socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Lisa Jares: Kitas sind (keine) Inseln

Cover Lisa Jares: Kitas sind (keine) Inseln. Das sozialräumliche Verständnis von traditionellen Kindertageseinrichtungen und Familienzentren NRW. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2016. 262 Seiten. ISBN 978-3-8309-3393-9. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand

über Shop des Verlags


Autorin

Dr. Lisa Jares, Jahrgang 1987, betreut seit Anfang des Jahres 2016 das Internetportal ErzieherIn.de. Sie ist Lehrbeauftragte an verschiedenen kindheitspädagogischen Studiengängen und Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen.

Entstehungshintergrund und Thema

Das Buch „Kitas sind (keine) Inseln“ ist die Veröffentlichung ihrer Dissertation, die das sozialräumliche Verständnis von elementarpädagogischen Fachkräften in Kindertageseinrichtungen und Familienzentren in NRW untersucht. „Die Forschungsarbeit soll einen Beitrag zur Diskussion um die Deutungsmuster und die Bedeutung der Einbeziehung des Sozialraums im Bereich der Frühpädagogik leisten“ (S. 9).

Aufbau und Inhalt

Im Rahmen der Einleitung greift die Autorin die Sozialraumorientierung auf, die im Kontext eines Familienzentrums als professionelle Handlungsstrategie gilt. In „traditionellen“ Kindertageseinrichtungen werde zwar auch sozialraumorientiert gearbeitet, allerdings liege der Fokus stärker auf der Arbeit mit dem Kind (vgl. S. 11). Die Autorin will den Deutungsmustern in Bezug auf den Begriff Sozialraumorientierung nachgehen, um eine Neuausrichtung der Praxis zu unterstützen. Dazu führt sie Interviews und wertet diese mithilfe der Methoden der Grounded Theory aus, um „die Wirklichkeitsdefinitionen der Experten und Expertinnen“ zu erfassen (ebd.).

Kapitel 1 thematisiert den gesellschaftlichen Wandel. Die Pluralisierung von Familien, die Auflösung traditioneller Geschlechterrollen, die Medialisierung, die Erwerbstätigkeit von Frauen und Männern sowie die neue Armut werden als Ausdruck der Veränderung benannt, und auf die Chancen des Wandels verwiesen. Die PISA-Studien, der 12. Kinder- und Jugendbericht als auch der 7. Familienbericht begrüßten deshalb die Entwicklung von Kindertageseinrichtungen als Bildungseinrichtungen für 0 bis 12 jährige Kinder und Familienzentren. Die Grundsätze des fachlichen Handelns werden im nordrheinwestfälischen Gesetz zur frühen Förderung und Bildung von Kindern (KiBiz) beschrieben, die in diesem Kapitel vorgestellt werden.

Kapitel 2 nimmt die Bildungsperspektive der Kindertageseinrichtung ein. Die Autorin erwähnt den Rechtsanspruch auf Kindertagesbetreuung und die Aufgabe, Familien bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen. Lisa Jares rekonstruiert die Begründungen und Zielsetzungen von Familienbildung und Familienunterstützung und beschreibt das nordrheinwestfälische Gütesiegel, welches die Qualität eines Familienzentrums stärken soll. Die sozialräumliche Ausrichtung der Angebote spielt dabei eine große Rolle.

Kapitel 3 widmet sich der Sozialraumorientierung. Die Autorin erwähnt die Wurzeln der Gemeinwesen- und stadtteilbezogenen Sozialen Arbeit und die Verwendung des Begriffs im Kontext der Chicagoer Schule, die in den 1920er Jahren sozialraumbezogene Analysen erstellte, um die Verstädterung zu untersuchen. Einen neuen Impuls bekam der Begriff durch Pierre Bourdieu, der die sozialräumliche Dimension auch als Ausdruck eines Macht- und Herrschaftsverhältnisses interpretierte und damit einer quartiersbezogene und politischen Sozialen Arbeit Impulse gab. Im Kontext der Lebensweltorientierung (Thiersch), der Lebensbewältigung (Böhnisch) und der Dienstleistungsorientierung (Otto) wurde der Begriff konzeptionell auch als Strukturmaxime der Kinder- und Jugendhilfe interpretiert (8. Kinder- und Jugendbericht). Sie gilt seitdem als Handlungsorientierung, die in den 1980er bis 1990er Jahren bis hin zur Sozialraumbudgetierung reichte. Die Autorin stellt den Paradigmenwechsel Sozialer Arbeit vor, allerdings ordnet sie die Debatten um eine Neujustierung der Kinder- und Jugendhilfe nicht in einen sozialstaatlich reflektierten Kontext ein.

Der Begriff Sozialraumorientierung diente darüber hinaus zur Begründung informeller Bildung. Kinder eignen sich ihre Welt innerhalb des Sozialraums an und sie entwickeln Lebensbewältigungskompetenzen (Empowerment), wenn sie sich aktiv mit ihrer sozialen und räumlichen Umwelt auseinandersetzen (vgl. S. 46). Dieser pädagogische Aspekt von Sozialraumorientierung wurde auch 2007 in der Stellungnahme des Deutschen Vereins zur Entwicklung der Kindertageseinrichtung als Bildungsinstitution aufgegriffen. Zu Beginn der 1990er Jahre das Deutsche Jugendinstitut (DJI) ein Projekt „Orte für Kinder“ an, um den Ausbau kommunaler Angebote für Familien wissenschaftlich zu begleiten. „Das Projekt hatte zum Ziel, regionale Angebotsformen für Kinder als Teil der sozialen Infrastruktur weiterzuentwickeln, um hier Anregungen für eine Neujustierung von institutioneller Kindertagesbetreuung zu entwickeln und zu erproben“ (S. 54). Die Bertelsmann- und Nixdorfstiftung förderten von 2005 bis 2007 das Projekt „Kind und Ko“ um den Aufbau eines kommunalen Netzwerkes zur frühkindlichen Bildung zu stärken.

Die Autorin erwähnt auch das 2007 aufgelegte Kinderschutzkonzept der Bundesregierung „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“, das zur Gründung eines Nationalen Zentrums für „Frühe Hilfen“ führte (vgl. S. 55). Damit zeigt Lisa Jares, dass die sozialräumliche Vorgehensweise zur Aktivierung von Selbsthilfe, Netzwerkarbeit und Ressourcenorientierung sozialpolitisch aufgegriffen wird. Da die Autorin auf eine kritische Einordnung dieser Entwicklungen verzichtet, liegt es nahe, sie als Legitimation für das neue sozialräumliche Engagement zu werten (vgl. S. 56).

Kapitel 4 verbindet die Sozialraumorientierung mit der Kindertagesbetreuung. Hier geht es Jares darum, aufzuzeigen, warum die sozialpädagogische Kategorie der Sozialraumorientierung innerhalb der Pädagogik der frühen Kindheit berücksichtigt werden sollte. Sie erwähnt pädagogischen Bemühungen von Rousseau und Pestalozzi den Nahraum des Kindes als Ort von Bildung zu begreifen. Für die institutionalisierte Kleinkindpädagogik, die von Fölsing, Fröbel, Schrader-Breymann und Marenholtz-Bülow wichtige Impulse bekam, wurde der Sozialraum als Bildungsort wahrgenommen. Erinnert wird auch an die Bedeutung der frühkindlichen Bildung in der DDR und die seit den 1970er Jahren erarbeiteten elementarpädagogischen Ansätze des Situationsansatzes, das Early Excellenc-Konzepts und die Reggio-Pädagogik. Dennoch resümiert die Autorin: „Es zeigt sich, dass in der Fachwissenschaft sozialräumliche Aspekte in der Frühpädagogik bisher kaum diskutiert wurden. In vielen Bereichen wird sich mit Sozialraum und Jugendarbeit auseinandergesetzt, doch die frühe Kindheit, und hier insbesondere die Verknüpfung zu frühpädagogischen Betreuungsinstitutionen, bleiben weitgehend unberührt“ (S. 74).

Die Forschungskategorie Sozialraum wird von Jares inhaltlich als Aneignungshandeln, sozialstrukturelles Analysekriterium und als Ausdruck von bürgerlichem Engagement extrapoliert. So wird die Kindertageseinrichtung als sozialer Lebensraum relevant. Die Autorin erwähnt in diesem Kapitel darüber hinaus die von Michael Sebastian Honig angemahnte Funktion einer Instituethik, die im Anschluss an Bernfelds Überlegungen auch die Wirkmechanismen der Pädagogik kritisch beforschen sollte.

Kapitel 5 greift forschungsmethodologische Gesichtspunkte und die forschungsleitende Fragestellung auf. „Welche Deutungsmuster von Sozialraumorientierung haben Expertinnen und Experten, die im frühpädagogischen Bereich (Kindertageseinrichtung) arbeiten? Wie schlagen sich die Deutungsmuster in der Arbeitsweise nieder?“ (S. 86) Des Weiteren soll geprüft werden, ob das Gütesiegel „Familienzentrum NRW“ zu einem veränderten Verständnis von Sozialraumorientierung beiträgt. Jares führte 15 qualitative Interviews mit sogenannten Experten und Expertinnen „traditioneller“ Kindertageseinrichtungen und aus Familienzentren, die in unterschiedlicher Trägerschaft geführt werden (vgl. S. 87). Die Fachkräfte der Familienzentren befanden sich seit mindestens einem Jahr im Zertifizierungsverfahren, „da so davon auszugehen war, dass sie das Konzept Familienzentrum NRW bereits aktiv umsetzten“ (S. 97)

Kapitel 6 fasst die Deutungen und Konstruktionen zum Begriff Sozialraumorientierung zusammen. Der Titel des Buches „Kitas sind (keine) Inseln“ wurde zur Schlüsselkategorie. Der Terminus „Kita als Sozialraum“ meint die Innenperspektive. „Kita im Sozialraum“ ist eine Metapher für die Außenperspektive der jeweiligen Organisation (vgl. S. 93).

Die Experten und Expertinnen fassen den Sozialraum als Ort auf, an dem sich Menschen treffen um etwas gemeinsam zu machen. Das kann im Sportverein, auf dem Spielplatz oder in der Kita sein. Diese wurde als Insel beschrieben (vgl. S.101-105). Das Familienzentrum, so eine befragte Person, habe die Aufgabe, eine mögliche Ghettoisierung bzw. Verinselung aufzuheben. Das Kapitel beschreibt darüber hinaus die Arbeitsweise, die vom Sozialisations- und Bildungsauftrag her geprägt sei.

Fachkräfte gestalten den Alltag, erforschen mit Kindern die Lebensumwelt und nutzen altersgemischte Gruppen, den Tagesrhythmus und die Lebenssituation der Kinder, um die urbane und natürliche Umgebung zu erkunden, zu der sie auch den Garten der Kita zählen (vgl. S. 148). Die Autorin setzt sich des Weiteren mit der familienergänzenden bzw. unterstützenden Funktion der Institutionen auseinander, und fügt die Bedeutung der Stadt- bzw. Raumplananalyse hinzu. Jeder Sozialraum, der als ein geographisches und territoriales Gebilde definiert wird, wirkt als natürlicher Lebensraum. Die sozialen Institutionen sind in einen größeren Sozialraum eingeordnet und werden von den Bedingungen anderer Systeme mitgeprägt. So beziehen sich beispielsweise Angebote des Familienzentrums auf die familialen Ressourcen und sollen, so die politischen Vorgaben, niederschwellig sein. Darunter verstehen die befragten Experten und Expertinnen, den Abbau von Hemmschwellen, während die Politik an Wiederholungen von Angeboten, Flexibilität bei der Teilnahme und örtlichen Bekanntheit des Veranstaltungsortes denkt (vgl. S.182).

Um bedarfsorientierte Angebote zu planen, können statistische Daten genutzt werden. Jares fand heraus, dass die Fachkräfte vornehmlich ihrer Intuition oder eigenen Beobachtungen folgen. Beim erfolgreichen Angebot spielt auch das Engagement eine starke Rolle. In einem Familienzentrum kommt der Kooperation und Vernetzung eine zentrale Bedeutung zu. Die Interviews belegen, dass in beiden Organisationen kooperativ und vernetzt gearbeitet wird. So nannten die Experten und Expertinnen den fachlichen und informellen Austausch über Kinder, die Zusammenarbeit im Team, die Öffnung der Räume für andere Akteure der Kita und die Kooperation mit Eltern (vgl. S. 205). Die Interviews machen zudem deutlich, dass Fachkräfte nicht in städtische Entscheidungen eingebunden sind und ihr Wissen über Menschen von politisch arbeitenden Entscheidungsträgern im Sozialraum nicht abgefragt wird (vgl. S. 225). Die Befragten erzählen, dass ihre Sorgen nicht gehört werden und Konsequenzen aus der Sozialraumorientierung weitgehend ohne Resonanz bleiben.

Kapitel 7 wird als Zusammenfassung genutzt. Die Studie fand heraus, dass der Begriff Sozialraumorientierung nur bei den Fachkräften der Familienzentren geläufig war. Dennoch nehmen die Akteure die Kindertageseinrichtung und das Familienzentrum in gleicherweise als Sozialraum wahr. Die Perspektive „Kita im Sozialraum“ fokussiert die Organisation als Ort, an dem Bedürfnisse und Belange der Menschen dieses Sozialraums Gehör finden. Die Fachkräfte nehmen die Problemlagen und Ressourcen von Eltern und Kindern wahr, und sie erarbeiten bedarfs- und bedürfnisgerechte Angebote. Haben Fachkräfte, deren Einrichtung als Familienzentrum zertifiziert wurde ein anderes Verständnis von Sozialraumorientierung? Die Studie konnte eine Differenz nur in Bezug auf die Kooperations- und Vernetzungsstrukturen feststellen. Wichtig erscheint mir folgende Erkenntnis: „Wie intensiv eine Sozialraumarbeit in frühpädagogischen Betreuungsinstitutionen gelebt wird, ist jedoch abhängig von den Möglichkeiten des Sozialraumes, der Trägerstruktur und der Einstellung der Fachkräfte zum sozialräumlichen Arbeiten“ (vgl. S. 231).

Kapitel 8 bilanziert die Forschungsergebnisse in Bezug auf die institutionelle Frühpädagogik. In NRW wurden Familienzentren als top-down-Prozess eingeführt, was auch für die Sozialraumorientierung gilt. Die Studie, so die Autorin, biete der Fachpraxis eine Folie zur Reflexion des Verständnisses und zeige der Pädagogik der frühen Kindheit weiteren Forschungsbedarf (vgl. S. 235). Auch den Kindern nutze die Studie. Sozialraumorientierung könne das Dorf schaffen, welches im Sinne eines afrikanischen Sprichwortes nötig sei, damit ein Kind gut aufwachse. Dieses Motto wurde der Dissertation vorangestellt (vgl. S. 236).

Diskussion

Die vielfältigen Themen der Dissertation sind beachtlich. Mich irritiert allerdings, dass die Autorin Verallgemeinerungen vornimmt, von denen nicht auszugehen ist. Die Pädagogik der frühen Kindheit, die Sozialraumorientierung und die Fachwissenschaft gibt es nicht. Auch Sätze wie diese verwirren: „Paradoxerweise gibt es hier für den Begriff Sozialraumorientierung in der Frühpädagogik keine allgemeingültige Definition und keine Handlungsanleitung bezogen auf sozialräumliches Arbeiten“ (S. 232) „Der Begriff der sozialräumlichen Orientierung ist somit derzeit in der Frühpädagogik eine Phrase die nicht gefüllt ist“ ( ebd.). Der hier vorgestellte historische Rückgriff greift sicher zu kurz, und die erwähnte Frauenrechtlerin und Baronin Bertha von Marenholtz-Bülow war keine Nichte Fröbels (vgl. S. 60). Die Einbeziehung der Diskussion um eine Instituethik in Kapitel 6 hinterlässt bei mir auch die Frage, wozu Jares den Hinweis gibt. Die Autorin begreift Instituethik, so vermute ich, als „die gesellschaftliche Funktion von Kindertageseinrichtungen mit den Interaktionsstrukturen unter Berücksichtigung der Grenzen erzieherischen Handelns“ (S. 82). Meiner Ansicht ging es Bernfeld darum, Institutionen als soziale Orte zu analysieren, die Wirklichkeit definieren und Kinder gesellschaftsfähig machen und gerade aus Gründen der gesellschaftlichen Anpassung seiner Meinung nach immer kritisch zu reflektieren sind.

Im Text nimmt die Autorin mal die Perspektive der Forscherin, mal die einer Moderatorin für das Familienzentrum und mal die einer Praktikerin ein, die nach Handlungsanweisungen für sozialräumliches Handeln sucht. Auch die Bezeichnung „traditionelle Kita“ in Abgrenzung zum Familienzentrum regte mich an, denn die Konnotation von traditionell ist ja nicht eindeutig. Die Metareflexionsebene fehlt mir. So beschreibt Jares in der wissenschaftlichen Studie einerseits den gesellschaftlichen Wandel als Grundprinzip der Modernisierung und andererseits versteht sie ihn als Aufforderung zum Handeln und zur Veränderung bisheriger Institutionen. Sie nimmt gesellschaftspoltische funktionale Argumente zur Kodierung auf, ohne sie erkenntnistheoretisch zu reflektieren, um dann erneut als Praktikerin zu argumentieren, die sich statt der Analyse Handlungsanleitungen wünscht. „In der modernen Gesellschaft ist die Miterziehung der Gesellschaft jedoch nicht gegeben, weshalb es neuere Formen der Einbindung der Gesellschaft in den Erziehungsprozess benötigt, um so den Erziehungsprozess des Kindes nicht isoliert, sondern im Kontext des Lebensraumes zu betrachten“ (S. 9). „Die (sozialpädagogische) Rede von Sozialraumorientierung hat ihren Ursprung in Bezugsdisziplinen der Sozialpädagogik. Vorab muss festgehalten werden, dass es sich bei dem ‚Konzept‘ der Sozialraumorientierung nicht um ein einheitliches, grundlegendes, handlungsleitendes Konzept handelt, sondern vielmehr um einen Handlungsansatz“ (S. 38).

Die Autorin deckt auf, dass Fachkräfte, die im Rahmen ihrer Ausbildung vor allem handlungsorientiert und „kindzentriert“ ausgebildet werden, selten die Familie und den Sozialraum in ihre praktischen Überlegungen einbeziehen und dazu neigen, Eltern vor allem in ihrer Rolle als Vater und Mutter zu betrachten. Auch die Passage über das sozialräumliche Wissen, das keine politische Resonanz findet, regte mich sehr an.

Fazit

Die Dissertation stellt die Perspektiven der Sozialraumorientierung vor und zeigt, wie persönliche Deutungen von Fachkräften mit fachlichen und gesellschaftlichen verwoben sind. Das Buch zeigt, dass die Sozialraumorientierung als Arbeitsweise sowohl in der Kindertageseinrichtung und im Familienzentrum präsent ist, auch wenn Fachkräfte dies nicht argumentieren. Die Kindertagesbetreuung reagiert auf gesellschaftliche Transformationsprozesse, ohne diese als solche zu thematisieren und eventuell kritisch zu hinterfragen, in welcher Weise soziale Institutionen darauf reagieren sollten. Eine „Pädagogik vom Kinde aus“, so der Befund dieser Dissertation, reiche nicht aus, um die Funktion der Kindertagesbetreuung zu legitimieren. Die Weiterentwicklung zum Familienzentrum erscheint legitim. Fachkräfte erleben Veränderungen als gesteigerte Anforderungen an sie. Das macht diese Studie durch die Befragung der Fachkräfte einmal mehr deutlich. Die qualitative Befragung und entsprechende fachliche Rekonstruktion kann also Praxis erhellen. Die Erkenntnisse der Studie bieten Hinweise, die für das Studium oder die Ausbildung interessant sind.


Rezensentin
Prof. Dr. Christiane Vetter
E-Mail Mailformular


Alle 50 Rezensionen von Christiane Vetter anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Christiane Vetter. Rezension vom 11.04.2016 zu: Lisa Jares: Kitas sind (keine) Inseln. Das sozialräumliche Verständnis von traditionellen Kindertageseinrichtungen und Familienzentren NRW. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2016. ISBN 978-3-8309-3393-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20660.php, Datum des Zugriffs 26.07.2017.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 12 000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!