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Lutz van Dijk: Afrika - Geschichte eines bunten Kontinents

Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 18.05.2016

Cover Lutz van Dijk: Afrika - Geschichte eines bunten Kontinents ISBN 978-3-7795-0527-3

Lutz van Dijk: Afrika - Geschichte eines bunten Kontinents. Neu erzählt mit afrikanischen Stimmen. Peter Hammer Verlag (Wuppertal) 2015. 319 Seiten. ISBN 978-3-7795-0527-3. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR, CH: 31,50 sFr.
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Hat Afrika eine Geschichte?

Es klingt heute für den anthrôpos, den mit Intellekt, der Fähigkeit Allgemeinurteile zu bilden und zwischen Gut und Böse unterscheidungsfähigen zôon politikon, das auf der scala naturae an oberster Stelle stehende menschliche, geschichtsbewusste und anthropologische Lebewesen Mensch (Aristoteles) wie eine Mär aus vergangenen Zeiten, was 1945 der belgische Missionar und Ethnologe Placide Tempels in seiner „Philosophie Bantoue“ behauptete, dass Afrika keine Geschichte habe und die Afrikaner nicht philosophieren könnten (Franziska Dübgen / Stefan Skupien, Hrsg., Afrikanische politische Philosophie. Postkoloniale Positionen, 2015, www.socialnet.de/rezensionen/20696.php). Die Auffassung freilich war kein Hirngespinst eines Rassisten, sondern wurzelt in den Höherwertigkeitsvorstellungen der Weißen und deren eurozentrierten, hegemonialen Denken und Handeln über die Jahrtausende hinweg. Der „Vater der Geschichtsschreibung“, der griechische Historiograph, Geograph und Völkerkundler Herodot von Halikarnass (490/80 – ca. 424 v. Chr.) wunderte sich bereits zu seiner Zeit, „ex Africa semper aliquid novum“, aus Afrika kommt immer etwas Neues. Dieses Staunen allerdings war schon damals nicht bestimmt von der Überzeugung, dass die Menschheit in ihrer Vielfalt eine humane Einheit darstellt und deshalb jeder Mensch in seiner geschichtlichen und kulturellen Identität eine allgemeingültige, nicht relativierbare Menschenwürde hat, wie dies in der „globalen Ethik“, der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948 zum Ausdruck kommt: Die Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden Würde und ihrer gleichen und unveräußerlichen Rechte bildet die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt. Es war nur ein kleiner Schritt bei der Betrachtung der Wildheit der Landschaften und Tierwelt im afrikanischen Kontinent – ibi sunt leones, hier befinden sich Löwen – hin zur Klassifizierung des „wilden, barbarischen Negers“, der durch die Weißen versklavt werden konnte; aber auch mit dem wohlwollenden, karitativen und christlichen Impetus, von dem der Missionar der Norddeutschen Mission, Sprachwissenschaftler und Völkerkundler Diedrich Hermann Westermann (1875 – 1956) überzeugt war: „Das Geschick des Afrikaners ist für alle absehbare Zeit mit dem des Europäers aufs engste verbunden, ja es ist von ihm abhängig, er ist der Schüler und Arbeitnehmer, wir die Lehrer und Arbeitgeber, aber auch: Wir sind die Herren und er der Untergebene“ (D. Westermann, Der afrikanische Mensch und die europäische Kolonisation, in; Georg Wüst, Hrsg., Kolonialprobleme der Gegenwart, Verlag von E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1939, S. 67.

Immerhin: Der Ethnologe Leo Frobenius (1873 – 1938) schwärmte in seinem Werk „Kulturgeschichte Afrikas. Prolegomena zu einer historischen Gestaltlehre“ (Phaidon-Verlag, Zürich / Frankfurt/M., 1933, 652 S,) bei seinen Schilderungen über die kulturellen Fähigkeiten und Kreativitäten der Afrikaner: „Ich kenne kein Volk des Nordens, das diesen Primitiven in solcher Ebenmäßigkeit der Bildung vergleichbar wäre“. Der senegalesische Politiker und Schriftsteller Léopold Sédar Senghor und der afro-karibische Literat Aimé Césaire haben Frobenius´ Forschungen aufgenommen und in der „Négritude“ zur Wirkung gebracht (Léopold Sédar Senghor, Négritude und Humanismus, Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf/Köln 1967, 324 S.). Das Ziel, die Geschichte Afrikas von Afrikanern erzählen und schreiben zu lassen, hat der Historiker Joseph Ki-Zerbo (1922 – 2006) aus Burkina Faso, als Vorsitzender einer 39köpfigen Forschungsgruppe im Auftrag der UNESCO von 1969 bis Ende der 1970er Jahre unternommen, um in einem interkulturellen Dialog eine „General History of Africa“ vorzulegen (Joseph Ki-Zerbo, Die Geschichte Schwarz-Afrikas, Wuppertal 1979, 775 S.). Der Historiker von der Universität Gießen, Winfried Speitkamp, nimmt die Herausforderung auf, vom patriarchalischen, eurozentrierten und hegemonialen Blick auf Afrika wegzukommen und die historischen und aktuellen Wirklichkeiten in unserem Nachbarkontinent „auf Augenhöhe“ zu betrachten (Winfried Speitkamp, Kleine Geschichte Afrikas, Stuttgart 2007, 517 S., in: Jos Schnurer, Berliner Literaturkritik, 7.12.2007). Der Germanist, Publizist und Autor Moustapha Diallo ist überzeugt davon, dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Kulturen von Völkern von Hörensagen und Dominanz befreit werden und ein gleichberechtigtes, kulturelles und interkulturelles Bemühen einsetzen muss, um historische Einflüsse und Entwicklungen objektiv darstellen zu können. Mit seinem Schreibprojekt „Raconter la vie“ hat er 40 afrikanische SchriftstellerInnen, KünstlerInnen, PolitikerInnen und WissenschaftlerInnen gebeten, jeweils eine Person aus der Geschichte und Gegenwart Afrikas vorzustellen, die für sie und ihre individuelle und gesellschaftliche Entwicklung besonders bedeutsam waren oder sind (Moustapha Diallo, Hrsg., Visionäre Afrikas. Der Kontinent in ungewöhnlichen Portraits, 2014, www.socialnet.de/rezensionen/16225.php).

Entstehungshintergrund

Rassistisches, von Höherwertigkeitsüberzeugungen bestimmtes Denken und Handeln ist immer bestimmt von Egoismus und Ethnozentrismus. Der Fremde wird aufgrund seines individuellen und kulturellen Andersseins als minderwertiger betrachtet (vgl. dazu: Jos Schnurer, Wie Deutschland zu den Fremden kam, www.socialnet.de/materialien/171.php, 20.12.2913). Im anglophonen, wissenschaftlichen Diskurs der Postcolonial Studies wird mit den Critical Whiteness Studies, die im deutschen Diskurs als „Weißseinsforschung“ übersetzt wird, eine kritische Auseinandersetzung über das eigene Weißsein im Kontext des Andersseins gefordert. Lass mich Ich sein, damit du Du sein kannst! (Maureen Maisha Eggers / Grada Kilomba / Peggy Piesche / Susan Arndt, Hrsg., Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland, Unrast-Verlag, Münster 2005, 550 S.). Es gibt viel zu tun, um einen Perspektivenwechsel im Verhältnis des Westens zu Afrika zu vollziehen. Der Arroganz auf der einen und der Schuldzuweisungen auf der anderen Seite muss ein echtes Bemühen um Verstehen und Verständigung entgegengesetzt werden – beginnend in der familialen, schulischen und außerschulischen Bildung im Westen wie in Afrika, sich fortsetzend in den privaten und beruflichen Begegnungen und Kooperationen, bis hin zur Zusammenarbeit in den inter- und supranationalen Organisationen und beim Regierungshandeln. Helmut Danner, der als Pädagoge und Philosoph an europäischen und afrikanischen Hochschulen lehrte und als Landesvertreter der Hanns-Seidel-Stiftung in Ägypten, Kenia und Uganda tätig war, legt einen reflektierten Erfahrungsbericht darüber vor, wie persönliche und kulturelle Missverständnisse zwischen den Menschen im Westen und in Afrika entstehen. Dabei fragt er nach den Ursachen und zeigt Alternativen auf, wie ein interkultureller Dialog möglich wird (Helmut Danner, Das Ende der Arroganz. Afrika und der Westen – ihre Unterschiede verstehen. Ein interkultureller Essay, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13530.php).

Autor

Der deutsch-niederländische Pädagoge, Friedenserzieher und Menschenrechtsbildner Lutz van Dijk ist Mitbegründer der südafrikanischen Stiftung HOKISA (www.hokisa.co.za), die sich für Kinder und Jugendliche mit HIV/Aids engagiert. Für sein publizistisches und altruistisches Engagement hat er zahlreiche Anerkennungen gefunden und Preise erhalten; u. a. den Gustav-Heinemann-Friedenspreis 2010 (Lutz van Dijk, Hrsg., African Kids. Eine südafrikanische Township-Tour, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/15006.php). Es gelingt ihm, junge und alte Menschen, die in Afrika leben, empathisch zum Sprechen zu bringen und ihre Hoffnungen, Wünsche und Lebensziele verständlich und glaubhaft zu vermitteln. Seine Arbeiten sind dabei immer getragen von der Zuversicht, wie sie im Xhosa-Wort „Masiphumelele“ – „Wir werden es schaffen!“ – zum Ausdruck kommt. Seine „afrikanische Geschichte“ basiert auf zwei Grundlagen, die gleichzeitig mit den aktuell lebenden Menschen in Afrika, wie mit uns zu tun haben: Afrika ist der älteste Kontinent der Menschheitsgeschichte, weil die ersten Menschen in Afrika entstanden sind; und: Afrika ist der jüngste Kontinent, weil rund die Hälfte der Afrikanerinnen und Afrikaner jung sind.

Aufbau und Inhalt

Lutz van Dijk gliedert die „Geschichte eines bunten Kontinents“ in fünf Kapitel und beendet sie mit einem Epilog. Der südafrikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Mpilo Tutu drückt in seinem Vorwort die Hoffnung aus, dass sich „ein Dialog über die Zukunft Afrikas unter jungen Leuten verschiedenster kultureller oder ethnischer Hintergründe (entwickeln möge), ein Gespräch, das umso effektiver sein wird, je mehr die historischen Werkzeuge für gegenseitige Achtung in unseren Schulen von Anfang an gelernt werden – wenn Lernen aus der Geschichte ein Abenteuer des Entdeckens und Verstehens eines zunächst fremden Menschen wird, der doch so viel mit mir gemeinsam haben kann“.

In zeitlicher Abfolge stellt er mit dem Kapitel „Afrikanische Zeiten: Wo alles begann“ unseren bisherigen, wissenschaftlichen Kenntnisstand über den Zeitraum von 550 Mill. v. Chr. – ca. 5000 v. Chr. vor. Dabei bezieht er ausgewählte afrikanische Mythen und Legenden ein, die sich auch, wie etwa vom „Baum des Lebens“ im überlieferten westlichen Sagenschatz wiederfinden. Es sind die Wanderungsbewegungen der Menschheit, die Mobilität, Migration, Einwanderung zum existentiellen Bestandteil menschlicher Entwicklung machen; und es sind die Entwicklungen der Sprachen, die Kommunikation ermöglichen.

Im Kapitel „Afrikanische Zivilisationen: Wie Menschen zusammenleben (ca. 5000 v. Chr. – ca. 1500 n. Chr)“ wird auf die Frage Bezug genommen, weshalb einige Staaten Afrikas Namen von mittelalterlichen Reichen und Zivilisationen in Afrika tragen: Ghana, Mali, Simbabwe… Es sind Ausflüge zu den Ufern des Nils und den Spuren, wie sie von den Ägyptern und Nubiern hinterlassen wurden. Es geht in die Urwälder Zentralafrikas zu den „Pygmäen“; zu den Geisterstätten und Ahnenkulten in Westafrika. Es wird berichtet über die Wanderungen der Bantuvölker im Kongogebiet; über die Verbreitung des Urchristentums und des Islam in Nordafrika; und über die Wege, die der Niger den Menschen bot.

Mit dem Kapitel „Afrikas Unterdrückung: Wie Europäer einen Kontinent unter sich aufteilen (ca. 1500 – 1945)“, setzt er sich mit den euopäischen Begehrlichkeiten und Begierlichkeiten auseinander, Herrschaft auf dem afrikanischen Kontinent zu erringen. Es war der portugiesische Eroberer Heinrich der Seefahrer, der die ersten Beutezüge und Stützpunkte der Europäer auf afrikanischen Boden schuf und den Menschen- und Sklavenhandel, und damit auch dem Kapitalismus die Wege bereitete. Mit der Kongo-Konferenz 1884 vollzogen die europäischen Mächte die Aufteilung der Völkergebiete und ethnischen Strukturen gewissermaßen am Konferenztisch in Berlin mit dem Lineal und ohne Beteiligung von Afrikanern die Zerstückelung des Kontinents zu europäischen Herrschafts- und Kolonialgebieten. Unterdrückung, Ausbeutung, bis hin zum Völkermord, etwa in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika an den Herero im Jahr 1904. Neben der Waffe und der militärischen Gewalt waren es die Missionare, die unter den „Heiden“ den christlichen Glauben und westliche Sitten- und Moralvorstellungen verbreiteten und so kulturelle Identitäten zerstörten.

Diskussion

In den europäischen Weltkriegen, 1914 – 1918 und 1939 – 1945, wurden Afrikaner als Soldaten und Söldner einbezogen. Bei aller Unmenschlichkeit und kalkulierter Machtausübung legten die kriegerischen Erfahrungen der Afrikaner bei den Kriegsbeteiligungen auch den Samen für Freiheits- und Unabhängigkeitswünsche. Die jahrelangen, blutigen und verlustreichen Kämpfe der afrikanischen Freiheitsbewegungen führten immerhin dazu, dass die meisten afrikanischen Länder ab 1960 die staatliche Selbständigkeit erlangten. Es wundert freilich nicht, dass die politische Unabhängigkeit in den neuen afrikanischen Staaten nicht ohne Konflikte und Kriege verlief und in vielen Regionen weiterhin verläuft; wurden die Länder doch weitgehend nach der Asymetrie der kolonialen Machtverhältnisse gebildet, was bedeutet, dass Völker und ihre Territorien getrennt wurden. Der ugandische Kulturschaffende Okot p´Bitek (1931 – 1982) hat in einem Vortrag auf dem National Arts Festival of Zambia 1967 den Finger in die „afrikanische Wunde“ gelegt, indem er feststellte, wäre er ein gläubiger Christ, würde er das Gebet sprechen

Oh Gott, bewahre Afrika
Vor unseren neuen Herrschern;
Lass sie demütig werden
Öffne Ihre Augen
Damit sie sehen,
Dass der materielle Fortschritt
Nicht auf einer Stufe steht mit geistigem Fortschritt.
Oh Herr, öffne die Ohren der afrikanischen Herrscher
Damit sie Freude empfinden
Beim Klang ihrer Trommeln
Und der Gedichte ihrer Mütter.
(Okot p´Bitek, Afrikas eigene Gesellschaftsprobleme, in: Rüdiger Jestel, Hrsg., Das Afrika der Afrikaner. Gesellschaft und Kultur Afrikas, edition suhrkamp 1039, Frankfurt/M., 1982, S. 249ff).

Lutz van Dijk lenkt mit seiner Afrika-Geschichte in besonderer Weise den Blick auf afrikanische Frauen, die bei den Entwicklungs- und Veränderungsprozessen in den afrikanischen Ländern eine immer stärker werdende Rolle übernehmen, als politische und kulturelle Repräsentantinnen und Vorbilder, wie auch im schwierigen, ökonomischen Alltagsleben der Menschen in Afrika. Nicht fehlen dürfen die Auseinandersetzungen und Ursachenbeschreibungen, die zum Genozid in Ruanda 1994 geführt haben, und mit den Entwicklungen, wie sie sich im „afrikanischen Fundamentalismus“ durch die Verfolgung von ethnischen, religiösen und sexuellen Minderheiten im Sudan, Nigeria (Boko Haram), Uganda, Mali… ereignen. Es sind neokoloniale Entwicklungen, die auf den scheinbar festgewachsenen und festgetretenen Strukturen der ehemaligen europäischen Kolonialmächte basieren, wie auch die neueren, chinesischen Aktivitäten auf dem afrikanischen Kontinent, die eine politische, gesellschaftliche und kulturelle Aufmerksamkeit der Afrikaner erforderlich machen. Nicht fehlen darf bei dieser historischen Analyse natürlich das zunehmende Flüchtlings- und Migrationsdrama von jungen Afrikanern, die zum „gelobten“ Kontinent Europa gelangen wollen und diese Hoffnungs- und Verzweiflungstat entweder mit dem Tod auf den Fluchtwegen durch die afrikanische Wüste oder im Meer bezahlen müssen, oder, wenn es gelingt, Europa zu erreichen, als Tagelöhner ausgebeutet oder diskriminiert und benachteiligt zu werden.

Der Lutz van Dijksche Optimismus, dass die Menschen in Afrika zu einem besseren, gerechteren und friedlicheren Leben gelangen können, wird in seinem Epilog „Afrika als Teil der einen Welt“ deutlich. Er lässt afrikanische Dichter und Schriftsteller zu Wort kommen. Damit macht er deutlich, dass die Geschichte Afrikas immer verbunden war und ist mit dem kreativen, künstlerischen, kulturellen und interkulturellen Schaffen der Menschen in unserem Nachbarkontinent. Der in Brüssel lebende und lehrende, aus dem Kongo stammende Kunsthistoriker Toma Muteba Luntumbue weist in dem von der VW-Stiftung initiiertem und durchgeführtem Projekt „Entangled. Annäherungen an zeitgenössische Künstler aus Afrika“ (Marjorie Jongbloed, Hannover 2006, S. 60) auf ein Problem hin, das es im europäisch-afrikanischen Dialog noch zu lösen gilt: „Heute hat ein afrikanischer Künstler bei westlichen Sammlern, Museen und Kunstfreunden bessere Chancen, wenn er seine afrikanische Identität in den Vordergrund rückt, statt seine Individualität oder sein Streben nach Universalität zu betonen“.

Fazit

Lutz van Dijks „Afrika – Geschichte eines bunten Kontinents“ besticht durch die unkonventionelle Auswahl von historischen Quellenmaterialien, Einbeziehung von Mythischem, Kulturellem und Alltagsstimmem. Aus diesem Mix entsteht eine empathische Aussage: „Die ganze – auch historische – Wirklichkeit wahrzunehmen, ist immer auch ein Akt der persönlichen Befreiung. Und das tut gut, weil es uns stärker macht. Im Süden wie im Norden“. Damit greift er auf die pädagogische und aufgeklärte Weisheit zurück, dass Kenntnis über geschichtliche Entwicklungen notwendig ist, um Erkennen und Werten zu können!. Die angefügte Zeittafel, differenziert in die Perioden „Afrika in der Vorzeit“ – „Afrika vom Altertum bis zum Mittelalter“ – „Afrika wird von Europäern kolonisiert“ – „Afrikas Weg zur Freiheit“, und das Namens- und Sachregister bieten gute Möglichkeiten zum Überblick und zur speziellen Themenauswahl.

Das Buch sollte in keiner öffentlichen Bücherei und in keiner Lehrer- und Schulbibliothek fehlen.

Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Es gibt 1554 Rezensionen von Jos Schnurer.

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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 18.05.2016 zu: Lutz van Dijk: Afrika - Geschichte eines bunten Kontinents. Neu erzählt mit afrikanischen Stimmen. Peter Hammer Verlag (Wuppertal) 2015. ISBN 978-3-7795-0527-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20698.php, Datum des Zugriffs 10.08.2022.


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