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Eckhard Roediger: Schematherapie. Grundlagen, Modell und Praxis

Cover Eckhard Roediger: Schematherapie. Grundlagen, Modell und Praxis. Schattauer (Stuttgart) 2016. 3., überarbeitete Auflage. 496 Seiten. ISBN 978-3-7945-2992-6. D: 59,99 EUR, A: 61,70 EUR.
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Thema

Die Schematherapie ist eine recht junge Form der Psychotherapie. Sie wurde vor etwa 30 Jahren von Jeffrey Young konzipiert und verknüpft kognitiv-verhaltenstherapeutische und psychodynamische Techniken. Es ist eine der wenigen Techniken, wo bei den Fortbildungen KollegInnen aller therapeutischer Richtungen zusammen lernen und sich durch die verschiedenen Sichtweisen hilfreich ergänzen.

Autor

Dr. med. Eckhard Rödiger ist Arzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Arzt für psychotherapeutische Medizin. Seit vielen Jahren ist er als Schematherapeut und Trainer tätig. Er leitet das Frankfurter Institut für Schematherapie (IST-F) und ist Präsident der Internationalen Gesellschaft für Schematherapie (ISST). Von ihm stammen zahlreiche Veröffentlichungen zur Schematherapie.

Entstehungshintergrund

Aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen als Psychotherapeut, Trainer, Institutsleiter und Verbandsfunktionär erschien dieses grundlegende Werk nun schon in der dritten Auflage.

Aufbau und Inhalt

Im Untertitel heißt es: Grundlagen, Modell und Praxis. Es ist ein Lehrbuch und führt umfassend in die Schematherapie ein.

Bei den Grundlagen geht es dem Autor aber nicht nur um die Historie der Schematherapie, sondern vielmehr auch um psychologische und neurobiologische Perspektiven, die dem Leser das therapeutische Vorgehen in der Schematherapie verstehbarer machen.

Das Buch ist in sechs große Kapitel unterteilt. Am Ende findet sich ein umfangreiches Sachverzeichnis (Begriffe mit entsprechender Seitenzahl des Buches) sowie ein 22-seitiges Literaturverzeichnis.

1. Grundlagen. Neben der Geschichte sowie der Einordnung der Schematherapie im Psychotherapiesystem, geht der Autor auf psychologische und neurobiologische Perspektiven ein. Ausführlich geht der Autor auf die emotionalen Bedürfnisse des Menschen ein. So verknüpft Rödiger neurobiologische Ansätze von Panksepp mit den von Grawe formulierten vier emotionalen Grundbedürfnissen.

2. Modelle. Vorgestellt werden: Schemamodell, Schemabewälltigung, Modusmodell und die Ergänzungen zum Modusmodell. In diesem Kapitel wird ausführlich das Theorie-Konzept der Schematherapie dargestellt.

3. Therapieprozess, therapeutische Beziehung und Therapierational. In diesem Kapitel stellt der Autor das therapeutische Vorgehen der Schematherapie dar. Wurde im zweiten Kapitel das theoretische Konzept (die schematherapeutischen Modelle) dargestellt, so geht es in diesem Kapitel um die Technik, die praktische Anwendung. Rödiger verknüpft hier sehr anschaulich die Ideen von Grawe (Wirkfaktoren) mit der „Ressourcenaktivierenden Beziehungsgestaltung“ in der Schematherapie.

4. Spezielle Techniken. In der Schematherapie haben sich einige Techniken als besonders hilfreich gezeigt. Hier stellt der Autor die „schematherapeutischen Fragebögen“ die „Fallkonzeption“, die „Emotionale Aktivierung und Imaginationsübungen“, die „Modusdialoge auf Stühlen“, die „Einleitung der Verhaltensänderung“ und die „Verhaltensübungen“ vor. Dieses Kapitel vertieft und erweitert die im dritten Kapitel vorgestellten Techniken.

5. Besondere und schwierige Therapiesituationen. Dieses Kapitel beschreibt in 10 Unterkapiteln besonders schwierige Situationen in der Therapie. Beschrieben werden folgende besondere Situationen: Arbeit mit der therapeutischen Beziehung, Suizidalität, selbstschädigendes Verhalten, Aggressivität, fehlende Emotionen, unterwürfige oder verliebte Patienten, Somatisierung und komorbide somatische Erkrankungen, narzisstische Patienten, Ablösungsphase und Therapieende, interpersonale Perspektive. Jedes Kapitel liefert neben einer Beschreibung der besonders schwierigen Situation, Handlungsempfehlungen und zahlreiche praktische Tipps.

6. Ausblick und empirische Absicherung. Der Autor geht in diesem Kapitel auf aktuelle Entwicklungen der Schematherapie, deren empirische Absicherung (Stand der Forschung) sowie die Fortbildungsmöglichkeiten ein. Wer an einer Ausbildung in Schematherapie interessiert ist, findet in diesem Kapitel, neben den formalen Rahmenbedingungen der Ausbildung, sämtliche Fortbildungsinstitute im deutschsprachigem Raum.

Diskussion

Dem Autor ist es gelungen, ein umfassendes Werk (fast 500 Seiten) über die Schematherapie vorzulegen. Alleine für das Kapitel „psychologische und neurobiologische Grundlagen“ lohnt sich der Erwerb des Buches. Die Funktionsweise des Gehirns wird anschaulich dargestellt und ausführlich geht der Autor auf die emotionalen Grundbedürfnisse ein. Auffallend ist der umfassende Quellenbeleg. Knapp 22 Seiten umfasst das Literaturverzeichnis. Auch zahlreiche englischsprachige Texte wurden zitiert. Ein Fundus, für den, der sich noch weiter ins Thema reinarbeiten möchte. Hilfreich ist auch das umfangreiche Sachverzeichnis. Mit Hilfe dieses Stichwortverzeichnisses, kann das Buch auch sehr gut als Nachschlagewerk benutzt werden. Das Werk ist durchgängig leicht lesbar und die zahlreichen Beispiele und Arbeitshilfen machen das Buch zu einem äußert hilfreichem Fach- und Arbeitsbuch. Viele Abbildungen verdeutlichen den Text und zahlreiche optische Hervorhebungen (grau hinterlegte Merksätze) helfen, den Text zu erschließen.

Fazit

Selten findet man/frau auf dem Büchermarkt ein Grundlagenwerk, dass so umfangreich, gut lesbar und mit derart vielen Literaturverweisen versehen ist. Es ist ein sehr zu empfehlendes Werk. Die im Buch vorgestellten Arbeitsmaterialien (wie Fragebögen) sind leider nicht im Buch, vieles kann aber von der Homepage des Autors heruntergeladen werden.


Rezensent
Prof. Dr. phil. Peter Olm
Psychologischer Psychotherapeut, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Evangelische Hochschule Nürnberg
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Zitiervorschlag
Peter Olm. Rezension vom 17.10.2016 zu: Eckhard Roediger: Schematherapie. Grundlagen, Modell und Praxis. Schattauer (Stuttgart) 2016. 3., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-7945-2992-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20755.php, Datum des Zugriffs 15.10.2019.


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