Eike Hebecker, Birgit Szczyrba et al. (Hrsg.): Beratung im Feld der Hochschule
Rezensiert von Dr. Jutta Pauschenwein, 17.08.2016
Eike Hebecker, Birgit Szczyrba, Beatrix Wildt (Hrsg.): Beratung im Feld der Hochschule. Formate – Konzepte – Strategien – Standards. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2015. 200 Seiten. ISBN 978-3-658-07909-3. D: 29,99 EUR, A: 30,83 EUR, CH: 37,50 sFr.
Thema
Das Buch widmet sich Beispielen aus Personalentwicklung und Beratungspraxis im Kontext der Hochschule und der Hochschuldidaktik. Im Mittelpunkt stehen Beratungsformate an der Hochschule, die auch mediengestützt abgewickelt werden können. Zielgruppe des Buches sind Hochschullehrende und Studierende, Leitungspersonal und Stabstellen an der Hochschule sowie BeraterInnen, MentorInnen und Coaches.
Herausgeberinnen
- Dr. rer. soc. Eike Hebecker ist Politikwissenschaftlerin, Leiterin des Referats Bewerberauswahl in der Hans-Böckler-Stiftung und Mitglied im Sprecherteam des Netzwerks Wissenschaftscoaching
- Dr. paed. Birgit Szczyrba ist Sozial- und Erziehungswissenschaftlerin, Leiterin des Kompetenzteams Hochschuldidaktik der TH Köln und Mitglied im Sprecherteam des Netzwerks Wissenschaftscoaching
- Beatrix Wildt ist Diplom Psychologin und Erziehungswissenschaftlerin, sie übt freiberufliche Tätigkeiten im Bereich hochschuldidaktischer Weiterbildung und Beratung aus und ist Mitbegründerin des Netzwerks Wissenschaftscoaching
Aufbau
Das Buch gliedert sich in fünf Schwerpunkte mit ein bis sechs Kapiteln. Nach der Einleitung ins Thema schließen sich folgende Inhalte an:
- Professionalisierung und Qualität von Coaching im Kontext der Hochschulen
- Coaching in der hochschulischen Personalentwicklung – Konzepte und Programmbeispiele
- Lehrgestaltungen und Studienförderung mit Coaching und coachingnahen Instrumenten und Medien
- Professionelles und semiprofessionelles Coaching für hochschulische Zielgruppen
- Auf den Weg zu Standards in der Beratung
Inhalt
Eike Hebecker, Birgit Szczyrba, Beatrix Wildt und Johannes Wildt zeigen in der Einleitung auf, warum der Bedarf nach unterschiedlichen Beratungsangeboten für Hochschulen steigt. Sie erwähnen die Rolle der „New-Professionals“, also Personen, die weder zum akademischen noch zum administrativen Personal gehören und sprechen die Breite des Beratungsangebots für die unterschiedlichen Gruppen an der Hochschule auf.
In Teil I „Professionalisierung und Qualität von Coaching im Kontext der Hochschulen“ betrachten Beatrix Wildt und Johannes Wildt in ihrem Beitrag „Entwicklungen von Beratung im Feld der Hochschuldidaktik. Perspektiven einer Professionalisierung“ den Einsatz von Beratung an der Hochschule in den letzten Jahrzehnten und stellen professionelle und semiprofessionelle Beratungsangebote in den Kontext der Qualitätssicherung. Im zweiten Beitrag stellt Ferdinand Buer aus Sicht eines Beraters und Hochschullehrers die Frage „Welche Ansprüche dürfen Hochschulangehörige an gutes Coaching stellen?“ und verweist auf die Wichtigkeit von Abstimmungsprozessen zwischen allen beteiligten Gruppen und der Feldkenntnisse des Coaches. Der Beitrag von Jutta Wergen und Susanne Gotzen mit dem Titel „Qualität im Wissenschaftscoaching – eine Frage der Perspektive“ setzt sich mit den unterschiedlichen Wahrnehmungen von Wissenschaftscoaching auseinander und schildert die daraus entstehende Schwierigkeit zu übereinstimmenden Qualitätskriterien für die Beratung in der Hochschule zu kommen.
Teil II „Coaching in der hochschulischen Personalentwicklung – Konzepte und Programmbeispiele“ hat Fallstudien zum Thema. Anke Diez, Alexandra Hund und Katrin Klink präsentieren in ihrem Beitrag „Coaching im Kontext der strategischen Personalentwicklung am Karlsruher Institut für Technologie“ eine Fallstudie basierend auf dem Ansatz der lernenden Organisation. In der Fallstudie „Vielfältig und passgenau – Coaching als Bestandteil akademischer Personalentwicklung an der Ruhr-Universität Bochum“ von Friederike Bergstedt, Martina Schmohr und Anja Tillmann steht das Lehrcoaching im Zentrum der Betrachtungen. Teil II schließt mit der Fallstudie „Hochschuldidaktisches Coaching – Kompetenzentwicklung für Studium und Lehre durch individualisierte Beratungsangebote an der Universität Duisburg-Essen“ von Nicole Auferkorte-Michaelis und Sylvia Ruschin, wobei die Förderung der Lehrkompetenz des wissenschaftlichen Nachwuchses im Rahmen einer hochschuldidaktischen Weiterbildung thematisiert wird.
In Teil III „Lehrgestaltungen und Studienförderung mit Coaching und coachingnahen Instrumenten und Medien“ geht es um den Einsatz konkreter Methoden. Birgit Szczyrba legt in ihrem Artikel „Mit dem Lehrportfolio zum Scholarship – Ein Coachingansatz zum Forschenden Lehren im eigenen Fach“ den Fokus auf die Reflexion von Lehrprozessen. Timo van Treeck beschreibt in seinem Artikel „Webbasiertes Coaching zur Begleitung innovativer Lehrexperimente“ den Einsatz von Online-Medien in Coaching Prozessen. Eine semiprofessionelle Beratung ist Thema des Artikels „Mit Mentoring den Berufseinstieg begleiten“ von Kathrin Mahler Walther; sie beschreibt, wie berufserfahrene Mentoren und Mentorinnen die Mentees begleiten. Im Artikel von Sarah Vespermann und Regina Weber „Chancengleichheit in der Studienförderung durch Diversity Coaching“ wird der Einsatz von Peer-Beratung diskutiert.
Teil IV „Professionelles und semiprofessionelles Coaching für hochschulische Zielgruppen“ widmet sich unterschiedlichen hochschulischen Statusgruppen. In dem Artikel„Coaching für Neuberufene. Unterstützung für Exzellenz in der Lehre?!“ nennt Frank Linde die Verbindung von Weiterbildung, Einzelcoaching und Peer-Coaching als guten Weg, um mit der Vielfalt der Lernenden und Lehrenden umzugehen. Eike Hebecker und Jutta Wergen präsentieren in ihrem Artikel „Kollegiales Coaching für Promovierende“ ein Unterstützungskonzept für Promovierende. In dem Artikel „Tutor/inn/en-Qualifizierung als kombiniertes Professionalisierungsformat aus Schulung und Coaching“ gehen Julia Gerber und Annette Ladwig darauf ein, wie im Rahmen von Kollegialen Beratungen methodisch-didaktische Fragen bearbeitet und die eigenen Rolle reflektiert werden kann. Im Artikel „Peer-Coaching als Beratungsformat von Studierenden für Studierende“ von Angelika Iser und Petra Thedorff geht es um die Zielgruppe der Studierenden. Die Studierenden lernen verschiedene Beratungsformen kennen und wenden diese dann an. Susanne Edinger verweist in ihrem Artikel „Coaching für Studierende. Unterstützung für einen erfolgreichen Studienverlauf“ auf ein professionelles Coaching Angebot für Studierende in einer besonderen gesundheitlichen Lage. Im Beitrag „Kultursensitives Coaching internationaler Studierender an deutschen Hochschulen – Grenzen und Möglichkeiten einer intensiven Betreuung“ diskutieren Susanne Preuschoff und Matthias Wiemer Beratungsprogramme für internationale Studierende.
Beatrix Wildt und Johannes Wildt betonen in Teil V: „Auf den Weg zu Standards in der Beratung“ die Wichtigkeit der Professionalisierung von Beratungsfunktionen an der Hochschule, sowie der Qualitätssicherung von Beratung.
Diskussion und Fazit
Ursache für den Bedarf an Beratung im Feld der Hochschule sind die vielfältigen Herausforderungen an die hochschulischen Statusgruppen. Lehrende und ProfessorInnen brauchen über ihre Forschungskompetenz hinaus weitere Fähigkeiten im Bereich der Kommunikation, des Managements von Projekten und zeitlichen Ressourcen, der Balance zwischen Berufs- und Privatleben. Sie stehen im Spannungsfeld zwischen Marktinteressen, einer bürokratischen Steuerung, Anforderungen in der Lehre und im wissenschaftlichen Feld.
Die Situation bei der Zielgruppe der Studierenden ist vergleichbar, auch hier gibt es unterschiedliche und vielfältige Ansprüche an einzelne Individuen, die von den Anforderungen im Lernprozess über den jeweiligen persönlichen Hintergrund (etwa ausländische Studierende, Studierende in besonderen gesundheitlichen Lagen) bis zum Selbstmanagement reichen.
Consulting und Fachberatung als Expertenberatung, Supervision und Coaching als Prozessberatung sowie Peer-Coaching unterstützen die Lehrenden in ihrem Agieren in der neuen Institutionskultur und in ihrem hochschuldidaktischen Wirken und die Studierende in ihrem jeweiligen Studium mit seinen vielfältigen Facetten.
Durch die Darstellung von Beratungsszenarien in unterschiedlichen Hochschulbereichen erhalten die LeserInnen eine neue Sicht auf das komplexe System Hochschule.
Das Buch beeindruckt durch die Breite seiner Themen und gibt einen guten Überblick über die Vielfalt an Beratungsangeboten in der Hochschule.
Rezension von
Dr. Jutta Pauschenwein
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