgemeinen Titel „Jeder junge Mensch hat ein Recht“ ziehen die Herausgeber*innen eine Bilanz der in dem Buch wiedergegebenen Kongress-Beiträge und verbinden sie mit eigenen Empfehlungen für den weiteren Umgang mit Kinderrechten in pädagogischen Handlungsfeldern. Ins Zentrum stellen sie das Recht des Kindes „auf Förderung seiner Entwicklung“ und das „Recht auf Erziehung“. Dabei verstehen sie Entwicklung als „schwere Arbeit der Kinder und Jugendlichen“, denn diese müssten „sich aktiv die Welt aneignen und dabei sich selbst entwickeln“ (S. 302). Da Erziehung immer ein ungleiches und asymmetrisches Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern sei, stellten die Kinderrechte eine besondere Herausforderung für sie dar. Das im Schlusskapitel postulierte „Kinder-Grundrecht auf Entwicklung und Erziehung“ (S. 303) wird allerdings nicht auf seine immanente Widersprüchlichkeit hin untersucht, sondern exemplarisch unter zwei Aspekten zu konkretisieren versucht: „grundsätzlich zum Geschlechterverhältnis und aktuell zu Flüchtlingskindern“ (S. 303). Zum ersten Aspekt betonen die Herausgeber*innen, es sei notwendig, Kinderrechte als Mädchen-Rechte und Jungen-Rechte zu differenzieren und mittels „geschlechtergerechter Bildung und Betreuung“ ihre jeweils eigenständigen Perspektiven zu beachten. Zur Bedeutung der Kinderrechte für Flüchtlingskinder merken sie an, dass diese im Gegensatz zur verbreiteten Praxis in Asylverfahren bis zu ihrem 18. Lebensjahr uneingeschränkt nach den Maßgaben der UN-Kinderrechtskonvention „als Kinder“ zu betrachten seien. Es folgen Überlegungen und Forderungen zur „Gestaltung“ des Spannungsverhältnisses von Pädagogik, Erziehung und Recht, zum Schutz der Kinder durch rechtsstaatliche Verfahren sowie zu Beschwerderechten und Ombudschaften. Am Ende steht der Appell zum Handeln („Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“) und die Aufforderung, immer wieder darüber nachzudenken und zu sprechen. „Ohne Theorie, also ohne ernsthaften Versuch selbstkritischer Reflexion, ohne die Anstrengung geklärter Begriffe und begründeter Konzepte bleibt alle Praxis zufällig, sei sie auch noch so gut.“ (S. 311).

Diskussion

Wie alle Sammelbände, die aus Beiträgen von Kongressen und Tagungen zusammengestellt werden, steht auch der vorliegende Band vor der Herausforderung, diese in einer strukturierten und gut lesbaren Form zu präsentieren. Die Unterteilung in Grundlagen, Praxis und Perspektiven klingt gut, wirft aber die Frage auf, in welcher Weise die eher grundsätzlichen und programmatischen Beiträge mit den Berichten aus der Praxis verbunden und aufeinander bezogen werden. Dies ist naturgemäß während eines Kongresses selbst kaum möglich, aber es ist anzunehmen, dass sie dort wechselseitig diskutiert worden sind. Eine solche Diskussion ist in dem Band selbst leider nicht nachzuvollziehen, zumal auch die Herausgeber*innen in ihrem Schlusskapitel auf eine entsprechende kritische Rückspiegelung verzichten. Stattdessen konzentrieren sie sich darauf, ihre eigene Sicht der Kinderrechte mit Blick auf die pädagogische Praxis darzustellen.

In den Beiträgen wird nicht nur thematisch ein weiter Bogen gespannt, sondern sie unterscheiden sich auch in ihren Positionierungen und ihrer analytischen Qualität. Neben anspruchsvollen Reflexionen über den Sinngehalt der Kinderrechte und die Herausforderungen, die sich bei ihrer „Übersetzung“ in der sozialpädagogischen Praxis stellen, finden sich distanzlose Erfahrungsberichte und programmatische Aussagen, die eher Glaubensbekenntnissen gleichen. Hier hätten die Herausgeber*innen eine Auswahl treffen oder die Darstellungen mit den Autorinnen und Autoren vor ihrer Veröffentlichung diskutieren und bearbeiten sollen. Denn es ist ein Unterschied, Vorträgen auf einem Kongress zuzuhören oder sie nachträglich in ihrer schriftlichen Fassung zu lesen.

Die Entscheidung der Kongressveranstalter und der Herausgeber*innen, die Kinderrechte als „Fixstern“ zu bezeichnen, legt den Eindruck nahe, dass sie der kritischen Reflexion der Kinderrechte selbst keine große Bedeutung beimaßen. Das Bild vom Fixstern ist auch schief, da es erstens mehrere davon gibt (und die Bezeichnung aus heutiger naturwissenschaftlicher Sicht auch unpräzise ist) und zweitens die Kinderrechte im Unterschied zu den Fixsternen keine Naturtatsache, sondern ein menschliches Produkt sind. Dieses ist nicht nur verschieden zu verstehen und zu interpretieren, sondern verdankt sich auch bestimmten historischen und soziopolitischen Konstellationen und ist für Änderungen und Weiterentwicklungen offen. Gerade die offenkundigen Schwierigkeiten, ihnen in verschiedenen pädagogischen Praxisfeldern gerecht zu werden, laden dazu ein, darüber nachzudenken, unter welchen Voraussetzungen die Kinderrechte entstanden und wie sie im Licht der Praxiserfahrungen zu kontextualisieren und nicht zuletzt weiterzuentwickeln sind.

Ohne Zweifel finden sich in mehreren Beiträgen des Bandes (vor allem in den Beiträgen von Jörg Maywald, Hans Jürgen Schimke, Kay Biesel und Sabine Schutter) hierzu sehr bedenkenswerte Hinweise und Anregungen. Auch das Schlusskapitel der Herausgeber*innen mit seinen Hinweisen auf die „eigenständigen Perspektiven“ von Mädchen und Jungen sowie das „Spannungsverhältnis“ von Pädagogik, Erziehung und Recht enthält solche Anregungen. Trotz mehrfach zu findender Hinweise zur Notwendigkeit der Partizipation von Kindern bleibt allerdings in fast allen Beiträgen des Bandes unterbelichtet, wie sich je nach Lebensumständen die Kinderrechte aus der Sicht von Kindern darstellen und wie Kinder selbst sie in ihrem Interesse nutzen können. Diese Frage ist nicht zuletzt im Rahmen pädagogischer Institutionen und Beziehungen wichtig, wo sie in Widerspruch zu den „asymmetrischen“ Machtverhältnissen geraten. Dieses Manko spiegelt sich auch darin, dass in einigen Beiträgen unbedacht (?) davon die Rede ist, die Kinder müssten „beteiligt werden“. Bei Unternehmen, die die Umwelt schädigen, mag eine solche Formulierung angebracht sein, um sie zur Kompensation dieser Schäden zu veranlassen, bei Kindern (und bei Menschen überhaupt) sollte Partizipation jedoch als ein Handeln eigenständiger Subjekte verstanden und entsprechend bezeichnet werden.

Fazit

Der Sammelband gibt einen breiten Überblick über Versuche, das Handeln in verschiedenen Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe an den Kinderrechten zu orientieren. Er vermittelt einige bedenkenswerte Grundlagen für die Reflexion der Praxis und zeigt mögliche Perspektiven auf. Der von den Herausgeber*innen formulierte Anspruch, „Praxis-Entwicklung und Theorie-Reflexion produktiv aufeinander zu beziehen“ (S. 311), wird in dem Band selbst allerdings nur ansatzweise eingelöst.


Rezensent
Prof. Dr. Manfred Liebel
Master of Arts Childhood Studies and Children‘s Rights (MACR) an der Fachhochschule Potsdam, Fachbereich Sozial- und Bildungswissenschaften
Homepage www.fh-potsdam.de/person/person-action/manfred-lieb ...
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Zitiervorschlag
Manfred Liebel. Rezension vom 13.06.2016 zu: Luise Hartwig, Gerald Mennen, Christian Schrapper (Hrsg.): Kinderrechte als Fixstern moderner Pädagogik? Grundlagen, Praxis, Perspektiven. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. ISBN 978-3-7799-2286-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20642.php, Datum des Zugriffs 11.12.2019.


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