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Herbert Bassarak, Werner Heister u.a. (Hrsg.): Wissenschaftliches Forum für Sozialwirtschaft und Sozialmanagement 2

Cover Herbert Bassarak, Werner Heister, Sigrid Leitner, Michael Mroß, Armin Schneider (Hrsg.): Wissenschaftliches Forum für Sozialwirtschaft und Sozialmanagement 2. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2016. 117 Seiten. ISBN 978-3-8487-3014-8. D: 29,00 EUR, A: 29,90 EUR.

Weitere Herausgeber: Herbert Schubert, Wolf Rainer Wendt.
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Thema

Im Sozialmanagement stehen seit einigen Jahren Steuerungsfragen ganz oben auf der Agenda. Das Spektrum reicht von strategischen Anliegen im betrieblichen und unternehmerischen Bereich bis hin zu übergeordneten Ansätzen zur Optimierung von Versorgungs- und Hilfelandschaften. Eine besondere Verantwortung obliegt im Hinblick auf die Gestaltung von bedarfsgerechtem Wandel den jeweiligen strukturprägenden Institutionen auf der Ebene von Kommune und Land.

Entstehungshintergrund

Das von Herbert Bassarak und anderen Professorinnen und Professoren aus dem Bereich der Sozialökonomie, dem Sozialmanagement und der Sozialwirtschaft herausgegebene „Kölner Journal. Wissenschaftliches Forum für Sozialwirtschaft und Sozialmanagement“ widmet sich in seiner Ausgabe Nr. 2/2015 explizit unterschiedlichen Dimensionen und Perspektiven von Steuerungsfragen in verschiedenen Interventionskreisen.

Herausgeber

Herbert Bassarak ist Professor an der Fakultät Sozialwissenschaften der Technischen Hochschule Nürnberg. Seine Forschungs- und Lehrgebiete umfassen u.a. Soziale Arbeit, Sozialmanagement, Sozialplanung und Organisation.

Aufbau und Inhalte

Die Publikation besteht aus einem Editorial sowie sechs Beiträgen.

Im Editorial skizzieren die Mit-Herausgeber Armin Schneider und Wolf Rainer Wendt die Relevanz von Steuerung in unterschiedlichen sozialökonomischen bzw. sozialwirtschaftlichen Dimensionen und geben einen Überblick über die Beiträge des Heftes.

Im ersten Aufsatz berichtet Tim Eyßell über die Ergebnisse seiner Forschungen zur Frage der Europäisierung der Governance soziale Dienste mit speziellem Fokus auf Handlungsspielräume kommunaler Sozialpolitik. Gegenstand der Studie ist insbesondere der Bereich der Kindertagesstätten. Nachdem der Hintergrund der Untersuchung umrissen wurde, werden die zentralen Ergebnisse einer Befragung von 18 Entscheiderinnen und Entscheidern in Kommunalverwaltungen dargelegt. Zu den interessanten Resultaten der empirischen Untersuchung zählt, dass eine Umsetzung des EU-Vergaberechts in sehr unterschiedlicher Weise bzw. in sehr unterschiedlichem Maße erfolgt. So kommt der Autor zu dem Schluss, dass zum Teil die (für weite Bereiche der Sozialwirtschaft nicht unumstrittenen und nicht gänzlich eindeutigen) Vorgaben umgesetzt werden, zum Teil jedoch eine Anwendung abgelehnt wird. Andere Kommunen beschreiten einen Mittelweg. Im Fazit legt Tim Eyßell dar, dass die EU-Binnenmarkt-Regeln „lokal unterschiedliche europäisierende Auswirkungen auf dieGovernance der traditionell zuwendungsfinanzierten sozialen Dienste wie die Kinderbetreuung“ haben.

René Böhme widmet sich der Thematik „Kindertagesbetreuung und Armutsprävention“ im Rahmen eines kommunalen Vergleichs von Steuerungsmechanismen. Zunächst fasst er die Diskussion um Armutsprävention im Bereich der Kindertagesstätten in Deutschland zusammen und operationalisiert dann den Faktor „kommunale Steuerungsleistung“. In der empirischen Studie werden Vergleiche im Hinblick auf strukturqualitative Rahmensetzung, sozialräumliche Qualitätskonzepte, Regelungen zum Betreuungsumfang, Betreuungsplätze in Armutsquartieren, Durchgängigkeit der Betreuung und Wohnortnähe der Einrichtungen, Werbung für den frühzeitigen Einrichtungsbesuch sowie Ausgestaltung der Elterngebühren vorgenommen. Im Ergebnis kommt der Autor zum Schluss, dass in Bezug auf die oben stehenden Kriterien in der Politik der von ihm untersuchten Großstädte nicht unwesentliche Mängel sowie zum Teil große Unterschiede festzustellen sind.

Reinhard Hoffmann und Birgit Hilliger werfen in ihrem unter der Überschrift „Bildungslandschaften gestalten oder Anforderungen an ein Kooperationsmanagement von Schule und Jugendhilfe“ stehenden Beitrag einen institutionstheoretischen Blick auf die Praxis. Betrachtet werden dabei Unterschiede in Funktion, Form und Leistungen von Jugendhilfe und schulischer Bildung. Die Autorin und der Autor halten ein „strukturelles Lernen auf der Grundlage eines Kontext- und Reflexionsbewusstseins“ beider institutionellen Bereiche für notwendig und kommen zu dem Schluss, dass „entwicklungsbegleitende Prozesse als gemeinsame Lernprozesse zwischen WissenschaftlerInnen und Akteuren aus der Praxis“ gestaltet werden müssen. Ziel müsse sein, „Entwicklungsperspektiven sichtbar und gestaltbar zu machen“ sowie „neue Strategien der Bearbeitung und Bewältigung der neuen Bildungsfrage und Bildungsteilhabe zu entwickeln“.

Der Beitrag von Werner Schönig thematisiert „Koopkurrenz in der Sozialwirtschaft“. Der Autor geht davon aus, dass die Gleichzeitigkeit von Konkurrenz und Kooperation in der Sozialwirtschaft das Potenzial aufweist, „zu einem Schlüsselbegriff zu werden“. Für die betroffenen Institutionen bedeutet dies, „jeweils Kooperation und Konkurrenz auszubalancieren und mögliche Loyalitätskonflikte nicht zu Handlungsblockaden werden zu lassen“. In der Sozialwirtschaft seien, so Werner Schönig, in wachsendem Maße Koopkurrenzstrukturen zu finden, der Widerspruch sollte von den betroffenen Trägern reflektiert werden, sowohl in einer statischen als auch in einer dynamischen Perspektive.

Wolf Rainer Wendt untersucht „Das institutionelle Format der Sozialwirtschaft“ unter einer institutionenökonomischen Perspektive. Er sieht in Analogie zur neuen Institutionenökonomik Staat und Gesellschaft als Prinzipal, sozialwirtschaftliche Unternehmen als Agent mit u.a. entsprechenden asymmetrischen Informationsverhältnissen. Die „ausgeprägte Verhandlungskultur im Verhältnis von Verbänden, professionellen Standesorganisationen, Stiftungen, betroffenen Organisationen, Bürgerinitiativen usw.“ analysiert er unter Transaktionskosten. Unter anderem kommt er in seinem Beitrag auch zu dem Schluss, dass die Freie Wohlfahrtspflege nicht mehr eine „institutionelle Nische“ besetzt, in welcher sie „erfolgreich scheitern“ und „ineffizient bleiben“ darf.

Die Rubrik „Junge Forschung“ enthält noch einen kürzeren Beitrag von Kirsten Kemna zum Thema „Kommunale Steuerungsinstrumente zur Sicherstellung der pflegerischen Versorgungsinfrastruktur – Ergebnisse einer Fallstudie“. In diesem Projekt wurden die Maßnahmen des Hochsauerlandkreises zur Gewährleistung der ambulanten pflegerischen Versorgung auf der Basis des Governance-of-Welfare-Ansatzes analysiert. Der Autor kommt zum Fazit, die Kommune zeige „trotz schwieriger Haushaltslage Handlungsbereitschaft, um als koordinierender Akteur in Partnerschaft mit allen weiteren Beteiligten die pflegerische Versorgung zu steuern und einer flächendeckenden Versorgung von sozialen und gesundheitlichen Dienstleistungen Sorge zu tragen“.

Diskussion und Fazit

Die Beiträge dieser Ausgabe des Kölner Journals zeigen die große Bandbreite und Bedeutung der Thematik „Steuerung“ in sozialwirtschaftlichen, sozialökonomischen und sozialpolitischen Kontexten eindrücklich auf. Allen Aufsätzen ist zu attestieren, dass eine fundierte Untersuchung relevanter steuerungstheoretischer und steuerungspraktischer Aspekte stattgefunden hat und die zentralen Ergebnisse der jeweiligen Studien eine durchaus anschlussfähige Darlegung erfahren haben.

An den Beiträgen dieses Bands ist gut zu erkennen, dass Steuerung in der (bzw. der) Sozialwirtschaft auf mehreren und für ein Gelingen gleichbedeutenden Ebenen stattfindet: Auf der Makroebene mehrheitlich in und über Politik bzw. Gesellschaft, auf der Mesoebene überwiegend im Geflecht von öffentlicher Leistungsträgerschaft sowie frei-gemeinnütziger und privat-gewerblicher Leistungserbringung, und nicht zuletzt auf einer Mikroebene der konkreten Steuerung von personenbezogenen sozialen Dienstleistungen. Neben der Effektivität der Steuerung auf den jeweiligen Ebenen muss sowohl theoretisch als auch praktisch immer auch die Koordination dieser drei Sphären in den Blick genommen werden.

Eine gelungener Band mit interessanten empirischen Befunden zu und theoretischen Analysen von Steuerungsfragen in der Sozialwirtschaft.


Rezensent
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit in Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 08.07.2016 zu: Herbert Bassarak, Werner Heister, Sigrid Leitner, Michael Mroß, Armin Schneider (Hrsg.): Wissenschaftliches Forum für Sozialwirtschaft und Sozialmanagement 2. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2016. ISBN 978-3-8487-3014-8. Weitere Herausgeber: Herbert Schubert, Wolf Rainer Wendt. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20644.php, Datum des Zugriffs 23.11.2017.


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