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Andrea Trost, Stefan Rogge: Umgang mit Menschen im Maßregelvollzug

Cover Andrea Trost, Stefan Rogge: Umgang mit Menschen im Maßregelvollzug. Psychiatrie Verlag GmbH (Köln) 2016. 154 Seiten. ISBN 978-3-88414-633-0. D: 16,95 EUR, A: 17,50 EUR.
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Thema

Das Buch „Umgang mit Menschen im Maßregelvollzug“ beschäftigt sich mit der Situation von Menschen, die im Maßregelvollzug untergebracht sind und den involvierten Professionellen des entsprechenden Hilfesystems.

In der Auseinandersetzung werden Hintergründe für die Unterbringung, Vorgehensweisen in der Arbeit mit der Klientel und mögliche Schwierigkeiten thematisiert. Die Autoren beziehen dabei entsprechende Praxisbeispiele ein, um einen konkreten Bezug zu den theoretischen Überlegungen herzustellen.

Autorin und Autor

Die Autoren des Buches, Andrea Trost und Stefan Rogge, sind Vertreter der Praxis und somit begründet sich auch die Praxisnähe des Buches als ein Beitrag: Aus der Praxis für die Praxis.

  • Andrea Trost arbeitet selbst seit 2004 in der Psychiatrie und seit 2014 in der Forensik sowie Gerontopsychiatrie.
  • Stefan Rogge ergänzt ihre Beiträge ebenfalls als Experte aus der Praxis als Fachgesundheits- und Krankenpfleger. Er ist ebenfalls im Bereich der Forensik im Rahmen der Stationsleitung und Pflegeentwicklung tätig.

Entstehungshintergrund

Innerhalb des Psychiatrie Verlages entstand eine Reihe von Büchern unter dem Titel „Basiswissen“. „Umgang mit Menschen im Maßregelvollzug“ ist somit die thematische Auseinandersetzung mit einer spezifischen Zielgruppe der Forensik. Ergänzt wird die Reihe beispielsweise durch

  • „Umgang mit Borderline-Patienten“,
  • „Umgang mit demenzkranken Menschen“ und
  • „Umgang mit traumatisierten Patienten“ und weitere.

Aufbau

Im ersten Teil des Buches geht es vorrangig um die gesetzlichen Grundlagen und formalen Rahmenbedingungen der Unterbringung.

Das zweite Kapitel befasst sich mit dem therapeutischen Milieu des Maßregelvollzugs und dessen Gestaltungsmöglichkeiten.

Daraufhin werden konstruktive Haltungen und Elemente der professionellen Beziehungsgestaltung vorgestellt.

Das folgende Kapitel ist eine Auseinandersetzung mit spezifischen Konfliktthemen, die eine Unterbringung im Maßregelvollzug bzw. die Klientel aus ihrem Störungsbild heraus mit sich bringen.

Im Anschluss daran werden konkrete Handlungsmöglichkeiten des professionellen Teams aufgezeigt und der Behandlungsprozess in seinen einzelnen Elementen detailliert beschrieben.

Abschließend findet ein Diskurs über den Maßregelvollzug und die untergebrachten Patienten statt.

Im Anhang des Buches sind neben den Literaturangaben auch die entsprechenden Gesetzestexte zur Unterbringung zu finden, was das Verständnis erleichtert.

Im Klapptext sind die wichtigsten Informationen unter der Rubrik „Merke“ mit der zugehörigen Seitenzahl auf einen Blick nachzulesen, wodurch der Leser nach jedem Unterkapitel eine kurze Zusammenfassung erhält.

Im Werk finden sich ebenfalls Querverweise zu anderen Kapiteln, was eine Verknüpfung der einzelnen Informationen und ein interessenorientiertes Lesen ermöglicht.

Inhalt

Einleitung

Das Buch wird eingeleitet durch die kurze Vorstellung aller in die Thematik involvierten und deren jeweiliger Situation im Zusammenhang mit dem Maßregelvollzug. Genannt seien hierbei die Patienten als solche mit ihren individuellen Biografien sowie Problemlagen sowie die professionellen Mitarbeiter, welche sich in verschiedenen Spannungsfeldern bewegen. Das Gericht, das eine Unterbringung anordnet, dessen Gesetze diese maßgeblich mitbestimmt und das eine ständige Kontrollinstanz darstellt. Hinzu kommt die Gesellschaft mit ihrer vorherrschenden, oft stigmatisierenden Meinung über die Klientel des Maßregelvollzugs.

Die Autoren verfolgen mit dem Buch die Intention einer gewissen sachlichen Aufklärung über den durch die Medien etikettierten Arbeitsbereich des Maßregelvollzugs. Desweiteren soll die fachliche Aufklärung zu einer kritischen Auseinandersetzung dienlich sein, um der Klientel eine adäquate Behandlung entgegen kommen zu lassen.

Juristische Grundlagen für die Unterbringung

Die Kenntnisse über die juristischen Grundlagen des Maßregelvollzugs sind für die Autoren fundamental. Zum einen bilden sie die Rahmenbedingungen der professionellen Arbeit. Zum anderen dienen sie zur kritischen Auseinandersetzung mit der vorurteilsbehafteten Meinung in der Gesellschaft. Darin sei laut den Autoren die Struktur des Buches begründet, welche zunächst einen Überblick über die rechtlichen Grundsätze gibt.

Was ist der Maßregelvollzug?

Im Folgenden wird zunächst eine Begriffsklärung des Maßregelvollzugs vorgenommen, um im Weiteren den Zusammenhang zu den Grundprinzipien des Strafrechts herzuleiten. Der Maßregelvollzug gilt als freiheitsentziehende Maßnahme des Strafgesetzbuches und muss somit nach festgeschriebenen Bedingungen und Abläufen geschehen. Zudem gehe es nicht nur um eine Verwahrung der Klientel, sondern auch um die sogenannte Besserung, welche durch das Therapieangebot unterbreitet werden muss.

Bezugnehmend zum deutschen Strafrecht werden daraufhin zunächst Begriffe wie Schuldfähigkeit und dessen Abstufungen bis hin zur Schuldunfähigkeit geklärt. Die Autoren weisen hierbei kritisch auf eine veraltete Definition der Krankheitsbilder hin. Zudem werden weitere Merkmale dargestellt, die eine Entscheidung zum Maßregelvollzug herbeiführen. Dies sind unter anderem die Einschätzung der Gefährlichkeit des Täters und der sich daraus ableitende staatliche Auftrag des Schutzes der Allgemeinheit. Die Autoren sprechen hierbei von einem „Sonderopfer eines Einzelnen zum Schutz der Allgemeinheit“ (S. 16) und nicht wie im Allgemeinen Kanon üblich vom Straftäter.

Daraufhin leiten die Autoren zu den Aufgaben des Maßregelvollzugs über, die sich primär auf die Sicherung und Besserung des Betroffenen beziehen.

Bezüglich der Sicherung bzw. dem Schutz der Allgemeinheit vor dem Täter wird im weiteren Verlauf der Prozess bis zur eigentlichen Entlassung aufgezeigt. Hierbei durchläuft der Patient verschiedene Lockerungen der stationären Unterbringung sowie der Führungsaufsicht bei einer Aussetzung der Strafe zur Bewährung. Neben den sachlichen Informationen bieten die Autoren hierbei immer wieder Diskussionsanregungen. Diese ergeben sich beispielsweise aus dem Einfluss der Medien und der öffentlichen Meinung über die Täter und den Maßregelvollzug. So käme es laut Autoren immer wieder zu Kollektivbestrafungen aufgrund medial inszenierter Delikte von Tätern, die im Maßregelvollzug untergebracht werden. Dies seien Dilemmata der Mitarbeiter bezüglich der Erwartungen der Patienten sowie deren Angehörigen, der Gesellschaft und Politik mit ihren subjektiven Bedürfnissen nach Sicherheit. All das präge den Umgang mit den Menschen im Maßregelvollzug und bedürfe einer selbstreflektierenden Haltung der professionellen Mitarbeiter.

Unter dem Kapitel Dauer und Beendigung einer Unterbringung zeigen die Autoren explizit die Problemfelder des Maßregelvollzugs auf. Diese beziehen sich primär auf die überdurchschnittlich lange Unterbringung der Patienten trotz geforderter regelmäßiger Kontrolle der Rechtfertigung der Maßnahme aufgrund der Gefährlichkeitsprognose. Die Autoren weisen hierbei auf die Möglichkeiten des Maßregelvollzugs hin, eine hinreichende und nachhaltige Vorbereitung auf die Entlassung durchzuführen sowie eine entsprechende Nachsorge anzubieten. Beispielhaft zu nennen seien hierbei die im Kapitel erläuterten Maßnahmen wie Langzeiterprobung, Führungsaufsicht, Lockerungen. Alles zum Ziel der Deliktfreiheit und selbstständigen Lebensführung. Zudem gehe es hierbei auch um Krisenpläne und den konstruktiven Umgang mit der psychischen Erkrankung, die Anlass für die Schuldunfähigkeit bzw. Schuldverminderung ist. Die Mitarbeiter des Maßregelvollzugs sind somit angehalten, dem Patienten zu helfen, damit er sich noch während der Zeit der Unterbringung ein engmaschiges soziales Hilfsnetz aufbauen kann. Die Autoren weisen darauf hin, dass die vollstationäre Unterbringung gleichzeitig dem Resozialisierungsziel zuwider läuft, da gewisse Kompetenzen bei einer langjährigen Unterbringung verlernt bzw. noch nie erlernt werden konnten. Auch hierbei seien die Patienten nach Entlassung zunächst auf Unterstützung angewiesen.

Reform des § 63 StGB

Daraufhin folgt die Auseinandersetzung mit den bis dahin aufgedeckten Schwierigkeiten und Versuchen der Problemlösung. Die Forderung nach einer Reform des §63 StGB steht hierbei im Vordergrund, da Konventionen des derzeitigen Maßregelvollzugs kaum neuen Erkenntnissen und Entwicklungen Beachtung schenken und somit teilweise veraltet seien. Die Hauptkritik bezieht sich auf die Art der Unterbringung, welche meistens vollstationär und für eine lange Dauer vorgesehen ist. Neben den immensen Kosten läuft dieses Vorgehen dem Ziele der Besserung und Resozialisierung zuwider.

Die Autoren setzen sich mit einem aktuellen Reformentwurf von 2015 auseinander und stellen überblicksartig den Dreistufenplan zur Beendigung des Maßregelvollzugs dar. Dieser greife jedoch nicht die eigentlichen Problemlagen auf und lasse den Kern des aus Autorensicht Reformbedürftigen außer Acht.

Ein gelungenerer Versuch der Veränderung seien aus ihrer Sicht die Einführung des §67h StGB, welcher die Befristung der Wiederinvollzugsetzung einer Maßregel beinhaltet und bei konsequenter Umsetzung nachhaltigen Erfolg aufweisen könne.

Therapeutisches Milieu und Settings im Maßregelvollzug

Das folgende Kapitel führt in die Begrifflichkeiten des Settings und Milieus bezüglich des Maßregelvollzugs ein und verdeutlicht die Wichtigkeit einer bewussten Gestaltung und Nutzung dieser. Primär zu beachten sei laut den Autoren zum einen die Orientierung an der Außenwelt, um eine spätere Resozialisierung überhaupt ermöglichen zu können. Zum anderen sei auch hierbei das Ziel der Besserung im Fokus und bezieht sich beispielsweise auf ein höchstmögliches Maß an Selbstständigkeit und Teilhabe der Betroffenen unter Berücksichtigung ihrer individuellen Situationen.

Die Milieus im Maßregelvollzug seien durch institutionelle Faktoren, therapeutische Ansätze und die Haltung der Mitarbeit beeinflusst. Anspruch der professionellen Arbeit sei hierbei sich diesen Einflüssen bewusst zu sein und entsprechend der therapeutischen Zielsetzungen zu nutzen.

Im Kapitel Prinzipien der Milieugestaltung stellen die Autoren einen Ansatz vor, der verschiedene Aspekte aufstellt, welche innerhalb der Psychiatrie und speziell im Maßregelvollzug beachtet werden sollten, um ein erfolgreichen Behandlungsverlauf zu unterstützen. Die hierbei genannten Prinzipien sind Kontrolle, Unterstützung, Strukturierung und Engagement. Sie beziehen sich stets auf das Zusammenwirken der Betroffenen und der Mitarbeiter, was sich aus der langjährigen Dauer der Unterbringung ergibt, die wiederum die Institution als Lebensraum der Betroffenen konstruiert.

Innerhalb des Kapitels Möglichkeiten der Milieugestaltung aus der Praxis erhält der Leser konkrete Beispiele der Umsetzung der vorangestellten Forderungen an das therapeutische Milieu im Maßregelvollzug.

Diese Möglichkeiten werden im Weiteren auf die einzelnen Prozessschritte der Unterbringung spezialisiert. Dahingehend wird dem Leser aufgezeigt, wie flexibel und adaptierfähig das Milieu bezüglich der individuellen sowie gesellschaftlich gerahmten Anforderung sein muss.

Während die Aufnahme- und Krisenstation beispielsweise eine engmaschige und direktive Betreuung aufzeigt, setzen die Therapiestation bis hin zur Rehabilitation zunehmend auf eine Verantwortungsübernahme und Autonomie des Betroffenen. Lange Therapieverläufe, damit gemeint sind Unterbringungen von bis zu sechs Jahren, richten die Milieugestaltung eher darin aus, dass versucht wird, die gesunden Fertigkeiten und Fähigkeiten des Patienten zu erhalten und zu fördern. Zusätzlich soll der Maßregelvollzug dieser Personengruppe, trotz der meist unfreiwilligen Unterbringung, Lebensqualität und Perspektiven vermitteln.

Sozialpsychiatrische Elemente der Unterbringung

In diesem Kapitel wird auf die Spezifik des Maßregelvollzugs hinsichtlich der Auswirkungen auf den Patienten eingegangen. Durch die Rahmenbedingungen, die zu einem Abgeschnitten-Sein führen und somit einen starken Einschnitt in das vorherige Leben des Betroffenen darstellen, können bestimmten Verhaltensweisen im Maßregelvollzug forciert werden. Laut Autoren sei es wichtig, sich diesen besonderen Umständen bewusst zu werden und die Milieugestaltung stets an der realen Außenwelt zu orientieren, um einen gewissen Realitätsbezug aufrechtzuerhalten.

Die Einschränkungen des Patienten beziehen sich unter anderem auf seine Freiheits- und Privaträume, sein Recht auf Eigentum und die freie Entscheidung über Kontaktmöglichkeiten zu anderen Personen. All das ist im Maßregelvollzug reduziert und kann durch eine Verengung der Möglichkeiten von Rollenübernahmen starke Negativeffekte für die Besserung des Patienten nach sich ziehen. Ein wichtiges Ziel sei es dementsprechend, soziale Netzwerke und Kontakte zu Angehörigen aufrechtzuerhalten.

Haltung, Beziehungsgestaltung und Konzepte im Maßregelvollzug

In diesem Kapitel werden hemmende bzw. sich negativ auswirkende Haltungen und Verhaltensweisen in der Interaktion zwischen Untergebrachten sowie Mitarbeitern aufgedeckt und dem Leser ein Angebot konstruktiverer Möglichkeiten ebendieser gemacht. Die Autoren verdeutlichen hierbei, dass die Haltung der Professionellen die Arbeit im Maßregelvollzug sehr stark prägt und gestaltet. Persönliche Kompetenzen, wie Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion, sowie einem Verständnis, dass jedem Menschen alle menschlichen Möglichkeiten zugrundeliegen, bilden hierbei den Grundkanon der Professionalität. Die Autoren appellieren zudem an die Vorbildfunktion der Mitarbeiter im Maßregelvollzug aufgrund der eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten der Klientel. Hierbei leiten sich Aspekte der Beziehungsgestaltung als Fundament für weitere Interventionen ab. Die professionelle Beziehung dient somit dem Ziel der Gefährlichkeitsreduktion des Betroffenen und weist unter anderem Merkmale wie die definierte zeitliche Dauer, ein Machtgefälle, den klar strukturierten Rahmen auf. Die Autoren weisen auf die Schwierigkeit der Klientel hinsichtlich ihrer psychischen Störung hin, die zumeist eine „Beziehungsstörung (…) zu sich selbst“ darstellt. Unter den Schlagworten der Empathie, Akzeptanz und Authentizität beschreiben die Autoren eine Möglichkeit einer gelingenden Kommunikation nach der klientenzentrierten Gesprächsführung nach Rogers. Kongruenz und Wertschätzung seien dementsprechend ebenfalls wichtige Elemente der Haltung des Professionellen gegenüber dem Betroffenen. Die Autoren decken unter den Punkten der Nähe/Distanz, Kontrollüberzeugung und Willkür mögliche Bruchstellen einer aufgebauten Beziehung auf.

Im Weiteren werden zentrale Bereiche angesprochen, die es bei dem Patient zu stärken gilt, um seine personellen sowie sozialen Kompetenzen zu fördern. Folgende recoveryorientierte Konzepte ergänzen jene Ausführungen durch eine Fokussierung der Stärken der Betroffenen anstelle einer ausschließlich defizitorientierten Perspektive. Innerhalb dessen werden weitere Konzepte vorgestellt, die eine aktive Beteiligung des Betroffenen und somit die zunehmende Möglichkeit an Selbstwirksamkeitserfahrungen ermöglichen. Das sind z.B. Adherencetherapie, Gezeitenmodell, Basale Expositionstherapie und Experienced Involvement.

Sexualität im Maßregelvollzug und Umgang mit Gewalt und Aggression

In diesem und im folgenden Kapitel greifen die Autoren ausgewählte Themen auf, die einen starken Einfluss auf die derzeitige Etikettierung und Stigmatisierung des Maßregelvollzugs und dessen Untergebrachte nehmen. Dabei bringen sie bestehende Vorurteile, aber auch Tabuisierungen zur Sprache und stellen diesen die Realität gegenüber. Zudem fordern die Autoren von den Professionellen eine durch Offenheit und Wertschätzung geprägte Auseinandersetzung mit den konfliktbeladenen Themen. Dadurch sollen konstruktive Lösungen gefunden und Vorurteile abgebaut werden, welche auch bei den Mitarbeitern gewisse Ängste hervorrufen könnten. So sei beispielsweise zur Risikosituation im Maßregelvollzug folgendes zu benennen; Übergriffe und Aggressionen haben zumeist eine Ursache, die nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sei. Ziel der Arbeit sollte es laut Autoren sein, diese der Aggression vorausgehenden sowie auslösenden Faktoren zu erkennen und entgegenzuwirken. Durch adäquate präventive Maßnahmen sowie die oben beschriebene wertschätzende Haltung sowie tragfähige Beziehungsgestaltung könne das Risiko für Gewalt und Aggressionen deutlich gesenkt werden.

Die Autoren betonen zudem die Bedeutung von Selbstschutz und Selbstfürsorge getreu dem Motto: Nur, wer für sich selbst sorgt, kann gut für andere sorgen.

Der multiprofessionelle Behandlungsprozess

In diesem Kapitel wird der Behandlungsprozess in den einzelnen Phasen der Anamnese, Problemanalyse, Zielformulierung, Interventionen und Evaluation beschrieben. Bezüglich der Therapie- und Eingliederungsplanung benennen die Autoren ebenfalls eine Ressourcenorientierung als richtungsweisend und stellen hierzu verschiedene Bewertungsskalen für die Risikoeinschätzung mit ihren Vor- und Nachteilen vor.

Das Kapitel Gruppenarbeit sowie das Kapitel Einbeziehung der Angehörigen verweisen im Kontext des Maßregelvollzugs auf weitere Ressourcen, die es in der alltäglichen Arbeit zu nutzen gelte. Neben den positiven Aspekten stellen die Autoren jedoch auch einige mögliche Herausforderungen bezüglich der Gruppenangebote sowie der Angehörigenarbeit dar. Die Einbeziehung von Angehörigen sollte sich nach den Autoren durch eine ebenfalls wertschätzende Empfangskultur auszeichnen. Möglichkeiten der Partizipation können beispielsweise bei Einzelgesprächen, Angehörigengruppen oder Angehörigenvisiten erbracht werden.

Der Maßregelvollzug im Diskurs

Der Diskurs um den Maßregelvollzug und den dort untergebrachten Menschen wird vor allem durch medienwirksame Negativbeiträge beeinflusst, aber auch durch unbedachte Äußerungen von Mitarbeitern. Viel zu selten schenke die Öffentlichkeit positiven Trends und Entwicklungen von Insassen aber auch bezüglich des Maßregelvollzuges Aufmerksamkeit.

Entwicklung ist möglich – Schlussbemerkung

Anschließend an die vorangegangene Vorstellung des Diskurses appellieren die Autoren an die Mitarbeiter des Maßregelvollzugs zu einer aktiven Mitwirkung zu einer modifizieren Darstellung dieses Arbeitsbereiches. Ziel dessen sei eine Neujustierung und Entstigmatisierung des Systems des Maßregelvollzugs.

Diskussion

Kritisch zu bemerken sei, dass die Autoren den Anspruch auf eine neutrale Vermittlung von Basisinformationen nicht durchgängig gerecht werden. Erwartet der Leser aufgrund des Titels „Basiswissen“ eine neutrale und objektive Darstellung der Thematik des Maßregelvollzuges, wird er teilweise in subjektive und meinungsäußernde Abschnitte verwoben. Diese Äußerungen wirken reflektiert und sind durchaus gut argumentiert. Dennoch sollten sie statt in der sachlichen Darstellung der Thematik besser im letzten Teil des Diskurses eingearbeitet werden.

Fazit

Das Buch stellt, wie der Titel andeutet, eine Sammlung an Basisinformationen über den Maßregelvollzug und dessen Patienten dar. Der Leser erhält somit auf 154 Seiten einen Überblick über die gesetzlichen und formalen Bedingungen der Unterbringung. Zudem werden die spezifischen Handlungsmöglichkeiten sowie konstruktive Haltungen und Beziehungsgestaltungen vorgestellt. Viele Beispiele aus der Praxis verdeutlichen die hohen Anforderungen der Unterbringung gegenüber Betroffenen, aber auch mögliche Herausforderungen, denen Professionelle im beruflichen Alltag konfrontiert sind. Somit hält das Buch eine ausgeglichene Balance zwischen theoretisch-abstrakten Informationen und der Praxisnähe. Zudem schärfen die Autoren den Blick aller im Maßregelvollzug tätigen Menschen hinsichtlich ihrer eigenen Haltung, ihrer Handlungen sowie deren Wirkung auf die Patienten.

Insgesamt stellt das Werk einen kritischen Beitrag zur Aufklärung über die Unterbringung im Maßregelvollzug dar, weil es die Perspektive der Hauptakteure, der Untergebrachten und die der Betreuenden, in differenzierter Weise beleuchtet.


Rezensentin
Miriam Miethke
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Zitiervorschlag
Miriam Miethke. Rezension vom 20.07.2016 zu: Andrea Trost, Stefan Rogge: Umgang mit Menschen im Maßregelvollzug. Psychiatrie Verlag GmbH (Köln) 2016. ISBN 978-3-88414-633-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20678.php, Datum des Zugriffs 19.07.2018.


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