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Manfred Spitzer: Gelegenheit macht Liebe, Kleider machen Leute und der Teufel macht krank

Cover Manfred Spitzer: Gelegenheit macht Liebe, Kleider machen Leute und der Teufel macht krank. Schattauer (Stuttgart) 2016. 306 Seiten. ISBN 978-3-7945-3173-8. D: 24,99 EUR, A: 25,70 EUR.
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Thema

Manfred Spitzer behandelt in seinem Buch in Texten, die er selbst als Miniaturen bezeichnet, wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu Themen wie beispielsweise dem Einfluss digitaler Medien auf Körper und Geist, dem Denken, Tieren und Fragen aus entwicklungspsychologischen Bereichen.

Autor

Der Autor war/ist nach Studienabschlüssen in Psychologie und in Medizin als Arzt, als Neurowissenschaftler, als Psychotherapeut und als Coach sowie als Verfasser mehrerer Bücher tätig.

Aufbau und Inhalt

Sex on demand. Satellitennavigation und Geschlechtskrankheiten. Der Autor beschreibt einen Zusammenhang zwischen der Nutzung digitaler Flirt-Portale und dem Risiko, an Geschlechtskrankheiten zu erkranken.

Kleider machen Leute. Das Thema dieses Kapitels ist die Wirkung des Tragens von Kleidung auf menschliche Verhaltensweisen. Beispielsweise neigen Football- und Hockey-Mannschaften, die schwarze Trikots tragen, eher zum Ausführen von Fouls. Das Tragen von Imitaten teurer Markenprodukte führt bei deren Trägern zu einer Tendenz, andere Personen zu täuschen und auch bei anderen Personen eher Täuschung zu vermuten.

Der Teufel und die Hölle – pro und kontra. In einem Ländervergleich zeigte sich, dass der Glaube an die Hölle und der Glaube an den Himmel Auswirkungen auf die im jeweiligen Land ausgeübte Kriminalität hat. In Ländern, in welchen der Glaube an die Hölle besonders groß war, fand sich eine niedrigere Kriminalitätsrate und in Ländern, in welchen der Glaube an den Himmel hoch war, fand sich eine höhere Kriminalitätsrate. Auch die nationale Lebenszufriedenheit wurde durch diese beiden Parameter beeinflusst.

Placebo-forte. Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Wirkungsweise des Placebo-Effektes.

Mozart-forte, Folk-retard, Rap-mite. Anxiolytische, analgetische und antiphlogistische Effekte von Musik. Der Autor stellt die schmerz- und angstlindernden Funktionen von Musik im medizinischen Bereich vor.

Helicopter-Eltern. Beschrieben werden die negativen Auswirkungen des Verhaltens von Helicopter-Eltern auf ihre (erwachsenen) Kinder.

Denken. Das stille Nachdenken und das Ausmaß der daran erlebten Freude sowie das Ausmaß der Schwierigkeit, sich beim Nachdenken zu konzentrieren, werden hier thematisiert. Ebenso ist ein Thema die erlebte Neigung zum Abschweifen der Gedanken als eine aversive Reaktion auf das stille Nachdenken.

Verschwörungstheorien – ganz normal und doch ein Problem. Der Autor stellt hier das Entstehen, die Wirkungsweisen und die Funktionen von Verschwörungstheorien mit Bezug zu Angst und zum Ausüben von Kontrolle vor.

Warum sind Panda-Bären so faul? Den Besonderheiten des (vegetarischen) Panda-Bären ist dieses Kapitel gewidmet.

Hunde sind auch nur Menschen. Es wird die Entwicklung der Beziehung zwischen Mensch und Hund beleuchtet.

Fluchen ist ungesund. In Studien fand sich eine Vorhersagbarkeit der Sterblichkeit an koronarer Herzkrankheit durch das Ausmaß des Ausdrucks negativer Emotionen auf Twitter.

Schlaflos mit Blaulicht. Ergebnisse von Studien weisen auf Zusammenhänge zwischen dem Betrachten eines LED-Bildschirms und geminderter Schlafqualität in der Nacht und vermehrter Müdigkeit am folgenden Tag. Durch das Betrachten des Bildschirms wird die Produktion von Melantonin unterdrückt.

Am Anfang war das Wort. Die Quantität der sprachlichen Zuwendung zu Babys oder Kleinkindern (pränatal und postnatal) beeinflusst die sprachliche Entwicklung der Kinder.

Babys sind auch nur Wissenschaftler. Emotionen, Aufmerksamkeit und Motivation steuern als „interne“ Filter das Lernen. Der Autor betont in diesem Kapitel die Bedeutung des sensomotorischen Lernens für die Entwicklung höherer geistiger Leistungen.

Smartphones, Angst und Stress. Die Nutzung digitaler Medien führt zu einer Verstärkung der menschlichen Angst. Bekannt ist in diesem Zusammenhang beispielsweise FoMo (Fear of Missing Out), die Angst, etwas zu verpassen. Auch Nomophobie (no mobile phone phobie) zählt zu der im Zusammenhang mit der Anwendung digitaler Medien bestehenden Angst. Es ist eine Form der Trennungsangst, die Angst davor, von seinem mobilen Telefon getrennt zu sein.

Cyberchondrie oder Morbus Google. Eine Krankheit, die man nur hermeneutisch versteht. Der Begriff Cyberchondrie setzt sich aus Cyber und Hypochondrie zusammen. Er beschreibt die Suche nach gesundheitsrelevanten Informationen im Internet. Diese führt oft dazu, dass häufige und oftmals harmlose Symptome zur Beschäftigung mit schweren und seltenen Krankheiten eskalieren können, bei denen diese Symptome auch auftreten können.

Digital genial? Mit dem Ende der „Kreidezeit“ bleibt das Denken auf der Strecke. Dieses Kapitel enthält eine kritische Auseinandersetzung mit der Nutzung digitaler Medien und deren Wirkung auf das Lernen im Schulunterricht.

Buch oder E-Book? Die Vor- und Nachteile des Lesens von Büchern und des Lesens von E-Books werden verglichen. Der Autor stellt zahlreiche Studien zu diesem Thema vor.

Zivilisationskrankheiten und Kontrolle. Dieses Kapitel enthält einen entwicklungsgeschichtlichen Überblick über Zivilisationskrankheiten von der Steinzeit bis zur heutigen Zeit.

Vorurteile loswerden? – Im Schlaf! Beschrieben wird eine Untersuchung, durch die gezeigt wird, wie mithilfe des Schlafes (Tiefschlaf und REM-Schlaf) Geschlechts- und Rassenvorurteile verlernt werden können.

Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir. Der Autor berichtet über die positiven Ergebnisse, die Erlebnisse in der Natur und mit der Natur bewirken. Diese Erlebnisse führen beispielsweise zu verbessertem Wohlbefinden und zu prosozialeren Verhaltensweisen.

Sachverzeichnis

Diskussion

Manfred Spitzer schreibt in seinem Buch über Themen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Forschungsbereichen. Er setzt sich in überschaubaren Kapiteln kritisch mit den jeweiligen Forschungsergebnissen auseinander. Zur Illustration hat er in die Kapitel Abbildungen in der Form von Fotos,Graphiken,Tabellen und Diagrammen eingefügt. Jedes Kapitel wird von einem aussagekräftigen Literaturverzeichnis abgerundet.

Fazit

Insgesamt ist das Buch gut verständlich geschrieben. Die einzelnen wissenschaftlichen Forschungsergebnisse werden in kurzen und prägnanten Texten anschaulich beschrieben und sind kurzweilig zu lesen. Dem interessierten Leser bieten sie eine anregende und informative Lektüre, die sich auch für das mentale Jogging eignet.


Rezension von
Dr. Barbara Mahmoud
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Zitiervorschlag
Barbara Mahmoud. Rezension vom 29.07.2016 zu: Manfred Spitzer: Gelegenheit macht Liebe, Kleider machen Leute und der Teufel macht krank. Schattauer (Stuttgart) 2016. ISBN 978-3-7945-3173-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20671.php, Datum des Zugriffs 07.08.2020.


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