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Nicola Döring, Jürgen Bortz u.a.: Forschungsmethoden und Evaluation (...)

Cover Nicola Döring, Jürgen Bortz, Sandra Poschl: Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften. Springer Science+Business Media GmbH & Co. KG (Berlin) 2016. 5. vollständig überarbeitete, aktualisierte und er Auflage. 1051 Seiten. ISBN 978-3-642-41088-8. 49,99 EUR.
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Thema

Das Lehrbuch versteht sich als Klassiker zu den Forschungsmethoden und deckt dabei das komplette Spektrum an Grundlagen, Anwendung und Vertiefung von Forschung und Forschungsmethodik ab. Es richtet sich in seiner Ausrichtung an Studierende und Forschende in den sozial- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Der Schwerpunkt des Handbuchs liegt in der quantitativen Forschung, allerdings wird im Sinne eines Ergänzungsverhältnisses auch die qualitative Forschung extensiv miteinbezogen. Obwohl das Buch in der Psychologie beheimatet ist, stellt es sich multidisziplinär auf, indem es angrenzende Fächer, wie Erziehungswissenschaft oder Soziologie mit anspricht und unter anderem bei der Auswahl von exemplarischen Studien ein breites Themenfeld abdeckt.

Das nun in der 5. Auflage vorliegende Handbuch hat die Ansprüche, Inhalte klar und deutlich zu vermitteln, aktueller „denn je!“ und lernfreundlich zu sein sowie einen kontinuierlichen Praxisbezug aufzuweisen. Gegenüber der vierten Auflage von 2006 sind folgende grundlegende Änderungen vorgenommen worden: Die Gesamtgliederung erfolgt in die Hauptteile Grundlagen, Anwendung und Vertiefung, um eine klarere Struktur des Buchs umzusetzen. Ferner wurden zeitgemäße Themen in das Buch integriert, während veraltete Inhalte herausgenommen wurden. Zuletzt wurde die didaktische Aufbereitung des Buches fundamental überarbeitet.

Herausgeber

Prof. Dr. Nicola Döring leitet das Fachgebiet für Medienpsychologie und Medienkonzeption am Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft der Technischen Universität Ilmenau.

Prof. Dr. Jürgen Bortz war Hochschullehrer an der Technischen Universität Berlin. Er leitete dort die Abteilung für Psychologische Methodenlehre am Institut für Psychologie.

Aufbau

Die drei Hauptteile Grundlagen, Anwendung und Vertiefung sind in zahlreiche Kapitel untergliedert.

Der erste Teil, welcher die Grundlagen vermittelt, ist in die Kapitel

  • Empirische Sozialforschung im Überblick,
  • Wissenschaftstheoretische Grundlagen,
  • Qualitätskriterien der empirischen Sozialforschung sowie
  • Forschungs- und Wissenschaftsethik untergliedert.

Der zweite Teil, indem es um die Anwendung von Forschung geht, teilt sich auf in die Kapitel

  • Forschungsthema,
  • Forschungsstand und theoretischer Hintergrund,
  • Untersuchungsdesign,
  • Operationalisierung,
  • Stichprobenziehung,
  • Datenerhebung,
  • Datenaufbereitung,
  • Datenanalyse und zuletzt
  • Ergebnispräsentation.

Der dritte (Vertiefungs-)Teil des Lehrbuchs differenziert sich in die Kapitel

  • Bestimmung von Teststärke,
  • Effektgröße und optimaler Stichprobenumfang,
  • Minimum-Effektgrößentest, Metaanalyse sowie
  • Strukturgleichungsmodelle und
  • Evaluationsforschung.

Ein Serviceteil rundet das beachtliche 1051 Seiten umfassende Werk ab.

Zu Teil I Grundlagen

Das erste Kapitel Empirische Sozialforschung im Überblick ist unterteilt in die Unterkapitel

  • Sozialwissenschaftlicher Erkenntnisgewinn,
  • Empirische Studien verstehen und beurteilen sowie
  • Empirische Studien planen und durchführen.

Autorin und Autor gehen hier unter anderem auf die sozialwissenschaftliche Forschungs- und Methodenkompetenz ein. Ferner erläutern sie zentrale Merkmale der sozial- und geisteswissenschaftlichen Forschung und grenzen diese zum Alltagswissen ab. Es folgt außerdem eine Beschreibung und Einteilung der verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen sowie Erläuterungen zur Differenzierung in Natur- und Sozial- bzw. Humanwissenschaften. Darüber hinaus werden Kooperationstypen in der Wissenschaft erklärt. Neben der Planung und Umsetzung von Studien wird ebenfalls der Prozess sowohl in der quantitativen Forschung als auch in der qualitativen Forschung und darüber hinaus im Kontext von Mixed-Methods-Ansätzen vorgestellt.

Im zweiten Kapitel Wissenschaftstheoretische Grundlagen der empirischen Sozialforschung werden wissenschaftstheoretische Grundbegriffe erläutert. Im Anschluss werden sowohl das quantitative Paradigma und der Kritische Rationalismus als auch das qualitative Paradigma und der Sozialkonstruktivismus sehr ausführlich dargelegt. So werden im Rahmen des quantitativen Paradigmas beispielsweise die Hypothesenprüfung oder die Weiterentwicklung von Theorien angeführt, während im qualitativen Paradigma die wichtigsten Prinzipien qualitativer Forschung erklärt werden. Ebenfalls ist das darauffolgende Unterkapitel zu Mix-Methods und dem Pragmatismus als wertvoll zu betrachten.

Qualitätskriterien der empirischen Sozialforschung umfasst das dritte Kapitel. In diesem wird nicht nur allgemeines zum Thema Wissenschaftlichkeit und Qualität in der Forschung referiert, sondern auch zu den verschiedenen Paradigmen die einzelnen Qualitätsmerkmale beleuchtet. Dies ist für das quantitative Paradigma insbesondere die Validität. Für das qualitative Paradigma werden unter anderem die sieben Kernkriterien zur Bewertung qualitativer Forschung nach Steinke benannt. Für die Mixed-Methods werden zusätzlich exklusive Kriterien erläutert.

Forschungs- und Wissenschaftsethik schließt als viertes Kapitel Teil 1 des Lehrbuchs ab. Hier finden Leser*innen alles zum Umgang mit Untersuchungsgruppen und ethischen Richtlinien einzelner Wissenschaftsdisziplinen, wie z. B. die Medizin, Soziologie oder Kommunikationswissenschaft. Ebenso werden die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis dargelegt oder auch Plagiieren in der Wissenschaft miteinbezogen.

Zu Teil 2 Anwendung

Auf über 650 Seiten erstreckt sich der zweite Teil, der die Umsetzung von Forschung fokussiert und hier eine breite und tiefgehende Auseinandersetzung mit allen Aspekten des Forschungsprozesses bietet.

In Kapitel 5 Forschungsthema werden die Findung eines Themas, die Konkretisierung der Fragestellung sowie die Planung der Forschung thematisiert, während in Kapitel 6 Forschungsstand und theoretischer Hintergrund zum einen die Literaturrecherche, zum anderen aber auch der theoretische Hintergrund sowie die Ableitung von Forschungsfragen respektive -hypothesen erläutert wird.

In Kapitel 7 Untersuchungsdesign werden verschiedene Konzepte von Studien erklärt, wie z. B. explorative, deskriptive und explanative oder experimentelle Studien.

Die Operationalisierung steht im Vordergrund des achten Kapitels, welche die Spezifikation theoretischer Konzepte – sowohl quantitativ als auch qualitativ – beinhaltet. Ferner erfahren die Leser*innen mehr über die Messung von Einzelindikatoren, die Messung mit Skalen und Indizes.

Das neunte Kapitel befasst sich mit den Fragen im Kontext der Stichprobenziehung, wobei nicht nur die Stichproben im quantitativen Kontext, sondern ebenso die im qualitativen Kontext erläutert werden.

Daran schließt Kapitel 10 mit der Datenerhebung an. Hier werden Aspekte zur Beobachtung, zum Interview, zum Fragebogen, zu psychologischen Testverfahren, aber auch hinsichtlich physiologischer Messungen und Dokumentenanalysen ausgeführt.

Das elfte Kapitel knüpft mit Erläuterungen zur Datenaufbereitung logisch an und referiert eingangs die Funktion und Bedeutung dieser. Auch hier wird neben der Aufbereitung quantitativer Daten auch die Aufbereitung für qualitative Daten erläutert.

Das Kapitel 12 beschäftigt sich sodann mit der Datenanalyse. Hier werden nebst der Analyse qualitativer und quantitativer Daten in einzelnen Unterkapiteln die besonderen Formen der Datenanalyse bei explorativen, deskriptiven und explanativen Studien thematisiert.

Die Ergebnispräsentation schließt als Kapitel 12 den Hauptteil des Handbuchs ab. Die Verfasser beziehen sich hier auf vier Varianten der Veröffentlichung: Zeitschriftenartikel, Konferenzvorträge, Wissenschaftliche Poster und Öffentlichkeitsarbeit.

Zu Teil 3 Vertiefung

Nicola Döring und Jürgen Bortz beziehen sich in dem dritten Teil des Handbuchs auf spezifische Fragen in der Sozialforschung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der quantitativen Forschung.

So geht es in Kapitel 14 um die Bestimmung von Teststärke, Effektgröße und optimalem Stichprobenumfang. Hier werden zum Beispiel die Analysen von Teststärken und das Berichten in Form von standardisierten Effektgrößen erklärt. Ebenso werden Beispiele für die Planung optimaler Stichprobengrößen aufgeführt.

Minimum-Effektgrößen-Test werden in Kapitel 15 und Metaanalysen in Kapitel 16 behandelt. Hier werden Leser*innen in die Arbeitsschritte sowie in die Aggregierung von Primärstudien ohne gemeinsame Effektgrößenschätzung eingeführt. Ferner wird Software für Metaanalyen vorgestellt.

Daran knüpfen in Kapitel 17 Darlegungen zum Thema Strukturgleichungsmodelle an. Aufbau und Analyse sowie der praktische Einsatz und Software werden in diesem Kapitel erklärt.

Das letzte Kapitel Evaluationsforschung umfasst einen Überblick, diverse Ansätze der Evaluation und Ausführungen zu den einzelnen Phasen der Evaluationsforschung.

Ein Serviceteil mit dem entsprechenden Anhang und Sachverzeichnis rundet das Handbuch ab.

Zur Printversion können zusätzlich diverse Online-Materialien abgerufen werden. So werden Foliensätze, Abbildungen und Tabellen für die Hochschullehre bereitgestellt. Ebenso können Zusammenfassungen zu den einzelnen 18 Kapiteln heruntergeladen werden. Auch ein Glossar steht dort zur Verfügung. Die Materialen werden durch Memocards, Verständnisfragen, Lösungen zu den Lernfragen des Buchs sowie statistische Tabellen du Weblinks vervollständigt.

Diskussion

Die nun 5. Auflage des Handbuchs liegt im neuen Gewand vor und bringt zahlreiche Neuerungen mit. Die aktuelle Strukturierung in drei Hauptteile überzeugt und bietet eine optimierte Übersicht. Unterkapitel sind logisch nachvollziehbar gegliedert und bieten sich sowohl zum schnellen Nachschlagen, als auch zur intensiven Lektüre an.

Die dem Forschungsprozess chronologisch folgende Reihung der Themen vereinfacht die Nachvollziehbarkeit praktischer Forschung. Theorie, Methodik und Anwendungsbeispiele gehen dabei harmonisch und in einem gut austarierten Verhältnis ineinander über. Das Lehrbuch ist somit für den Einsatz im Studium, in der Lehre und der Forschung bestens geeignet.

Die Überarbeitung im Hinblick auf didaktische Elemente ist ebenfalls als gelungen zu bezeichnen. Die Lernfragen, Übungsaufgaben sowie die Angaben weiterer vertiefender Literatur bieten viel Raum zur Wiederholung, Aneignung des Stoffs sowie zur Klausurvorbereitung. Tabellen, Abbildungen und Hervorhebungen liefern angesichts der Dichte an Inhalten die notwendige Übersichtlichkeit. So gelingt es den Ausführungen kontinuierlich zu folgen. Nicht zu Letzt ist dies auch der anspruchsvollen, jedoch gleichzeitig angenehmen Sprachwahl zu verdanken. Inhaltlich ist besonders die Extensivierung der Ausführungen zur qualitativen Forschung ein gern gesehener Schachzug. Generell fällt sowieso das ausgewogenere Verständnis des Verhältnisses von quantitativer und qualitativer Forschung auf, wobei der Vertiefungsteil kaum davon profitierte. Allerdings ist die ausgiebige Thematisierung der Evaluationsforschung dagegen zu halten, da ihre zunehmende Bedeutsamkeit in einem eigenen Kapitel gewürdigt wurde.

Insgesamt sind die Optimierungen und Erweiterungen sinnvoll und die eingangs formulierten Ansprüche an die Auflage erfüllt.

Fazit

Diese Version des Lehrbuchs setzt die seinerzeit von Jürgen Bortz begonnene Tradition in grundlegend überarbeiteter Form fort. Mit dem neuen Erscheinungsbild außen, aber vor allem innen ist Nicola Döring die Weiterentwicklung des Lehrbuchs in beispielloser Weise gelungen, was den Band nach wie vor unverzichtbar macht. Deshalb ist er Studierenden, Forschenden und Lehrenden in den Sozial- und Humanwissenschaften vorbehaltlos zu empfehlen.


Rezensent
Jens M. Schneider
Sozialarbeitswissenschaftler, M.A. (Hochschule Fresenius - Standort Frankfurt am Main)
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Zitiervorschlag
Jens M. Schneider. Rezension vom 31.10.2016 zu: Nicola Döring, Jürgen Bortz, Sandra Poschl: Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften. Springer Science+Business Media GmbH & Co. KG (Berlin) 2016. 5. vollständig überarbeitete, aktualisierte und er Auflage. ISBN 978-3-642-41088-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20656.php, Datum des Zugriffs 20.09.2019.


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ISSN 2190-9245

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