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Silke Allmann, Denise Dazert (Hrsg.): Auf dem Weg zur Bildung

Cover Silke Allmann, Denise Dazert (Hrsg.): Auf dem Weg zur Bildung. Individuelle Bildungsreisen als Horizonterweiterung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. 250 Seiten. ISBN 978-3-7799-2287-2. D: 34,95 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 45,90 sFr.
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Thema

Das Buch befasst sich aus vielfältigen Blickwinkeln mit der Bildungsreise als einer Möglichkeit des persönlichen Bildungsweges und der individuellen Horizonterweiterung

Herausgeberinnen, Autorinnen und Autoren

Herausgegeben von Silke Allmann und Denise Dazert entfalten 15 Autorinnen und Autoren jeweils verschiedene Zugänge zu dem Topos der Bildungsreise.

Entstehungshintergrund

Die Veröffentlichung ist als Festschrift zu Ehren von Winfried Rösler, Professor für allgemeine Pädagogik an der Universität Koblenz-Landau erschienen.

Die Autoren und Autorinnen sind Lehrende der Universität Koblenz-Landau, ehemalige Studierende und Promovenden, sowie Wegbegleiter und Freunde von Winfried Rösler.

Aufbau

Das Buch enthält eine Einleitung und zwei Teile mit sechs bzw. sieben einzelnen Kapiteln, die jeweils von einem anderen Autor bzw. einer anderen Autorin verfasst worden sind. Der erste Teil befasst sich mit der Bildungsreise als Grenzüberschreitung, Öffnung von Räumen, Bildungsaufgabe oder Bildungschance, der zweite Teil steht unter der Überschrift: Die Bildungsreise als Prozess zur innerlichen Reifung, Irritation im Bildungsprozess oder Bildungserlebnis. Den Abschluss bildet ein Autorenverzeichnis.

Inhalt

Das Topos der Bildungsreise verbindet die einzelnen Kapitel des Buches, die jeweils einen etwas anderen Zugang zum Thema und eine andere Perspektive einnehmen. Gleichsam wie eine eigene Bildungsreise ist diese Veröffentlichung sozusagen aus verschiedenen Elementen komponiert und umkreist die Idee der Bildungsreise als persönlichen Bildungsweg und als Horizonterweiterung des Individuums.

Teil 1: Die Bildungsreise als Grenzüberschreitung, Öffnung von Räumen, Bildungsaufgabe oder Bildungschance

  • Konfuzius und die Suche nach Ordnung (Roswitha Grassi). Die Autorin setzt sich mit den Ideen von Konfuzius auseinander, der die Notwendigkeit beschreibt, dass Lehrende selbst den höchsten Ansprüchen genügen müssen in der didaktischen Ausgestaltung des Dreiecks von Lehrgegenstand, der Beziehung zu den Schülern und zu sich selbst. Zum Verständnis des Hintergrunds der Lehre von Konfuzius beschreibt sie eine Reise in die chinesische Vergangenheit über folgende Schritte: Erkundung der zeitgeschichtlichen Hintergründe von Konfuzius und seines lebens- und textgeschichtlichen Umfelds; seinen Entwurf von Kultur und Gesellschaft und die Möglichkeiten der Umsetzung seiner Vorstellungen.
  • Durch das Land der Wilden und Barbaren. Mit Schiller (und Humboldt) von Bologna zu den gebildeten Menschen (Rudolf Lüthe). Lüthe wendet sich in seinem Kapitel gegen ein Bildungsverständnis, das sich lediglich an der Vermittlung von Informationen orientiert und sich vom humboldtschen Bildungsideal der akademischen Freiheit und der ganzheitlichen Bildung verabschiedet hat. Ein Verständnis von Zusammenhängen und wirkliches Verstehen würde damit nicht vermittelt. Anhand des Ansatzes der ästhetischen Bildung von Schiller zeigt er ein alternatives Bildungskonzept auf: Weg vom „Land der Wilden und Barbaren“ in die Heimat der gebildeten Menschen.
  • Das Jahrhundert der Aufklärung: Bildung und Erziehung des Menschen zu einem „allseitig gebildeten und tugendhaften Individuum“ (Claudia di Pianduni). Die Bildungsreisen von Sophie de la Roche, die unter anderem in Koblenz gelebt hat – nach Frankreich und England stehen im Mittelpunkt des dritten Kapitels. Damit dient La Roche als Beispiel einer weiblichen Bildungsreisenden im 18. Jahrhundert. Sie beschrieb und verglich in ihren Reisebeschreibungen soziale und pädagogische Einrichtungen für Mädchen in Frankreich und England und machte mit ihren Erkenntnissen auf die desolate Lage des Mädchenschulsystems in Deutschland aufmerksam.
  • Wär ich nicht träges Fleisch, wär ich nur Geist“ (Ute Hartmann). Hartmann beschreibt in dem Kapitel das Motiv der Ferne und des Reisens in dem Werk von Shakespeare. Dabei behandelt sie unter anderem die Frage, in welcher Art und Weise Shakespeare seine Figuren und Szenen entwickelt hat, der höchstwahrscheinlich England selbst niemals verlassen hat und dennoch eine äußerst umfangreiches Werk mit vielfältigen raum- und zeitübergreifenden Szenen erschaffen hat.
  • Denken im Raum – Wohnen, Reisen und Bilden mit Heidegger (Patrick Vetter). Vetter arbeitet sich über die Ursprünge des Reisens, den Raum als Sphäre des Reisens, Reisen als Denken, Reisen als Wohnen zu dem Punkt Reisen als Bildung. Dabei bezieht er sich insbesondere auf Gedanken Heideggers.
  • Spiegelungen von Reise- und Bildungswelten (Nicole Hoffmann). Das Kapitel stellt eine Verbindung zur Koblenzer Geschichte her und stellt Facetten aus dem 18.ten und 19ten Jahrhundert dar. Anknüpfungspunkte bieten Baedeker, der Gründer einer Verlagsbuchhandlung für Reiseführer und Sophie de la Roche.

Teil II Die Bildungsreise als Prozess zur innerlichen Reifung, Irritation im Bildungsprozess oder Bildungserlebnis

  • Kinder, Kreidezeit und Dinosaurier (Ekkehard Ossowsky). Ossowsky bezieht sich auf die Faszination der Urzeit und den Dinosauriern als literarische Reise. Dabei stellt er einen Bezug her zu den Erinnerungen an die eigene Kindheit
  • Ein Held reist in die Postmoderne: Superhelden, Superkräfte und die Pädagogik im Wandel der Zeit (Henning Pätzold). Die Helden Superman, Batman, Spiderman, Watchmen, X-Men werden vom Autor in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen gestellt und eine Entwicklungsgeschichte aufgezeigt. Den Abschluss bilden Überlegungen zur Frage: Wer ist hier ein Held?
  • Gescheiterte Bildungsbemühungen (Norbert Neumann). Neumann beschäftige sich mit den Filmen „Mädchen in Uniform“ (1931) und „Cracks“ (2009) und analysiert sie unter der Fragestellung, wie und warum Bildungsbemühungen scheitern können. Die Rolle der Lehrerin / des Lehrers wird dabei durchaus ambivalent dargestellt.
  • Wenn einer eine Reise tut… oder es könnte so authentisch sein. Aber diese Menschen da vorne! (Franz-Josef Witsch-Rothmund). Witsch-Rothmund betrachtet den Bildungswert des Reisens. Dazu wählt er die Form des fiktiven Interviews.
  • Quasi una sonata – Eine Bildungsreise als Entdeckung der Dialektik (Peter Rödler). Dieser Beitrag erzählt die (fiktive) Liebesgeschichte von Margarete und Pablo als Bildungsreise.
  • Bildungsreise als Reise zu sich selbst – der moderne Weg der Selbstfindung in Klöstern (Inka Engel). Die Selbstbildung in der Stille steht im Mittelpunkt dieses Kapitels. Dazu bezieht sich die Autorin auf historische Aspekte und aktuelle Entwicklungen.
  • Der erlaubte Excess (Winfried Gebhardt). Gebhardt thematisiert den Wandel von der Fest- und Feierkultur im Zusammenhang von einer zunehmenden „Eventisierung“. Dabei steht das Management von Gefühlen im Fokus der Betrachtung.

Fazit

Das Buch besteht aus einer Sammlung von Aufsätzen zu dem Thema Bildungsreise. Dieser Topos wird aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchtet und damit wird wie in einem Kaleidoskop ein immer wieder neu zusammen gesetztes Bild geschaffen. Dabei enthält das Buch in seiner Gesamtheit sehr viele interessante Hinweise, Anregungen und Diskussionsstränge. Je nach Vorinteresse – findet jemand eher Dinosaurier interessant oder Schiller oder Shakespeare oder Superman – wird der Leser oder die Leserin das eine oder andere Kapitel vertiefen und gewinnbringend lesen und vielleicht sogar durch die Vielfalt der Themen motiviert sein, sich mit einer Idee intensiver auseinanderzusetzen, mit der er oder sie sich sonst vielleicht nicht auseinandergesetzt hätte. Selbstverständlich können in einer solchen Zusammenstellung die einzelnen Ideen nicht vertiefend dargestellt werden und selbstverständlich variieren die einzelnen Kapitel auch in ihrer Methodik und Qualität, aber die Vielfältigkeit der Perspektiven auf die Bildungsreise und die veranschaulichte Prozesshaftigkeit stellen die Stärke dieser Veröffentlichung dar.


Rezensentin
Prof. Dr. Susanne Gröne
Hochschule Coburg, University of Applied Science Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit
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Zitiervorschlag
Susanne Gröne. Rezension vom 30.06.2016 zu: Silke Allmann, Denise Dazert (Hrsg.): Auf dem Weg zur Bildung. Individuelle Bildungsreisen als Horizonterweiterung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. ISBN 978-3-7799-2287-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20654.php, Datum des Zugriffs 21.10.2019.


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