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Marianne Merkt, Christa Wetzel u.a. (Hrsg.): Professionali­sierung der Hochschuldidaktik

Cover Marianne Merkt, Christa Wetzel, Niclas Schaper (Hrsg.): Professionalisierung der Hochschuldidaktik. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2016. 319 Seiten. ISBN 978-3-7639-5533-6. D: 34,90 EUR, A: 35,90 EUR.
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Thema

Der vorliegende Tagungsband zur 42. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik hat den Anspruch, durch die versammelten Tagungsbeiträge die Diskussion zentraler, mit der „Professionalisierung der Hochschuldidaktik“ in Zusammenhang stehender Themenfelder widerzuspiegeln.

Herausgeberinnen und Herausgeber

  • Prof. Dr. Marianne Merkt ist Professorin für Hochschuldidaktik und Wissensmanagement und Leiterin des Zentrums für Hochschuldidaktik und angewandte Hochschulforschung an der Hochschule Magdeburg-Stendal
  • Christa Wetzel, M.A. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Zentrum für Hochschuldidaktik und angewandte Hochschulforschung an der Hochschule Magdeburg-Stendal
  • Prof. Dr. Niclas Schaper ist Inhaber des Lehrstuhls für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Paderborn

Entstehungshintergrund

Der vorliegende Blickpunkt-Band ist der Tagungsband zur 42. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik, die in Braunschweig unter dem Motto Professionalisierung der Hochschuldidaktik stattfand (http://dghd-tagung-2013.hs-magdeburg.de).

Aufbau und Einführung

Der Tagungsband ist in einen einführenden Artikel und drei thematische Kapitel unterteilt, die insgesamt 28 Beiträge umfassen.

In dem einführenden Beitrag wird von den Herausgeber*innen die aktuelle Entwicklung der Hochschuldidaktik als Forschungs- und Handlungsfeld beschrieben, die sich in den versammelten Beiträgen wiederfindet. Als gemeinsamen Nenner der verschiedenen Beiträge zur Konzeption, Implementierung und Evaluation innovativer Lehr- /Lern- und Unterstützungskonzepte (Kap. 1), zur Professionalisierung von Hochschuldidaktiker*innen und Hochschullehrenden (Kap. 2) und zur Organisationsentwicklung und Qualitätsmanagement von Studium und Lehre (Kap. 3) wird von ihnen die Reflexion und wissenschaftliche Bearbeitung der sich stellenden Anforderungen gesehen. Demzufolge arbeiten sie als „eine Tendenz“ des hochschuldidaktischen Professionalisierungsprozesses die Integration von Forschung, Theorie und Intervention in „spezifischen formativen Designs“ (S. 10) heraus.

Zu Kapitel 1

Im 1. Kapitel werden als ein Themenfeld der Professionalisierung innovative Lehr-/Lernformate, Unterstützungsangebote und Studiendesigns vorgestellt.

Die Beiträge von Adrienne van Wickevoort Crommelin und Ina Lindow & Alexandra Shajek setzen sich mit der Förderung des Forschenden Lehrens und Lernens auseinander und gehen auf verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten ein.

Marco Heyner stellt ein Projekt zur Beratung und Betreuung von Studierenden in der Studieneingangsphase zur Förderung des selbstreflexiven Studierens vor, während Thea Strooth, Petra Westphal und Hanna Müsche ein Mentoring-Konzept zur Diversifizierung von Lerngelegenheiten für Lehramts-Studierende beschreiben.

Melanie Klinger, Martin Odermatt und Daniel Schön diskutieren in ihrem Beitrag sinnvolle Einsatzszenarien von digitalen Abstimmungstools und deren Merkmale.

In den folgenden drei Beiträgen des Themenbereichs geht es um Forschungsergebnisse und Erkenntnisse zu Diversitätsmerkmalen von Studierenden und deren Einfluss auf Studienerfolg und Methodenbewertung (Michael Herzog & Elisabeth Katzlinger), zur Studierfähigkeit in der Studieneingangsphase (Elke Bosse, Konstantin Schultes & Caroline Trautwein) und zum Verhältnis allgemeiner und fachbezogener Hochschuldidaktik am Beispiel der Kompetenzmodellierung von Mathematikkompetenz (Matthias Heiner & Reinhard Hochmuth).

Zu Kapitel 2

Das 2. Kapitel behandelt schwerpunktmäßig Konzepte zur Professionalisierung von Hochschuldidaktiker*innen und Hochschullehrenden.

Rüdiger Rhein setzt sich mit der Strukturlogik von Lehr-Lernsituationen auseinander und leitet hieraus Anforderungen für die professionelle Hochschuldidaktik als Beratungsformat ab.

Martin Mürmann, Beatrix Wildt und Johannes Wildt stellen verschiedene Weiterbildungsprogramme für hochschuldidaktische Professionals dar.

Die zwei Beiträge von Karin Reiber, Julia Müter und Petra Richey sowie von Andreas Fritsch, Kristina Müller, Birke Sander und Antje Tober beschäftigen sich mit der Frage der bedarfsgerechten und zielgruppenspezifischen Gestaltung hochschuldidaktischer Angebote und deren Marketing.

Gegenstand der darauffolgenden Beiträge sind die Darstellung zweier hochschuldidaktischer Weiterbildungsprogramme bzw. -kurse: das Bielefelder Zertifikat für Hochschullehre (Kerrin Riewerts, Claudia Paulsteiner-Doms und Petra Weiß) und das Profiprogramm der Ostfalia Hochschule (Sebastian Wirthgen, Kathrin Munt und Peter Riegler).

Die Beiträge von Gundula Gwenn Hiller und Kerstin Mayrberger fokussieren zwei Unterthemen der Lehrkompetenzentwicklung von Hochschullehrenden: während der erste Beitrag die Relevanz interkultureller Kompetenz in einer internationalisierten Hochschullehre anhand einer empirischen Studie zur E-Mail-Kommunikation darstellt, erörtert der Zweite die Bedeutung einer medienbezogenen Professionalität in der Gestaltung universitären Lehrens und Lernens.

Mediengestützte Wege der Qualitätsentwicklung der Lehre stellen die folgenden zwei Beiträge vor: Einen konkreten Vorschlag zur Unterstützung von Lehrenden bei der Umsetzung innovativer eSzenarien stellen Ivo van den Berk und Wolfgang Herrlitz mit didaktischen Templates für Lernplattformen dar.

Im Anschluss präsentieren Linda Halm, Melike Heubach, André Mersch, Oliver Samoila und Burkhard Wrenger ein mediengestütztes Mentoring-Konzept (inkl. Mentoring Ausbildung) für die Studieneingangsphase der Hochschule Ostwestfalen-Lippe.

Die letzten drei Beiträge dieses Unterkapitels nehmen fachbezogene hochschuldidaktische Entwicklungsansätze in den Blick: Ein Multiplikatorenmodell zur Tutorenqualifizierung bildet den Gegenstand des Beitrags von Frank Ehninger, Gudrun Webers und Tanja Gleisberg. Ulrike Keller et al. stellen das Projekt HD MINT vor, das vor dem Hintergrund der Problematik studentischer Fehlkonzepte Lehrende aus MINT-Studiengängen unterstützt. Anja Centeno Garcia schlägt mit dem „Scholarship of Academic Practice“ einen Ansatz zur „systematische(n), forschende(n) Auseinandersetzung mit der eigenen Fachkultur“ vor.

Zu Kapitel 3

Gegenstand des 3. Kapitel sind Ansätze zur Organisationsentwicklung und des Qualitätsmanagements in der Lehre, der Studiengangentwicklung und der Studienorganisation und die Rolle und Position der Hochschuldidaktik innerhalb dieser Prozesse.

Isabelle Heinisch, Klaus-Peter Eichler und Ralf Romeike beschreiben mit KOALA ein Projekt zur Unterstützung kompetenzorientierter Lehre und mögliche Effekte einer derartig gestalteten Lehre.

Andreas Seifert, Rebekka Balsam und Jens Newig stellen die formative und summative Evaluation des Betreuungsprogramms College Studienreflexion und Ergebnisse vor.

Miriam Barnat und Katrin Billerbeck stellen mit dem Instrument „Evaluationsorientiertes Lernergebnis-Beratungsgespräch“ eine Möglichkeit der Verzahnung von Hochschuldidaktik und Qualitätsmanagement dar.

Vor dem Hintergrund des integrierten Lern- und Handlungsmodell und dessen Implikationen geht Christiane Metzger auf einen Ansatz der Studiengangsentwicklung ein.

Zwei unterschiedliche Ansätze zur Initiierung von Change-Prozessen bilden Gegenstand der folgenden zwei Beiträge: Tanja Münch, Martina Oster und Stefan Brée schildern am Beispiel des Projektes LernkulTour und der Entwicklung einer kompetenzorientierten Gruppenprüfung in einem Studiengang den Ansatz einer systemischen Organisationsentwicklung; Birgit Szcyrba, Timo van Treeck und Jutta Wergen beschreiben eine verzahnte Strategie der innerinstitutionellen Hochschulforschung, Intervention und Vernetzung unter dem spezifischen Aspekt der Förderung einer Diversitätkultur in Studium und Lehre.

Der Abschlussbeitrag stammt von Matthias Barth und Marco Rieckmann zu Effekten eines Weiterbildungsprogramms für Lehrende einer ecuadorianischen Universität auf einerseits die Lehrkompetenzentwicklung der Teilnehmenden und andererseits auf die Organisationsentwicklung der Universität.

Diskussion

Der Bucheinband von Band 127 in der Reihe Blickpunkt Hochschullehre verspricht die im Rahmen der 42. dghd Jahrestagung aufgekommenen Diskurse wiederzugeben. So sollen demnach Fragen zum beruflichen Selbstverständnis von in der Hochschuldidaktik Tätigen, zum Third Space, zu Institutionalisierungsformen hochschuldidaktischer Einrichtungen, zum wissenschaftlichen Anspruch und zur nachhaltigen Verankerung der Arbeitsfelder Hochschuldidaktik, Mediendidaktik und Qualitätssicherung in den Mittelpunkt rücken. Unter dem Titel „Professionalisierung der Hochschuldidaktik“ lassen diese Fragen eine professionstheoretische Verortung bzw. empirische Analyse von Professionalisierungsprozessen vermuten. Der Blick in das Inhaltsverzeichnis und die Einführung durch die Herausgeber*innen machen jedoch deutlich, dass die Tagungsbandbeiträge vornehmlich aktuelle Projekte und deren Ansätze, Evaluations- und Forschungsergebnisse darstellen. Der Band versammelt eine Bandbreite an Beschreibungen und Reflexionen hochschuldidaktischer Praxis entlang relevanter Themen wie bspw. der Implementation innovativer Lehr-Lernkonzepte und Unterstützungsstrukturen, der Aus- und Weiterbildung von Hochschullehrenden und der hochschuldidaktischen Professionals sowie der Erhöhung der Annahme hochschuldidaktischer Aktivitäten. Der Tagungsband ist somit als ein Dokument der Professionalisierung des Handlungsfeldes Hochschuldidaktik zu sehen. Er knüpft damit in gewisser Weise an den Themenband Nr. 112 der Blickpunkt Reihe an, der 2003 ebenfalls unter dem Titel „Professionalisierung der Hochschuldidaktik“ erschienen ist.

Gemein ist den Bänden, dass sie die verschiedenen Professionalisierungsbemühungen und -bestrebungen der Hochschuldidaktik und ihrer Akteur*innen sichtbar machen und damit der (Scientific) Community wichtige Impulse und Anregungen für die Entwicklung der Handlungspraxis mitgeben. Während Bd 112 vor allem die Weiterbildung hochschuldidaktischer Professionals, Institutionalisierungskonzepte und Netzwerkarbeit fokussiert (und damit genau das aufgreift, was der Bd 127 im Einband ankündigt), stellt der vorliegende Band insbesondere die entwicklungsbasierte Forschung und Intervention, bei der Projektarbeit und wissenschaftliche Konzepte verschränkt werden, als Professionalisierungstendenz in den Vordergrund. In der Darstellung eben dieser Verschränkung von Forschung und Praxis (von den Herausgeber*innen als inter- und transdisziplinäre Interventionsforschung bezeichnet) liegt der Gewinn des Bandes für die Leser.

Adressiert werden mit diesem Band (wie auch mit der Tagung) insbesondere die Mitarbeiter*innen in den vielen Projekten des Qualitätspakt Lehre. Sie erhalten einen Einblick, wie hochschuldidaktische Maßnahmen und strukturelle Interventionen in Studium und Lehre wissenschaftlich fundiert und praktisch entwickelt und umgesetzt werden können. Die einzelnen Beiträge gehen dabei, wie für einen Tagungsband sicherlich nicht unüblich, unterschiedlich in die Tiefe, so wäre es an einigen Stellen wünschenswert gewesen, die Stolpersteine, Chancen und offene Fragen sowie kontextuellen Bedingungen noch stärker darzulegen. Möglich wäre es, mit dem Abschluss der Projekte (z.B. mit dem Ende der QpL-Förderung) eben diese kritische Reflexion nachzuliefern und die Dissemination der Erfahrungen/Lessons Learned dadurch zu unterstützen. Trotz des nur indirekten Bezugs zum Thema Professionalisierung macht der Band deutlich, dass die Professionalisierung der Hochschuldidaktik in Deutschland sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien befindet und auf verschiedenen Ebenen vollzogen wird. Das von den Herausgeber*innen formulierte Ziel, den vielfältigen Entwicklungen ein Forum zur Darstellung und Reflexion zu geben, wurde mit dem Tagungsband erreicht.

Fazit

Trotz einiger kritischer Einwände ist der vorliegende Blickpunktband lesenswertes Dokument hochschuldidaktischer Praxis und Reflexion, da er Einblicke in die verschiedenen Themenfelder und aktuellen hochschuldidaktischen Entwicklungen, insbesondere der Projekte des Qualitätspakts Lehre, bietet. Der Begriff Professionalisierung steht in dieser Veröffentlichung für den Professionalisierungsprozess der Hochschuldidaktik im Sinne der „Nutzung wissenschaftlicher Instrumente sowie theoretischer Konzepte zur Entwicklung innovativer hochschuldidaktischer Arbeitsformate“ (S. 10). Der Tagungsband spricht daher vor allem Projektmitarbeiter*innen und hochschuldidaktische Akteure an, die sich für die Planung, Durchführung und Evaluation ihrer eigenen Projekte erste Impulse einholen und/ oder sich über den Status Quo informieren wollen.


Rezensentin
Dipl.-Päd. Katrin Stolz
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Universität Hamburg Universitätskolleg-Teilprojekt 33 "Studierfähigkeit"
E-Mail Mailformular

Rezensentin
Dipl. Pädagogin Diana Bücker
Homepage www.zhb.tu-dortmund.de/hd/bereich-hd


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Zitiervorschlag
Katrin Stolz/Diana Bücker. Rezension vom 05.07.2016 zu: Marianne Merkt, Christa Wetzel, Niclas Schaper (Hrsg.): Professionalisierung der Hochschuldidaktik. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2016. ISBN 978-3-7639-5533-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20688.php, Datum des Zugriffs 18.09.2019.


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ISSN 2190-9245

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