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Hans-Ulrich Krause: Controlling-Kennzahlen für ein nachhaltiges Management

Cover Hans-Ulrich Krause: Controlling-Kennzahlen für ein nachhaltiges Management. Ein umfassendes Kompendium kompakt erklärter Key Performance Indicators. De Gruyter Oldenburg (Berlin) 2016. 390 Seiten. ISBN 978-3-11-044705-7. D: 39,95 EUR, A: 40,30 EUR.
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Thema

Kennzahlen sind aus der betrieblichen Praxis nicht mehr wegzudenken. Die Verdichtung komplexer Zusammenhänge in prägnant definierten Kennzahlen ist eine instrumentelle Basis für zahlreiche Management- und Controllinganwendungen, bspw. im internen und externen Berichtswesen, im Benchmarking, in der Beteiligungssteuerung, in der Balanced Scorecard, im Performance Management. Auch vor der Sozialwirtschaft und anderen nicht-gewinnorientierten Branchen macht die zunehmende Präsenz von Kennzahlen als Steuerungs- und Informationsgrundlage nicht halt. Hans-Ulrich Krause legt nun ein umfassendes Kompendium vor, in dem etwa 180 Kennzahlen auf 361 Seiten ausführlich erläutert werden. Damit knüpft er an die frühere Publikation „Controlling-Kennzahlen – Key Performance Indicators“ (Hans-Ulrich Krause / Dayanand Arora, 2. Aufl., 2010) an, welche erweitert und aktualisiert wurde. Das vorliegende Werk versteht sich jedoch nicht als 3. Auflage der genannten Vorgängerpublikation, weil neben den inhaltlichen Erweiterungen die Zweisprachigkeit der 2. Auflage nicht weiterverfolgt wurde und Hans-Ulrich Krause nunmehr Alleinautor ist.

Autor

Der Autor ist Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Controlling / Internes Rechnungswesen an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.

Aufbau und Inhalte

Abgesehen von Einleitung und drei Anhängen mit Exkursen besteht das Kompendium vollständig aus der Erläuterung von Kennzahlen, welche nach folgendem wiederkehrenden Grundaufbau erfolgt:

  • Fragestellung
  • Definition(en)
  • Ermittlung / Herleitung
  • Betriebswirtschaftlicher Aussagewert und Größenordnung
  • Handlungsanregungen
  • Verwandte Kennzahlen / Zusätzliche Anregungen erfolgt.

Je Kennzahl werden nach dem genannten Aufbau durchschnittlich etwa zwei Textseiten ausgeführt.

Die Anordnung der Kennzahlen erfolgt in fünf Hauptkapiteln mit den jeweils genannten Schwerpunkten:

  1. Basis-Kenngrößen (Produktivität, Effizienz, Rentabilität u.a.)
  2. Finanz-Perspektive (Ergebnis-, Rentabilitäts-, Liquiditäts-, Solvenz-, Cash Flow-Kenngrößen, Cash Flow-Rentabilitätskenngrößen, Finanz-, Kosten- und Erlösstruktur-Kennzahlen, Zeit- und Investitionscontrolling-Kenngrößen, Wertbasierte Kenngrößen, Kapitalmarkt-Kenngrößen, Ökologische Nachhaltigkeits-Kenngrößen)
  3. Kunden-Perspektive (Kundenbeziehungs-, Marketingkommunikations-, Preismanagement-, Break-Even-, Marktabdeckungs-, Marktpositions-, Vetriebseffizienz-, Ökologische Nachhaltigkeits-Kenngrößen)
  4. Geschäftsprozess-Perspektive (Projektcontrolling-, Qualitätscontrolling-, Supply Chain-, Kapazitäts- und Komplexitätsmanagement-, Prozesscontrolling-, Ökologische Nachhaltigkeits-Kenngrößen)
  5. Potenzial-Perspektive (Personalkosten-, Personalcontrolling-, Personalentwicklungs-, Mitarbeiterverhaltens-, Innovationspotenzial-, Ökologische Nachhaltigkeits-Kenngrößen)

Die behandelten Kennzahlen sind gemäß dem Konzept eines Kompendiums allgemeiner betriebswirtschaftlicher Natur. Spezifika bestimmter Branchen oder Sektoren treten nicht auf, soweit nicht in den Texten gelegentlich zu Besonderheiten in bestimmten Bereichen hingewiesen wird. Ein geringer Teil der vorgestellten Kennzahlen ist verstärkt im produzierenden Industriegewerbe zu verorten und im Dienstleistungsbereich weniger relevant. Dennoch verbleiben sehr viele Kennzahlen von allgemeingültiger Natur. Darunter befinden sich etablierte „Klassiker“ wie ROI, EBIT, Liquiditätsgrade, Kapitalquoten, Marktanteile, Personalkostenquote, Krankenstandsquote u.v.m. als auch speziellere und jüngere Kennzahlen wie bspw. Sustainable Value, Search Engine Average Rank, To Complete Performance Index, Prozess-Beschleunigungskosten, Eigenerstellungs-bedingte CO2e-Emissionen, Personal-Internationalitätsindex, Innovations-Quote u. a.

Es werden bei zahlreichen Kennzahlen Definitionsalternativen genannt, was die teilweise heterogene Umsetzung in der Praxis widerspiegelt. Sofern es möglich ist, gibt der Autor Interpretationshilfen für konkrete Werte von Kennzahlen. Zudem erläutert er auf hilfreiche und gut verständliche Art und Weise, wie die Kennzahlen jeweils beeinflusst werden können, sowohl rein quantitativ als auch durch konkretes Managementhandeln. Dadurch erhalten die Ausführungen einen verstärkten Praxisbezug.

Das Kompendium endet mit weiterführenden Literaturhinweisen und kurzen Texten in drei Anhängen:

  1. Systematische Analyse der Veränderungsmöglichkeiten relativer Kennzahlen,
  2. ROI-Kennzahlensystem und Balanced Scorecard-Konzept als kennzahlenbasierte Führungsinstrumente,
  3. Sustainability Value Chain: Kenngrößenstützte Operationalisierung von nachhaltigem Management in Unternehmensnetzwerken.

Ein Stichwortverzeichnis, in dem alle behandelten Kennzahlen hervorgehoben sind, rundet das Werk ab.

Diskussion

Dem Autor ist es gelungen, die häufig uneinheitliche Definition und Anwendung von Kennzahlen in einer klaren und stringenten Systematik abzubilden. Somit wird dem Leser und der Leserin eine gute Orientierung gegeben. Zudem besticht das Kompendium durch seine hilfreichen Erläuterungen zu den einzelnen Kennzahlen und die gute Verständlichkeit des Schreibstils.

Die Relevanz der behandelten Kennzahlen für die Sozialwirtschaft und die angrenzenden gemeinwohlorientierten Branchen muss differenziert betrachtet werden: Einerseits behandelt das Kompendium wie zuvor dargestellt viele allgemeine betriebswirtschaftliche Kennzahlen, die auch in der Sozialwirtschaft angewendet werden (können). Ebenso ist es ein üblicher Umstand, dass nicht alle Einträge eines Kompendiums für eine bestimmte Branche einschlägig sind. Andererseits lautet jedoch die Konsequenz, dass es branchenspezifische Kennzahlen gibt, die in diesem Kompendium – konzeptionsgemäß weil kein Branchenfokus – nicht enthalten sind. Hier denkt der Rezensent in Abhängigkeit von Größe, Rechtsform und Finanzierungsstruktur beispielsweise an den Social Return on Investment (SROI), die Effektivität (auf verschiedenen Ebenen), Wirkungsgrade, Eigenwirtschaftlichkeit, Zuschussquote, Fundraisingquote, Fundraising-Effizienz, Neumitgliederquote, Mitgliederwachstumsrate, Verwaltungskostenquote sowie weitere sozialwissenschaftliche fachspezifische Kennzahlen, etwa aus der Kinder- und Jugendhilfe, der Behindertenhilfe, der Pflege etc. Dies kann dem Autor nicht vorgeworfen werden, soll jedoch dem Leser / der Leserin dieser Rezension zeigen, dass für die ganzheitliche „Versorgung“ mit relevanten Kennzahlen der Sozialwirtschaft weitere, spezifische Quellen erforderlich sind (z. B. Bernd Halfar, Gabriele Moos, Klaus Schellenberg: Controlling in der Sozialwirtschaft, 2014). Hier stößt ein allgemeines Kompendium – naturgemäß – an seine Grenzen.

Der Titel verweist auf ein „nachhaltiges Management“, und der Autor führt mehrfach den „Dreiklang“ aus sozialen, ökonomischen und ökologischen Nachhaltigkeitsdimensionen an. Dies entspricht der Tripple Bottom Line, zurückgehend auf den Brundtland-Abschlussbericht der von den Vereinten Nationen ins Leben gerufenen Weltkommission für Umwelt und Entwicklung aus dem Jahr 1987. Die ökonomische Nachhaltigkeit im Sinne einer betriebswirtschaftlichen Nachhaltigkeit ist ohne Frage ein Schwerpunkt des vorliegenden Kompendiums. Die ökologische Dimension wurde mit 14 Kennzahlen explizit berücksichtigt, die sich mehrheitlich auf den Ressourcenverbrauch bei einem Produktionsprozess beziehen. Die soziale Nachhaltigkeit operationalisiert der Autor als „soziale Akzeptanz“ (vgl. Vorwort), was sich in mitarbeiter- und kundenbezogenen Kennzahlen niederschlägt. Aus dem Blickwinkel der Sozialwirtschaft und auch des öffentlichen Sektors heraus würde man die soziale Nachhaltigkeitsdimension und die zugehörigen Performance-Kennzahlen breiter definieren, d. h. auf Impact- und Outcome-Wirkungsebenen von externen Stakeholdergruppen ansetzen wie bspw. Klienten, deren Umfeld und der Gesamtgesellschaft (vgl. van Helden, Jan; Reichard, Christoph (2016): Differences in public and private sector performance management practices: a literature review. In: Epstein, Marc J.; Verbeeten, Frank; Widener, Sally K. (ed.): Performance Measurement and Management Control: Contemporary Issues, Studies in Managerial and Financial Accounting, Volume 31, Emerald Insight, S. 309-351). Das Performance- und Nachhaltigkeits-Verständnis ist bei Hans-Ulrich Krause vorrangig auf privatwirtschaftliche, gewinnorientierte Unternehmen ausgerichtet. Ein kennzahlengestütztes, auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Fach- und Wirkungscontrolling in der Sozialwirtschaft und in anderen nicht-gewinnorientierten Sektoren bedarf nicht unbedingt anderer, aber zusätzlicher Dimensionen.

Relativ kurz, aber mit viel Mehrwert fallen die Anhänge I bis III aus. Sie leisten praxisorientierte und analytische Beiträge zur Anwendung von Kennzahlen (vgl. o.).

Fazit

Hans-Ulrich Krause hat sowohl für Studierende, Lehrende als auch für Praktiker einen wertvollen Beitrag zum Umgang mit betriebswirtschaftlichen Kennzahlen geleistet. Sein Kompendium definiert und erläutert rund 180 allgemein-betriebswirtschaftliche Kennzahlen auf sehr gut nachvollziehbare Weise. Seine Charakterisierungen enthalten jenseits der Definitionen auch wertvolle Hinweise zur Interpretation und Beeinflussung der jeweiligen Kennzahlen. Das Werk besticht u. a. durch seine Präzision und Klarheit, inhaltlich und sprachlich. Die enthaltenen Kennzahlen sind überwiegend auch in sozialwirtschaftlichen Unternehmungen relevant, vorrangig zur betriebswirtschaftlichen Steuerung im engeren Sinn. Wer im sozialwirtschaftlichen Bereich auch Sach- und Effektivitätsziele in einem umfassenden Kennzahlentableau berücksichtigen bzw. recherchieren möchte, wird weiterführende Quellen hinzuziehen müssen.


Rezensent
Prof. Dr. Robert Knappe
Professur für Betriebswirtschaftslehre der öffentlichen Verwaltung an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin)
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Zitiervorschlag
Robert Knappe. Rezension vom 30.08.2016 zu: Hans-Ulrich Krause: Controlling-Kennzahlen für ein nachhaltiges Management. Ein umfassendes Kompendium kompakt erklärter Key Performance Indicators. De Gruyter Oldenburg (Berlin) 2016. ISBN 978-3-11-044705-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20689.php, Datum des Zugriffs 17.09.2019.


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