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Philipp Mayring: Einführung in die qualitative Sozialforschung

Cover Philipp Mayring: Einführung in die qualitative Sozialforschung. Eine Anleitung zu qualitativem Denken. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. 6., überarbeitete Auflage. 170 Seiten. ISBN 978-3-407-25734-5. D: 16,95 EUR, A: 17,50 EUR, CH: 23,90 sFr.
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Thema

In der nunmehr 6. Auflage seines Buches Einführung in die Qualitative Sozialforschung widmet sich Philipp Mayring in – im Vergleich zur 5. Auflage – geringfügig erweiterter und aktualisierter Form den methodischen und methodologischen Herausforderungen qualitativer Forschung.

Autor

Philipp Mayring ist Professor für psychologische Methodenlehre an der Universität Klagenfurt. Er ist stellvertretender Leiter des Instituts für Psychologie der Uni Klagenfurt sowie Leiter der Abteilung für Angewandte Psychologie und Methodenforschung und des Zentrums für Evaluation und Forschungsberatung.

Entstehungshintergrund

Die methodologischen Grundprobleme, mit denen die qualitative Sozialforschung seit jeher und bis heute zu kämpfen hat, gaben Philipp Mayring den Anlass zum Verfassen der 6. Auflage dieses Buches. Als Herausforderungen werden von Mayring genannt: die zögerliche Öffnung der Sozialwissenschaften für qualitative Sozialforschung, die Zurückhaltung gegenüber der Systematik und Überprüfbarkeit qualitativer Verfahrensweisen und die Überwindung der strikten Trennung quantitativer und qualitativer Forschung.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich neben dem Vorwort zur 6. und zur 1. Auflage sowie einer Schlussbemerkung in sechs Kapitel.

Im ersten Kapitel widmet sich Philipp Mayring der Geschichte qualitativen Denkens indem er den Entstehungshintergrund und die forschungshistorische Entwicklung qualitativer Forschung skizziert. Dabei nimmt er Bezug auf entscheidende sozialwissenschaftliche Disziplinen und Strömungen und kennzeichnet deren Einflüsse.

Das zweite Kapitel kennzeichnet den theoretischen Hintergrund qualitativer Forschung. Dazu formuliert der Autor fünf Postulate zu den Grundsätzen qualitativer Forschung und konkretisiert diese in dreizehn methodischen Säulen qualitativen Denkens.

Im dritten Kapitel geht Mayring detailliert auf verschiedene Untersuchungspläne beziehungsweise Forschungsdesigns ein, die sich gut für qualitativ angelegte Forschungsprojekte eignen (u.a. Einzelfallanalyse, Feldforschung, Qualitative Evaluationsforschung).

Mit dem vierten und zugleich umfangreichsten Kapitel richtet der Autor den Blick auf 17 ausgewählte Erhebungs- Aufbereitungs- und Auswertungsverfahren qualitativer Analyse. Zu jedem Verfahren werden die Grundgedanken, der Ablaufplan und die Anwendungsgebiete gekennzeichnet und mit jeweils einem anschaulichen Beispiel versehen. Zum Abschluss des Kapitels spricht sich Philipp Mayring einmal mehr für die am Gegenstand und der Fragestellung orientierte, kreative Kombination verschiedener Verfahrensweisen aus.

Das fünfte Kapitel ist dem Computereinsatz in der qualitativen Sozialforschung gewidmet. Neben einer kurzen Einführung in den Computereinsatz wird eine Auswahl an Computerprogrammen mit Verweis auf die EntwicklerInnen, die Hardware-Voraussetzungen und die wesentlichen Funktionen vorgestellt.

Im letzten und sechsten Kapitel wendet sich Philipp Mayring den Gütekriterien qualitativer Forschung zu, indem er zunächst Kritik an den sogenannten klassischen Gütekriterien übt und für methodenangemessene Gütekriterien plädiert. Im Anschluss führt er sechs allgemeine Gütekriterien aus, die sich für die Ansprüche qualitativer Forschung eignen.

In seiner Schlussbemerkung reflektiert Mayring potentielle Schwierigkeiten und Herausforderungen qualitativer Forschung.

Diskussion und Fazit

Philipp Mayring gilt zu Recht als engagierter Verfechter qualitativen Denkens und führt die LeserInnen verständlich und für einen Einführungsband angemessen detailliert in die methodischen und methodologischen Eckpfeiler qualitativer Forschung ein. Der Autor arbeitet konsequent mit anschaulichen Beispielen und erleichtert so kontinuierlich das Nachvollziehen der dargelegten Inhalte- insbesondere dann, wenn es um konkrete methodische Aspekte und Verfahrensweisen qualitativen Arbeitens geht.

Insgesamt ist das Buch inhaltlich überschaubar strukturiert und verfügt über ein ausführliches und hilfreiches Personen- und Sachregister. Die Literatur, auf die Mayring Bezug nimmt, stammt hauptsächlich aus den 1970er und -80er Jahren und es lassen sich lediglich eine Hand voll Quellen aktuelleren Ursprungs (2000-2016) ausmachen. Obwohl sich demnach im Vergleich zur vorherigen Auflage von 2002 in der 6. Auflage nur geringfügige Veränderungen bzw. Zusätze bemerkbar machen, büßt dieser Einführungsklassiker zur Qualitativen Sozialforschung nichts an Aktualität ein.

Für all diejenigen mit Interesse am qualitativen Arbeiten und auf der Suche nach einem leicht verständlichen, gut strukturierten und übersichtlichen Einführungsband eine gute Investition- sofern sie dieses Buch in einer der vorherigen Auflagen noch nicht ihr Eigen nennen.


Rezensentin
Mandy Hauser
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Förderpädagogik/ Kompetenzbereich Geistige Entwicklung der Universität Leipzig
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Zitiervorschlag
Mandy Hauser. Rezension vom 06.03.2017 zu: Philipp Mayring: Einführung in die qualitative Sozialforschung. Eine Anleitung zu qualitativem Denken. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2016. 6., überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-407-25734-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20768.php, Datum des Zugriffs 25.11.2017.


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