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Günter Huber, Waltraud Müller: Das Arbeitszeugnis in Recht und Praxis

Cover Günter Huber, Waltraud Müller: Das Arbeitszeugnis in Recht und Praxis. Haufe-Lexware GmbH & Co. KG (Freiburg) 2016. 16. Auflage. 280 Seiten. ISBN 978-3-648-08110-5. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.

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Autoren

Dr. Günter Huber ist Rechtsanwalt für Arbeits- und Erbrecht, Waltraud Müller ist Rechtsanwältin für Arbeits-, Miet- und Familienrecht.

Thema

Ziel der Autoren ist es nach eigenem Bekunden, dass Arbeitgeber problemlos zum perfekten Arbeitszeugnis kommen. Sie sollen mit dem Buch schnell aussagekräftige und rechtssichere Arbeitszeugnisse erstellen können. Arbeitnehmer erfahren auf der anderen Seite, wie sie ihr Arbeitszeugnis analysieren können und worauf sie besonders zu achten haben. Angesichts der hohen Bedeutung von Arbeitszeugnissen für die Bewerbung und die Karriere steht die Wichtigkeit dieser Publikation außer Frage. Zumal immer wieder festzustellen ist, dass doch noch viele Arbeitszeugnisse von Personen verfasst werden, die es nicht gelernt haben und so aus mancher gut gemeinten Bemerkung konträre Schlüsse gezogen werden.

Aufbau

Das übersichtliche Buch ist als Handbuch konzipiert, das heißt, insbesondere der Praktiker findet schnell das entsprechende Thema. Mit einem QR-Code können Arbeitshilfen online abgerufen werden – dieses funktioniert einwandfrei, wie entsprechende eigene Versuche gezeigt haben.

Um das Buch herum gibt es also zahlreiche weitere Materialien: das eBook ist inklusive und die Arbeitshilfen umfassen alle Musterzeugnisse und Textbausteine, die aktuellen BAG-Urteile und Checklisten. Die entsprechenden Formulare, insbesondere das Zeugnisformular mit Textbausteinen erleichtern die Zeugniserstellung noch weiter.

Inhalte

Das Buch beginnt in Kapitel 1 mit dem Zeugnisrecht. Auf wenigen Seiten werden die wichtigsten Themen rund um das Arbeitszeugnis abgehandelt. Zum Beispiel wird den Fragen nachgegangen, wer Anspruch auf ein Arbeitszeugnis hat, welche Fristen zu beachten sind und welche formalen Anforderungen es gibt. Auch gibt es Hinweise auf Schadenersatz oder was mit einem gefälschten Zeugnis passiert.

Kapitel 2 beschäftigt sich kurz damit, welche Inhalte in ein Zeugnis gehören (müssen) und welche Arten des Zeugnisses es gibt.

Die Kapitel 3 und 4 setzen diese Fragen dann konkret um. Hierbei geht es um die Formulierung von Zeugnissen, wobei über 100 Textbausteine zu Kernkompetenzen und Führung hilfreich sind. Diese Textbausteine werden auch erläutert. Kapitel 4 ist dann tabellarisch ein Zeugnisformular mit Textbausteinen.

Kapitel 5 Zeugnismuster ist das mit Abstand umfänglichste Kapitel dieses Buches; in ihm gibt es über 110 Musterzeugnisse zu den verschiedensten Berufen, Branchen und Funktionen. Dabei sind die Zeugnisse nicht nur alphabetisch geordnet, sondern zunächst nach den Gruppen Angestellte, Führungskräfte, gewerbliche Arbeitnehmer sowie Zeugnisse für Auszubildende, Trainees und Praktikanten. Den Schluss bildet ein Kapitel über Zwischenzeugnisse.

Die Interpretation von Arbeitszeugnissen ist oft ein Buch mit sieben Siegeln; insofern kann man anhand von Kapitel 6 zumindest prüfen, ob und wie die wichtigsten Bestandteile enthalten und formuliert wurden. Denn fehlende, aber erwartete Teile in einem Zeugnis werden oft als nicht vorhanden oder Schlechtleistung interpretiert. Gerade die sogenannte Schlussformulierung hat nicht nur in der Rechtsprechung immer wieder zu Konflikten geführt; viele Personalchefs lesen Zeugnisse zunächst vom Ende her. In diesem Kapitel findet man die wichtigsten Themen prägnant formuliert bis hin zu den immer gern zitierten Geheimcodes, zum Beispiel „Zeigte für die Arbeit Verständnis“, was bedeutet „War faul und hat nichts geleistet.“

Mit der kurzen Europass-Zeugniserläuterung in Kapitel 7 endet das Buch.

Diskussion

Das Buch ist sehr anschaulich geschrieben. Auch wenn die Autoren meinen, dass die Zeugnisausstellung eine Last ist, hiermit wird diese Last erheblich leichter. Denn wie man weiß, müssen Arbeitszeugnisse konkurrierenden Zielen genügen: sie sollen einerseits wahrheitsgemäß und aussagekräftig sein, andererseits aber auch wohlwollend. Das hat zu solchen Grotesken wie „Geheimcodes“ geführt; jeder kennt den Sinn der Aussage „Er bemühte sich, seiner Aufgabe gerecht zu werden!“ – hat es aber eben nie geschafft. Nun, auch hier ist das Buch auf den Seiten 256 ff. hilfreich, entschlüsselt es doch diese Aussagen.

Trotzdem sollte man vorsichtig sein: es gibt noch viele andere Techniken wie Reihenfolge und Umfang der Aussagen, Art des Briefpapiers oder das Loben von Unwichtigem. Das Problem hierbei ist, dass man nicht absehen kann, ob sich Verfasser und Leser auch wirklich verstehen. Denn in der Regel weiß der Verfasser nicht, wer alles dieses Zeugnis liest und interpretiert. Umso wichtiger ist es, wenigstens die hier sehr gut dargestellten Grundregeln zu kennen und zu beherzigen.

Fazit

Wenn ein Buch in der 16. Auflage erscheint, dann darf man es mit Fug und Recht als Klassiker bezeichnen. Ob man dann direkt vom „großen Huber“ sprechen muss, wie es der Verlag macht, sollte man dahingestellt lassen. Dieser Klassiker ist aber nicht verstaubt, sondern hat ganz im Gegenteil die neue Rechtsprechung eingearbeitet und eine Übersicht der Leistungskriterien wurde hinzugefügt. Zudem ist das Buch, auch für den nicht juristisch Vorgebildeten, leicht verständlich, ohne seicht zu sein. Also kann man dieses Buch Personalabteilungen und allen jenen, die Arbeitszeugnisse verfassen oder analysieren müssen, mit gutem Gewissen empfehlen.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
em. Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Human Resource Management und Berufsbildung sowie Sportmanagement an der Hochschule Koblenz
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 19.07.2016 zu: Günter Huber, Waltraud Müller: Das Arbeitszeugnis in Recht und Praxis. Haufe-Lexware GmbH & Co. KG (Freiburg) 2016. 16. Auflage. ISBN 978-3-648-08110-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20790.php, Datum des Zugriffs 15.09.2019.


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