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Renate Niesel, Wilfried Griebel: Übergänge ressourcen­orientiert gestalten

Cover Renate Niesel, Wilfried Griebel: Übergänge ressourcenorientiert gestalten. Von der Familie in die Kindertagesbetreuung. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2015. 149 Seiten. ISBN 978-3-17-024341-5. 22,99 EUR.
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Autorin und Autor

Dipl.-Psych. Renate Niesel war (jetzt im Ruhestand) und Dipl. Psych. Wilfried Griebel ist am Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) in München tätig.

Entstehungshintergrund und Thema

Das Buch ist der dritte Band der von Petra Büker herausgegebenen zehnbändigen Reihe „KinderStärken“. Diese Reihe verfolgt die Grundidee, dass Kinder für die Gestaltung ihrer Lebenswelten über enorme Stärken verfügen, die Familie und pädagogische Fachkräfte erkennen und stärken sollen.

Dieser Band hat den Übergang von der Familie in die erste außerfamiliäre Tagesbetreuung (Krippe, Kindergarten, Tagespflege) zum Thema. Diese gesellschaftlich initiierte Entwicklungsaufgabe stellt die Kinder, aber auch die Eltern und die pädagogischen Fachkräfte vor besondere Herausforderungen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch umfasst acht Kapitel.

Im ersten Kapitel geben die Autoren einen Überblick über historische und aktuelle Entwicklungen der Kindertagesbetreuung. Von aktueller Relevanz sind dabei die NICHD-Studie aus den USA und im Besonderen die NUBBEK-Studie zur pädagogischen Qualität der außerfamiliären Betreuung von Kindern unter drei Jahren, die vom IFP durchgeführt wurde.

Die beiden nächsten Kapitel beschäftigen sich mit den Kinderstärken. Die Autoren betonen im zweiten Kapitel die Stärken des Kindes, die auch im Übergang in die außerfamiliäre Betreuung eine wichtige Rolle spielen. Die Kinder verfügen über die nötigen Kompetenzen, brauchen aber entwicklungsangemessene Unterstützung. Sie müssen in zwei unterschiedlichen Entwicklungsumgebungen zurechtkommen, neue Beziehungen aufbauen und von anderen Kindern lernen. Eine wichtige Ressource für die Stärkung ist die Familie. Es wird gezeigt, dass die Eltern oft auch in einer Übergangsphase sind (Übergang zur Elternschaft) und Unterstützung brauchen. Dies wird auch deutlich bei den unterschiedlichen Bildern, die Eltern und Fachkräfte voneinander haben.

Die folgenden fünf Kapitel thematisieren, wie die Kinder gestärkt werden können.

Das Kapitel 4 beschäftigt sich mit Transitionen im Lebenslauf (der Übergang in eine Tagesbetreuung stellt eine dar) und stellt die theoretischen Grundlagen sowie verschiedene Transitionskonzepte vor.

Gezielt mit dem Übergang in eine Tagesbetreuung setzt sich Kapitel 5 auseinander und stellt nach bindungstheoretischen Überlegungen zwei Eingewöhnungsmodelle vor, das Münchner Modell und das Berliner Modell. Auch die Bedeutung der Gruppe in diesem Prozess sowie die besonderen Anforderungen, wenn eine „normale“ KiTa das Altersspektrum nach unten erweitert, werden angesprochen.

Im sechsten Kapitel wird der Bindungs- und Beziehungskontext aus unterschiedlichen Blickwinkeln ausführlich diskutiert.

Das IFP hat ein Transitionsmodell erarbeitet, das hier als Arbeitsinstrument vorgeschlagen wird. Es fokussiert u.a. auf die Ebenen der Entwicklungsaufgaben (Individuum, Beziehungen, Lebensumwelt) und die Anpassung an die Heterogenität der Kinder und deren Familien. Im abschließenden Kapitel wird nochmals betont, wie wichtig es ist, Kinder und Familien bei diesem ersten Schritt in die Bildungsbiographie erfolgreich zu unterstützen.

Diskussion

Transition bedeutet einen Veränderungsprozess, der mit massiven Umstrukturierungen einhergeht und intensive Lernerfahrungen notwendig macht. In diesem Sinne wird der Übergang vom Elternhaus in die Kindertagesstätte von den Autoren verstanden.

Ziel für alle Beteiligten sollte es sein, durch einen gelungenen Übergang die Kompetenzen des Kindes zu stärken, damit positive Bildungserfahrungen einzuleiten und dadurch einen Beitrag zur Resilienzentwicklung zu leisten. Es wird in diesem Buch deutlich herausgearbeitet, dass Kinder und Eltern die Transition bewältigen müssen, die pädagogischen Fachkräfte begleiten und moderieren sie. Aber auch: Transitionsbewältigung ist nicht nur eine Kompetenz des Kindes, sondern des gesamten sozialen Systems. Wichtig dabei ist die Gestaltung der Beziehungen des Kindes, ob sie nun als Bindungsbeziehung oder als Beziehung zur Stärkung der Exploration verstanden wird.

Zu Recht betonen die Autoren, dass Theoriebewusssein die Basis guter praktischer Arbeit bildet. Sie stellen die notwendigen Grundlagen sachgerecht im notwendigen Umfang verständlich dar. Darüber hinaus geben sie viele Anregungen für die Praxis.

Sie fordern aber auch deutlich die Anstrengungsbereitschaft bei Leserinnen und Leser ein, denn sie wollen ein Buch zum Weiterdenken vorlegen. Das ist ihnen gelungen.

Zielgruppen

Fachkräfte der Früh-, Elementar- und Kleinkindpädagogik sowie Fachkräfte in Aus- und Fortbildung

Fazit

Das Buch hat die Gestaltung des Übergangs von der Familie in die Kindertagesbetreuung zum Thema. Es werden der Transitionsbegriff eingeführt, zwei Eingewöhnungsmodelle beschrieben und das Transitionsmodell, das am IFP entwickelt wurde, vorgestellt und diskutiert. Es ist ein Buch, das Standard in der Ausbildung und in Kinderkrippen und Kindergarten werden sollte.

Summary

The book focusses on the transition from the family to child day care. The authors introduce the concept of transition, describe two programs to facilitate the process of familiarization in the day care, and discuss the concept of transition developed by the IFP. The book should become standard in the education and training of the staff.


Rezensent
Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner
Leiter der Interdisziplinären Frühförderstellen im Landkreis Erding im Einrichtungsverbund Steinhöring
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Zitiervorschlag
Lothar Unzner. Rezension vom 31.08.2016 zu: Renate Niesel, Wilfried Griebel: Übergänge ressourcenorientiert gestalten. Von der Familie in die Kindertagesbetreuung. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2015. ISBN 978-3-17-024341-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20814.php, Datum des Zugriffs 13.11.2019.


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