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Ingrid Kollak (Hrsg.): Menschen mit Demenz durch Kunst und Kreativität aktivieren

Cover Ingrid Kollak (Hrsg.): Menschen mit Demenz durch Kunst und Kreativität aktivieren. Eine Anleitung für Pflege- und Betreuungspersonen. Springer (Wiesbaden) 2016. 206 Seiten. ISBN 978-3-662-48824-9. D: 24,99 EUR, A: 25,69 EUR, CH: 26,50 sFr.

Mit 79 schwarz-weißen Abbildungen.
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Thema

Mit dieser Veröffentlichung ist es gelungen unterschiedliche kreative Ansätze in der Arbeit mit und für Menschen mit Demenz bezogen auf sechs Themengebiete praxisorientiert vorzustellen. Die einzelnen Autoren verstehen es die einzelnen Thematiken in Anbindung an Praxisfelder anschaulich darzulegen und ein Verständnis für Menschen mit Demenz im Rahmen einer sinnvollen Aktivierung zu vermitteln.

Aufbau und Serviceteil

Folgende Themenbereiche werden entsprechend der Gliederung behandelt:

  • Märchenerzählung,
  • Malen und Museumsbesuch,
  • Musik und Tanz,
  • Schreiben,
  • Theater und
  • Yoga.

Zudem ist ein ausführlicher Serviceteil diesen Abhandlungen angefügt, in dem zum einen Studien und Fachartikel über spezifische psychosoziale Interventionen und über Psychotherapien und Forschungsmethoden, weiterhin Fachbücher, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel sowie Ratgeber, Broschüren, Bücher, Romane, Erzählungen, Gedichte und weiterhin Websites als auch Filme und Videos zum Thema und zu den im Buch vorgestellten Projekten aufgelistet sind.

Die Vielzahl der Angaben ist beeindruckend und ermöglicht es, sich einen fundierten Überblick zu den einzelnen Thematiken zu verschaffen. Das angefügte differenzierte Stichwortverzeichnis kann zudem helfen Darlegungen zu spezifischen Thematiken in den Buchtexten zu finden.

Inhalt

Das Themengebiet Märchenerzählung umfasst drei Artikel, wobei im ersten zum einen eine praxisnahe Vermittlung zur Anwendung von Märchen für Menschen mit Demenz und zum anderen eine forschungsorientierte Studie zu dieser Anwendung mit praktischen Hinweisen und zur zertifizierten Ausbildung als DemenzerzählerIn dargelegt wird. Das Märchen der Bremer Stadtmusikanten wird als Projektarbeit im Hinblick auf den Teilhabeaspekt im Rahmen eines mehr-sinnlichen Geschichtenerzählens vorgestellt. Dies betrifft auch andere Märchen, für die sinnliche Materialien auf einzelne Szenen bezogen die Regieanweisungen begleiten bzw. wo das gesprochene Wort mittels konkreten Sinnesmaterials unterstützt wird. Ein weiterer Artikel thematisiert das Märchen als Türöffner bzw. den interaktiven Aspekt des Märchenerzählens, und zwar in der Vermittlung von Jung und Alt bzw. Kindern und Senioren. Es handelt sich um eine sehr praxisnahe Darstellung von beispielhaften Umsetzungsformen, die anregen zum Nachahmen.

Mit der Thematik Malen und Museumsbesuch wird die Projektarbeit ARTEMIS im Städel Museum in Frankfurt am Main vorgestellt, um Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen im Museum zu begleiten. Es ist die Verknüpfung von rezeptiven und aktivierenden gestalterischen museumspädagogischen Anteilen, was zu einem positiven Stimmungswechsel in der emotionalen Befindlichkeit beitragen kann. Als niederschwelliges und interaktives Kunstvermittlungsangebot wird es als Interventionsstudie wissenschaftlich begleitet, und zwar bezogen auf positive Effekte auf das psychosoziale Wohlbefinden, kommunikative Verhaltensaspekte und das Selbstbewusstsein von Menschen mit Demenz als auch auf eine Verbesserung der Beziehung zu den begleitenden Angehörigen.

Zum Themengebiet Musik und Tanz werden zwei Studien vorgestellt, und zwar zum einen eine psychologisch fundierte Musiktherapie bei Menschen mit Demenz und zum anderen die Bedeutung von Tanzen für Menschen mit und ohne Demenz. Neben der Darstellung grundlegender Verständnisformen werden praktische Anwendungsgebiete thematisiert, wobei es um multisensorische Stimulation geht bzw. die besonderen Wirkmechanismen und psychologisch-therapeutischen Effekte für Menschen mit Demenz. Bezogen auf die Musiktherapie wird beispielsweise die kognitive Stimulation, die Reduktion psychischer und verhaltensbezogener Symptome, die Beeinflussung von Emotionalität und Stressbewältigung, aber auch die Förderung der Psychomotorik, der sozialen Kommunikation und Interaktion herausgestellt. Das Tanzen in Tanzschulen wird anhand von Praxisbeispielen in der Sinnhaftigkeit belegt und mit dem Erwerb einer Multiplikatorenschulung auf diesem Gebiet geworben. Es handelt sich um eine Projektinitiative, die von Köln aus verschiedene andere Städte bundesweit einbeziehen konnte. Dabei geht es um das Tanzen und nicht um das Tanzenlernen, und zwar mit dem Ansatz: „Wir tanzen wieder!“ Dahingehend bestehen neben den ersten Pilotprojekten im Raum Köln verschiedene Initiativen, diesen Ansatz für Menschen mit und ohne Demenz zu verbreiten.

Das Schreiben mit Demenzerkrankten bezogen auf Biografiearbeit und Belebung der beeinträchtigten Kommunikation betrifft zwei weitere Artikel. Auch in diesem Bereich werden praxisorientierte Herangehensweisen vorgestellt und auf ein sinnvolles Arbeiten hingewiesen. Diese exemplarischen Vorgehensweisen ermöglichen einen Einblick in die Arbeitsweise und zeigen, dass auch in diesem Bereich eine perspektivische Anwendung möglich ist. Das Projekt „Schreibwerkstatt mit Menschen mit Demenz“ mit der Erstellung von Erinnerungsalben verweist auf die Ressource des Schreibens, die therapeutisch sinnvoll sein kann und kommunikative Probleme mit Angehörigen abzumildern hilft.

Die Bedeutung des Theaters bzw. von Theaterprojekten in Einrichtungen der Altenhilfe wird anhand konkreter Praxishinweise als sogenannte Grundregeln thematisiert und mittels eindrücklicher Projektvorstellungen in zwei Artikeln verdeutlicht. Mit den Projekten „Vergissmeinnicht“ und „Eine andere Welt – ein Stück über das Annehmen und Loslassen“ wird aufgezeigt, wie mit Menschen mit und ohne Demenz auf der Bühne gearbeitet werden kann. Anhand der einzelnen Phasen, d.h. Vorlauf, Beginn, Handlung und Aufführung, wird das Erfahrungsfeld nachvollziehbar. Zudem wird auf weitere Kulturprojekte zu Demenz und Theater verwiesen bzw. auf neue Wege des Theaters Bezug genommen.

Yoga für Menschen mit Demenz beinhaltet insbesondere die Kunst, Atmung, Bewegung und Konzentration zu verbinden. In dem Zusammenhang wird neben der allgemeinen Vorstellung zu Yoga auf spezifische Anwendungsformen für Menschen mit Demenz eingegangen. Es wird exemplarisch der Ablauf einer Yoga-Stunde mit entsprechenden Abbildungen zur Körperhaltung vermittelt und die Bedeutung von Yoga-Übungen zwischendurch für Menschen mit Demenz anschaulich herausgestellt.

Fazit

Im Ganzen handelt es sich um ein sehr zu empfehlendes Buch, das sowohl Pflege- und Betreuungspersonen zu inspirieren vermag als auch alle, die im Bereichen der künstlerischen Therapien tätig sind, um ihre Praxisfelder zu erweitern. Die projektorientierten Darstellungen zeigen die positive Wirksamkeit dieser innovativen Erfahrungsfelder auf, um Menschen mit Demenz eine Teilhabe und ressourcenorientierte Aktivierung zu ermöglichen, aber auch um Angehörigen und Betreuungspersonen eine veränderte Sichtweise auf Demenz zu ermöglichen.


Rezensentin
Prof. Dr. habil. Ruth Hampe
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Zitiervorschlag
Ruth Hampe. Rezension vom 07.09.2016 zu: Ingrid Kollak (Hrsg.): Menschen mit Demenz durch Kunst und Kreativität aktivieren. Eine Anleitung für Pflege- und Betreuungspersonen. Springer (Wiesbaden) 2016. ISBN 978-3-662-48824-9. Mit 79 schwarz-weißen Abbildungen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20754.php, Datum des Zugriffs 19.10.2017.


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