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Jan Erhorn, Jürgen Schwier (Hrsg.): Pädagogik außerschulischer Lernorte

Cover Jan Erhorn, Jürgen Schwier (Hrsg.): Pädagogik außerschulischer Lernorte. Eine interdisziplinäre Annäherung. transcript (Bielefeld) 2016. 270 Seiten. ISBN 978-3-8376-3132-6. D: 29,99 EUR, A: 30,90 EUR, CH: 36,80 sFr.
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Die Schultür öffnen

In der Pädagogik und Erziehungswissenschaft kommt der institutionalisierten Bildung und Erziehung in den frühkindlichen und schulischen Einrichtungen eine besondere Bedeutung zu. In der Schultheorie und -praxis wird der Institution Schule eine herausragende, individuelle und gesellschaftliche Aufgabe zugewiesen. Sie soll dazu beitragen, „grundlegende Probleme einer Gesellschaft im Rahmen kulturell gültiger Werte, Normen und Regeln zu lösen“ (Michael Maaser /Gerrit Walther, Hrsg., Bildung. Ziele und Formen, Traditionen und Systeme, Medien und Akteure, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12295.php; sowie: Sabine Kirk / Johannes Köhler / Hubert Lohrenz / Uwe Sandfuchs, Hrsg., Schule und Geschichte. Funktionen der Schule in Vergangenheit und Gegenwart, Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2000, 423 S.). Mit der Aufforderung, die Schultüren zu öffnen, wird im öffentlichen Diskurs darauf hingewiesen, dass der Lernort Schule ein zwar wichtiges, aber eben nicht das einzige Arrangement ist, um Wissen und Lern- und Handlungskompetenzen hin zu einem gebildeten Menschen im Sinne des Humanum zu erwerben. Weil Bildung heißt, die Welt verstehen und begreifen zu lernen, ergeben sich daraus auch Anspruch und Bewusstsein, dass Bildung ein Menschenrecht ist und als emanzipatorisches Diktum durchgesetzt werden muss (Willehad Lanwer, Hrsg., Bildung für alle. Beiträge zu einem gesellschaftlichen Schlüsselproblem, 2014, www.socialnet.de/rezensionen/16915.php). Die Definition von Bildung und Erziehung, wie sie z. B. in der UNESCO-Empfehlung zur „internationalen Erziehung“ zum Ausdruck kommt, verweist auf die Richtung, wie in der Pädagogik die Befreiung des Menschen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit gelingen kann: Bildung ist demnach der „Gesamtprozess des sozialen Lebens, innerhalb dessen Einzelpersonen und gesellschaftliche Gruppen es lernen, in ihrer eigenen Gesellschaft und im Rahmen der gesamten Weltgemeinschaft ihre persönlichen Fähigkeiten und Einstellungen, ihr Können und Wissen bewusst und bestmöglich zu entfalten“ (Deutsche UNESCO-Kommission, Empfehlung zur „internationalen Erziehung“, 2. veränd. Auflage, Bonn 1990, S. 16).

Entstehungshintergrund und Herausgeberteam

In der Schulpädagogik, -forschung, Didaktik, Curriculumrevision und Schulkritik wird die Frage nach der „richtigen“ Schule gestellt (Roland Reichenbach, … für die Schule lernen wir. Plädoyer für eine gewöhnliche Institution, 2013, www.socialnet.de/rezensionen/14609.php; vgl. dazu auch: „Was ist eine gute Schule? – Haben wir eine gute Schule?“, 31.7.2014, www.sozial.de//Schnurers Beiträge).Mit der Erkenntnis, dass Bildung und Lernen lebenslange Prozesse und Herausforderungen sind, erhält neben der schulischen Bildung die Erwachsenenbildung eine besondere, individuelle und gesellschaftliche Bedeutung (Bruno Hafeneger, Hrsg., Handbuch Außerschulische Jugendbildung, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11748.php); und damit auch die Lernorte, die sich dafür anbieten.

Aus schulpädagogischer Betrachtung wird, mit dem Hinweis darauf, dass in den Schulräumen die Auseinandersetzung mit der alltäglichen Wirklichkeit nicht immer konkret und praktisch, sondern vielfach nur theoretisch möglich sind, darauf verwiesen, dass in außerschulischen Lernorten „unter der Voraussetzung einer angemessenen pädagogischen Inszenierung … das anwendungsorientierte, kooperative und selbstgesteuerte Lernen angeregt, das Lernklima positiv beeinflusst sowie gezielt mehrere Wahrnehmungs- und Lernkanäle genutzt werden“. Der Juniorprofessor für Sportwissenschaft an der Europa-Universität Flensburg und wissenschaftlicher Direktor des Hamburger Forums „Spielräume e.V.“, Jan Erhorn, und der Bewegungswissenschaftler und Vorsitzende des Trägervereins „Sportpiraten Flensburg e.V.“, Jürgen Schwier, geben den Sammelband „Pädagogik außerschulischer Lernorte“ mit dem Ziel heraus, die Chancen und Möglichkeiten, die außerschulische Lernorte anbieten, im schulischen Bildungs- und Lernprozess wirksam werden zu lassen und die theoretische und praktische Einbindung in den wissenschaftlichen, pädagogischen Diskurs zu befördern. Sie haben dazu 19 Expertinnen und Experten zu einem interdisziplinären Gedanken- und Erfahrungsaustausch versammelt. Die Autorinnen und Autoren legen dabei besonderen Wert darauf, dass die außerschulischen Lernorte keine „beliebige(n) Eventstätte(n)“ sind, sondern, mit der notwendigen pädagogischen Vor-, Nachbereitung und den fachspezifischen und fächerübergreifenden Arrangements, zu echten, nachhaltigen Lernerfahrungen und -ergebnissen führen können.

Aufbau und Inhalt

Die Beiträge im Sammelband lassen sich in drei Themenbereiche gliedern:

  1. Im ersten Teil werden grundlegende Fragen zur Bedeutung von außerschulischen Lernorten diskutiert;
  2. im zweiten werden sportpädagogische Perspektiven für den Sportunterricht und den Schulsport thematisiert;
  3. und im dritten Teil wird der Blickwinkel erweitert hin zu den Möglichkeiten und Erfahrungen bei der LehrerInnen-Aus- und -Fortbildung.

Der Sammelband ist Bestandteil des vom BMBF aufgelegten Förderprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung/Programm Sport-Bündnisse! Bewegung – Bildung – Teilhabe“ und der Zusammenarbeit mit der Deutschen Sportjugend.

Der Sport(didaktik-)wissenschaftler von der Hochschule Düsseldorf, Ulrich Deinet und der Sport- und Gesellschaftswissenschaftler von der Universität Osnabrück, Ahmet Derecik, stellen mit ihrem Beitrag „Die Bedeutung außerschulischer Lernorte für Kinder und Jugendliche“ eine raumtheoretische und aneignungsorientierte Betrachtung an. Sie gehen dabei von einem erweiterten Bildungsbegriff aus, in dem die besondere Bedeutung von außerschulischen Lernorten für die Bildung und Erziehung von Heranwachsenden hervorgehoben wird. Voraussetzung dafür ist der Auf- und Ausbau der Organisations- und Innovationsform der Ganztagsschule für schulische Bildung: „Es geht in erster Linie darum, ein integriertes Raumkonzept anzustreben, wodurch eine Vernetzung von verschiedenen Bildungsorten und -prozessen ermöglicht werden kann“.

Der Schulpädagoge und Bildungsforscher Jürgen Budde und die Erziehungswissenschaftlerin Merle Hummrich, beide von der Universität Flensburg, zeigen mit ihrem Beitrag „Die Bedeutung außerschulischer Lernorte im Kontext der Schule“, eine erziehungswissenschaftliche Perspektive auf, indem sie die historischen Bezüge bei der Inwertsetzung von außerschulischen Lernorten aufzeigen und das Interesse und die Konjunktur des Außerschulischen für schulisches Lernen erläutern: „Die Verknüpfung außerschulischer und schulischer Lernorte stellt eine Entwicklung dar, die auf einen Merkmalswandel der modernen Schule verweist und den Charakter von Schule als von Familie und Freizeit abgegrenztem Ort tendenziell in Frage stellt“.

Der Marburger Pädagoge und Mitbegründer des Jugendwaldheims Roßberg, Jochen Dietrich, plädiert mit dem Beitrag „Lernort Natur“ dafür, den Schülerinnen und Schülern „eine sachliche und emotionale Auseinandersetzung mit Naturräumen und -erscheinungen zu ermöglichen, um ihnen die Bedeutung des Mensch-Natur-Verhältnisses bewusst zu machen und verantwortliches Verhalten in diesem Verhältnis möglichst nachhaltig zu fördern“. Er stellt das hessische Umweltbildungszentrum vor und vermittelt Beispiele und Erfahrungen für das Lehren und Lernen am Naturort.

Jürgen Schwier macht mit seinem Beitrag „Schulsport auf Tour – Orte des Lernens im Trendsport“ auf die motivatorischen, pädagogischen, physischen und materiellen Möglichkeiten aufmerksam und zeigt Beispiele für eine alternative, neue Bewegungskultur auf; wie etwa „Bicycle Moto Cross“, „Surfen“, „BMX“, „Wellenreiten“, u.a. Dabei ist der allgemein für Schulsport gültige Hinweis wichtig, dass sich alle Arrangements unterscheiden müssen von Event- und Konkurrenzdenken; vielmehr gilt es Formen und Methoden zu praktizieren, die es Schülerinnen und Schülern ermöglicht, „subjektiv neuartige und als lohnend empfundene Bewegungsaufgaben bzw. -orte (zu) entdecken, Räume im Tun (zu) erschließen, die Handlungspraxis jugendlicher Bewegungskulturen kennen(zu)lernen und diese gegebenenfalls auch für ihr zukünftiges Sportengagement fruchtbar (zu) machen“.

Der Flensburger Sportwissenschaftler Marc vom Endt setzt sich mit der Thematik „Außerschulische Lernorte auf dem Wasser“ als Möglichkeit zur Naturbegegnung im Schulsport auseinander. Er diskutiert die Vielfalt der sportdidaktischen Ansätze und Theorien und bringt sie in Beziehung zu den Curriculum-Anforderungen beim Schulsport in Schleswig-Holstein. Er findet dabei Defizite und überholte Vorstellungen, und er plädiert dafür, einen Perspektivenwechsel von der „Fertigkeitsausbildung in einer Wassersportart“ hin zu einer Natur- und Welterfahrung vorzunehmen.

Jan Erhorn unternimmt mit seinem Beitrag „Der Sportverein als Thema des Schulsports“ eine Annäherung an die Möglichkeiten der schulischen Repräsentation. Er analysiert dazu zuerst die Entwicklung, Zielsetzung und Arbeitsweise von Sportvereinen, um dann sich der Frage zuzuwenden, wie die Repräsentanz und die Zusammenarbeit mit Sportvereinen im Schulsport möglich wird. Damit dies allerdings nicht zu Werbeveranstaltungen für Sportvereine verkommt, ist es bedeutsam, Image und Praxis von sportlichen Tätigkeiten in Vereinen gewissermaßen in die pädagogische und Erziehungsarbeit der Schule zu integrieren. Dazu diskutiert er Praxisbeispiele von gelingenden und misslingenden Kooperationen.

Der wissenschaftliche Mitarbeiter beim Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Dortmund und Geschäftsführer des Dortmunder Zentrums für Schulsportforschung, Benjamin Zander, thematisiert: „Die Peergroup als Bindeglied von Schule und außerschulischem Leben im Sportunterricht“. Er nimmt zum Anlass, dass Schülerinnen und Schüler anscheinend eher für ihr Freizeitverhalten durch Erfahrungen mit außerschulischen sportlichen Tätigkeiten profitieren, als denen, die im schulischen Sportunterricht vermittelt werden. Diesem Paradoxon auf die Spur zu kommen, analysiert er zum einen die Bedeutung und Wirkung von Peergroups als soziale Bezugsgruppe; zum anderen zeigt er am Projekt „Sport erfinden“ auf, wie es gelingen kann, „die Peergroup als ein Bindeglied von Schule und außerschulischen Leben“ zu verstehen und in die Unterrichtsarbeit zu integrieren.

Der Flensburger Berufspädagoge Axel Grimm vermittelt mit den Beitrag „Außerschulische Lernorte in der Berufsbildung“ Voraussetzungen und Möglichkeiten, wie in der Berufsschule die Bedeutung und Effektivität von sportlichen Aktivitäten betrachtet, geplant und realisiert werden kann. Weil in der dualen Ausbildung die betriebliche Ausbildung an sich bereits ein außerschulischer Lernort ist, und überbetriebliche Ausbildungsstätte als weitere Lernorte dazu kommen, muss die berufsschulische Bildung ein besonderes Augenmerk auf die Verbindung von schulischem und außerschulischem Lernen richten. Der Autor stellt dazu Beispiele vor und diskutiert die Möglichkeiten, Chancen und Gefahren; wie z. B. bei der Mitarbeit beim Projekt „Stolpersteine gegen das Vergessen“, bei der Herstellung und Restaurierung des Schulschiffs M/S Geeste in Mölln, die Arbeit des Berliner Bildungs- und Forschungszentrums bei MINT-Fächern und -Studiengängen, die Etablierung von „Inverted Classrooms“ in der Berufsschule.

Der Flensburger Geschichtsdidaktiker Uwe Danker verweist mit „Public History“ auf die Möglichkeiten für außerschulisches Lernen. Er verweist darauf, dass sich beim schulischen Lernen eine „Umorientierung von der inhaltsbezogenen Lernorientierung zur Förderung der Kompetenzen Lernender“ vollzieht, die auch für den Geschichtsunterricht von Bedeutung ist. Er entwirft dafür ein Konzept eines erweiterten historischen Lernens und diskutiert die vielfältigen Möglichkeiten und didaktischen Maßnahmen, wie z. B:: Einbindung von Museumsbesuchen und Ausstellungen in den Geschichtsunterricht, Einbeziehung von Zeitzeugen und Interviews, Nutzung von Film- und Fernsehproduktionen, Arbeit in Archiven, Gedenkstättenarbeit, Literaturanalysen, autonome Internetnutzung. „Ich kann“, so der Autor „nur eine Aufgabe schulischen Geschichtsunterricht erkennen…, nämlich jene, autonome Menschen zu schaffen, die nach ihrer Schullaufbahn über die notwendigen und hinreichenden Kompetenzen verfügen, kritisch und reflektiert Geschichte zu denken, ohne Geschichtsanbietern beliebiger Art ausgeliefert zu sein“.

Die beiden Kunstwissenschaftler und -pädagogen Manfred Blohm und Werner Fütterer richten mit ihrem Beitrag „Ortswechsel“ ihre Aufmerksamkeit auf andere Orte im Kunstunterricht. Sie identifizieren den klassischen, außerschulischen Lernort Museum als einen „Sonderfall“, weil sich im Rahmen der verschiedenen Formen der Museumspräsentationen bestimmte Tätigkeitsbereiche etabliert haben, die denen der Schule nicht unähnlich sind, z. B.: die MuseumspädagogInnen und im wissenschaftlichen Bereich die Museumsdidaktik. Sie zeigen an vier Fallbeispielen Ähnlichkeiten und Unterschiede auf, mit denen durchaus die Frage differenziert beantwortet werden kann, ob etwa ein Museumsbesuch von Schulklassen nicht Schule ist, oder als außerschulische Aktivität betrachtet werden kann, und es deshalb besonderer Formen der Vorbereitung, Einbindung und Nachbereitung im Kunstunterricht bedarf; etwa im Rahmen der Lehreraus- und -fortbildung: „Um im Kontext von Schule überzeugend Inhalte zu vermitteln, Entdeckungen zu ermöglichen und mutige Haltungen und ungewohnte Herangehensweisen zu fördern, bedarf es eigener Erfahrungen und Überzeugung für eine Sache“.

Die Naturwissenschaftler von der Flensburger Abteilung Physik und ihre Didaktik und Geschichte, Peter Heering, Michael Kuiper und Lydia Schulze-Heuling diskutieren mit ihrem Beitrag „Physikalische Bildung in außerschulischen Kontexten am Beispiel der Science Center“ Entstehungsgeschichte, Zielsetzungen und Vermittlungsformen von traditionellen und neueren Science Centern im deutschsprachigen Raum. Am Beispiel der „Phänomenta“ in Flensburg stellen sie die verschiedenen Arrangements und Beispielstationen vor, zeigen Präsentations- und Erlebnismöglichkeiten auf und verweisen auf die wissenschaftlichen Forschungs- und Anwendungsbereiche, wie auch auf die Defizite und Verbesserungs- und Veränderungsanforderungen in der digitalisierten Welt.

Der wissenschaftliche Mitarbeiten der Flensburger Abteilung Biologie und ihre Didaktik, Arne Bockwoldt, setzt sich mit seinem Beitrag „Das Experiment in naturwissenschaftlichen Lernumgebungen“ mit der Entwicklung von Lernhilfen zum selbstständigen Bearbeiten von Experimentieraufgaben im außerschulischen Lernort Schülerlabor auseinander. Damit Schülerinnen und Schüler zum forschenden Lernen angeleitet werden können, bedarf es der besonderen Gestaltung von Lernumgebungen und der Vermittlung und Handhabung von Lernwerkzeugen. „Das Experiment in naturwissenschaftlichen Lernumgebungen ist eine komplexe Tätigkeit, bei dem der Lernende vor kognitiven, motorischen und fachmethodischen Herausforderungen steht“.

Die Flensburger Didaktikerin für den Sachunterricht, Beate Blaseio, stellt fest: „Guter Sachunterricht kommt ohne das Aufsuchen außerschulischer Lernorte nicht aus“. Sie thematisiert die Gründe und Möglichkeiten für dieses Diktum, verweist auf die curricularen Grundlegungen und didaktisch-methodischen Herausforderungen und zeigt ausgewählte methodische Zugänge und Fertigkeiten an außerschulischen Lernorten auf. Für eine sach-, fach- und motivationsgerechte Vermittlung „ist die Kreativität und das Engagement der Lehrkraft gefragt, denn erst sie macht durch ihre curricular-didaktischen Planungs- und Durchführungsentscheidungen aus einem Ort einen sekundären Lernort des Sachunterrichts bzw. durch die passgenaue Auswahl von Programmen sowie Absprachen mit Museumspädagogen oder Experten aus einem Museum einen Lernstandort, der das sachunterrichtliche Lernen der Kinder fördert.“

Der Mainzer Geograf Christian Stolz breitet mit seinem Beitrag „Lernen im Gelände“ eine Exkursionsdidaktik in der Physischen Geographie aus. Weil Exkursionen sowohl in der wissenschaftlichen Ausbildung von Fachlehrerinnen und Fachlehrern Bestandteil der Profession, als auch im Geographie-Unterricht als curriculare Bausteine für schulisches Lernen sind, können außerschulische, geografische Lernorte eine besondere Bedeutung für fachbezogenes und fächerübergreifendes Lernen haben. Der Autor stellt mehrere Fallbeispiele vor, wie „Arbeitsexkursionen aus dem Bereich der Geomorphologie und Bodengeographie“, „Konstruktivistisch organisierte Kartierungen“, „Hypothesengeleitete Kartierungen“, „Kurzzeitige Umweltbeobachtungen: das Wetter-Messprojekt“, sowie „Längerfristige Umweltbeobachtungen: der Sukzessionsversuch“.

Fazit

Außerschulische Lernorte sind sowohl traditionelle, seit langem genutzte Möglichkeiten für schulisches Lernen. Sie sind aber auch immerwährende Herausforderungen für die Veränderungsprozesse der Institution Schule. Insbesondere durch die kulturellen und interkulturellen Entwicklungen, die sich als das Recht auf schulische Bildung für Alle artikulieren, als Inklusion, curriculare, fächerbezogene und fächerübergreifende Konzepte und im Zeichen der zunehmenden Etablierung von veränderten Organisationsformen in der Schule, etwa der Ganztagsschule, darstellen, wird schulisches Lernen zur ganzheitlichen, welt- und existenzbeogenen Bildung. Dadurch erhalten außerschulische Lernorte eine neue Bedeutung, wenn es gelingt, die dort vorfindlichen Bildungsangebote und -gelegenheiten in das schulische Curriculum zu integrieren. Die fachlichen und fächerübergreifenden Reflexionen darüber sind ein wichtiger Baustein für pädagogische und erziehungswissenschaftliche Innovationen.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 01.07.2016 zu: Jan Erhorn, Jürgen Schwier (Hrsg.): Pädagogik außerschulischer Lernorte. Eine interdisziplinäre Annäherung. transcript (Bielefeld) 2016. ISBN 978-3-8376-3132-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20761.php, Datum des Zugriffs 16.10.2019.


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