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Volker Heyse, John Erpenbeck u.a. (Hrsg.): Kompetenzen erkennen, bilanzieren, entwickeln

Rezensiert von Dr. Winfried Leisgang, 14.12.2004

Cover Volker Heyse, John Erpenbeck u.a. (Hrsg.): Kompetenzen erkennen, bilanzieren, entwickeln ISBN 978-3-8309-1430-3

Volker Heyse, John Erpenbeck, Horst Max (Hrsg.): Kompetenzen erkennen, bilanzieren, entwickeln. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2004. 154 Seiten. ISBN 978-3-8309-1430-3. 24,90 EUR.
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Einführung in die Thematik

Die Bedeutung von Kompetenzen im Arbeitsprozess nimmt stetig zu. Aus Sicht der Unternehmen, weil sie durch die Globalisierung zunehmend in wirtschaftliche Prozesse eingebunden sind, die sich mit bewährten Hierarchisierungen und Strukturen nicht mehr befriedigend bewältigen lassen. Die Arbeitnehmer sind gezwungen über Ihre berufliche Qualifikation hinaus Kompetenzen zu entwickeln, die sie in komplexen Situationen willentlich frei und selbstorganisiert handeln lässt.

Vor fünf Jahren wurde ein Verfahren zur Kompetenzdiagnostik und -entwicklung (KODE® und KODE® X) erarbeitet und eingeführt, das es ermöglicht, berufliche Handlungskompetenzen zu diagnostizieren und zu bilanzieren. Der vorliegende Band will erste Ergebnisse einsammeln und Erfahrungsberichte aus unterschiedlichen Einsatzfeldern vorstellen.

Die Autoren

Prof. Dr. Volker Heyse ist Geschäftsführer von TfP, ACT und CeKom Deutschland und Gründungsrektor der FHM Bielefeld, Prof. Dr. John Erpenbeck ist Bereichsleiter der Grundlagenforschung im Qualifikations-Entwicklungs-Management (QUEM) der Arbeitsgemeinschaft für Betriebliche Weiterbildungsforschung (ABWF) in Berlin. Beide haben zum Thema Kompetenz bereits eine lange Liste von Veröffentlichungen vorzuweisen (siehe auch die Rezension zum Buch "Kompetenztraining" im Fundus der socialnet-Rezensionen).

Zielgruppe

Angesprochen werden Leserinnen und Leser, die ein Interesse daran haben, Kompetenzmessung und Kompetenzentwicklung im Unternehmen einzuführen und die sich einen Überblick über Praxiserfahrungen im Hinblick auf die Methode von KODE® und KODE® X verschaffen wollen sowie Trainerinnen und Trainer von KODE® und KODE® X, die anhand der Beispiele ihr eigenes Handeln reflektieren wollen.

Aufbau und Inhalt

Alle Beiträge des Buches stammen von ausgebildeten KODE® und KODE® X-Trainern und sind Erfahrungsberichte aus unterschiedlichen Anwendungsbereichen. Die Systematik des Aufbaus des Buches lässt vier Gruppen von Beiträgen ausmachen:

Die erste Gruppe befasst sich mit der betrieblichen Kompetenzdiagnostik und -entwicklung:

  • Schäffner verwendet KODE® als Instrument und Konzept für ein differenziertes Coaching, wobei es als Ausgangspunkt für zukünftige Zielsetzungen dient.
  • Kreuser beschreibt einen konfliktbehafteten Rollenwandel bei Beschäftigten in der öffentlichen Bauverwaltung.
  • Feninger widmet sich dem Zusammenspiel zwischen systematischer Kompetenzanforderungs-Analysen und Qualifikation im Bereich Kompetenzen anhand der Arbeitsfelder Projektmanagement und Vertrieb.
  • Skodzek stellt am Beispiel eines Pharmaunternehmens eine begleitete Selbstentwicklung von Führungskräften dar.
  • Böhm geht der Frage nach, welche Kompetenzen bei Gründern und Geschäftsführern junger Unternehmen gefordert werden.
  • Brodbeck und Maaß berichten von einer Bank, die die Kompetenzanalyse bei der Kreditvergabe an Unternehmen mit einsetzt.

Die zweite Gruppe beschreibt Erfahrungen mit der Kompetenzdiagnostik und -entwicklung an Hochschulen:

  • Brezowar schildert ihre Erfahrungen beim Einsatz solcher Verfahren im Auswahlverfahren für Studienbewerber und bei der Begleitung der Studierenden.
  • Merk/Rempe/Niemeier stellen am Beispiel der vierjährigen Entwicklung der Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) Bielefeld dar, wie von Anbeginn der Hochschulearbeit eine konsequente Kompetenzausrichtung verfolgt wurde.
  • Meynhardt beschreibt den Einsatz von KODE® bei der Förderung von Top Studenten in der Schweiz.

Die dritte Gruppe zeigt erweiterte Einsatzfelder der kompetenzdiagnostischen Verfahren auf:

  • Panzer/Sendler nutzen KODE® bei Arbeitssuchenden, um ihre Chancen am Arbeitsmarkt zu erhöhen.
  • Dolenschall bearbeitet mit Hilfe der Kompetenzdiagnostik Berufskonflikte auf der Grundlage eines psychosomatischen Berufstherapiekonzeptes in einer Klinik.
  • Heyse/Linke stellen ein Konzept für das Erkennen, Fördern und Begleiten von Kompetenzentwicklungen (Zertifizierungsagenturen für Kompetenz) vor.
  • Buhr/Orthmann führen in PC-Programme zur Kompetenzdiagnostik ein.

Im vierten Abschnitt werden methodenkritische Positionsbestimmungen und Vergleiche vorgenommen:

  • Erpenbeck setzt sich mit forschungsrelevanten Fragen der Kompetenzdiagnostik auseinander.
  • Schwarz untersucht KODE® als psychometrisches Verfahren und gibt Anregungen für eine Präzisierung der Items.
  • Peters/Glasmacher verweisen auf ihre Erfahrungen bei der Kombination verschiedener diagnostischer Verfahren im Rahmen von Potenzialanalysen im Genossenschaftsverbund.

Diskussion und Bewertung

Die einzelnen Artikel sind sowohl hinsichtlich Struktur und Inhalt sehr heterogen. Sie spiegeln unterschiedlichste Erfahrungen mit dem Kompetenzmodul in verschiedensten Einsatzfeldern wider. Leider fehlt für den Leser, der sich der Kompetenzdiskussion im beruflichen Alltag erst annähert eine prinzipielle Einführung in die Systematik von KODE® und KODE® X und dem zu Grunde liegenden Kompetenzverständnis. Die im Vorwort aufgeführte Liste der Veröffentlichungen der Herausgeber zum Thema Kompetenz schaffte keine Abhilfe. Ohne Kenntnis der Grundlagen aus den letzten beiden Werken von Erpenbeck und Heyse (Kompetenzmessung und Kompetenztraining) ist der Materie des vorgelegten Werkes aber nur schwer zu folgen.

Viele Praxisbeispiele lassen sich daher schwer einschätzen und die in den Artikeln zum Teil nur angedeuteten Inhalte dieses Diagnose- und Entwicklungsinstrumentes kaum systematisch einordnen. Damit kommt aber der Großteil der Diskussionsbeiträge über eine "Nabelschau" der beteiligten Trainer nicht hinaus und für den Leser verfestigt sich der Eindruck, hier wird innerhalb eines geschlossenen Zirkels diskutiert. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass auch keine Autorenprofile zu finden sind, die die Autoren wenigsten kurz vorstellt und dass kaum auf Literatur hingewiesen wird.

Unangenehm fällt der Artikel von Skodzek auf, der den eingeräumten Platz dafür nutzt, auf einer halben Seite die bedauernswerte Situation der Pharmaindustrie in der Bundesrepublik zu beklagen.

Sehr positiv zu bewerten ist dagegen der Artikel von Erpenbeck, der KODE® mit anderen Kompetenzmessverfahren vergleicht und eine forschungsrelevante Diskussion hinsichtlich der Validität von qualitativen Kompetenzerhebungen führt. Gleiches gilt auch für den Beitrag von Schwarz, der sich fundiert mit der Frage nach Reliabilität und Validität von KODE® auseinandersetzt.

Fazit

Wer sich einen Überblick über KODE® und KODE® X verschaffen will, ist mit dem Buch "Kompetenztraining" von Erpenbeck und Heyse besser bedient, denn da erhält er systematisch alle notwendigen Hintergrundinformationen. Im vorliegenden Werk ist das leider nicht der Fall. Es ist interessant für Leserinnen und Leser, die sich bereits vorher über KODE® und KODE® X informiert haben. Aber auch dann bleiben viele Artikel doch eher skizzen- und lückenhaft mit eingeschränktem Informationswert.

Rezension von
Dr. Winfried Leisgang
Dipl. Soz.-Päd., Master of Social Work (M.S.W.)
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Es gibt 42 Rezensionen von Winfried Leisgang.

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Zitiervorschlag
Winfried Leisgang. Rezension vom 14.12.2004 zu: Volker Heyse, John Erpenbeck, Horst Max (Hrsg.): Kompetenzen erkennen, bilanzieren, entwickeln. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2004. ISBN 978-3-8309-1430-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2083.php, Datum des Zugriffs 16.05.2022.


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