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Armin Krenz: Grundlagen der Elementarpädagogik

Cover Armin Krenz: Grundlagen der Elementarpädagogik. Unverzichtbare Eckwerte für eine professionelle gestaltete Frühpädagogik. Burckhardthaus Laetare Körner Medien UG (München) 2014. 192 Seiten. ISBN 978-3-944548-03-6. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 28,50 sFr.
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Thema

Das Buch ist ein Grundlagenbuch zu Themen der Elementarpädagogik.

Es beschäftigt sich mit der Frage nach dem grundlegenden Auftrag, des Weiteren mit der Erzieherin als Begleitung gebende Persönlichkeit, mit dem Thema Öffentlichkeitsarbeit, Weiterbildung, Bildung und Bindung, aber auch mit grundlegenden Gedanken zu einer gelingenden Kommunikation.

Menschen, die sich für den Beruf interessieren, können einen wunderbaren Einblick in die vielen Herausforderungen gewinnen, die es in diesem Beruf zu bestehen gilt. Auch wer Eckdaten und Rahmenbedingungen verantwortlich mitmodellieren kann, findet hier viele Aspekte und hilfreiche Impulse für die konzeptionelle Ausgestaltung.

Das Buch präsentiert sich als einführende Säule der Qualitätsvermittlung im Zusammenhang mit den Grundlagen der Elementarpädagogik. Es beleuchtet Anforderungs- und Gestaltungsräume, die in diesem Feld nach tragfähiger Umsetzung verlangen.

Autor

Prof. Dr. Armin Krenz studierte Sozialpädagogik mit Diplom an der Universität Essen (Gesamthochschule, FB II – Erziehungswissenschaften). Er war von 1975 bis 1985 in einer Erziehungs- und Lebensberatungsstelle, dann in einer landeskirchlichen Fortbildungseinrichtung tätig. Von 1985 bis 2013 war er Mitinhaber und Gesellschafter des außeruniversitären Institutes für angewandte Psychologie und Pädagogik (IFAP) in Kiel und arbeitete dort als Wissenschaftsdozent mit dem Schwerpunkt „Forschung und Fortbildung im Arbeitsfeld der Elementarpädagogik“. Grundlagenthemen sind: Professionalität und Kompetenzen elementarpädagogischer Fachkräfte, personenorientierte Qualität in elementarpädagogischen Einrichtungen auf der Grundlage humanistisch orientierter Werte, mögliche Deutungs- und Bedeutungshintergründe kindlicher Ausdrucksformen.

Armin Krenz hat Mitte der 80er Jahre den „Situationsorientierten Ansatz“ und Anfang 2000 das bekannte Evaluierungsverfahren „Kieler Instrumentarium für Elementarpädagogik und Leistungsqualität, K.I.E.L.“ entwickelt.

Aufbau und Inhalt

Das Buch beginnt im Vorwort mit Fragen, die der eigenen Selbstreflexion dienen, und die sich eine engagierte Erzieherin möglicherweise am Ende eines gelebten Arbeitstages vielleicht selbst stellen mag:

  • Ist es mir gelungen, das Selbstwertgefühl der Kinder zu stärken?
  • Konnte ich die wirklichen Anliegen der Kinder erspüren und erkennen?
  • Habe ich meine selbst gesetzten Ziele erreicht und entsprechen sie den Bedürfnissen der Kinder?
  • Welche Fähigkeiten müsste ich in der Zukunft vielleicht noch entwickeln, um mich noch erfüllter und zufriedener mit einer Arbeitssituation zu fühlen?

Schon an dieser Stelle wird deutlich, dieser Beruf ist kein Beruf zum „Ausruhen“, kein bequemer Nischenplatz, sondern erfordert laufende, selbstinitiierende Prozesse – nicht nur im Zusammenhang mit der Berufsrolle, sondern auch mit der eigenen Persönlichkeit samt ihren Schattenanteilen. Denn jede gute Pädagogik lehrt und begleitet aus der Person heraus. Es braucht also Selbst-bewusst-sein, die Entscheidung, einen respektvollen und wertorientierten Umgang mit den Kindern im Alltag zu pflegen und damit auch die Notwendigkeit, Professionalität und Identität ständig zu überprüfen, zu erweitern, zu verändern und weiter zu entwickeln.

Persönlichkeitsbildung als permanente Aufgabe der Erzieherin wandert auch erfreulicherweise als roter Faden in diesem Buch mit. Dies zeigt sich auch an den Überschriften mancher Kapitel, wie: „Professionalität und Identität“ oder „Das Berufsbild Erzieher/in: anspruchsvoll und ausdrucksstark“. Grundsätze werden formuliert:

  • Pädagogik verlangt das eigene Alltagshandeln an den eigenen Zielsetzungen selbst zu messen, gleichzeitig auch von außen messen zu lassen.
  • Pädagogik findet in einem dialektischen Spannungsfeld statt.
  • Pädagogik steht in vielfältigen Erwartungen.
  • Pädagogik ist eine innen- und außenorientierte Arbeit.
  • Pädagogik verlangt Konfliktfähigkeit und kritisches Sachhandeln.

Erzieherinnen sind primär Bündnispartner der Kinder; sie haben die seelisch-körperlichen Grundbedürfnisse, den Lernhunger, die Suche nach Sinnhaftigkeit und Weltverstehen wie auch die aktuellen Interessenlagen der Kinder im Blick.

Jede Kita braucht eine gemeinsam gewachsene geistige und pädagogische Grundhaltung, also erfordert dies von einem Team auch, in ständigen Aushandels- und Austauschprozessen zu stehen und immer wieder neu aktuell Situations- und Grundklärung zu betreiben. Daneben will sich der Hauptstrom der erarbeiteten Grundlagen auch nach außen sichtbar machen, den Eltern, der Öffentlichkeit wie auch Interessierten. Das gelingt am besten im Rahmen einer gemeinsam erarbeiteten und verschriftlichen Konzeption. Darauf sollte sich auch ein ureigenes Interesse aufbauen, Öffentlichkeitsarbeit aktiv zu betreiben, die eigenen Werte und Erkenntnisse nach außen zu tragen, gesellschaftspolitische Engstellen auch als Sprachrohr der Kinder aufzuzeigen usw.

Des Weiteren beschreibt das Grundlagenbuch Bildung, Erziehung und Betreuung als einen werteorientierten Selbstbildungsprozess von Kindern in der Kita. Dabei spielt die Tiefe der Erlebnisqualität für das Kind eine Rolle, die Frage nach der Sinnhaftigkeit möchte sich ebenfalls beantworten, ebenso wie die Sehnsucht nach Glückserfahrungen immer wieder auch Erfüllung braucht.

Eigenständige Welterfahrung begleiten und unterstützen, Selbstbildung anregen, Partizipation, Autonomie, Selbstwirksamkeit erfahren helfen, sind für Armin Krenz wichtige Grundpfeiler gelungener Pädagogik. Um das zu realisieren braucht es begleitende Menschen, die für Verlässlichkeit und Vertrauen stehen und Bindungswünsche nicht abwehren müssen. Bildung ist und bleibt dabei eine selbstverantwortliche Aufgabe.

Respektvolle Umgangskultur und Respekt vor dem gesellschaftlich gewünschten Wertepluralismus, der sich aber nicht in Beliebigkeit verlieren darf, sind weitere wichtige Grundwurzeln einer geistigen Begleithaltung. Nur auf einem starken Wurzelwerk, das auf bewusst gewählten Werten fußt, kann Starkes und Gesundes wachsen. Es geht also darum, Kinder als Selbstbildungssubjekte zu begreifen und ernst zu nehmen. Bildung ist Bindungserleben! „Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben“, ein Zitat von Friedrich von Humboldt, das Armin Krenz einfließen lässt.

Hier werden Qualitätsstandards formuliert und zeitgleich danach gefragt, wie die Ausbildung von Erziehern/innen angelegt werden müsste, damit sich das für den Beruf notwendige Rüstzeug auch während der Ausbildung erzeugen kann. Welche Lernräume sollten initiiert werden? Verschulte und überformend bildende Unterrichtsformen sollten ersetzt werden durch aktiv beteiligtes, forschendes und prozessorientiertes Lernen. Persönlichkeitsbildung sollte im Zentrum allen Bildens stehen. Denn wer sich selbst bilden und entwickeln kann, kann diese Begleithilfe auch anderen anbieten und sie dabei unterstützen, sich einen Raum zu kreieren, im Innen wie im Außen, den es braucht, um fruchtbare Weiterentwicklungsbewegung zu erzeugen und zu ermöglichen.

Nicht zuletzt wird die Weiterbildung als stärkende und anregende Begleithilfe benannt, weil sie uns kompetenter macht, unser Alltagshandeln vertiefen und ausdifferenzieren hilft, weil sie uns neue Sichtweisen eröffnet und uns notwendige Kompetenzen erschließen hilft. Gleichzeitig dient sie der eigenen Selbstfürsorge und Psychohygiene.

Am Ende des praxisnahen Standardwerkes öffnet Armin Krenz sehr einfühlsam und nachvollziehbar das große Feld der Kommunikation, zeigt wie aktive Prozessgestaltung in Beziehung aussehen kann, welche Begleithilfen es gibt, wie auch das „Zugang suchen“ zu den subjektiven Bedeutungsgebungen der uns anvertrauten Kinder und ihren Eltern gelingen kann und damit eine Basis entsteht, sich miteinander weiter zu entwickeln. Kommunikation ist das Schmiermittel für reibungsarme Begegnungen, die weiter führen.

Diskussion

Das Buch ruft durch seine klare Linie, die sich allerdings eher räumlich denn linear aufstellt zur eigenen Werteauseinandersetzung auf und lädt zur eigenen Orientierungs- und Sinnfindung ein. Es malt notwendige Eckpfeiler der Elementarpädagogik aus und will zur Selbstauseinandersetzung oder auch zur Auseinandersetzung im Team anregen und Stoff bieten. Das Buch fußt auf den unterschiedlichsten wissenschaftlich erforschten Theorien und präsentiert sich doch in einer leicht zu verstehenden und flüssig geschriebenen Sprache, was das Lesen freundlicher macht und so aus sich selbst heraus den Praxisbezug herstellt

Fazit

Dieses Buch stellt in anschaulicher und kompakter Weise wichtige Grundlagenfragen dar, gibt mögliche Antworten darauf, die sich aus langjährigem Erfahrungswissen speisen oder ermöglicht dem Leser/ der Leserin eine Verdichtung der eigenen Reflexionsräume.

Darüber hinaus weckt das Buch Freude und Neugierde, macht Lust auf Entwicklung und sät gleichzeitig Vertrauen, dass das alles machbar ist, wenn wir uns wahrhaftig in die Aufgaben dieses Berufes stellen.


Rezensent
Joachim Armbrust
Praxis für Psychotherapie, Paartherapie, Supervision, Coaching, Mediation und Prozessgestaltung und Initiator des Institutes Punkt-Genau-Seminare, selbst Autor etlicher Bücher
Homepage www.Punkt-Genau-Seminare.de
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Zitiervorschlag
Joachim Armbrust. Rezension vom 19.05.2016 zu: Armin Krenz: Grundlagen der Elementarpädagogik. Unverzichtbare Eckwerte für eine professionelle gestaltete Frühpädagogik. Burckhardthaus Laetare Körner Medien UG (München) 2014. ISBN 978-3-944548-03-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20823.php, Datum des Zugriffs 17.10.2018.


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